I wish I could love you...

KurzgeschichteAllgemein / P12 Slash
H. G. Wells Myka Berring
30.03.2016
30.03.2016
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Hi Leute :)
Ich hab diesen OS von vor knapp einem Jahr entdeckt und endlich mal fertiggestellt.
Und ja, ich liebe dieses Pairing, weil sie so gut zusammenpassen und ich der Meinung bin, dass sie ein größeres Fandom verdient haben, also ja :D
Ich hoffe, es gefällt euch und sorry, dass es so lang ist.
Lasst doch eine Review da, bitte ~
Vivi :)
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Zuerst nahm ich es gar nicht wahr. Ich dachte nur, dass ich mich nicht bewegen konnte.
Die Möglichkeit, dass ich im Koma lag gab es ja auch. Nur, dass ich nichts hörte.
Vielleicht stand ich auch unter dem Einfluss eines Artefakts oder war wieder bronziert worden. Ich wusste nur, dass ich noch lebte. Ich musste noch leben. Irgendwie. Denn sonst hätte ich längst kein Bewusstsein mehr.

Auf jeden Fall konnte ich nichts sehen. Ich wusste auch nicht, wo ich war. Es war dunkel. Es war nichts da. Absolut nichts.
Ich merkte, wie sich meine Brust hob und senkte. Ich hörte meinen Atem. Wenn ich atmete, musste ich irgendwo sein, wo es Sauerstoff gab. Oder atmete ich nur, weil ich es sonst auch immer tat? Probeweise hielt ich die Luft an. 10 Sekunden, 20 Sekunden, gefühlte Stunden, bis mir wieder einfiel, dass das hier ein Experiment war. Also war ich gar nicht wirklich hier. Mein Körper musste wo anders sein, von meinem Bewusstsein getrennt.

Was tat ich hier eigentlich? Es war doch klar, dass die Räte mich nach der Sache in Yellowstone irgendwie bestrafen mussten, aber das war die Hölle.
Nachdem ich mir bewusst gemacht hatte, dass ich noch irgendwie existieren musste, verging die Zeit langsam. Furchtbar langsam. Ich hatte kein Zeitgefühl mehr, was in meiner Lage wohl auch recht normal war.
Es dauerte. Es verging Zeit. Manchmal verlor ich mein Bewusstsein, als ob ich im Traumland schlafen würde.

Ich versuchte, mich zu erinnern, was zuletzt passiert war. Ich dachte an den minoischen Dreizack, an Christina, an Claudia, Pete und Artie. Und an Myka. An ihren Blick. Wie sie mich angesehen hatte.
Es brachte mein Herz jetzt noch zum zerspringen. Ihr Blick. Nur wegen ihr war ich jetzt in dieser Lage! Und zu meiner eigenen Überraschung war ich ihr dankbar, dafür. Für den ganzen Schmerz, den ich deshalb hatte, aber die Welt existierte noch. Zum Glück!

Ich war froh, dass sie mich aufgehalten hatte. Es machte mich glücklich.
Wieso? Die Welt war zu einem schrecklichen Ort geworden und ich hätte tatsächlich was dagegen unternehmen können.
Aber dann wäre es jetzt vorbei. Es wäre zu Ende. Es wäre einfach alles vorbei. Zum Glück war es nicht so. Danke, Myka! Du hast mich gerettet.

Ja, es stimmte, ich war mit der Zeit verrückt geworden. Aber verrückt zu sein ist nichts, worauf ich stolz bin. Es war schrecklich. Früher, in London, da sagte mein Bruder es mir zum ersten Mal. "Du bist verrückt." Damals waren es nur leere Worte, ohne Bedeutung, weil er mir nichts mehr bedeutete. All die Männer, die mich als verrückt bezeichnet hatten, sie hatten keine Ahnung.
Es war normal gewesen, dass Frauen so einen geringen Stand hatten. Ich war es gewöhnt. Ich kannte es nicht anders.
Aber dann entdeckte ich das Warehouse. Oder nein, es war umgekehrt. Das Warehouse entdeckte mich. Und ab da wusste ich, dass ich nicht verrückt war. Denn, es gab noch viel mehr andere Dinge, die anormal waren. Und irgendwann schaltete sich auch meine Denkweise um: Ich war nicht verrückt, so wie all diese Sachen. Die Anderen waren verrückt. So waren Menschen, die keinen erweiterten Horizont haben wollten. Die ihn abstießen.

