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Mein turbulentes Leben

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
OC (Own Character) Ole Plogstedt
29.03.2016
20.09.2016
38
66.454
1
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
03.04.2016 2.401
 
Weil ich euch gestern untreu war, gibt es dafür heute ein längeres Kapitel. Es wird romantisch, leicht dramatisch und PiSo mischt den Laden auf :D Die ist aber auch niedlich ;)
Viel Spaß beim Lesen!
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Am nächsten Vormittag saß ich mit Ralf und Mario an einem der Tische im Restaurant. Vor mir lag ein Berg von Papierkugeln. „Mir fällt nichts ein!“ jammerte ich. Mario seufzte. „Lass‘ einfach raus, was du fühlst.“ Ich kratzte mich am Hinterkopf und begann zu schreiben. Eine halbe Stunde später war der Brief fertig.

„Lieber Ole,
vielen Dank für den Brief, den Nils mir übermittelt hat. Ich habe mich so sehr darüber gefreut.
Damals, im Pub in München, warst du es, der mich fasziniert hat, nicht etwa Andi. Als du mir dann erzählt hast, dass du verheiratet bist, war ich ziemlich geknickt, aber meine Chance sollte ja dann im Moonshadow kommen. Die Nacht mit euch beiden war eines der schönsten Erlebnisse, das ich je hatte. Ihr beiden habt mir ein ganz lange vermisstes Gefühl wieder gegeben.
Insbesondere Du bist mir tief im Gedächtnis hängen geblieben. Es ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht an dich gedacht habe, an dem ich nicht deine blaugrauen Augen vor meinem geistigen Auge sehe, und an dem ich nicht dein fröhliches Lachen höre.
Deine Worte haben mich tief ins Herz getroffen. Leider bin ich keine Wortakrobatin, und vieles, das ich dir so gerne sagen wollte, bleibt mir quasi im Halse stecken. Wenn ich dich jedoch eines Tages wiedersehe, finde ich bestimmt den Mut, dir das alles zu sagen.
Ich würde mich freuen, wenn du dich unter 017xxxxxx meldest.
Liebe Grüße, deine Pia

Ralf entwand mir den Zettel. „Du bist wirklich nicht gesprächig. Aber er wird sich melden, glaub mir.“ Ich wackelte skeptisch mit dem Kopf. Mario, der über Ralfs Schulter mitgelesen hatte, stimmte seinem Freund und Kollegen zu. Robin reichte mir ein Kuvert, ich adressierte und frankierte es. „So, und jetzt ab in den Briefkasten damit!“ befahl mir Mario. Ich ging in Richtung des Briefkastens, der eine Straßenecke weiter hing, und prallte ganz in Gedanken gegen etwas Weiches. Schon wieder, erst Nils, dann diese Person. Das würde wohl meine neue Mode? „Schuldigung!“ nuschelte ich. Die Person, in die ich hineingelaufen war, zog mich an sich. Ich wehrte mich zunächst, aber als ich erkannte, in WESSEN Armen in da gerade lag, quietschte ich begeistert auf. „Ole!“ Ich atmete seinen Geruch ein, und genoss die Berührung. Was hatte ich diesen Mann vermisst! „Ich wollte gerade meinen Antwortbrief an dich abschicken“, murmelte ich. Er hob überrascht die Augenbrauen. „Nils hat also Wort gehalten?“ „Ja hat er. Und eine ganz entzückende Frau hat er auch.“ Der dunkelhaarige lachte. „Ja, Julia ist eine ganz liebe. Sie hatte auch die Idee mit dem Brief.“ Ich drückte ihm meinen einfach in die Hand. Ole steckte ihn in seine Jackentasche. „Um den zu lesen, müsste ich dich los lassen, und dazu habe ich keine Lust“, begründete er sein Handeln. Ich kuschelte mich erneut an ihn. Er gab mir einen Kuss auf den Scheitel. „Dein Brief hat mich zu Tränen gerührt. Du hast genau das ausgesprochen, was ich auch dachte. Aber was machst du hier in Berlin?“ Er schaute mir in die Augen. „Nils hat mir gesagt, wo du arbeitest. Ich war auf dem Weg zu dir.