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Mein turbulentes Leben

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
OC (Own Character) Ole Plogstedt
29.03.2016
20.09.2016
38
66.454
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30.03.2016 1.568
 
Wir verabschiedeten uns herzlich von einander, und er versprach mir, mich auf dem Laufenden zu halten, was Baby Pia-Sophie anging.
Ein Jahr später saß ich, wie schon öfter, im Flieger in Richtung Berlin. Heute sollte PiSo’s Taufe stattfinden. Ja, so rief ich sie der Einfachheit halber. Anne hatte das zuerst doof gefunden, aber inzwischen nannte sie das zuckersüße Babymädchen genauso. Sie war einfach das Beste, was in meinem Leben bisher passiert war. Wenn ich die kleine, blonde Maus mit den blauen Augen auf dem Arm hatte, und sie mich zahnlos anlächelte, waren alle Sorgen vergessen. Ich liebte die Kleine über alles, und wenn man ihrem Vater glaubte, verwöhnte ich sie viel zu sehr.
Ich blätterte in der Bordzeitschrift, und überlegte mir, was Pia-Sophies Eltern wohl zu dem Sparbuch sagen würden, das ich für sie angelegt hatte. Ich wollte bis zu ihrem 18ten Geburtstag jeden Monat 50 € darauf anlegen. Ich vermutete, Specki würde mir den Kopf abreißen. Aber das Risiko war es mir wert. Immerhin hatte ich als Patentante ja Verantwortung.
Zwanzig Minuten später hörte ich die Durchsage „Willkommen in Berlin-Tegel!“  Kaum war ich im Terminalgebäude angekommen, prallte jemand in mich hinein. „Pass halt auf!“ knurrte ich. „Ja, sorry! War keine Absicht!“ gab der Mann zurück. Ich betrachtete ihn kurz. Er war groß, rotblond und hatte tiefblaue Augen. Er reichte mir seine Hand. „Ich bin Nils. Sorry nochmal.“ Ich schüttelte sie. „Pia. Ist nicht so schlimm, ich war ja selbst auch in Gedanken.“ Nils riss die Augen auf. „Dich kenne ich doch? Du warst doch vor einem Jahr ungefähr in diesem kleinen Münchener Pub und hast gesungen? Unser Andi redet von nichts anderem seither!“ „Euer Andi, etwa dieser Andi Schweiger?“ Nils grinste breit. „Ich war tags drauf mit meinem „Mann“ bei ihm essen. Schon ein süßer, aber euer dunkelhaariger Kumpel hatte es mir mehr angetan.“ „Unser Ole? Der war zu dem Zeitpunkt aber noch verheiratet.“ Mein Kopf ruckte hoch. „War?“ „Warum erläutern wir das nicht bei einem Kaffee?“ lockte mich der charmante rotblonde. „Ich höre mich nicht nein sagen“, gab ich zurück. So fand ich mich fünf Minuten später in dem Terminaleigenen Cafe wieder.
