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Lost Girl

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Al Eric OC (Own Character) Peter
27.03.2016
21.09.2020
22
42.859
6
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27.03.2016 1.200
 
Tosender Beifall durchbrach die Stille, als das Blut auf die heißen Kohlen tropfte. Peter Hayes schritt stolz zu den Mitgliedern seiner neuen Fraktion hinüber und ließ sich mit einer Selbstverständlichkeit zwischen ihnen nieder, als würde er schon immer dazu gehören. Ferox. Es überraschte mich keineswegs, dass er diese Wahl getroffen hatte. Trotzdem versetzte mir die Tatsache, dass er nun schier unerreichbar war einen Stich. Insgeheim hatte ich immer noch gehofft, er würde sich für Candor entscheiden, unsere Geburtsfraktion. Dieser Hoffnungsfunke war nun gemeinsam mit dem Blutstropfen verdunstet.
Vor zwei Wochen hatte er mit mir Schluss gemacht. Einfach so, ohne Vorwarnung und vor allem ohne jegliches Feingefühl. ‚Wir werden eh in unterschiedliche Fraktionen kommen, also beenden wir das Ganze lieber sofort. Schade eigentlich, war nett mit dir‘.
Ehrlich und direkt, wie es sich für Candor gehörte. Ich hätte ihm eine reinhauen können. Stattdessen hatte ich mir jedoch die Augen ausgeweint und mein gesamtes Umfeld in den Wahnsinn getrieben. Das waren mit Abstand die schlimmsten Tage gewesen, die ich je durchleben musste. Und das auch noch kurz vor der wichtigsten Entscheidung meines Lebens.
Abwesend rutschte ich auf meinem Platz hin und her, bis sich plötzlich die Hand meiner Mutter auf mein Knie legte. Die sanfte Berührung holte mich wieder in die Gegenwart zurück. Ihr Griff verfestigte sich, und ich wusste genau, was sie mir damit sagen wollte: ‚Nein, Rosie. Denk nicht mal dran‘.
Etwas verärgert schob ich ihre Hand von meinem Bein. Glaubte sie wirklich, ich wäre so bescheuert?
Ja, ich war noch lange nicht über Peter hinweg, schon allein der Gedanke an ihn löste ein Kribbeln in mir aus. Obwohl ich ihn eigentlich verfluchen sollte. Aber trotz alldem war ich sehr wohl in der Lage, eine vernünftige Entscheidung zu treffen. Ich würde ihm nicht liebesblind in eine Fraktion folgen, in der ich nichts zu suchen hatte. Nein, mein Plan stand fest: Amite. Zusammen mit meinem besten Freund, Al. Meine Augen wanderten zu ihm herüber. Er saß aufrecht zwischen seinen Eltern und starrte stur geradeaus. Es schien fast so, als würde er meinen Blick bemerken und ihn absichtlich ignorieren. Seltsam…
Doch bevor ich mir groß Gedanken darüber machen konnte, wurde Al plötzlich aufgerufen. Erschrocken zuckte ich zusammen, als er sich abrupt erhob und zum Podest schritt. Ich hätte ihm gerne noch einen aufmunternden Blick zugeworfen, doch er gab mir keine Möglichkeit dazu. Nervosität stieg in mir auf. Hatte er seine Meinung geändert? Wollte er vielleicht doch in Candor bleiben? Aber wieso sollte er? Ich war mir ziemlich sicher, dass sein Test Amite ergeben hatte, obwohl er mir das Ergebnis nicht hatte mitteilen wollen. Das musste er auch gar nicht. Al war so lieb, so sanft…etwas anderes als Amite war undenkbar.
Doch Al war ein Familienmensch. Vielleicht hatte er sich doch dazu entschieden, diese nicht zu verlassen.
Meine Gedanken rasten. Sollte ich auch Candor wählen? Mein Test hatte zwar Amite ergeben, aber was konnte ich bei meiner Geburtsfraktion schon groß falsch machen? Ich war mit ihren Werten aufgewachsen, ich würde die Initiation locker überstehen. Ein Seitenblick zu meiner Familie bestätigte meine Entscheidung. Sie würden sich freuen und stolz auf mich sein. Also gut. Candor.
Lächelnd drehte ich meinen Kopf wieder nach vorne. Gerade rechtzeitig um zu sehen, wie das Blut von Als Hand auf die glühende Kohle traf.


Den Jubel der Ferox drang gedämpft an meine Ohren und verschwamm zu einem seltsamen Rauschen. Mein Herzschlag beschleunigte sich und ich hatte das Gefühl, zu ersticken. Ferox. Die Hand meiner Mutter war wieder da, diesmal auf meiner Schulter. Sie fragte mich etwas, doch ihre Worte verwandelten sich ebenfalls in ein Rauschen. Das unkontrollierte Zittern meiner Hände machte mir klar, dass ich nicht mehr die Herrin über meinen Körper war. Nun war auch Mums andere Hand da. Sie legte sich beruhigend auf meine bebenden Handgelenke.
Ich durfte nicht durchdrehen. Man würde mich untersuchen lassen. Ich sollte nicht nervös sein, oder traurig. Jedes Jahr gab es bei der Zeremonie mindestens ein Nervenbündel, und das war das letzte, was ich sein wollte.
Langsam kehrte mein Gehör zurück, und ich konnte die beruhigenden Worte meiner Mutter wieder wahrnehmen. Vorsichtig sah ich mich um. Nur die Leute in unserer unmittelbaren Umgebung hatten etwas bemerkt. Alle anderen folgten weiterhin der Zeremonie. Doch als das Zittern nachließ, wandten sie nach und nach ihre Blicke wieder nach vorne. Sogar mein Vater und meine Schwester. Natürlich. Sonst zogen sie ungewollt Aufmerksamkeit auf uns.
Ich sah zu den Ferox herüber und suchte nach Al. Da! Er saß neben Drew, und diesmal erwiderte er meinen Blick sogar. Es sah fast so aus, als hätte er darauf gewartet, dass ich ihn ansah. Er lächelte matt und zuckte mit den Schultern.
War das alles? War ihm bewusst, was er mir gerade angetan hatte? Meine Augen wurden alarmierend feucht, und ich brach den Blickkontakt schnell ab. Tränen, das fehlte mir gerade noch. Ich schloss die Augen, hielt den Atem an und zählte bis zehn. Es funktionierte, ich wurde wieder ruhiger. Ich öffnete die Augen wieder, und keine zehn Sekunden später ertönte mein Name. Ich erhob mich, und meine Mutter drückte noch einmal ganz fest meine Hand, bevor sie mich losließ. Mir war klar, was das bedeutete. Ich konnte ihren bohrenden Blick förmlich spüren. Doch sie brauchte sich keine Sorgen machen. Ich hatte mich entschieden. Ich würde meine Fraktion wechseln und eine Amite werden. So wie der Test es für mich vorgesehen hatte.
Wie in Trance betrat ich das Podest und bekam ein Messer in die Hand gedrückt. Es war eiskalt und die Wärme, die meine Mutter mir zuvor gespendet hatte verschwand endgültig. Mit angehaltenem Atem legte ich die Klinge auf meine Handfläche. Schnell oder Langsam? Ich starrte mit pochendem Herzen auf das Messer in meiner Hand. Dann schloss ich meine Finger um die Klinge, drückte zu und zog mit einem Ruck das Messer nach unten. Ein stechender Schmerz durchfuhr mein Handgelenk, und ich spürte, wie das Blut aus der Wunde hervortrat. War der Schnitt zu tief? Nein, darüber durfte ich mir jetzt keine Gedanken machen. Das Blut lief über meine Hand, und wenn ich mich nicht beeilte, dann würde es einfach so auf den Boden tropfen. Ich streckte behutsam meine Faust nach vorne und hielt sie über die Schüssel mit der Erde. Quälend langsam lief das Blut über meine Handfläche. Amite war die richtige Wahl, meine Zukunft. Doch dann schweiften meine Gedanken wieder zu Al, meinem besten Freund. Und zu Peter. Da war es wieder, das Kribbeln. Mein Arm bewegte sich wie von allein, und endlich tropfte das Blut herunter und landete in der Schüssel unter ihm. Ein Zischen verkündete, dass Candor ein weiteres Mitglied an die Ferox verloren hatte.  


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Hey,
vielen Dank dafür, dass ihr es bis hier her geschafft habt.
Ich wollte schon lange eine Divergent-FF schreiben, war aber nie wirklich zufrieden mit meinem Anfang. Jetzt habe ich mich endlich mal dazu entschieden, etwas hochzuladen.
Da ich die Bücher auf Englisch gelesen habe, kann es sein, dass ich manchmal die Originalnamen der Fraktionen hinschreibe. Seid also nicht verwirrt, wenn ich zum Beispiel mal "Amity" statt "Amite" schreibe :D

Ich hoffe das erste Kapitel gefällt euch, ich würde mich sehr über ein paar Anregungen und Kommentare freuen :)

Liebe Grüße,
Mira ♥
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