Schattenmagierin

von Cat86
GeschichteFantasy / P18
Alistair Blackwall Cullen Inquisitor (weiblich) OC (Own Character)
27.03.2016
20.11.2019
22
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Prolog
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Es war dunkel und nass in Denerim. Fast ohrenbetäubend laut prasselte der Regen unaufhörlich nieder. Die Straßen rochen nach feuchtem Stein, Schmutz und Dreck. Die Taverne "Zur müden Adligen" war brechend voll, und so nahm kaum einer Notiz von der jungen Frau, als sie die Tür aufstieß und den Schankraum betrat. Sie suchte sich eine freie Ecke, setzte sich an einen Tisch und legte den Umhang ab. Ihren Stab stellte sie neben sich in die Ecke.
Keiner wunderte sich darüber, dass eine Magierin einfach so herumlief. Seit die Göttliche Victoria die Zirkel umstrukturiert hatte, war es Magiern, die bewiesen hatten dass sie ihre Macht beherrschten, gestattet sich frei zu bewegen. Einzig das Alter dieser Magierin hätte einen stutzen lassen können. Die junge Frau war etwa zwanzig Jahre alt, nicht viel älter. Lange rote Haare trug sie geflochten über ihrer rechten Schulter, und an ihrem linken Ohr, das etwas spitzer war als normal, trug sie einen Ohrring, an dem ein kleiner silberner Mabari hing. Die enganliegende, schwarze Lederhose war an den Seiten der Beine geschnürt, die dunkelroten Stiefel abgetragen und mit Schlamm bespritzt. Ihr Bauch war freiliegend und gut trainiert, ein leichter Ansatz an Bauchmuskeln war zu sehen, und ihre Brust bedeckte ein Rotes Stück Stoff, das am Rücken zusammengebunden war und von einem Silbernen Ring um ihren Hals gehalten wurde. Ihr linker Oberarm zierte eine Silberne Armspange, deren Enden geformt waren wie die Blätter von Elfenwurzel. Über ihre linke Schulter zog sich eine feingezeichnete Tätowierung, schwarze Linien die einen Drachen formten. Honigfarbende Augen blickten sich wachsam um.

Seufzend rieb Kaiya sich die Schläfen. Warum ihre Eltern sie ausgerechnet hierhin geschickt hatten, um Ermittlungen anzustellen entzog sich ihrer Kenntnis. Illachal und Cullen führten zwar immer noch die Inquisition, doch langsam aber sicher stellte sich heraus, dass Thedas diese nicht mehr benötigte. Nachdem Briala endgültig geschlagen worden war hatte der Bürgerkrieg in Orlais aufgehört. Auch wenn sie nicht immer einer Meinung waren, so herrschten Gaspard und Celene doch einträchtig nebeneinander. Sogar das Leben für die Elfen hatte sich verbessert, was auch ihrer Mutter zuzuschreiben war, die vermittelt hatte. Alistair war immer noch König von Ferelden, was viele verwunderte. Schließlich hatten Wächter eine verkürzte Lebenserwartung. Aus sicherer Quelle wusste sie aber, das Lyras Suche von Erfolg gekrönt gewesen war – sie hatte eine Möglichkeit gefunden, einen Wächter von der Verderbnis zu trennen. Kaiya mochte die Elfenmagierin, die ihr gestanden hatte, dass dieser Prozess jedoch mit extremen Qualen verbunden war. Außerdem bestand die Gefahr, dass der Wächter es nicht überlebte. Sie und ihr "kleiner Templer", wie sie ihn immer nannte, hatten glücklicherweise überlebt.

Nachdem sie sich etwas zu Trinken bestellt hatte wurde Kaiyas Blick aufmerksamer. Der Schankraum war zwar voll, aber sie konnte jedes Gesicht klar erkennen. Und die Person, auf die sie wartete, war nicht da. "Coran, verdammt. Wo steckst du?" murmelte sie in ihren Becher mit Met hinein. Coran Rainier, Sohn von Thom und Fayris, war ihr bester Freund und ihr Weggefährte, wenn sie auf Mission ging. Er war ein begnadeter Schurke und Spion, konnte fast so gut mit dem Bogen umgehen wie ihre Mutter und war zudem ein begnadeter Kämpfer. Sein Kampfstil, den er von seiner Mutter gelernt hatte, war immer noch sehr unbekannt und sorgte im Getümmel gerne mal für Verwirrung. Er war zwar erst siebzehn, aber das tat seiner Geschicklichkeit keinen Abbruch. Seufzend trank Kaiya den Becher aus. Coran verspätete sich, das war ungewöhnlich. Okay, ihre Mission hier war auch alles andere als einfach, aber es sah ihrem Freund nicht ähnlich sich zu verspäten.
Zwei Stunden später war der dunkelhaarige Schurke immer noch nicht aufgetaucht. Kaiya entschied sich, ihn suchen zu gehen, und bezahlte beim Wirt das Essen. "Habt ihr noch Zimmer frei?" Ihre Stimme, hell und klar, ließ den dicklichen, kleinen Mann aufsehen. "Ja sicher, Mylady." Die rothaarige Halbelfin schob ihn einen Silberling zu und lächelte ihn an. "Ich gehe noch mal weg, aber haltet es mir bitte frei." Nickend nahm der Wirt das Geld entgegen.