„Also, Ole ist eigentlich noch verheiratet. Das Trennungsjahr ist noch nicht durch. Seine Frau hat die Scheidung eingereicht, weil sie sich neu verliebt hat. Und Andi redet permanent von dir. Und Fo und ich? Haben deine Performances von damals auf Video aufgenommen. Wir ärgern die beiden damit, denn Ole hat neulich auch zugegeben, dass er dich echt toll fand.“
Ich freute mich aufrichtig. Nils hatte eine Idee. „Gib mir doch einfach deine Nummer, wir sind ein paar Tage hier in Berlin, vielleicht können wir uns ja zu viert mal treffen?“ Ich nickte, und speicherte meine Nummer in sein Handy. „Was sagt denn deine Frau/Freundin dazu, wenn du hier unschuldige Damen ansprichst?“ Nils fuhr sich durchs Haar. „Julia? Die ist genervt von Andis Gejammer und würde wie ich alles daran setzen, dass er die Klappe hält.“ Ich lachte, und umarmte den sympathischen jungen Mann leicht zum Abschied. „Bis dann!“
„PIA! Ich habe schon den ganzen Flughafen nach dir abgesucht!“ meckerte mich da schon Anne an. „Was machst du überhaupt hier? Wo ist PiSo?“ „Bei Papa im Probenraum. Specki hat mir befohlen, dich abzuholen. Du schaust aus, als hättest du einen Geist gesehen?“ „So ähnlich. Siehst du den rotblonden da drüben?“ Anne pfiff anerkennend. „Heißer Feger!“ „Nicht er, aber er hat einen rattenscharfen Kumpel. Ole heißt der.“ Die fröhliche Berlinerin lachte. „Aber mein Mann hatte mir von einem Andi erzählt?“ Ich musste schmunzeln. „Ja, den wollen mir alle andrehen. Der ist ja auch ganz süß, aber so gar nicht mein Typ.“ „Lass uns gehen, ich glaube deine hinreißende Patentochter wartet auf dich.“
Eine halbe Stunde später waren wir bei den Speckhardts zuhause angekommen. Specki und Pia-Sophie waren wohl noch bei der Probe, und so machten Anne und ich es uns auf dem Sofa mit einer Flasche Sekt gemütlich. „Warum willst du einfach keinen neuen Partner?“ „Du weißt doch, was Micha mir angetan hat.“ „Was habe ich wem angetan?“ ertönte da hinter uns die tiefe Stimme von Micha, dem Sänger von In Extremo. Ich grinste ihn breit an. „Du doch nicht. Mein Ex trägt leider deinen Namen. Grüß dich!“ Ich reckte ihm die Hand entgegen. Er lehnte sie ab, und zog mich in eine feste Umarmung. „Immerhin bin ich der zweite Pate, da sollten wir nicht so distanziert miteinander sein“, lachte er. „Ja wo ist denn unsere Prinzessin?“ „Hier!“ rief Specki. Ich lief auf ihn zu, und entwand ihm das Baby. „Hallo meine Süße, ich bins! Geht es dir gut, mein Schatz?“ plapperte ich drauflos. PiSo strahlte mich an. Ich setzte mich mit ihr auf das Sofa, und streichelte sie vorsichtig. Specki protestierte. „Und ich bin Luft?“ Ich warf ihm einen Luftkuss zu. „Tante Pia liebt dich, weißte doch!“  Micha setzte sich zu mir. Auch er war total vernarrt in unser Patenkind. „Sind die beiden nicht süß miteinander“, seufzte Anne. „Und Micha lebt doch auch in Scheidung!“ Ich ließ das Baby fast fallen. „Anne Juliane Speckhardt! Hör auf, mich verkuppeln zu wollen!“ Micha wackelte mit den Augenbrauen. „Ne süße Maus bist ja schon. Wär das nix mit uns?“ Ich starrte ihn aus tellerrunden Augen an, und begann zu singen. „No, no. No, no, no, no! You’re not the one for me!“ Er schaute gespielt beleidigt drein. Dann fing auch er an zu singen. „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“, trällerte er. Nun war es an mir, mit den Augenbrauen zu wackeln. „Du wilder!“ Specki konnte sich kaum noch halten vor Lachen. Micha und ich kannten uns eigentlich nur flüchtig, aber er war mir schon immer sympathisch gewesen. Und dass wir uns so gut verstanden, würde meiner kleinen Namensvetterin ja nur zugutekommen. Diese war in meinem Arm eingeschlafen, und ich übergab sie ihrer Mama.
