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Mein turbulentes Leben

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
OC (Own Character) Ole Plogstedt
29.03.2016
20.09.2016
38
66.454
1
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
21.04.2016 2.020
 
Tadaaaah, in diesem Kapitel arbeitet Pia einen schweren Teil ihrer Vergangenheit au-dass Ole sich aber auch immer einmischen muss! Aber so ist er nunmal :-) Und jetzt enjoy! Es geht btw. mit großen Schritten auf Hochzeit Nr.1 in dieser Story zu ;)
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Ich drückte Julia meine Tüten in die Hand, und schlenderte zu unserer Wohnung zurück. Natürlich nicht, ohne mich überschwänglich von meinen Freundinnen zu verabschieden.
Kaum hatte ich den Schlüssel ins Schloss gesteckt, kam mir mein Verlobter schon entgegen. Als er sah, dass ich mit leeren Händen vor ihm stand, hob er erstaunt eine Augenbraue. „Shoppingtour war wohl nicht erfolgreich?“ Ich setzte meinen schönsten Unschuldsblick auf. „Wenn du wüsstest“, dachte ich mir im Stillen. „Nein, war leider nicht erfolgreich. Mein Bauch passt nicht mehr wirklich in meine alte Kleidergröße. Maria ist schuld“, schmunzelte ich. Ole lachte. „Stimmt doch gar nicht, du bist sogar schöner als vor der Schwangerschaft.“ „Erklärst du mir gerade, dass ich vor der Schwangerschaft hässlich war?“ neckte ich ihn. Er hob abwehrend die Hände. „Das habe ich so nie gesagt. Aber bevor du mich zerfleischt, wir haben Besuch.“ „Wen?“ „Frank.“ „Fo?“ „Nein, Frank Rosin.“ Ich drehte mich auf dem Absatz um. Ich wollte diesen Mann um nichts in der Welt treffen. Sollte er wirklich mein leiblicher Vater sein, würde ich ihm nie verzeihen können, dass er mich nach dem Tod seiner Frau schmählich im Stich gelassen hatte. Aber ich wollte es gar nicht wissen. Mein Papa Hartmut würde immer mein wahrer Papa bleiben, und kein dahergelaufener Sternekoch würde daran etwas ändern können. Ole rief mir noch nach, aber das ignorierte ich gekonnt. Ich lief ziellos durch die Stadt. Irgendwann fand ich mich vor dem Olsen wieder. Es hatte noch geschlossen, aber ich sah, dass Licht brannte. Also klopfte ich zaghaft an die Eingangstür. Keine zehn Sekunden später stand Beate vor mir. „Was machst du denn hier?“ „Kann ich reinkommen?“ Oles Exfrau lächelte. Wir hatten erstaunlicherweise ein sehr gutes Verhältnis zu einander entwickelt. „Was ist denn los, miin Deern?“ Ich seufzte. „Ole ist los. Dieser Wahnsinnige hat den Mann in die Wohnung gelassen, von dem alle behaupten, nur er könne mein Erzeuger sein.“ „Frank Rosin, hm?“ „Du nicht auch noch!“ jammerte ich. Bea brachte mir einen Schnaps. „Tut mir leid, aber wenn ich in dein Gesicht sehe, sehe ich seine verstorbene Frau Ricarda. Und du hast seine Nase und sein Grinsen.“ „BEA! Ich hatte eigentlich auf Verständnis gehofft, nicht, dass du auch in diese alberne Verschwörungstheorie mit einsteigst!“ Sie drückte meine Hand. „Ich verstehe dich. Aber meinst du nicht, nach über 30 Jahren wäre es Zeit, sich auszusprechen? Hör dir an, was er zu sagen hat. Dann kannst du weitersehen.“ „Hast ja recht. Aber ich könnte Ole erwürgen!“ Beate lachte ihr kehliges Lachen, das ich auch von Jessy kannte. „Ja, Ole ist ein bisschen überfürsorglich. Aber besser hättest du es nicht treffen können. Geh nach Hause, Süße.“ Ich lächelte sie warm an. „Aber wenn er doch so ein toller Fang ist, warum hat das dann mit euch nicht geklappt?“ Sie erwiderte mein Lächeln. „Wenn man 20 Jahre zusammen ist, kann man sich schon mal auseinander leben. Und dann kam Thomas. Naja…den Rest kennst du.“
