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Mein turbulentes Leben

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
OC (Own Character) Ole Plogstedt
29.03.2016
20.09.2016
38
66.454
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04.05.2016 1.892
 
Drei Jahre später saß ich verschlafen am Tisch und trank gerade meine erste Tasse Kaffee. „MAMA!“ kreischte Maria. „Was ist los, Maus?“ „Ich finde meine Puppe nicht“, jammerte sie. „Nimm die, die auf dem Sofa sitzt“, gähnte ich. Da fegte Florian aus seinem Zimmer. „Mama, Cornflakes“, verlangte er. Er war ziemlich genau neun Monate nach der Hochzeit auf die Welt gekommen, und feierte bald seinen dritten Geburtstag. Er war nach seinem Patenonkel Specki benannt worden, was diesen sehr stolz gemacht hatte. „Flo, wie wäre es heute mit einer Stulle?“ versuchte ich, ihn auf gesünderes Essen zu lenken. „Nein, Cornflakes!“ „Und du, Maus? Auch Cornflakes?“ „Ja!“, jubelte die fünfjährige Maria. Ich erhob mich schwerfällig, um meinen Kindern ihr Frühstück zu machen. Ole, der inzwischen Mitte fünfzig war, lag noch in den Federn. Heute hatte er einen freien Tag, und wollte diesen eigentlich zum Ausschlafen nutzen. Doch er hatte die Rechnung ohne seinen jüngsten gemacht. Flo warf sich zu ihm aufs Bett. „Papa!“ krähte er. Ole zeigte keine Regung. „PAPA!“ „Hm?“ brummte es da aus den Untiefen der Bettdecke. „Papa, aufstehen!“ „Florian Carsten Plogstedt, wirst du wohl deinen Vater in Ruhe lassen?“ schimpfte ich. „Zu spät. Jetzt bin ich ohnehin wach“, muffelte mein Mann. „Schau mich nicht so vorwurfsvoll an, ich kann meine Augen nicht überall haben“, versuchte ich, ihn zu besänftigen. Da klirrte es in der Küche. Ole war mit einem Schlag hellwach. „MARIA!“ polterte er. Diese setzte ihren schönsten Blick auf, und sah ihn aus seinen eigenen Augen treu an. „Ich wollte doch nur einen Keks!“ „Das sehe ich!“ grummelte Ole. Ich sammelte eilig die Scherben auf, die Maria verursacht hatte, und entwand ihr den Keks. „Aber Mama!“ „Du glaubst doch nicht, dass du noch eine Belohnung dafür bekommst, dass du das Keksglas herunter geworfen hast?“ schimpfte ich. Ole schnappte sich das Gebäck, und biss demonstrativ hinein, was bei seiner Tochter für wütendes Gebrüll sorgte. Flo streckte ihr die Zunge heraus. „Jesses! Vielleicht hätte ich doch Andi heiraten sollen!“ jammerte ich. Ole gab mir einen Klaps. „Vorsicht, Fräulein Werner!“ „Für dich immer noch Frau Plogstedt!“ gab ich zurück, und wir mussten beide lachen. Ole küsste mich. „Ihgitt!“ stellte Flo daraufhin fest.
Es klingelte an der Tür, und Maria öffnete. „Onkel Fo!“ rief sie begeistert. Ich eilte zu ihr. „Fo? Was machst du denn hier?“ „Was ist das denn für eine Begrüßung?“ meckerte er. Ich umarmte ihn. „Ich freue mich doch. Willst du mit frühstücken?“ Er nickte, und Maria zog ihn an der Hand nach drin. Ole war ebenso verblüfft wie ich. „Hab ich was verpasst?“ Fo brummte. „Darf man seine Freunde nicht einmal spontan besuchen?“ „Doch schon, aber ohne Bine und Emil? Das ist doch ungewöhnlich.“ „Ihr habt mich erwischt“, seufzte er. Ole drückte ihm einen Becher Kaffee in die Hand. „Ich bin hier, weil Nils mich um Hilfe gerufen hat. Und Pia, ich brauche dich auch. Bei den Egtermeyers fliegen die Fetzen.“ Ich hob eine Augenbraue. „Weil sie wieder arbeiten will, nachdem Malou jetzt anderthalb Jahre alt ist?“ Fo schaute mich verdattert an. „Nils ist nicht der einzige, der Hilferufe absetzt“, war meine trockene Antwort.
Ole deckte den Tisch, während Fo und ich ein Krisengespräch führten. Maria war auf seinen Schoß geklettert, während Flo mit seinem Papa in der Küche werkelte. Flo liebte Küchen, deren Gerüche, und alles was dazu gehörte. Am glücklichsten war er, wenn sein Opa mit ihm kochte. Er liebte seine beiden Opas, aber mit Opa Rose in der Küche zu stehen, war sein größtes Glück. Dafür liebte Maria es, mit ihrem Opa Hartmut zum Angeln zu gehen. Sie konnten Stunden damit zubringen. Einmal hatten sie je eine Forelle gefangen, und beide Fische prompt bei Nils im Jellyfish abgeliefert. Dieser hatte ihnen ein leckeres Nudelgericht daraus gezaubert. Maria hatte noch tagelang damit angegeben, und Ole war beleidigt gewesen, dass seine Tochter und sein Schwiegervater ihn nicht mit der Zubereitung der Fische betraut hatten.