Ich bekam Christina und war glücklich, weil mich die Anderen alle nicht mehr interessierten. Was sie über mich dachten, machte mir nichts mehr aus. Bis ... ja, bis Christina gestorben war und ich sie nicht mehr zurück holen konnte.
Ich schnappte über. Ich drehte mich die ganze Zeit nur im Kreis, aber sie kam nicht zurück.

Womöglich wäre es einfach besser gewesen, ich hätte es einfach eingesehen.
Aber eine Mutter sieht nicht einfach ein, dass ihr Kind stirbt.

Ich habe wirklich viele schlimme Dinge getan.
Wieso war ich so geworden? Es war schrecklich. Ich war schrecklich. Schrecklich kaputt.
Wieso merkte man immer erst nachher, dass man einen Fehler gemacht hatte? Dann, wenn es zu spät war, es noch grade zu biegen?
Das Leben ist unfair. Ungerecht und scheußlich.
Aber es war nun mal so passiert und weil ich jetzt eh nichts mehr ändern konnte, musste ich damit leben.

Und so wartete ich. Auf den Tag, an dem ich Gewissheit bekam. Oder starb. Das blieb offen.

Diese Hölle war einfach nur schrecklich. Ich war eingesperrt, nahm nichts wahr und hatte keine Ahnung, was passiert war. Es war so widerlich, hier zu sein und in diesem endlosen Moment hätte ich echt viel dafür gegeben, zu sterben. Aber ich starb nicht. Ich lag einfach nur da und hatte seelische Schmerzen. Es tat so weh, nachzudenken, aber ich konnte nicht damit aufhören. Denn ich dachte  die ganze Zeit nur an Mykas Gesicht. Daran, wie sie mich angesehen hatte.
Ihre Augen waren so voller unendlicher Trauer gewesen. Ihre Augen ...

In diesem einen, entschiedenen Moment hatten sie mich gerettet.

Verrückt sein ist nicht schön. Und ich war wirklich verrückt.
Ich hatte den Rat damals gebeten, mich zu bronzieren, aber nur zu meiner eigenen Sicherheit. Weil ich mir selbst, in meinen schwachen Momenten, gefährlich vorkam. Aber Myka hatte irgendwie gemacht, dass es aufhörte.

Als ich sie das erste Mal sah, da war es schon so. Sie wusste was sie tat und hatte unglaublich viel Selbstbewusstsein. Ich sah, dass sie eigentlich das genaue Gegenteil von mir war, der Unbeholfenen, Verrückten.
Ich redete mir zwar ein, dass ich zurück zum Warehouse wollte, um die Welt zu zerstören, aber eigentlich wollte ich bei Myka sein. Denn, sie schaffte es irgendwie, meine verdrehte und rissige Seele wieder zusammen zu machen. Sie heilte mich keines Weges, aber ich fühlte mich bei ihr gesünder. So, als ob ein Teil von ihr auf mich überging und mir half, ganz zu bleiben.
Deshalb versuchte ich, immer in ihrer Nähe zu bleiben. Und deswegen war sie die Einzige, die mich hätte aufhalten können.

Myka ... Myka! Wo war sie jetzt? Was dachte sie? Lebte sie noch? Was sollte ich jetzt ohne sie machen? Ich war allein doch total hilflos! Was sollte ich machen? Ich war allein! Ich will nicht! Ich habe Angst vor der Einsamkeit. Sie macht mich wieder verrückt. Und diesmal war ich mir nicht sicher, ob ich es überleben würde.
Ich meine, was sollte ich denn jetzt machen? Ich war allein. Ganz allein. Ich hatte so viel Angst. Ich zerbrach fast daran. Wieso kam denn keiner, um mir zu helfen? Sah man nicht, dass ich Hilfe brauchte? Ich habe Angst! Ich will nicht allein sein. Hilf mir doch jemand. Bitte ... Bitte!! Wieso half mir niemand? Ich zerbreche doch! Bitte, hilf mir doch jemand! Ich habe Angst! Es ist einsam hier. Hilfe!! Rette mich! Bitte. Es ist so einsam, ich gehe vor Angst sonst kaputt. Bitte!! Myka, hilf mir!!!