Ich umarmte sie. „Ich gehe dann mal nach Hause. Danke für alles.“
Zehn Minuten später war ich wieder zu Hause. Ich betrat leise die Wohnung. Aus dem Wohnzimmer hörte ich zwei Männerstimmen, und Marias quietschendes Lachen. Schüchtern trat ich in den Türrahmen. Ole lächelte. „Ich wusste, dass du zur Besinnung kommen würdest.“ „Bedank dich bei Bea“, entgegnete ich. Frank schaute zu mir auf. Ich zuckte zusammen. Alle hatten recht gehabt! Ich erkannte in seinem Gesicht unendlich viel von mir selbst. „Pia….“ begann er. „Ich will es ehrlich gesagt nicht hören“, erwiderte ich. „Ich will erst mit meinem Papa darüber sprechen. Ich hoffe, das verstehst du?“ Er seufzte. „Lass mich erklären.“ Ich verdrehte die Augen. Ole schob mich unsanft in Richtung des Sofas. „Okay, dann erklär es. Warum tauchst du JETZT auf? Warum hast du mich überhaupt abgegeben? Woher dein Interesse nach über 30 Jahren? Leg‘ los!“ Frank legte eine Hand auf meinen Arm und schaute mir traurig in die Augen. „Ich erinnere mich noch genau an den Tag deiner Geburt. Als man dich mir auf den Arm gelegt hat, war ich der glücklichste Mann der Welt. Pia ist übrigens der Name, den Ricky und ich für dich ausgesucht hatten. Alles war perfekt. Als du zwei Jahre alt warst, ist Ricky an Krebs gestorben. Ich war überfordert. Ich hatte mich gerade erst selbständig gemacht, dann ein kleines Mädchen, der Verlust der Frau…naja, ich habe angefangen, zu trinken. Und da hat das Jugendamt zu deinem Wohl entschieden, dass du zu den Werners kommst.“ Ich schaute ihn wütend an. „Und da hat es dich nie interessiert, was aus mir wird? Irgendwann wirst du ja trocken gewesen sein?“ Frank schaute betreten auf die Tischplatte. „Ja, war ich. Aber sieh mal, ich war Anfang zwanzig, frisch selbständig mit einem Restaurant, und du hast schon bei den Werners gelebt. Ich wollte dich da nicht wieder herausreißen und dich verunsichern. Du warst doch noch so klein, mein Schatz. Und als ich dich in Berlin nach dem Weg gefragt habe, habe ich dich sofort wiedererkannt. Deswegen bin ich auch ohne ein weiteres Wort verschwunden. Und als ich neulich die Spezialsendung der Kollegen gesehen habe, war ich mir ganz sicher: Das ist mein Mädchen! Darum habe ich heimlich Kontakt zu Ole aufgenommen. Sei ihm nicht böse. Er liebt dich von Herzen, und will dir nichts Schlechtes.“ Ich schaute Ole immer noch leicht wütend an. „Du WUSSTEST, dass ich ihn eigentlich nicht sehen wollte!“ knurrte ich. Er setzte seinen schönsten Dackelblick auf. „Aber ich weiß auch, wie großherzig du bist, mein Schatz. Und er bereut es doch.“
Ja, mein Erzeuger sah wirklich aus, als würde es ihm leid tun. „Frank, es freut mich, dass du so offen zu mir warst. Ich bin immer in dem Bewusstsein aufgewachsen, adoptiert worden zu sein. Ich hatte eine große Schwester, und eine wunderbare Mutter. Die beiden sind leider vor fünf Jahren tödlich verunglückt. Mein Papa hat sich alle Mühe gegeben, mir Vater und Mutter zu sein. Er hat mich immer in allem unterstützt. Ich wusste immer, dass meine leibliche Mutter gestorben war, und mein leiblicher Vater, also du, überfordert mit der Situation war. Aber mich hatte das nie interessiert, da ich immer ein liebevolles, stabiles Umfeld hatte. Und jetzt habe ich, wie du siehst, eine kleine Familie. Magst du deine Enkelin mal auf den Arm nehmen?“
Er lächelte. „Wenn ich darf?“ Ich nahm Maria aus ihrem Laufstall, und drückte sie ihm in die Arme. „Darf ich dir deinen Opa vorstellen?“ Sie lächelte ihn an. „Opa!“ Frank strahlte sie an. „Ja, ich bin dein Opa Frank. Schön, dich kennen zu lernen, Kleines!“ Maria gluckste.