Ich betrachtete meinen Mann verliebt. Ich liebte ihn deutlich mehr als am ersten Tag. Klar, flogen zwischen uns auch ab und an die Fetzen, aber zu 99% war unsere Ehe von Liebe und Harmonie geprägt. Das konnte man von Julia und Nils seit Malous Geburt leider nicht mehr behaupten. Nils hatte sich in einen kleinen Macho verwandelt, der auch mir zuweilen den letzten Nerv raubte. Er versuchte nämlich auch, Ole davon zu überzeugen, dass ich doch mit dem Arbeiten aufhören sollte. Aber da biss er bei mir auf Granit. Ich liebte das Z&Ko nach wie vor, und die Kinder fühlten sich in ihrer Berliner Kita pudelwohl. Manchmal waren sie nach der Kita noch ein bisschen bei den Speckhardts, wo sie mit PiSo und Linda spielen konnten. Linda war ein bisschen jünger als Flo, und Oles Patenkind. Er neigte dazu, sie zu verhätscheln, was bei Anne meist Augenrollen auslöste.
Ole war damit fertig, den Tisch zu decken, und wir aßen schweigend. Fo und ich hatten den Plan, bei den Egtermeyers einzufallen, und Nils den Kopf zu waschen.
„Können wir auch mitkommen zu Tante Juli und Onkel Nils?“ fragte Maria. „Nein, mein Schatz. Ihr wolltet doch mit Papa in den Zoo?“ Der Kopf meines Mannes ruckte hoch. „Wollten wir?“ Ich zwinkerte ihm zu. „Ja, wolltet ihr, mein Schatz. Schau mal in deinen Kalender.“ Ole schnappte sich sei Handy und klickte panisch darauf herum. Tatsächlich leuchtete eine Erinnerung auf, die besagte, dass er mit den Kindern in den Zoo wollte. Ich rief spontan im Z&Ko an. „Das Z&Ko, Lea am….“ „Ich bins. Chef oder Boss um die Ecke?“ „Ja, warte kurz.“ „Kotaska?“ „Chef, kann ich heute den Tag frei haben? Notfall in der Familie!“ „Pialein, schön, das du anrufst! Mir geht es auch gut!“ frotzelte er. „Ach Chef, sei doch nicht so“, quengelte ich. Mario lachte. „Du hast natürlich den Tag frei, wir sehen uns morgen!“ „Danke Chef, ich hab dich lieb!“ Wir legten auf.
„Also Fo, kann losgehen“, grinste ich. Der Allgäuer hakte mich unter. „Also auf in den Kampf!“
Und das wurde es. Nils war schwer beleidigt mit uns, da wir uns auf Julias Seite stellten. „Nils, im Ernst“, bellte ich. „Du kannst deiner Frau doch nicht verbieten, wieder zu tanzen?“ „Und wieso nicht? Immerhin haben wir zwei Kinder?“ Fo brummte. „Bine arbeitet doch auch wieder?“ „Und ich auch?“ „Ole hat dich eben einfach nicht im Griff!“ Da reichte es mir. „Nils Egtermeyer! Reiz mich nicht!“ Seine blauen Augen funkelten mich wütend an. „Was denn? Und vor allem: Ein Kellnerjob? Ihr könntet locker von dem leben, was Ole verdient!“ „Ich bin aber kein Heimchen! Und Juli auch nicht! Also hör auf, hier den Macho raushängen zu lassen!“ knurrte ich ihn wütend an. „Fo! Ich dachte, wir wären Freunde?“ Der Allgäuer durchbohrte Nils mit seinen Blicken. „Das sind wir auch, aber wir leben nicht mehr im finsteren Mittelalter, du kannst wirklich nicht erwarten, dass deine Frau ihre Karriere aufgibt?“ Julia trat mit Malou auf dem Arm in den Raum. „Geh, was ist denn hier für ein Geschrei?“ Als das kleine Mädchen mich sah, zappelte sie auf den Armen ihrer Mutter. „Pia! Arm!“ befahl sie mir, und ich nahm den rotblonden Wirbelwind auf den Arm. „Na, Süße?“ Malou zupfte mir an einer Strähne herum, die sich aus meinem Zopf gelöst hatte. „Pia lieb!“ Ich küsste sie auf die Wange, was ihr einen Quietscher entlockte. Fo und Nils zankten sich derweil weiter. Ich seufzte. „Kinder, so kommen wir nie zu einem Ergebnis. Nils, du siehst, deine Kinder sind glücklich und zufrieden-auch wenn Mama wieder tanzt. Also lass deiner Frau die Freude. Juli, wie war das? Du tanzt die Jasmin in Aladdin?“ Julia nickte. „Kannst du uns Karten organisieren? Das muss ich gesehen haben!“ Nils gab mir einen Klaps. „Du bist so eine Verräterin!