“ Ich merkte, wie mir die Tränen in die Augen stiegen. So sehr um mich bemüht hatte sich noch kein Mann. Ole wischte mir mit dem Daumen vorsichtig die Tränen aus dem Augenwinkel. „Ist unser Wiedersehen so schrecklich für dich?“ Ich lächelte ihn an. „Im Gegenteil. Ich freue mich unendlich, dich wiederzusehen.“ Sein Blick wurde weich. „Ich glaube, noch keine Frau hat vor Freude geweint, wenn sie mich getroffen hat.“ „Die haben einfach keine Ahnung“, gab ich zurück. Er küsste mich vorsichtig. Ich hatte das Gefühl, meine Beine würden mir wegbrechen. Ich zitterte am ganzen Körper, und mein Herz schlug wild gegen meine Brust. Ich verstärkte sowohl die Umarmung als auch den Kuss. Ich weiß nicht, wie lange wir so dort standen, aber es kam mir wie eine halbe Ewigkeit vor. Als wir uns von einander lösten, war in meinem Inneren eine Entscheidung gefallen. Da hörte ich ein räuspern. „Pia Ricarda Werner! Du sollst einen Brief abschicken, und hier nicht rumknutschen!“ Ralf! Ole grinste seinen Kochkollegen breit an. „Brief ist doch schon zugestellt!“ Er holte das Dokument aus seiner Jackentasche, und wedelte damit vor Ralfs Nase herum. Dieser zog Ole in eine feste Umarmung. „Dann bist du der Mann, der gestern zwei gestandene Männer zum heulen gebracht hat? Mach unsere Pia bitte glücklich, sonst müssen wir dich leider umbringen.“ Er lächelte lieb, als er diese Worte an Ole richtete. „BOSS!“ meckerte ich. Das ist doch nicht dein Ernst? Ralfs braune Augen funkelten belustigt. „Mein Mädchen, du weißt genau, dass Mario und ich uns geschworen haben, dass wir dich beschützen werden. Und das genau an dem Tag, als du mit deiner Bewerbungsmappe bei uns reingepoltert bist.“ Ich schlug mir die Hände vors Gesicht. Ich hatte die kleine Stufe am Eingang übersehen und war wirklich sprichwörtlich mit der Tür ins Haus gefallen. Den Job bekam ich trotzdem, und ich liebte meine Chefs und Kollegen sehr. Sie waren meine kleine Familie geworden. Ole schaute irritiert drein, und ich erzählte ihm von meinem Einstand im Z&Ko. Er lachte schallend. „Ich hätte sie auch direkt eingestellt nach der Aktion!“ Ralf zwinkerte mir zu. „Naja, wir haben sie eigentlich eingestellt, weil sie charmant ist, und trotz nicht vorhandener Gastro-Ausbildung vom ersten Tag an unseren Laden rockt.“ Ich rollte mit den Augen. Gelernt hatte ich tatsächlich in der Touristik, aber um mein mageres Gehalt aufzubessern, hatte ich früh angefangen zu kellnern, was sich letztenendes als meine Passion herauskristallisiert hatte. Ich liebte es, Menschen mit gutem Essen glücklich zu machen. Und da ich meinen Arbeitsplatz liebte, konnte ich die Gäste eben gut mitreißen.
„Ole, komm doch einfach mit“, bat Ralf ihn höflich. „Dann kannst du deine Pia mal in Aktion erleben, und da unser Sous Chef Achim krank ist, könnten wir Unterstützung vertragen. Was meinst du?“ Ole nickte. „Klar, warum auch nicht. Wenn ich Pia dann nach Feierabend mitnehmen darf?“ „Und wer fragt mich?“ witzelte ich. Ole hob eine Augenbraue. „Der Kuss war wohl nicht sehr überzeugend?“ Ich gluckste. „Ich will aber nicht nur nach Feierabend von dir mitgenommen werden.“ Ein warmes Lächeln war die Antwort. „Eigentlich war der Plan, dich nie mehr gehen zu lassen, aber ich dachte, als Einstieg wäre heute Abend mal ganz gut?“ Er nahm mich an der Hand, und verschränkte seine Finger mit meinen. „Nie gehen lassen klingt nach meinem Geschmack“, entgegnete ich. Ralf seufzte. „Ach, wenn ich das auch mal erleben dürfte!“ Ich boxte ihn in die Seite. „Du bist seit 15 Jahren verheiratet, hallo? Lass das nicht deine Nadja hören!“ Er verdrehte die Augen. „Naja, in letzter Zeit werde ich eher angekeift, wenn ich nicht pünktlich genug aus dem Laden komme. Sie unterstellt mir sogar, ich hätte was mit Lea.“ „Hast du doch auch?“ Ralf riss die Augen auf. „Woher?“ „Ralf Zacherl“, lachte ich. „Ich kenne meine Z&KO-Familie jetzt lange genug. Aber außer mir hat keiner eine Ahnung davon, und bei mir ist das Geheimnis sicher. Auch wenn ich es nicht gut heiße.“