Eine Träne rollte meine Wange hinab. Es tat so unfassbar weh. Es war, als würde ich verbluten.
Hilfe ... Hilfe ...



***



Als es plötzlich hell wurde, war es ein Schock. Ich schrie.
Meine Stimme war so laut, dass es klirrte. Sie tat in meinen Ohren weh und vor Erschöpfung sank ich auf die Knie.

Der Schrei war lang. Kein Wunder, wenn sich so viel Schmerz, Einsamkeit und Angst angestaut hatte. Er hörte nicht auf. Es tat so weh. Es ... tat so weh. Das war unmenschlich. Es war einfach nicht normal. Dieser Schmerz ...

Als schließlich etwas zerbrach, zuckte ich vor Schreck zusammen. Mein Schrei versiegte.
Es war vorbei.

Tränen standen in meinen Augen.
Atemlos sah ich auf den Boden.
Moment ... Auf den Boden!! Ich konnte sehen! Ich sah den Boden! Es war hell!

Ruckartig hob ich meinen Kopf und es verschlug mir die Sprache.
Vor mir stand Mrs. Frederic.
Mir wurde schlecht. Heftig atmend sah ich sie an. Eins ihrer Brillengläser war zersprungen, aber sie sah trotzdem unglaublich beeindruckend aus. So ... wie das Warehouse.
Der Vergleich war jetzt nicht so unheimlich beeindruckend, aber es war das erste, was mir in dem Moment einfiel.

Sie zog eine Augenbraue hoch.
Ich zitterte.

"Und, Mrs. Wells, wie fühlen Sie sich?"
Ihre Stimme war kalt, gleichgültig, hart. So, wie immer. Und in dem Moment musste ich einfach weinen. Es tat so gut, wieder eine bekannte Stimme zu hören. So gut, selbst wenn es die von Mrs. Frederic war.

"Danke", hauchte ich. "Danke."

Ihr Blick wurde etwas weicher, was ich von ihr so gar nicht erwartet hätte, weil sie war, wie das Warehouse. Sie schien mich zu bemitleiden, aber durch die Tränen konnte ich es nicht so gut erkennen.

"Vielleicht war es doch nicht die humanste Lösung, Sie hier drin einzusperren. Aber Sie werden ab jetzt öfter mal raus kommen, hoffentlich. Sie werden sich fragen, warum Sie hier sind. Wir brauchen Ihre Hilfe."

Ich wischte mir mit dem Ärmel über die Augen und fragte: "U-- und wofür?"
Innerlich zitterte ich noch immer.

"Sie erinnern sich an Agent Berring?"
Ich zuckte bei der Erwähnung von Mykas Namen zusammen.
Okay. Ganz ruhig. Das würde ich jetzt schaffen. Es war nur ein Name.

Verzweifelt nickte ich, keine Ahnung, wie ich das hinbekam.
"Ich sollte wohl eher sagen Ex-Agent Berring."
"Was?", schrie ich und es war mir egal. Die Tränen kamen wieder in mir hoch. Ex?

Die Frau nickte. Sie war doch nicht ... tot?

Atemlos sah ich sie an. Myka konnte nicht tot sein. Sie war doch viel zu stark dafür, also warum Ex? Warum? Sie war doch mein Leben. Ich liebte sie doch!!
Tränen rollten über meine Wangen.

"Was ... ist hier eigentlich passiert?"
Mrs. Frederic seufzte. Zumindest deutete sie es an. Dann zeigte sie auf eine schwarze Kugel in ihren Händen und antwortete, was ich eigentlich nicht erwartet hatte, da sie so eine Geheimniskrämerin war: "Sie hat den Dienst quittiert."

Stille. Langanhaltende Stille.

