Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Mein turbulentes Leben

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
OC (Own Character) Ole Plogstedt
29.03.2016
20.09.2016
38
66.454
1
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
05.04.2016 1.828
 
Fünf Minuten später heulte ich wieder wie ein Schlosshund. Dieser Scheiss-Test war auch noch positiv! Anne kam angestürmt. „Positiv?“ Ich nickte, und hielt ihr stumm den Test hin. „Und du freust dich nicht wirklich, kann das sein?“ „Nein. Du weißt genau, dass ich nie Kinder wollte. Und Ole und ich sind ja erst seit knappen vier Wochen ein Paar. Er wird sich denken, dass ich ihm ein Kuckuckskind andrehen will!“ Ich war wirklich verzweifelt. Wie sollte es nun weitergehen?
Da klingelte mein Handy. „Werner?“ schniefte ich. „Achim hier.“ „Hi, wie komme ich zu der Ehre?“ „Du weißt doch, in zwei Wochen findet die ITB statt. Salih liegt allerdings mit einer Lungenentzündung flach. Kannst du für ihn einspringen, und mit mir unseren Stand betreuen?“ Meine Mine erhellte sich. „Total gerne!“ Achim lachte am anderen Ende erleichtert auf. „Prima, ich schicke dir alles Relevante per Mail!“ „Danke, ich freue mich darauf!“ Anne stutzte. „Mein alter Kollege Achim. Sie brauchen Unterstützung, die ich zugesagt habe.“ „Und der Umzug?“ „Ich pendle eh, da kommt es auf eine Woche mehr oder weniger nicht an“, entgegnete ich matt.
„Aber wie soll ich Ole das beibringen? Er wird nicht begeistert sein, und außerdem hat er drei erwachsene Töchter.“ Anne schloss mich fest in die Arme. „Jetzt essen wir erst mal, dann sehen wir weiter, hm?“ Ich nickte, und folgte ihr zurück zu den anderen.
Micha hatte mir schon eine Portion Nudeln aufgetan. „Komm schon, Missy. Du MUSST essen“, lockte er mich. Ich ließ mich zwischen ihn und Robin fallen. Nach dem ersten Bissen den ich genommen hatte, strahlte ich glücklich. „Da haben wir uns aber selbst übertroffen, Micha!“ Der Angesprochen zwinkerte mir zu. „Wir sind eben ein gutes Team!“ Wieder wallten Tränen in mir auf. „Herrje, ich bin aber auch eine Heulsuse heute!“ schniefte ich.
Als wir fertig waren, wandte ich mich an Ole. „Schatz, kann ich dich kurz unter vier Augen sprechen?“ Er nickte, und wir gingen auf den Balkon. Ich versuchte, ihn anzuschauen, aber es gelang mir nicht wirklich. „Es gibt da etwas, was du wissen solltest“, begann ich. Er zuckte zusammen. „Nein, ich will mich nicht von dir trennen, wenn das deine Befürchtung war. Zum ersten solltest du wissen, dass ich dich über alles liebe.“ Jetzt fand ich den Mut, ihn anzuschauen, und sah, dass seine Augen mich liebevoll anblickten, und er sanft lächelte. „Aber wir haben ein Problem. Anne hat mir gerade einen Schwangerschaftstest in die Hand gedrückt. Naja….er war positiv. Wenn du dich jetzt von mir trennen willst, oder nach der Schwangerschaft die Vaterschaft geklärt haben möchtest, verstehe ich das.“ „Halt die Klappe!“ knurrte er. Ich schaute ihn mit großen Augen an. „Ich will mich weder von dir trennen, noch zweifle ich die Vaterschaft an. So gut solltest du mich schon kennen.“ Seine Mine erhellte sich. „Ich werde wirklich nochmal Papa?“ Ich nickte. Er schloss mich fest in die Arme. „Wow! Das ist krass! Ich meine, natürlich freue ich mich! Oh mein Gott!“ stammelte er, bevor er mich innig küsste. „Mario und Ralf bringen mich um!“ jammerte ich. „Warum sollten wir?“ tönten die beiden da hinter uns. „Naja, ich bin schwanger!“ Ralf warf mich fast zu Boden vor Begeisterung. Mario wischte sich verdächtig in den Augenwinkeln herum. „Und warum sollten wir dich umbringen? Dann gehst du halt eine Weile in Mutterschutz?“ mömelte er. Er schob Ralf von mir, und umarmte mich seinerseits fest. Ralf klopfte Ole anerkennend auf die Schulter. „Glückwunsch!“ Danach stürmte er nach drin. „PARTY!“ verkündete er. Robin runzelte die Stirn. „Wieso?“ „Wir bekommen ein Z&Ko-Baby!“ Robin und Lea jubelten, Specki starrte wütend in unsere Richtung, und Micha grinste im Kreis.