Wir waren am Lokal angekommen, aus dem auch sofort Mario geschossen kam. Auch er umarmte Ole so sehr, dass dieser das Gefühl hatte, alle Knochen müssten direkt brechen. Während die drei Männer in die Küche gingen, band ich mir meine Schürze um, steckte mein Portemonnaie in seine Halterung und schloss die Tür offiziell auf. Meine ersten Gäste waren Specki und Anne. „Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, kommt der Berg eben zum Propheten“, motzte meine gute Freundin. „Kinder, ihr wisst genau, ich bin eingespannt“, war meine Erwiderung. „Ja, wo ist denn meine Zuckermaus?“ Ich angelte PiSo aus ihrem Kinderwagen und drückte sie fest an mich. Ich küsste sie auf die Stirn. „Lass dich anschauen, groß bist du geworden. Und genau so schön, wie deine Mama!“ Pia-Sophie strahlte mich an. „Pia!“ „Seit wann in aller Welt spricht sie?“ „Seit drei Wochen. Sie sagt „Pia“, „Mama“, „Papa“, „Missa“, „Hunger“, „Yummy“, „Lagseu“, und „Yeah!“ Ich lachte. „Du hast ihr beigebracht, Schlagzeug zu sagen?“ Specki schaute bedröppelt drein. „Lagseu“, verkündete das kleine Mädchen begeistert. „Sie läuft auch schon ein bisschen“, erzählte mir Anne. „Setzt euch. Was darf ich euch bringen?“ „Zwei Gläser von eurem wunderbaren Riesling und für PiSo eine Portion Pommes? Ist das machbar?“ „Klar, für meine Zuckermaus ist alles möglich.“ Ich ging mit meinem Patenkind auf dem Arm zu Robin und gab die Weinbestellung auf, danach betraten wir die Küche. „Hunger!!“ verkündete PiSo auch direkt. „Ja, wer bist DU denn?“ gurrte Mario, als er den kleinen Blondschopf entdeckte. „Pia!“ kam die Antwort. Ich erntete fragende Blicke. „Meine Patentochter, die tatsächlich so heißt wie ich.“ „Steht dir gut“, witzelte Ralf. „Pia Hunger!“ versuchte es mein Patenkind erneut. Ole lächelte das Mädchen an. „Und was möchtest du denn essen?“ „Pommes!“ kam es von mir. Mario streckte die Arme nach dem Kleinkind aus, und Pia-Sophie ließ sich bereitwillig an ihn übergeben. „Du bist ja eine ganz Süße!“ „Yeah!“ Sie angelte nach seiner Brille.  „Maus, ich bringe dich mal wieder zu Mama und Papa, sag tschüss zu den Onkels!“ „Byebye!“ machte PiSo, und winkte den Männern zu. Ole seufzte. „So niedlich waren meine drei auch mal. Inzwischen sind sie 20 und 18, und eher nicht mehr in der Kategorie süß!“ Mario pflichtete ihm bei. „Meine Jungs sind 6 und 8, und können wahnsinnig launisch sein.“ Beschwer dich nicht, ich habe drei Mädchen!“ gab Ole zurück. „Ach du Scheisse“, war alles was Ralf dazu einfiel. „Ich habe einen 12-jährigen Sohn. Der genügt mir mit seiner Vorpubertät.“
Ich brachte PiSo zurück zu ihren Eltern, servierte den Wein, und bediente die anderen Gäste, die herein gekommen waren. Mario ließ es sich nicht nehmen, seiner neuen kleinen Freundin die Pommes persönlich zu bringen. „Yummy!“ teilte sie daraufhin begeistert mit.
So verging der Arbeitstag. Am Abend betrat ein Paar das Lokal. Ich zuckte zusammen. Dort stand in voller Größe, mein Exfreund mit seiner Frau! „Lea? Machst du Tisch 3?“ bat ich meine Kollegin. Sie nickte. „Pia?“ hörte ich da Michas Stimme. Ich trat an den Tisch. „Ja?“ „Ich freue mich, dass wir uns mal wieder sehen. Darf ich dir meine Frau Antonia vorstellen?“ Ich schüttelte der hübschen brünetten die Hand. „Freut mich, sie kennen zu lernen, Antonia.“ Danach wandte mich wortlos der Abrechnung zu.