"Nachdem Sie fast die ganze Welt zerstört hätten, hatte Ex-Agent Berring sich dafür verantwortlich gemacht. Weil sie Ihnen vertraut hat. Ex-Agent Berring war die Einzige von uns, die unbedingt wollte, dass Sie wieder eingestellt werden. Zwar haben wir alle einen Fehler gemacht, Ihnen zu vertrauen, aber sie hatte es sich am meisten zu Herzen genommen und ist gegangen.
Ich habe natürlich versucht, sie zurück zu holen, aber sie hört nicht auf mich. Dafür brachen wir Sie. Sie müssen Berring klar machen, dass man sich irren kann.
Ach ja, und denken Sie gar nicht erst an Flucht. Sie sind lediglich ein Hologramm, dass wir mit Hilfe dieser Kugel herbeirufen können. Nicht mehr, als ein Gedanke."

Ich war sprachlos. Das kam nicht oft vor, aber ich war sprachlos.
Wenigstens hatten die Tränen aufgehört. Und auch mein Atem beruhigte sich.
Myka war nicht tot. Sie lebte noch. Ein Glück!! Sie lebte noch.

Es war anstrengend, aber ich stand auf, schwang meinen Kopf ein wenig und lächelte leicht.
"Und was muss ich tun?"

Mrs. Frederic lächelte zurück. Ohne die Mundwinkel anzuheben. Es war mir ein Rätsel, wie sie das immer schaffte.

"Ich sage das nicht gerne, aber Sie können sehr überzeugend sein."



***



So ungefähr war das. Und dann musste ich wieder zurück, in die Hölle.
Aber die seelischen Qualen waren diesmal nicht so schlimm, denn ich konnte mich die ganze Zeit freuen. Auf Myka. Darauf, sie wieder zu sehen. Ich liebte sie wirklich. Verrückt.

Aber wenn ich sie wieder sah, musste ich meine Gefühle weg sperren. Sie durfte es nicht merken. Niemand durfte es merken. Ich musste wieder stark sein. Oder so tun. Wie früher. Kein großer Unterschied.



***



Die nächste Erinnerung draußen war Myka. Aber ich war stark. Außen aus Stein, innen aus Glas. Das ging schon. Einfach die Gefühle verdrängen. Das würde ich doch noch schaffen. Bitte.

Und zu meiner Überraschung schaffte ich es sogar, ganz ruhig "Hallo, Myka." zu sagen.

Sie sah mich erschrocken an. Die Abscheu in ihren Augen brach mir das Herz. Aber das war egal. Es war nur mein Herz. Nur ich. Nichts besonderes.

"W-- w-- was, wie . . .? Mrs. Frederic, warum ist diese Frau hier?!", fragte Myka verständnislos.

Schwindel stieg in mir auf, aber ich unterdrückte ihn. Okay, alles gut. Ruhig atmen.

Im Gegensatz zu mir war Mrs. Frederic die Ruhe in Person, was sie allerdings immer war, weshalb dieser Vergleich jetzt vielleicht nicht so bedeutungsvoll ist, wie er hätte sein sollen.

"Sie ist ungefährlich. Sie kann hier nichts tun, Myka. Vertrauen Sie mir", sagte sie bestimmt. Und dann tat sie das, was mir am meisten Angst machte:
"Ich lasse sie allein."
Und dann verschwand sie einfach.

Am liebsten hätte ich Myka umarmt, sie geküsst, ihr gesagt, wie sehr ich sie liebte, ihr mein ganzes Herz ausgeschüttet. Aber stattdessen lächelte ich nur schwach.

Myka sah weg. Tränen traten in meine Augen. Da ich es nicht direkt fühlte, wusste ich es natürlich auch nicht, aber mir war zum heulen zu Mute.
Ich liebte sie. Und daran konnte ich nichts ändern. Umso mehr tat es weh, dass sie mich hasste. Ich konnte es nur allzu gut nachvollziehen, aber an dem Schmerz konnte ich trotzdem nichts ändern. Es tat so weh.

Ich riss mich zusammen und holte Luft. Ich musste Myka zum Warehouse zurück bringen. Ich konnte nicht auch noch zulassen, dass sie das wegen mir aufgab. Dass sie ihr Glück wegen mir einfach vorbeiziehen ließ. Denn, sie gehörte ins Warehouse. Das war ihr Platz.

"Myka...", begann ich und machte einen Schritt auf sie zu, um mir ein wenig Zeit zu verschaffen, um nach Worten zu suchen, die ich schließlich fand.
"Du hasst mich für meine Tat. Du hasst das Warehouse für das, was es dir angetan hat", redete ich weiter und der Schmerz bohrte sich tiefer in mein Herz. Sie hasste mich. Es war nicht das Warehouse, was sie hasste. Es war nur ich, die sie hasste und das war mir mehr als klar.

"Nein", sagte Myka bestimmt und schüttelte den Kopf. Verwirrt sah ich sie an. Und ich sah die Tränen in ihren Augen, was mich umso mehr vor Schuldgefühlen büßen ließ. Sie hasste mich.

"Nein, das ist nicht wahr", fuhr sie fort und sah mich hart an. Ich wollte das nicht.

"Wir sind Freundinnen geworden, weil wir uns in vielem ähnlich sind", sagte ich schnell und machte noch einen Schritt auf sie zu. Und diese Aussage war gar nicht so falsch. Wir waren doch Freunde.

Eine Weile lang schwieg Myka und sah aus, als würde sie das von eben verneinen wollen.
Aber stattdessen sagte sie: "Tja, vielleicht, aber ... ich hab weder die Welt zerstören wollen, noch die Menschheit vernichten." Damit traf sie meinen wunden Punkt. Ich wollte das nicht. Seit ich sie kannte, wollte ich es auch nicht mehr. Aber es war so viel Vorbereitung und ... ich wollte es einfach nicht loslassen.

"Ich bin ganz sicher nicht stolz darauf", sagte ich und meinte es auch so. Aber bevor ich mich hier rechtfertigte, was eh nichts bringen würde, erinnerte ich mich an meine Aufgabe. Myka musste zurück ins Warehouse. Daran musste ich mich festhalten!

"Aber deswegen verlässt du das Warehouse?", fragte ich verständnislos, obwohl ich es sehr gut verstehen konnte. Teilweise.

Schnell schüttelte Myka den Kopf, wirkte aber unsicher. Gut. Sie würde zurück zum Warehouse gehen! Ich konnte das!

"Als ich vor 100 Jahren bronziert wurde, war ich voll Hass", versuchte ich es, weil ich wusste, wenn der Helfer (in diesem Falle ich) auch etwas ähnliches, schlimmes erlebt hatte, dann fiel es dem Anderen leichter, die Worte zu glauben.

"Er wuchs in mir, wie ein Geschwür. Ich dachte nur an das, was ich verloren hatte, was das Warehouse mir genommen und was es aus mir gemacht hatte."

In Mykas Gesicht sah ich, dass sie mich verstand. Obwohl es bei ihr nicht das Warehouse, sondern ich gewesen war.

"Pass auf, Myka. Hass verwandelt sich leicht in Angst. Wende dich nicht von deiner Wahrheit ab."
Damit hatte ich sie, oder? Ich sah, wie Myka fast weinte. Und ich wollte sie trösten, aber ich konnte nicht und ich durfte nicht. Sie war eine starke Frau, da musste sie alleine durch. Leider.

"Deswegen bist du hier?", fragte sie, mit leicht tränenerstickter Stimme. Es tat beim zuhören so weh, dass ich fast sicher war, ich würde auch gleich weinen müssen. Ich wusste, dass sie etwas wie eine persönliche Entschuldigung verlangte und vielleicht enttäuscht war, weil es für sie so aussehen musste, als würde ich das nur für das Warehouse machen. Und ich wollte mich wirklich entschuldigen, aber mir war gleichzeitig klar, dass Mrs. Frederic hier irgendwo sein musste und uns beobachten konnte.

"Ich bin gar nicht wirklich anwesend", sagte ich also nur, um etwas abzulenken. Ich lachte, um die verdammten anderen Gefühle verschwinden zu lassen.
Myka wirkte kurz entsetzt und dann ein wenig verstört. Sie schien nicht gleich zu verstehen. Ich wurde still, da ich auch nichts mehr zu sagen hatte. Ich wartete einfach, bis sie meine Worte verstand.

