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Mein turbulentes Leben

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
OC (Own Character) Ole Plogstedt
29.03.2016
20.09.2016
38
66.454
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09.04.2016 1.806
 
„Nein, ganz und gar nicht. Ich würde mich über ein weiteres Kind mit dir sogar sehr freuen, aber eins reicht für den Anfang, zumal sie noch nicht einmal auf der Welt ist.“ Ich küsste ihn meinerseits. „Hast ja recht.“ Markus, Fos Küchenchef stand vor uns. „Will irgendjemand was essen?“ Mein Magen knurrte. „Ich!“ Er lachte mich an. „Du bist also Oles wilde Freundin?“ Ich grinste zurück. „Die bin ich, aber sag mal, heißt du zufällig Eberhardinger und hast einen Bruder namens Chris?“ Er nickte. „Dann kennst du auch Maria, meine Schwester. Sie war doch Chris‘ Freundin.“ Er umarmte mich direkt. „DU bist Chris‘ Lieblingsschwägerin gewesen?“ Ich brummte. „Wie geht es ihm denn?“ „Er lebt inzwischen zwar wieder in einer Beziehung, aber er denkt noch häufig an Maria.“ Ole schnaubte. „Du kennst echt jeden, oder?“ „Ich kenne nur seinen Bruder. Er und meine Schwester waren fünf Jahre lang ein Paar.“ „Maria war älter als du?“ „Ja, sie würde nächste Woche vierzig werden. Ich war die Nachzüglerin. Aber bekomme ich nun etwas zu essen?“ Markus hakte mich unter. „Aber sicher doch. Chris wollte auch nachher noch…“ Weiter kam er nicht, denn ehe ich mich versah, drückte mich der inzwischen Mittvierziger auch schon an sich. „Kleine Schwägerin, was machst DU denn hier? Fett bist geworden!“ Ich knuffte den dunkelhaarigen. „Das ist ein Babybauch, du Hirni!“ „Sehe ich selber. Markus, hast du das verbrochen?“ Sein kleiner Bruder hob abwehrend die Hände. Ole trat vor. „Das ist wohl meine Schuld“, grinste er. „Markus, bekomme ich jetzt essen?“ versuchte ich es erneut, und der brünette schleppte mich an der Hand in die Küche. Dort angekommen drückte er mir einen Teller Risotto in die Hand. Ich steckte mir eine Gabel davon in den Mund, und brach unvermittelt in Tränen aus. „Schmeckt es so schlecht?“ fragte Markus besorgt. „Nein, das war immer Marias Lieblingsessen.“ Er versuchte ein schiefes Grinsen. „Schmeckt es denn trotzdem?“ „Auf jeden Fall! Das ist himmlisch!“ Der dunkelhaarige freute sich aufrichtig. Nachdem ich meinen Teller leer gefuttert hatte, hielt er mir ein Gläschen weiße Schokoladenmousse unter die Nase. „Wäre das noch was für euch?“ Ich grapschte danach. „Aber hallo!“ Während wir ein wenig um den Nachtisch rangelten, betraten die anderen die Küche. „Bekommen wir auch was zu essen?“ Markus war ein wenig abgelenkt, und ich schnappte mir das Gläschen. Nach dem ersten Löffel strahlte ich glücklich. „Das ist ja der HAMMER!“ Ole schmollte. „Bei meinen Desserts rastest du nie so aus“, grummelte er. Ich warf ihm eine Kusshand zu. „Stimmt doch gar nicht, für deine Brownies würde ich morden, weißte doch.“ Er schaute etwas besänftigter drein, und irgendwann saßen wir alle irgendwo auf einer Arbeitsfläche und aßen. Julia fütterte mich mit ihrer Mousse, da sie ihre Portion nicht schaffte. Sabine hatte sich neben mich gesetzt, und ich lehnte mich vertrauensvoll an die hübsche Frau. Ole kuschelte unterdessen mit Andi, während Fo und Nils verträumt Händchen hielten. Sabine seufzte. „Wann kommt eure Maus denn?“ „Wenn sie sich an den Plan hält, wird es ein Weihnachtsengel!“ Ole lachte. „So muss ich wenigstens keinen Weihnachtsbaum kaufen!“ „Das hättest du wohl gern, mein Schatz. Unsere Prinzessin wird ja wohl einen Baum erwarten können?“ Fo klopfte Ole auf die Schulter. „Mach das mal, wenn du keinen Ehekrach haben willst.“ „Ehekrach? Dazu müsste Ole mich erst mal fragen!“ gackerte ich. Andi warf sich vor mir auf die Knie. „Zur Not heirate ich dich“, verkündete er mit Bambiblick. Julia giggelte. „Nils hat sich da aber auch weng angestellt. Da musste auch erst Etienne unterwegs sein!“ Ole schmollte. „Setzt mich halt alle unter Druck. Kaum geschieden, und schon werde ich wieder verheiratet?“ Nun war es an mir, zu schmollen.
Drei Monate später, es war tatsächlich kurz vor Weihnachten, machte unsere Tochter noch keine Anstalten auf die Welt zu kommen. Ich war seit acht Wochen im Mutterschutz. Gerade war Ole tatsächlich mit einer stattlichen Tanne in die Wohnung gerauscht. Nils half ihm tragen. Julia und Etienne hatten mit mir den Schmuck für den Baum sortiert, und warteten nun, dass wir loslegen konnten. Kaum stand der Baum, spürte ich einen stechenden Schmerz im Bauch. „Oh-oh“, stöhnte ich. „Geht es los?“ fragte Julia besorgt. „Ich befürchte es.“ „Ruhig. Schön durch den Bauch atmen“, forderte sie. „Ruf mal einer im Komödienstadl an, die vermissen wohl eine Komikerin“, jammerte ich. „Mach einfach, was ich dir sage! Ich bin vielleicht jünger als du, aber ich habe das schon mal mitgemacht-du magst es kaum glauben!“ bellte die Fränkin. „Okay.“ Ich versuchte, ihre Atemtechnik anzuwenden. AAAAAHHH! Jesses! Ole, ich lasse dich NIE wieder ran, hörst du? NIE WIEDER!“ „Die Leier kenne ich noch von Beate, die hat mich aber immerhin drei Mal rangelassen“, versuchte Ole einen Scherz. Ich warf die Vase, die neben mir stand, nach ihm. „Okay, der Spruch war nicht so cool“, ruderte er zurück. „AAAAH!“ Da standen Oles Töchter im Raum. „Ach du Scheisse, geht es los?“ fragte Jessy. „Offensichtlich“, jammerte Nils. „Nils, du rufst den Krankenwagen, Papa, du holst schon mal heißes Wasser und Handtücher, Julia bleib wo du bist. Nouk und Me, ihr geht mit Etienne auf den Weihnachtsmarkt, TEMPO!“ ordnete Jessy resolut an. Alle machten sich an die geforderten Aufgaben, und Jessy lief ins Schlafzimmer, um meine Krankenhaustasche zu holen. Julia redete beruhigend auf mich ein, und Nils war nach dem Anruf beim Rettungsdienst ins Bad gerannt, um sich zu übergeben. Ole stand mit dem Wasser und den Tüchern vor mir. Jessy kam mit der Tasche wieder. Ich winkte ab. „Jes, dazu ist keine Zeit mehr, Fruchtblase ist geplatzt!“ Ole wurde ebenfalls blass. „Papa, ernsthaft?“ fauchte Jessy, als er bedrohlich zu schwanken begann. „Männer!“ fauchte die resolute 21-jährige. „Dann machen wir das ohne die Idioten.“ Julia zog mir die Hose aus. „Oh-oh, Der Muttermund ist schon geöffnet. Pressen, Maus, pressen!“ Ich kam dem nach. „AAAAH!“ „Weiter!“ So ging es eine Weile, dann klingelte es, und Jessy führte die Notärzte nach drin. „Guten Tag, mein Name ist Dr. Huber, was ist passiert?“ fragte der junge Arzt. „Sehen sie doch!“ raunzte Ole. Der junge Mann schaute zwischen meine Beine. „Ach je. Corinna, hol mir mal bitte saubere Handtücher!“ Ole zeigte auf den Stapel, den er aus dem Bad geholt hatte, und die Ärztin lächelte. „Wunderbar. Und nun pressen sie weiter, ich kann das Köpfchen schon erahnen!“ Eine Stunde später legte mir Dr. Huber meine gesunde Tochter auf den Bauch. „Herr Plogstedt, wollen sie ihre Tochter abnabeln?“ Ole lächelte. „Gerne.“ Routiniert durchtrennte er die Nabelschnur, und Dr. Huber versorgte sie fachmännisch. Danach übergab er unsere Prinzessin an seine Kollegin. „Einmal waschen und wiegen bitte!“ „Wie soll die Kleine denn heißen?“ Ole und ich schauten uns tief in die Augen. „Maria. Aber als Zweitnamen würden wir gerne Corinna nehmen. Sind sie damit einverstanden?“ fragte ich die Ärztin, die Klein-Maria gerade wog. „Das freut mich jetzt aber!“ meinte sie. Ihre Maria ist 53 cm groß und wiegt 3250 Gramm! Und sie ist kerngesund! Herzlichen Glückwunsch!“
Nachdem die Ärzte gegangen waren, deckte Nils (er hatte sich wie durch ein Wunder erholt) mich zu.  Julia wiegte Maria in den Armen, und Ole besah sich seine Tochter zärtlich. „Kann ich sie auch mal haben?“ motzte ich. „Immerhin ist sie mein Kind!“ Julia nickte. „Natürlich, Süße. Das habt ihr fantastisch gemacht. So eine goldige Maus!“ Ich schaute meine Tochter an. „Schaut aus wie Ole!“ Jessy beugte sich zu uns. „Stimmt. Das erste Plogstedt-Mädchen, das auch so aussieht. Gut gemacht, Papa!“ Er küsste seine älteste liebevoll auf die Stirn. „Danke, mein Mädchen.“ Der Weihnachtsmarkt-Trupp war zurück. „Baby!“ kreischte Etienne, und besah sich Maria ganz genau. „Hübsch!“ stellte er fest.
Ole tippte derweil auf seinem Handy herum.

„OleP an alle: Klein-Maria ist da! Sie wollte nicht warten, bis Mama im Krankenhaus war, also hat sie direkt ihr neues Zuhause kennen gelernt. Eckdaten: 53 cm und 3250 Gramm pures Glück! Liebe Grüße vom stolzen Papa Ole!“
Die Antworten kamen prompt und wurden einzeln vorgelesen:

„MarioK: OMG, wir sind so stolz auf unser Mädel! Glückwunsch! Die Z&Ko Bande!“
„Toady: Yeah, wir Speckis freuen uns wie bekloppt! PiSo ist schon gespannt auf das Baby!“
„AndiMUC: Mein Patenkind ist da, ich komme um! Knutsch deine beiden Frauen von mir!“
„Speisemeister: Glückwunsch von den Oehlers!“
„AndreW: Wir sagen Alles Gute! Der stolze Patenonkel Andre und Carsten!“
„HartmutWe: Ich bin also wirklich Opa? Sag meiner Tochter, dass ich sie unendlich liebe.“
„RichyR: Die ESJ-Familie gratuliert herzlich. Pia, du kommst doch mal in München vorbei?“
„JuliaHH: Was schickst du mir das? Ich stehe neben euch?“
„NilsHH: Ich war dabei, du Pappnase!“

Ich gluckste. „Du hast das auch an die Egtermeyers geschickt? Du Held!“ „Mei, er war halt aufgeregt“, beschwichtigte Julia. Maria verkündete allerdings lautstark, dass sie Hunger hatte. Ich legte sie an meine Brust, und sie begann, zu trinken. Anouk und Aimee betrachteten die Szenerie gerührt. „Unsere kleine Schwester ist zuckersüß! Und Papa, jetzt hast du wenigstens ein Kind, das dir ähnlich sieht.“ Ole knuffte seine Zwillinge. Er setzte sich zu mir, und beobachtete uns liebevoll. „Ich bin so stolz auf dich, mein Schatz!“ flüsterte er, und strich mir zärtlich über die Wange. Ich lächelte ihn verliebt an. „Du hast aber auch deinen Teil beigetragen, ohne dich hätte ich die kleine Prinzessin jetzt ja nicht im Arm“, gab ich zurück. Julia schluchzte. „Ihr seid so eine niedliche Familie!“ Nils nickte bekräftigend. „Aber jetzt lassen wir euch sechs alleine. Macht’s gut!“ Ich winkte meinen Freunden müde zu. Aimee und Anouk hatten sich daran gemacht, den Weihnachtsbaum fertig zu dekorieren, während Jessy in der Küche Tee für alle kochte.
Ich gab Ole Maria auf die Arme, und schlief auch direkt ein. Die Geburt war anstrengend gewesen. Als ich wieder aufwachte, sah ich, dass die Mädels ihre Schwester betüddelten, und Ole neben mir lag-ebenfalls schlafend. Anouk hatte bemerkt, dass ich wieder wach war. Sie legte mir Maria in den Arm. „Ich glaube, sie hat die Windeln voll.“ Ich nickte verstehend, und stand auf, um meine Tochter trocken zu legen. Maria gurgelte zufrieden und schaute mich kurz aus den Augen ihres Vaters an, ehe sie wieder einschlief. Als ich mit ihr ins Wohnzimmer zurückkam, regte sich Ole auf dem Sofa. „Na, auch schon wach, Papa?“ neckte ich ihn. Er küsste mich verschlafen. Die Mädchen kicherten. „Hast du nach unseren Geburten auch so fertig ausgesehen?“ „Das müsst ihr eure Mutter fragen“, kam die trockene Antwort.
Nach einer Weile gingen die drei wieder nach Hause, aber nicht ohne Maria herzlich zu verabschieden. Nun waren wir also das erste Mal alleine. Ich war so glücklich, dass ich zerspringen könnte. Ich hatte mir immer einen liebenden Partner gewünscht. Ein Kind eigentlich nicht, aber jetzt wo ich meine Tochter im Arm hielt, konnte ich es mir gar nicht mehr anders vorstellen.
Meine Gedanken drifteten ab, zu meiner ersten Nacht mit Ole (und Andi). Wenn ich damals gewusst hätte, was daraus werden würde…
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