Ole nahm mich in den Arm. „Siehst du, alles gut.“ Ich entzog mich ihm. „Darüber reden wir noch!“
Frank war inzwischen in seiner eigenen Welt. Er schmuste ausgiebig mit Maria, die sich das nur zu gerne gefallen ließ. Ich gab Ole ein Zeichen, und ging auf den Balkon, um eine Zigarette zu rauchen. Als ich den ersten Zug genommen hatte, zog ich die Stirn kraus. Ich fingerte nach meinem Handy und wählte die Nummer meines Papas. „Pia, was gibt es denn?“ „Papa, Frank sitzt gerade in unserem Wohnzimmer und macht einen auf Superpapa. Was soll ich denn jetzt machen?“ Er lachte. „Das was du bei mir immer machst, wenn ich das tue. Argumentier ihn in Grund und Boden.“ „Papa, ich meine das ernst!“ „Ich weiß. Tochterkind. Aber gib ihm eine Chance. Ich jedenfalls bin ihm dankbar, dass ich dich als meine Tochter bekommen habe. Er hat mir das Beste und wichtigste geschenkt, was ich jetzt noch habe.“ „Also bist du ihm wohlgesonnen?“ „Natürlich. Und du solltest es auch sein.“ „Ich liebe dich, Papa. Weißt du das?“ „Natürlich weiß ich das. Aber jetzt geh wieder zu ihm. Und gib Maria einen dicken Kuss von mir. Bis bald.“ Damit legte er einfach auf. Ich starrte fassungslos auf mein Smartphone. Das war so typisch für ihn. Ich drückte meine Zigarette aus, und kehrte ins Innere der Wohnung zurück. Frank schaute mich streng an. „Das mit den Zigaretten solltest du sein lassen.“ Ich hielt seinem Blick stand. „Bin ich nicht zu alt, um noch erzogen zu werden?“ Ole schenkte mir einen zweideutigen Blick. „Also mir nicht!“ „OLE! Nicht vor Frank!“ gab ich entrüstet zurück. Dieser lachte nur. „Lass ihn doch. Bist doch auch eine wunderschöne Frau geworden.“ „FRANK! Du nicht auch noch!“ Die beiden lachten. „Na toll, mein Erzeuger und mein Noch-Nicht-Mann haben sich gegen mich verschworen“, schmollte ich. Frank schaute Ole fragend an. „Noch-Nicht-Mann? Du wirst meine Tochter doch wohl heiraten?“ Mein Liebster grinste. „Doch, nur nicht mehr dieses Jahr.“ Maria gähnte. Ich nahm sie auf den Arm. „Dann machen wir wohl mal Bubu, Mäuschen. Sag Byebye zu Papa und Opa!“ Sie winkte, so gut es eben ging. Frank seufzte. „Ein niedlicher Fratz!“ „Sieht ja auch aus wie ich“, war Oles trockener Kommentar.
Ich ging ins Kinderzimmer. Ich zog Maria um, und legte sie in ihr Kinderbettchen. „Gute Nacht, Prinzessin.“ „Mama, Lala!“ forderte sie. Ich verdrehte die Augen, und stimmte ein Kinderlied an. Sie lächelte selig. Als ich geendet hatte, merkte ich, dass ihre Äuglein geschlossen waren, und sie gleichmäßig atmete. Ich schlich mich leise aus dem Raum, und kehrte zu den beiden Männern zurück.
Es war jetzt 18.30 Uhr. „Frank? Lust mit mir zu kochen?“ fragte ich. Er nickte. „Kann sie das?“ wandte er sich an Ole. „Und wie! Ich habe am heimischen Herd nichts zu melden!“ Ich streckte ihm die Zunge heraus. „Sei doch froh? Du hast doch ein Restaurant und ein Catering?“ Ole sah mich an. „Restaurant, da sagst du was! Ich bin zu spät!“ Er küsste mich flüchtig, gab Frank die Hand, und hastete davon. Frank lachte. „Da hast du dir ja was angelacht!“ „Schnauze halten, kochen!“ war meine trockene Antwort. Nach einer Stunde waren wir fertig. Wir hatten Hand in Hand gearbeitet, und ich musste laut loslachen, als ich sah, dass wir die Messer auf die exakt gleiche Weise führten. Frank hingegen kicherte, als er sah, dass ich auf dieselbe Weise schaute wie er, wenn ich mich konzentrierte. Ich richtete an, und trug die Teller an den Tisch. „Und was trinken wir nun zu unserem Curry?“ fragte er. „Weißwein. Ich habe hier einen Grauburgunder aus Italien. Jahrgang 2005, leichte Vanillenote.“ Frank hob anerkennend eine Augenbraue. „Bist du Sommeliere geworden?“ „Nein, ich bin gelernte Reisekauffrau. Aber ich arbeite im Z&Ko in Berlin, und die haben mich fit gemacht, was Weine angeht.“ Wir aßen schweigend. „Ich habe vorhin mit Papa telefoniert. Er würde dich gerne kennen lernen. Er sagt, er ist dir dankbar dafür, dass er durch dich eine wunderbare Tochter bekommen hat.“ „Ach wirklich? Ich hatte schon Angst davor, dass er denken könnte, ich wolle ihm seine Tochter streitig machen. Aber das habe ich nicht vor. Ich will dir zumindest gerne ein väterlicher Freund sein. Und ich würde den Mann, der dich zu einem so wunderbaren Menschen erzogen hat, sehr gerne kennen lernen.“ Ich schenkte ihm ein warmes Lächeln. „Hast du ein Foto von Ricky?“ Er nickte, und lief in die Garderobe, um in seiner Jackentasche zu wühlen. Nach kurzer Zeit kam er mit einem Foto zurück. Er drückte es mir in die Hand. Darauf war eine junge, kaum 20-jährige Frau mit schwarzen, langen Haaren abgebildet, die glücklich in die Kamera lachte, und ein Baby im Arm hielt. Das war wohl ich, vermutete ich. Ich betrachtete das Bild genau. Sie schien ungefähr meine Größe zu haben, und bis auf die Nase war ich ihr wirklich wie aus dem Gesicht geschnitten.
„Sie war wunderschön. Bin ich das auf ihrem Arm?“ Er fuhr mir liebevoll durchs Haar. „Ja, das bist du. Da warst du ein paar Wochen alt.“ Ich erhob mich, und umarmte ihn fest. Er erwiderte es, und küsste mich schüchtern auf die Schläfe. „Meinst du, wir können Freunde werden?“ fragte er. Ich lächelte. „Das hoffe ich.“
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Dieses Lied drückt ganz gut aus, was Pia fühlen könnte https://www.youtube.com/watch?v=IigRv6B763k
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