„Hab ich einen Kohldampf“, trötete Specki. Micha und ich sahen uns kurz an, nickten, und enterten die Küche. Während Micha im Kühlschrank wühlte, suchte ich Pfannen und Töpfe. Der smarte Sänger förderte Hähnchenfleisch, Ananas, Koriander und Kokosmilch zu Tage. Ich fand eine Packung Reis. „Also Attacke!“ Wir arbeiteten Hand in Hand, und eine Dreiviertelstunde später stand unser Gericht auf dem Tisch. „Rhein&Werner Productions proudly present: Das Abendessen!“ verkündete Micha. Specki staunte. „Pia, du kannst kochen?“ „Na klar. Aber ich hatte auch die charmanteste Unterstützung der Welt!“ Micha zog mich auf seinen Schoß. „Lass dich füttern, du Küchenkönigin!“ Und so fütterten wir uns gegenseitig. Anne grinste. „Ihr wärt so ein süßes Paar!“ „Anne, lass das! Ein bisschen flirten schadet nicht, aber Beziehung? Lass gut sein, damit bin ich durch!“ motzte ich. Micha schaute mich durchdringend an. „Mein Namensvetter hat wohl viel verbrannte Erde hinterlassen? Wie lang ist die Trennung denn jetzt her?“ „Im Herbst 7 Jahre.“ „Und seitdem gab es keinen Mann mehr in deinem Leben? Auch keine einmaligen Sachen?“ „Doch, einmalige Sachen gab es schon. Aber mit der Liebe habe ich abgeschlossen“, erklärte ich ihm.- „Das ist schade, du bist wirklich eine tolle Frau, und hättest es auf jeden Fall verdient!“ Ich küsste ihn federleicht auf die Wange. „Danke, das ist süß von dir.“
Am nächsten Morgen stand ich im Bad und zupfte mein Kleid zurecht. „Ich sehe aus wie ein Wal!“  Anne trat zu mir. „Ein lila Wal? Nein ernsthaft, du bist wunderschön. Micha wird es aus den Socken hauen!“ Sie war ebenfalls in ein hübsches Kleid gehüllt, und sie trug Pia-Sophie auf dem Arm. „Wir müssen auch bald los!“ Specki, der einen schwarzen Anzug trug, kam zu uns. „Wo bleibt bloß Micha?“ Da klingelte es auch schon. „Pia, machst du auf?“ Ich nickte, und öffnete die Tür. Vor mir stand Micha, ebenfalls im schwarzen Anzug. „Wow, Küchenkönigin! Ich wusste ja, dass du hübsch bist, aber….Wow!“ „Danke für die Blumen, aber der Chef hat gesagt, wir müssten los.“
Nachdem die Taufzeremonie vorbei war (Micha und ich hatten Rotz und Wasser geheult), gingen wir noch Essen. „Ich passe bald nicht mehr in den Flieger, wenn das so weitergeht“, witzelte ich. Specki zog eine Augenbraue hoch. „Ach du nun wieder.“ Da fiepte mein Handy.
„NilsHH: Hey Pia, ich bin es, der Kerl, der dich fast umgenietet hat. Hast du heute Abend Zeit und Lust auf einen Drink? Grüße, Nils mit den Jungs“ Ich reichte das Handy wortlos an Anne weiter. „Sag ja!“ forderte sie mich auf, und gab es mir zurück. „Queeny: Ah, da schau her, der stürmische Nils! Klar, bin dabei, sag mir nur wann und wo. Grüße, Pia“ Ich drückte auf senden. Zehn Sekunden später war die Antwort da. „NilsHH: Kennst du das Moonshadow in Kreuzberg? Dort um 21 Uhr?“ „Queeny: Ich werde es schon finden. Bis dann ;-)“ „Sag bloß, du hast heute Abend noch ein Date?“ Ich grinste Specki breit an. „Die Hottie-Clique aus dem Pub in München.“ Micha zog die Stirn kraus. „Und ich bin abgemeldet?“ Über fünfzig, aber schmollen, wie ein Kleinkind, das hatte ich ja gerne. „Natürlich nicht, aber die drei haben heute Abend Vorrang.“  Specki drückte mir seinen Wohnungsschlüssel in die Hand. „Pass auf dich auf, tu nichts, was ich nicht auch tun würde!“ Ich umarmte ihn. „Danke. Ich melde mich dann später.“ Micha schaute mich sorgenvoll an. „Ich gebe dir zur Sicherheit auch meine Nummer. Und wenn irgendwas ist, melde dich bitte sofort.“ Ich küsste ihn liebevoll auf die Wange. „Danke, mein Küchenkönig. Ich weiß das sehr zu schätzen.“
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