Micha schien das nicht in den Kram zu passen, denn er kam zu mir, packte mich wortlos am Arm und zerrte mich nach draußen. Ich wehrte mich nach Kräften. „Lass mich los, du verdammter Idiot!“ keifte ich. Doch er war erbarmungslos und zog weiter an mir. „Was sollte der Auftritt du dumme Schlampe?“ „Wieso? Ich habe deine Frau begrüßt. Zu mehr hast du mich doch nicht an den Tisch gerufen?“ Er schlug mir mitten ins Gesicht. Ich zischte leise auf. „Und wofür war das? Hast du mich nicht sechs Jahre lang genug gedemütigt?“ „Du wagst es, unsere Stadt zu verlassen, und dir hier ein neues Leben aufzubauen? Du Miststück hast kein Recht dazu, glücklich zu sein!“ Ein zweiter Schlag traf mich. Ich baute mich vor ihm auf, und schlug nun meinerseits zu. „Du wagst es? Du hast mir mein Leben ruiniert und wagst es wirklich, über mich zu richten?“ Der dritte Schlag traf mich. „DU Schlampe!“ knurrte der hochgewachsene rothaarige. „Sei mir dankbar, dass ich es so lange mit dir ausgehalten habe!“ Der vierte Schlag. Da wurde Micha von mir weggerissen. Ole stand wie ein Racheengel hinter ihm und hielt ihn fest. „Leg noch einmal Hand an meine Freundin und du wirst dir wünschen, nie geboren worden zu sein!“ bellte er. Micha lachte höhnisch auf. „Freundin? Wie erbärmlich bist du, Miststück? Musst du schon bei den alten Säcken wildern, weil du keinen Gleichaltrigen abbekommst?“ Ich schaute ihm tief in seine braunen Augen. „Wenn ich mich nicht verguckt habe, ist deine Frau auch locker 10 Jahre jünger als du. Da hat es mit den Gleichaltrigen auch nicht geklappt, hm?“  Micha wand sich in Oles Griff. „Ich bringe dich um! Hätte ich damals schon machen sollen! Schlampe!“ Er war durch nichts zu beruhigen. Da kam ein Streifenwagen vorgefahren, und Ole übergab Micha an die Beamten. Antonia war nach draußen getreten, und weinte vor Scham. „Es tut mir so leid. Ich weiß nicht, woher der Hass meines Mannes auf sie kommt. Ich kann mich nur entschuldigen.“ Ich nahm sie in den Arm. „Machen sie sich nichts daraus. Sie können nichts dafür, und nun gehen sie mit ihm mit.“ Sie flüsterte mir zu „ICH habe die Polizei gerufen, und ihren Freund verständigt. Er hätte sie womöglich umgebracht. Das bedeutet die Scheidung.“ „Nicht doch!“ „Glauben sie mir. Wer sich so gegenüber einer Frau verhält hat es nicht anders verdient.“ Ich umarmte sie erneut. „Sie sind eine tolle Frau, Antonia. Passen sie auf sich auf.“ Ole zog mich in seine Arme. „Dich kann man nicht 5 Minuten alleine lassen.“ Ich seufzte. „Mein reizender Ex. Er erträgt nicht, dass ich ihm nicht immer noch hinterherlaufe. Aber war das mit der Freundin ernst gemeint?“ Ole zog eine Augenbraue nach oben. „Mir war das eigentlich schon klar, als wir uns an der Straßenecke geküsst haben.“ Ich küsste ihn. „Wenn du mit einer Freundin mit völlig irrem Exfreund leben kannst, bin ich dabei.“ Ole schaute mich ernst an. „Wenn du damit leben kannst, dass dein Freund drei wilde und fast erwachsene Töchter hat?“ „Wenn die mit mir leben können?“ Er lachte. „Klar, ich habe ihnen ja schließlich das letzte halbe Jahr ausführlich von dir erzählt. Sie sind neugierig auf dich.“ „Dann bin ich ja beruhigt.“ Mario und Ralf kamen aus dem Lokal gehetzt. Sie zogen mich an sich. „Mensch Mädel, das hätte ganz anders ausgehen können.“ „Jungs, ihr zerquetscht mich!“ schimpfte ich. „Wir haben uns SORGEN gemacht?“ fauchte Mario. „Das gibt euch nicht das Recht, mir die Rippen zu brechen!“ Die beiden lockerten ihre Umarmung. „Du gehst nach Hause, und du auch, Ole. Wir schaffen den Rest hier auch ohne euch.“ Ralf löste meine Schürze und nahm sie an sich. Lea, die dazu gekommen war, drückte mir meine Jacke und meine Tasche in die Hand. Auch sie umarmte mich, ebenso wie Robin, der auch noch völlig neben sich stand.
Ole nahm mich bei der Hand. „Ich passe auf sie auf, versprochen!“ wandte er sich an meine Kollegen und Freunde.
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