Myka sah mich an, wirkte ängstlich. Dann löste sie ihre Arme langsam aus der Verschränkung, streckte eine Hand vorsichtig aus und ließ sie durch meinen Körper gleiten.
Ich schnappte nach Luft, als mein Hologramm nachließ und ich durchsichtig wurde.

Myka wirkte irgendwie verzweifelt, obwohl ich mir den Grund nicht ganz erklären konnte, und streifte nochmal mit der Hand durch meinen Körper, vielleicht um eine Bestätigung zu erhalten, dass das eben wirklich passiert war.
Meine Mundwinkel hoben sich, aber es war ein falsches Lächeln und ich fühlte mich bitter elend. Es war schlimm, ihr nichts zu bedeuten. Aber wenn ich ihr tatsächlich was bedeutete, machte das alles nur noch schlimmer. Weil, ich konnte ja nichts anderes, als sie zu enttäuschen.

Myka sah ein bisschen ängstlich aus. "Also bist du so eine Art holographische Projektion oder ...?", begann sie ihre Frage, aber ich schnitt ihr das Wort ab, ich wollte nicht auch noch von ihr hören, dass ich gar nicht existierte. "Ich", begann ich und lachte, um nicht zu weinen, weil das in meinem Kopf selbst schon ziemlich krass schmerzte, "werde fest gehalten. Ich weiß nicht, wo oder wie."

Ich brach fast in Tränen aus, meine Stimme war brüchig, aber ich durfte nicht nachgeben.
"Die können anscheinend mein... Bewusstsein übertragen." Ich versuchte, mich abzulenken, indem ich falsch lächelte und anderen Gedanken nachging. "Das wäre mir gern eingefallen", sagte ich gespielt bedauernd.

Auf Mykas so schönem Gesicht breitete sich kurz ein Lächeln aus, wich dann aber wieder der Trauer in ihren Augen.
Das hier führte zu nichts. Ich hatte eine verdammte Aufgabe und war nicht echt hier. Leider.
Schnell verdrängte ich die Möglichkeiten, die ich hätte, hier allein mit ihr, und kam wieder aufs Warehouse zurück.

"Bitte denk über meine Worte nach", sagte ich und sah ihr von einem Auge ins andere, wobei mir einfach nur zum heulen zu Mute war. Ich wollte sie küssen. Ich wollte sie verdammt nochmal glücklich machen. Wieso hatten wir so eine seltsame Beziehung? Und wieso hatte ich keinen Körper? Es ließ mich zerbrechen.

Myka öffnete den Mund und ich wusste, dass sie mir jetzt etwas bedeutendes sagen wollte, was für mich wichtig war, aber bevor sie zu Wort kam, wurde mein Sichtfeld langsam schwarz. Von außen fraß es sich in die Farben und Konturen. Nein! Ich wollte nicht! Ich wollte bei ihr bleiben! Für immer! Bitte für immer!

Das letzte, was ich sah war, wie sie mich erschrocken ansah und ich wusste, dass ich wieder in diese schwarze Kugel kam und Mrs. Frederic hinter mir stehen musste. Bevor ich mich versah, war alles wieder dunkel.

Nein! Ich wollte nicht! Nein! Ich wollte zurück! Ich wollte nicht mehr eingesperrt sein! Nein! Bitte! Ich ... ich liebte sie doch. Ich liebte sie über alles!
Ich schluchzte laut. Tränen strömten über meine Wangen. Ich wollte das nicht! Ich wollte zu Myka! Ich wollte zu ihr! Wieso hatten wir bloß so eine endlos komplizierte Beziehung zu einander? Ich wollte sie einfach nur lieben! Wieso war ich hier eingesperrt? Wieso? Das war alles scheiße. Ich wollte das nicht. War es zu viel verlangt, ein wenigstens halbwegs normales Leben zu wollen? Ich wollte das nicht! Es tat alles so unglaublich weh. Es tat so weh. Fast körperlich. Ich wollte das nicht. Ich wollte nicht wieder allein sein. Es war so schrecklich. Es tat so weh. So unendlich weh.

Myka ...
Ich liebe dich ...
Wirklich.



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