Mein guter Freund stürmte auf mich zu. „Du bist schwanger, und das erfahren wir so nebenbei?“ „Florian!“ donnerte da seine Frau. „Pia weiß es selbst erst seit ein paar Minuten! Schrei sie nicht dauernd an!“ Er grinste. „Okay, dann sei dir verziehen, komm her!“ Er umarmte mich.
Am nächsten Tag führte unser aller Weg nach Hamburg. Neben der bestehenden Truppe waren auch Nils und Julia zum Helfen angerückt. Als Nils hörte, dass ich schwanger war, verbot er mir direkt jegliche Arbeiten. Julia lachte. „So war er auch als ich mit Etienne schwanger war. Zum Glück ist das jetzt anderthalb Jahre her.“ „Ihr habt ein Kind? Warum habt ihr ihn nicht mitgebracht?“ rügte ich Nils spielerisch. „Er kommt nachher. Er ist mit Oles Mädels im Zoo“, entgegnete der rotblonde mit einem Lächeln im Gesicht. „Das sagst du mir JETZT, dass deine Mädchen auch kommen!“ keifte ich Ole an. „Wassn?“ gab der nur trocken zurück. Ich sank verzweifelt zurück auf die Couch.
Da mir nach einer Weile aber langweilig war, huschte ich heimlich in die Küche. Ich kramte im Kühlschrank, und förderte eine Kuchenzutaten zu Tage. Als ich auch alle benötigten Geräte gefunden hatte, machte ich mich an die Arbeit. Ich wirbelte gutgelaunt durch den Raum und sang vor mich hin. Da stand Micha hinter mir. „Du singst ja ein Lied von uns?“ Ich nickte, und er forderte „Sing es von vorne, dann machen wir es gemeinsam!“ „Okay.“ Ich begann wieder, und so sangen wir zweistimmig, während ich den Kuchen in den Ofen schob. „Pia, ich habe eine Idee! Wie wäre es, wenn du auf unserem Konzert in Hamburg nächsten Monat mit uns auftrittst?“ Ich starrte ihn an, wie eine Kuh, wenn es donnert. „Wie bitte? Dein Ernst?“ „Aber sowas von. Ich maile dir dann die Lieder, die du einstudieren solltest, und die Probentermine.“ Ich fiel ihm begeistert um den Hals. „Dein Chef macht unser Catering, insofern sollte der nichts dagegen haben“, führte er weiter aus. „Gib mir da noch Zeit. Das kommt doch ein wenig überraschend“, bat ich den Sänger, der mir inzwischen ein guter Freund geworden war.
Da klingelte es an der Tür, und ich versteifte mich. „Und wenn die Mädchen mich nicht mögen?“ Micha lachte. „Wie könnten sie nicht?“ Er nickte mir aufmunternd zu.
Ich atmete tief durch, und ging zurück ins Wohnzimmer. Dort waren die Kinder eingetroffen. Etienne, der ein Klon seines Vaters war, saß grinsend auf Ralfs Schoß, und die drei Mädchen hatten sich im ganzen Raum verteilt. Sie sahen wohl ihrer Mutter ähnlich, nur zwei von ihnen hatten Oles Augen geerbt. Als ich den Raum betrat, kamen sie direkt auf mich zu. „Hallo, du musst Pia sein?“ begann die älteste. „Die bin ich.“ „Hallo, ich bin Jessy. Papa hat uns aber nicht gesagt, dass du SO hübsch bist.“ Sie umarmte mich. „Mir hat er auch nicht gesagt, dass ihr drei derart steile Zähne seid“, lachte ich. Die beiden anderen kamen hinzu. „Wir sind Anouk und Aimee, und wir sind wie unschwer zu erkennen, Zwillinge. Aber du findest schon noch raus, wer von uns wer ist.“ Auch sie drückten mich herzlich. „Papa, da hast du aber wirklich einen guten Fang gemacht!“ verkündete Anouk. Ich hatte schnell festgestellt, dass sie die mit dem Leberfleck unter dem rechten Auge war. Ansonsten glichen sich die beiden wie ein Ei dem anderen. Alle drei Mädels hatten die wilden braunen Locken, die ihre Mutter vermutlich hatte. Nur Jessy hatte grasgrüne Augen. „Und ihr habt kein Problem damit, dass euer Papa so schnell eine neue Freundin gefunden hat?“ fragte ich zögerlich. Aimee lachte. „Warum sollten wir?“ Ich war beruhigt. Das war ja besser gelaufen als erhofft. Ole stellte sich neben mich, und nahm mich in den Arm. „Mädels, ihr werdet Schwestern!“ verkündete er ohne Umschweife. Die drei brüllten begeistert auf, und begannen danach, meinen Bauch zu streicheln. „Dritte Woche. Man merkt noch nichts“, versuchte ich, sie abzuschütteln. „Egal“, grinste Jessy. „Hoffentlich wird es ein Brüderchen!“ Mario schniefte. „Chef, was gibt es da zu heulen?“ „Das ist so rührend!“ Ralf umarmte seinen Kollegen.