“ Ich drückte Fo Malou auf den Arm, und umarmte meinen Trauzeugen. „Darum geht es nicht. Du willst doch eine glückliche Frau haben? Und du liebst sie doch?“ Nils nickte. „Dann lass sie wieder tanzen. Frau glücklich, Kinder glücklich, Nils glücklich. Hm?“ Er brummte. Dann küsste er mich freundschaftlich auf die Wange. „Hast ja recht. Und mein Schaden soll es ja wirklich nicht sein. In Gottes Namen, dann geh wieder tanzen, Schatz!“ Julia warf mich vor Begeisterung fast um. „Wie machst du das? Verrat mir deinen Trick!“ Ich strich ihr über die Wange. „Ich sage das, was ich denke. Sehr zu Oles Leidwesen zuweilen.“ Fo lachte. „Ja, ich erinnere mich da dunkel an eine Spezialsendung!“ Julia zog eine Augenbraue hoch. „Er hat dir das mit Mario übel genommen?“ „Aber hallo! Er hat drei Wochen lang nicht mehr für mich gekocht, und als ich gefragt habe, was das sollte, kam nur, ich solle gefälligst die Pasta meines Chefs essen, ich undankbares Stück!“ Nils knuffte mich. „Er war wochenlang das Gespött des ganzen Teams!“ Ich zeigte meinem Trauzeugen die Zunge. „Fo, kommst du noch mit zu uns? Papa Frank wollte auch noch vorbei kommen. Er dreht gerade in Finkenwerder.“ Der grauhaarige grinste mich an. „Unter einer Bedingung, schönes Kind.“ „Die da wäre?“ „WIR bekochen DICH, und nicht wieder umgekehrt.“ „Schmeckt mein Essen nicht? Oder meint ihr, nur weil ihr Sterne habt, könnt ihr das besser?“ Nils musste sich ein Lachen verkneifen. „Aber okay, wenn es euch glücklich macht: Ihr dürft kochen.“ Fo zwinkerte. „Nils, bei Pia muss sich Ole eher Sorgen machen, dass sie ihm den Rang abläuft, als dass sie Superkellnerin wird.“ Ich schmollte gespielt. „Quatschst du nur doof, oder kommst du mit?“ Fo nickte, und wir verabschiedeten uns herzlich vom wieder versöhnten Ehepaar Egtermeyer und ihren beiden Kindern.
Als wir zuhause angekommen waren, saß schon Frank auf dem Treppenabsatz. „Töchterchen, es ist nicht höflich, seinen alten Vater warten zu lassen!“ „Du bist mal ganz locker eine Stunde zu früh, also beschwer dich nicht!“ Er umarmte mich. „Herr Kollege, freut mich, dich wiederzusehen.“ Die beiden Franks gaben sich die Hand. „Ich habe deiner Tochter das Versprechen abgenommen, dass wir sie heute bekochen dürfen“, erzählte Fo auch direkt. „Ach wo, die wirft uns nach fünf Minuten eh wieder aus der Küche. Ich habe es noch nie geschafft, für sie kochen zu können.“ Ich grinste in mich hinein, aber hielt mich in der nächsten Stunde wirklich zurück. Meine Küche hatte sich in eine Sterneküche verwandelt, wo stumm gearbeitet wurde. Nur einige Befehle wurden hin und hergebrüllt, und vom jeweiligen Empfänger mit einem schallenden „Oui, Chef!“ beantwortet.
Da kamen Ole und die Kinder zur Tür herein. Maria winkte stolz mit einem Plüschtiger, und Flo krallte sich an seinem Plüschelefanten fest. „Fant!“ jodelte er. Ole küsste mich zur Begrüßung. „Was ist hier denn los? Lärm in der Küche und du hier draußen?“ „Opa Frank und Onkel Fo haben das Regiment übernommen, und ich durfte nicht mitmachen“, jammerte ich theatralisch. Bei dem Wort Opa sausten beide Kinder in die Küche. „OPA!“ kreischten sie Begeistert. Frank setzte sein schönstes Grinsen auf, und umarmte die beiden. Ich wagte einen Blick in die Küche. Als ich gerade den Deckel des großen Topfes anheben wollte, der auf dem Herd stand, schlug mir mein Erzeuger auf die Finger. „Raus hier!“ Ich brummte unwirsch. „Gucken wird doch erlaubt sein?“ „Nein“, setzte Fo nach. „Wenn du dich nützlich machen willst, deck den Tisch.“ Ich verließ beleidigt die Küche, die immerhin mein Refugium war. Selbst Ole hatte selten Zutritt. Die Leidenschaft zum Kochen hatte ich tatsächlich von Frank vererbt bekommen. Außerdem hatte mein Mann ja zwei Betriebe, die am Laufen gehalten werden mussten.
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