Sie zog die Kapuze ihres Umhangs tief ins Gesicht. Der Griff um ihren Stab wurde fester. Silbern blitzte das fast schwarze Metall im Mondlicht auf. Der Griff war umwickelt mit rotem Leder, und die Spitze zierte ein dunkelblauer Kristall, umfasst von einem Geflecht des Metalls des Stabes. Dieser Stab war ein Unikat und bedeutete ihr alles. Sie hatte ihn von ihrem Patenonkel Dorian Pavus geschenkt bekommen, als sie ihre Läuterung bestanden hatte. Sie vermisste den Magister, seinen Humor und seine Scherze. Gedankenverloren griffen ihre Hände an den Beutel, der an ihrem Gürtel hing. Dort drin war ein Kristall, mit dem sie jederzeit mit Dorian sprechen konnte.
Kurz blieb sie stehen und schloss die Augen. Sie spürte ein Kribbeln, wie immer, wenn sich Gefahr näherte. Irgendetwas stimmte hier nicht. Tief holte sie Luft, konzentrierte sich und öffnete die Augen wieder. Dann riss sie ihren Stab hoch – keinen Augenblick zu spät. Von dem Dach über ihr war ein junger Mann gesprungen, hatte ausgeholt und seine beiden Dolche auf sie niedersausen lassen. Die Bewegung mit dem Stab hatte dafür gesorgt dass dieser Angriff zum Scheitern verurteilt gewesen war. Entschlossen stieß sie den Menschen von sich weg. Sein Grinsen entblößte eine Reihe ungepflegter, gelber Zähne. Wieder ging er zum Angriff über, schnell und gezielt stach er zu. Kaiya wich aus, ging in die Knie und war mit einem Mal nicht mehr zu sehen.
Lächelnd beobachtete die Halbelfin aus den Schatten heraus wie der Schurke sich suchend umblickte. Ihre Fähigkeit, in den Schatten zu wandeln obwohl sie keine Schurkin war, war einzigartig. Sie verdankte es Cole, der ihr eine Technik beigebracht hatte, den Schleier um sich herum zu verformen und so ein Trugbild ihrer Umgebung entstehen zu lassen, was sie vor dem ungeübten Auge verbarg. Diese Fähigkeit hatte ihr den Beinamen "Schattenmagierin" gegeben.
Fluchend suchte der Beutelschneider die Straße mit den Augen ab, doch konnte er sein Opfer nicht mehr finden. Kaiya grinste, hob die Hand und machte eine kleine Geste – und hätte sie den Banditen nicht am Boden festgefroren, so wäre er der Länge nach hingefallen. Rudernd kämpfte er mit dem Gleichgewicht und verlor dadurch seine Dolche. Schnell hatte Kaiya diese mit ihrem Stab außer Reichweite gestoßen, bevor sie mit einem raschelnden Geräusch ihres Umhangs wieder aus den Schatten trat. "Was bist du… Oder wer?" murmelte sie, als sie mit einem ausladenden Hüftschwung um ihr "Opfer" herumging. Kaiya wusste genau, wie gut sie aussah, und zum Leidwesen ihres Vaters versteckte sie diese Tatsache nicht. Ihr Kopf schnellte vor und ihre Augen bohrten sich in die ihres Gegenübers. "Ich denke mal, ein einfacher Dieb." Sie schnupperte kurz und rümpfte die Nase. "Dem Geruch nach zu urteilen jedenfalls kein Attentäter. Man riecht dich ja aus zwanzig Metern Entfernung." Ein Grinsen huschte über ihre Lippen. "Ich werde dich einfach bis Morgen hier eingefroren stehen lassen. Die Wachen werden dich früher oder später finden und befreien." Der Schurke wurde blass, wollte schon anfangen zu betteln, doch Kaiya hob nur mahnend den Finger. "Na na na! Sei schön leise, sonst friere ich dir auch noch deine Zunge ein. Die könnte dir dann ganz abfallen, und damit wärst du nie wieder in der Lage etwas zu sagen." Kurz tat sie so, als würde sie ernsthaft darüber nachdenken, doch dann drehte sie sich wieder um.

Ein tiefes Lachen war zu hören, als Coran aus einer Ecke trat. "Kaiya, Kaiya. Du bist mal wieder viel zu höflich zu solchem Gekröse." Erleichtert blickte die Halbelfin ihren Freund an. Coran war nicht anzusehen, dass seine Mutter ebenfalls Halbelfin war. Er hatte den kräftigen Körperbau seines Vaters geerbt, nur seine dunkelgrünen Augen erinnert an Fayris, seine Mutter. Die braunen Haare trug er wie sein Vater halblang und nach hinten gekämmt, sein Kinn schmückte ein Dreitagebart. "Coran! Bei Andrastes Flammenarsch, wo bist du gewesen?" Leise kichernd umarmte der Schurke die Magierin. "Ich wurde verfolgt, aber ich denke, ich habe sie abgehängt. Lass uns zurück in die müde Adlige gehen, ich werde dir dort berichten."







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Juhu meine Schokohasen. Ich konnte es mir partout nicht verkneifen, schon einmal den Prolog hochzuladen. Ich weiß nicht, wie häufig ich hier aktualisieren werde, aber ich werde diese Geschichte parallel zu "Ein Lied von Blut und Feuer" bearbeiten.

Ich hoffe euch hat dieser kleine Einstieg gefallen und euch neugierig auf mehr gemacht - in meinem Kopf schwirren ganz viele Ideen herum.

Kritik ist wie immer gerne gelesen, also: haut rein in die Tasten :)
*Motivationskekse da lass*
Cat
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