Da kam Micha mit dem Kuchen aus der Küche. Jessy wurde bleich. „Das letzte Einhorn!“ posaunte sie los. Micha lächelte. „Stets zu Diensten, schönes Kind!“ „Kann ich ein Autogramm haben?“ Specki moserte. „Von mir wolltest du keines!“ „Warum sollte ich?“ „Specki T.D., Schlagzeuger bei In Extremo“, stellte ich ihn schnell vor. Aimee lachte ihre Schwester aus. „Das ist doch der, den du immer heißes Gerät nennst?“ Jessy wurde rot. „Von dir dann natürlich auch.“ Anne grinste. Sie fand es niedlich, wie verlegen die junge Frau wurde.
Als Jessys Wünsche bearbeitet waren, gab es eine Runde Kuchen für alle. Mario grinste. „Den hatten wir doch vor drei Wochen im Restaurant?“ „Richtig, Chef. Wenn Nils mich schon zum Nichtstun verdonnert, muss ich mich doch wenigstens kulinarisch nützlich machen?“ Etienne murmelte begeistert „Yummy!“ Julia lächelte ihren Sohn verliebt an. „Da ist ein Vaterschaftstest auch unnötig“, merkte Specki trocken an. Die hübsche Fränkin lachte. „Stimmt wohl. Meine Schwiegermutter meinte, da wäre eher ein Mutterschaftstest fällig!“ Nils zog die Nase kraus. „Immerhin ist Etienne das schönste Kind der Welt.“ Sämtliche Väter am Tisch begannen, eine Lanze für ihre eigenen Sprösslinge zu brechen. Ich beobachtete das Treiben amüsiert.
Als alle aufgebrochen waren, fielen mir fast die Augen zu. Ole pikte mich in die Seite. „Nicht einschlafen mein Schatz! Ich dachte, wir feiern deinen Einzug?“ „Können wir doch morgen?“ Er nahm mich liebevoll in die Arme. „Du bist echt fertig, hm?“ Ich nickte. Er führte mich an der Hand ins Schlafzimmer. „Dann wird unsere erste gemeinsame Nacht hier wohl weniger romantisch, als ich das gehofft hatte“, meinte er gespielt frustriert. Ich zog mich bis auf die Unterwäsche aus, und fiel direkt ins Bett. Kaum hatte mein Kopf das Kissen berührt, war ich auch schon eingeschlafen.
Am nächsten Morgen war ich schon früh auf den Beinen. Ich machte mir einen Tee (Kaffee war wohl ab jetzt gestrichen), und rief zunächst Papa an. „Werner?“ „Hi Paps, ich bin’s.“ „Mäusle! Was gibt es denn so früh am Morgen?“ „Ich bin doch jetzt zu Ole gezogen. Naja….wie soll ich dir das beibringen?“ „Ich werde Opa?“ „Richtig.“ „Geht das nicht ein wenig schnell?“ „Mei, Papa, ich hab mir das nicht ausgesucht. Du weißt genau, dass ich nie Kinder wollte. Und das hier eigentlich auch nicht. Aber jetzt ist es halt mal da, und ich muss da durch.“ „So schlimm kann es doch nicht sein?“ „Schlimmer. Gerade jetzt, wo ich ein Angebot von In Extremo habe, mit ihnen zu touren, wenn das Konzert in Hamburg ein Erfolg wird. Und Achim will, dass ich auf der ITB aushelfe. Gerade läuft es richtig rund, und dann kommt dieses Balg dazwischen!“ Ich redete mich richtig in Rage. Hartmut, mein Vater, seufzte tief. „Mein Mädchen, ich weiß nicht, woher deine Einstellung kommt, immerhin waren Rita und ich immer froh an unseren zwei Mädchen. Aber willst du dann nicht mal zu einer Konfliktberatung gehen?“ „Wäre besser, oder? Kannst du ein paar Tage nach Hamburg kommen? Ole bringt mich vermutlich um, wenn er davon Wind bekommen würde.“ „Klar komme ich. Ich muss mir meinen neuen Schwiegersohn ja auch mal vorknöpfen. Hauptsache, er ist nicht so eine Null wie dein Exfreund Micha.“ „Sei unbesorgt Papa, das ist er auf gar keinen Fall. Ich hab dich lieb!“ „Ich dich auch, mein Kind. Mach es gut.“ „Byebye!“ Damit legten wir auf.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast