Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Der Planet der schwarzen Magier

OneshotFantasy, Sci-Fi / P12
26.03.2016
29.05.2016
2
6.783
6
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
29.05.2016 3.626
 
Beitrag zu Runde 2 des Crossover-Turniers von Shattered Memories. Die Vorgaben hatten es dieses Mal in sich und lauteten wie folgt:

* Ein spezieller Aspekt, der eines eurer Fandoms ausmacht, muss deutlich zu erkennen sein und ein Mittelpunkt in dem Oneshot werden:
Holodeck bzw. speziell, das es Voyager ist: Die Abenteuer des Captain Proton

* Aus Fandom A müssen deutlich mehr Charaktere vorkommen als aus Fandom B, jedoch dürfen die im Oneshot auftauchenden Charaktere nicht ausschließlich nur aus einem Fandom kommen:
Voyager: Kathryn Janeway, Tom Paris, Harry Kim, Chakotay, Tuvok, Seven Of Nine, B’Elanna Torres
Die Gilde der schwarzen Magier: Akkarin, Sonea, Rothen

* Das Quietschen einer Tür oder eines Tores muss ein wiederkehrendes Element in eurem Oneshot einnehmen.
Ich denke, davon kommen genug vor ;)

* Im Zuge des Oneshots muss ein Charakter aus Fandom A abwechselnd mit einem Charakter aus Fandom B bis 13 zählen.
Im Hinblick auf die Ereignisse in Teil 1 war das einfach zu lösen ;)

* Ein Teil eurer Handlung muss an einem der folgenden Orte spielen:
- ein Sanatorium
- ein Freizeitpark
- ein Zirkus
Ich habe hier das Holodeck als virtuellen Freizeitpark gewählt.

* Der Oneshot darf nicht mehr als 3.000 Wörter haben.
Bei mir sind es laut dem empfohlenen zeichenzähler.de 3354 Wörter geworden. Kürzer ging leider nicht, ohne der Geschichte einen Teil ihrer Essenz zu nehmen oder an Umsetzung der Vorgaben oder Charakterentwicklung zu sparen. Daher nehme ich den damit verbundenen Punkteabzug in Kauf.

* Deadline ist der 29.05.2016



***



Folge 2 – Captain Proton rettet Kyralia



Von einem ungeahnten Kitzel erfüllt beobachtete Sonea, wie sie in den Nachthimmel emporstiegen. Es war wie Schweben, nur besser. Sie und Akkarin saßen auf Sitzen im hinteren Teil des Bereiches, den Lord Paris als ’Cockpit’ bezeichnet hatte. Was auch immer das war, sie begriff, dass es dazu diente, dieses merkwürdige Flugschiff zu steuern.

Das Gefühl von Leichtigkeit vermischte sich mit dem nur wenige Augenblicke zuvor in dem kleinen Tal verspürten Gefühl, als sie und Akkarin einander so nahe gewesen waren, und sie konnte nicht aufhören zu wünschen, die Fremden wären nicht aufgetaucht.

Etwas Goldenes brach ins Cockpit. Instinktiv wollte Sonea die Augen schließen, doch dann wurde das Sonnenlicht auf magische Weise gedämpft.

„Wir verlassen gleich die Atmosphäre“, teilte Lord Paris ihnen mit. „Zuvor vielleicht ein kleiner Flug über Ihre Heimat gefällig?“

Sonea starrte ihn an. „Es sind mehr als sechs Tage nach Imardin!“

„Nicht mit dem Delta-Flyer.“ Paris grinste jungenhaft. „Es dauert nur ein paar Minuten.“

„Wir werden hoch genug fliegen, dass man uns vom Boden aus nicht sehen kann“, fügte Lord Tuvok hinzu.

Sonea und Akkarin sahen sich an. „Ich denke, ein kurzer Blick kann nicht schaden“, sagte Akkarin.

Die Sonne verschwand, als Paris das Flugschiff wendete, und sie hielten geradewegs auf die Berge zu, deren zerklüftete Spitzen durchbrochen von tiefen, gähnenden Schluchten im ersten Licht des Tages erstrahlten. „Es sieht von oben so anders aus!“, rief Sonea.

Paris lächelte. „Das sagen alle, die zum ersten Mal fliegen.“

Sie überquerten die Berge und tauchten zurück in die Dämmerung. Sonea erhob sich von ihrem Sitz. Unter sich erblickte sie winzige Bäume und Dörfer, wenig später das dunkle Band des Taralis und die Städte Calia und Kaltbrücken. Und dann, als der neue Tag Kyralia erreichte, die Kuppeln und Türme Imardins, die sich im goldenen Licht der Morgensonne in den Himmel schraubten. Sonea verspürte ein jähes Gefühl von Heimweh.

Hände fassten ihre Schultern und im selben Augenblick spürte sie Akkarins Präsenz hinter sich.

- Wir werden nicht zulassen, dass die Ichani die Gilde zerstören.

Seine Worte erfüllten sie mit Zuversicht, während seine Nähe ihr Herz höherschlagen ließ.

Sie überflogen die Stadt, deren Häuser von so weit oben winzig aussahen, dann schossen sie in den Morgenhimmel. Nur wenige Augenblicke später war die Nacht zurück und der pechschwarze Himmel mit unzähligen Sternen übersät.

„Wir umfliegen Ihren Planeten jetzt, bis wir die Voyager erreichen“, sagte Paris.

Neugierig beugte Sonea sich vor und erblickte eine große, gewölbte Fläche geteilt in hell und dunkel. Sie war blau und grün und marmoriert mit etwas Weißem.

„Ist das … ?“, fragte sie atemlos.

„Ja“, sagte Paris. „Das ist Ihre Welt.“

„Sie ist wunderschön.“

Paris lächelte. „Und das“, er deutete auf einen grauen Punkt zwischen den Sternen, der rasch größer wurde, „ist die Voyager.“


***


Die Tür zu Hangardeck Eins quietschte protestierend, als Kathryn hindurchschritt. Eine Grimasse schneidend hielt sie auf den Delta-Flyer zu, der soeben landete.

Die Luke öffnete sich und ein hagerer, hochgewachsener Mann mit langen, schwarzen Haaren in einfacher Kleidung und ein ebenso einfach gekleidetes schwarzhaariges Mädchen stiegen aus. Ihnen folgte das Team, das Kathryn auf den Planeten geschickt hatte, um mit den Gildenmagiern zu verhandeln.

„Willkommen an Board der Voyager“, sagte Kathryn. „Mein Name ist Kathryn Janeway. Ich bin der Captain der Voyager.“

„Es ist mir eine Ehre, Euch kennenzulernen, Captain Kathryn Janeway“, antwortete der Mann und neigte respektvoll den Kopf. „Mein Name ist Akkarin von Delvon, Haus Velan, ehemals Hoher Lord der Magiergilde, und das ist meine Novizin Sonea.“

„Es freut mich, Sie kennenzulernen, Akkarin von Delvon und Sonea“, erwiderte Kathryn. „Wir bedauern Ihre Situation.“

Akkarin hob eine Augenbraue. „Ich danke Euch für Euer Vertrauen.“

„So wie sich mir die Sache darstellt, wurden Sie auf Grund eines Missverständnisses ausgestoßen.“ Kathryn lächelte. „Ich hoffe, dass Sie sich bei uns wohl fühlen. Für die Dauer Ihres Aufenthalts haben wir Ihnen Quartiere bereitgestellt.“

„Das ist sehr freundlich von Euch. Sonea und ich sind Euch für Eure Unterstützung zu Dank verpflichtet.“

„Wir stecken ebenso in diesem Krieg, wie Sie. Ein Crewmitglied wird von dem Mann, den Sie Kariko nennen, gefangen gehalten.“ Kathryn machte eine Geste zur Tür. „Bitte folgen Sie mir.“

Sie verließen das Hangardeck. Die automatische Tür quietschte erneut.

„Was ist mit der Tür?“, fragte Tuvok.

„Es fing ungefähr eine Stunde, nachdem Sie zum Planeten zurückgekehrt sind, an. Mr. Kim behauptet, es läge daran, dass uns allmählich die Ressourcen für die Wartung des Schiffs ausgehen.“

Der Vulkanier hob eine Augenbraue. „Ein Grund mehr, diesen Konflikt zu lösen.“

„Die Gildenmagier haben uns als Gegenleistung für unsere Unterstützung Zugang zu den Ressourcen des Planeten zugesagt“, fügte Chakotay hinzu. „Damit sollte das Problem bald behoben sein.“

„Sehr gut, Commander.“ Kathryn wandte sich zu ihren Gästen. „Da Sie das erste Mal auf einem Raumschiff sind: Was halten Sie von einer kleinen Führung? Zudem würde es mich freuen, wenn Sie mir und meinen Führungsoffizieren beim Dinner Gesellschaft leisten.“

„Es wäre uns eine Ehre, Captain Janeway“, erwiderte Akkarin.

Kathryn lächelte. „Ich muss zurück auf die Brücke. Mr. Paris, würden Sie die Führung übernehmen?“

Paris strahlte. „Mit Vergnügen, Captain.“


***


Nach einem Besuch im Kasino, im Maschinenraum, der ohne B’Elanna nicht derselbe war, und im Heilerquartier, das die kleine Gildenmagierin noch am meisten beeindruckt hatte, blieb Tom schließlich vor einer unscheinbaren Tür stehen. „Das“, verkündete er, „ist das Holodeck.“

Akkarin hob eine Augenbraue. „Holodeck?“

„Ein Raum, in dem eine virtuelle Welt erschaffen wird. Sie könnten es mit lebendig gewordenen Büchern vergleichen.“

„Wozu dient es?“

„Wir nutzen es zum Freizeitvertreib.“ Tom tippte einen Code in die Konsole und sagte: „Computer, Programm ’Paris Drei’ abspielen.“

Mit einem protestierenden Quietschen glitt die Tür zur Seite und bot Blick auf das Innere einer Bar.

„Hereinspaziert“, sagte Tom mit einer einladenden Geste.

Verwirrt folgten ihm die beiden Gildenmagier in den Raum.

„Was ist das?“, fragte Sonea, während die dunklen Augen ihres Begleiters durch den Raum schweiften.

„Das ist Chez Sandrine. Eine Bar auf meiner Heimatwelt. Ich glaube, Sie würden sie als ’Bolhaus’ bezeichnen.“

Sandrine löste sich, die üppigen Brüste herausgestreckt, von der Theke und stolzierte auf die Neuankömmlinge zu. „Ah, Tom“, sagte sie und strich über Akkarins Brust. „Wen haben Sie mir da mitgebracht?“

„Das sind Freunde“, antwortete Tom, während Akkarin die Hand der Frau nahm und sie behutsam, aber bestimmt von sich schob. „Sie sehen sich nur um.“

„Und was für ein kleines, niedliches Vögelchen haben wir hier?“

„Haltet Euch von mir fern!“

Tom fuhr herum. Sonea war einen Schritt zurückgetreten und musterte den älteren hageren Mann vor sich mit angewiderter Miene.

„Gary, lass sie in Ruhe“, befahl Tom.

Schmollend, doch nicht ohne ein anzügliches Lächeln wich Gaunt Gary zurück.

„Habt Ihr diesen Mann erschaffen, Lord Paris?“, fragte Sonea.

Paris strahlte unvermittelt. „Ja.“

„Er ist ein Enka.“ Soneas dunkle Augen wanderten prüfend über Paris’ Gestalt. „Und Ihr seid es auch.“

Er ist ein Schwein. Und Sie sind es auch. Ein unbeschwertes Lächeln aufsetzend verdrängte Tom die Erinnerung. „Irgendwie bekomme ich das von den Frauen andauernd zu hören.“

Die kleine Gildenmagierin schnaubte. „Womit sie recht haben.“

Einst hätte Tom alles daran gesetzt, um ihr zu zeigen, wie charmant ein Schwein – oder Enka, wie sie es nannte – sein konnte. Doch nicht seit B’Elanna. Und sie war noch immer auf dem Planeten gefangen.

„Nun, vielleicht gefällt Ihnen eine Abenteuersimulation besser“, sagte er.

Sonea und Akkarin tauschten einen vielsagenden Blick.

„Sie werden sehen.“ Tom grinste. „Computer, ’Die Abenteuer des Captain Proton’ von der letzten Position abspielen.“

Augenblicklich veränderte sich die Szene zu dem Inneren eines altmodischen Raumschiffs. Sonea sog hörbar die Luft ein.

„Das“, erklärte Tom mit unverhohlenem Stolz, „ist ein von mir geschriebener Holoroman. Er ist eine Hommage an die Science-Fiction des frühen Zwanzigsten Jahrhunderts meiner Heimat.“

„Holoroman?“, wiederholte Akkarin.

„Es geht um den alten Kampf Gut gegen Böse. Doktor Chaotica plant die Erde zu vernichten und Captain Proton – das bin ich – hat den Auftrag, ihn und seine Schergen zu vernichten.“ Die verständnislosen Mienen der beiden Gildenmagier betrachtend fügte Tom hinzu: „Es ist wie Gildenmagier gegen Ichani im Weltraum.“

„Ah“, machte Akkarin. „Und wie funktioniert es?“

„Falls Sie interessiert sind, führe ich es Ihnen vor.“

„Ich denke, eine Demonstration kann nicht schaden.“

Erfreut betätigte Tom seinen Kommunikator. „Harry, deine Dienste werden auf dem Holodeck verlangt.“

Wenige Minuten später betrat Harry unter dem protestierenden Quietschen der Tür das Holodeck. „Worum geht es, Tom?“ Sein Blick fiel auf die beiden Gildenmagier und seine Augen wurden rund.

„Unsere beiden Gäste wünschen eine kleine Vorstellung von Captain Proton.“

Harrys Gesicht hellte sich auf, dann wurde er hektisch. „Ich weiß nicht, ob der Captain …“

„Der Captain hat mich angewiesen, unseren Gästen das Schiff zu zeigen. Sie wird es verstehen, wenn Captain Proton dazu die Hilfe seines treuen Weggefährten braucht.“

Harry zögerte.

„Komm schon, Harry“, drängte Tom. „Umso schneller kannst du zurück auf die Brücke.“

„Also schön“, gab Harry nach. „Ich gehe mich umziehen.“

„Großartig.“ Tom rieb sich die Hände. „Sonea, möchten Sie meine Assistentin spielen?“

Die Augen des Mädchens weiteten sich. „Was muss ich dafür tun?“

Tom grinste. „Sie müssen einfach nur an den richtigen Stellen schreien.“


***


„Bürger der Erde, Euer Schicksal ist in meinen Händen“, hallte Doktor Chaoticas Stimme über das Holodeck. „Diejenigen, die meinen Forderungen genügen, werden fair behandelt. Stellt Euch gegen mich und Euch erwartet ein düsteres Schicksal als meine Sklaven in den Minen von Merkur. Ihr habt eine Stunde.“

„Damit kommt Ihr niemals davon“, antwortete Harry. Sonea kam nicht umhin, ihn für seine Gelassenheit zu bewundern. Auch wenn es nur eine Illusion war, fand sie Chaotica furchteinflößend. Akkarin lehnte derweil an der Wand und beobachtete die Szene mit gerunzelter Stirn.

„Oh, aber das werde ich“, erwiderte Chaotica genüsslich. „Euer einst stolzes Volk wird auf die Knie fallen. Wie ironisch, dass ich Euer Kampfschiff benutze, um meine Streitkräfte in die Schlacht zu führen!“

„Ihr irrt Euch, Chaotica. Bevor Ihr an Board kamt, wurde die Selbstzerstörung aktiviert. In drei Minuten werdet Ihr tot sein.“

„Neeiiin!“, hallte Chaoticas Schrei über das Holodeck.

„Das Spiel ist aus, Euer Majestät!“

Die Tür war – unter Quietschen – aufgegangen. Lord Paris stürmte in den Raum gekleidet in eine Art Kampfanzug. In seinen Händen hielt er eine seltsame Waffe.

Chaotica fuhr herum. „Captain Proton!“

Paris grinste. „Astronaut erster Klasse, Beschützer der Erde, Beseitiger allen Übels – zu Euren Diensten.“

„Ich dachte, Ihr wärt in den feurigen Schlund eines Vulkans gestürzt.“

„Es braucht ein bisschen mehr als das, um Captain Proton aufzuhalten.“ Mit der Waffe vor sich fuchtelnd eilte Paris zu Sonea und Harry und löste ihre Fesseln. „Ich will, dass Ihr Eure Invasion beendet und mir mein Raketenschiff zurückgebt.“

„Es gibt eine Macht im Universum, die nicht einmal Ihr bezwingen könnt.“

Ein Schott öffnete sich quietschend und ein Metallzylinder auf zwei Beinen wankte heraus.

„Ihr Einsatz“, murmelte Harry und Sonea schrie.

„Roboter, greif an!“, befahl Chaotica.

Sonea schrie erneut, als der Roboter auf Paris losging.

„Computer, Simulation anhalten“, befahl Paris.

Augenblicklich standen die Figuren still.

Akkarin stieß sich von der Wand ab. „Das ist also Captain Proton?“

„Ja.“ Tom strahlte mit unverhohlenem Stolz. „Wollen Sie einmal Harrys Rolle übernehmen?“

„Chaotica erinnert mich an Kariko“, sagte Akkarin. „Damit werde ich fertig.“

Sonea starrte ihn an. Hatte er den Verstand verloren?

Akkarin streifte ihre Hand.

- Es mag nach einem albernen Spiel aussehen, doch wenn ich verstehe, wie diese Illusion funktioniert, ist sie uns vielleicht noch nützlich, sandte er.

- So wie Ihr das sagt, klingt das so logisch, dass ich nicht einmal protestieren kann, erwiderte Sonea trocken.

Akkarin sah zu Paris und Harry. „Lasst uns Runde zwei beginnen.“

Wenig später waren Sonea und Akkarin gefesselt, während Chaotica seine Ansprache hielt.

„Wir werden uns nicht ergeben“, erklärte Akkarin kalt.

„Dann werdet Ihr meine Sklaven in den Minen von Merkur.“

„Danke, doch das Vergnügen hatte ich bereits.“

„Was soll das heißen?“, rief Chaotica. „Wer hat Euch versklavt? War es Arachnia, diese falsche Schlange?“

Akkarin beugte sich zu Sonea. „Ich glaube, das ist die Stelle, an der du schreien musst.“

„Ah“, machte Sonea nur und schrie.

Die Tür glitt quietschend auf und Lord Paris stürmte mit seiner Waffe in den Raum. „Captain Proton eilt zur Errettung der Galaxis herbei! Chaotica, das Spiel ist aus!“

Chaoticas Augen weiteten sich. „Captain Proton!“

„Astronaut erster Klasse, Beschützer der Erde, Beseitiger allen Übels – zu Euren Diensten. Deine letzte Stunde hat geschlagen, Chaotica.“


***


Die Tür zum Besprechungsraum glitt quietschend auf und blieb auf halbem Wege stecken. Mit einem unwilligen Grollen schon Kathryn sie auf und trat hindurch. „Diese Türen machen mich noch wahnsinnig!“

„So wie es aussieht, müssen Sie sich nicht mehr lange über den Zustand unseres Schiffes ärgern, Captain“, sagte Chakotay augenzwinkernd. Er und die übrigen Offiziere hatten sich um den Tisch versammelt. Auf B’Elannas Platz saß der Gildenmagier Akkarin.

„Lord Akkarin hat einen Vorschlag, wie wir seinem Volk bei ihren Konflikt mit den Ichani helfen können“, fügte Tuvok hinzu.

Kathryn setzte sich. „Ich höre.“

„Eure Leute haben der Gilde Unterstützung im Kampf gegen die Ichani zugesagt“, begann Akkarin. „Doch die Ichani beherrschen eine sehr gefährliche Form von Magie. Deswegen wäre eine gute Vorbereitung ratsam.“

„Unsere Waffen sind ebenfalls gefährlich“, sagte Janeway, „doch die Entführung unseres Crewmitglieds hat gezeigt, dass die Ichani ein unberechenbarer Gegner sind. Was genau schlagt Ihr vor?“

Akkarin und Paris tauschten einen Blick und Paris strahlte unvermittelt.

„Wir simulieren einen Kampf gegen die Ichani auf dem Holodeck. Akkarin hat bereits angefangen, mir die nötigen Parameter für ein Kampfszenario zu diktieren. Mit Ihrer Erlaubnis, Captain, arbeiten wir die Idee so aus, dass wir einen realistischen Übungskampf durchführen können.“

In jeder anderen Situation hätte Kathryn ihren Navigationsoffizier zurechtgewiesen, weil er Mitglieder einer prä-Warp-Zivilisation in seine Holoromane involvierte. Dieses Mal dankte sie seiner kindlichen Begeisterung jedoch im Stillen.

„Eine gute Idee, Tom“, sagte sie. „Wie sind Sie darauf gekommen?“

„Anscheinend besteht eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Kariko und Doktor Chaotica.“

Natürlich, dachte Kathryn amüsiert. „Und schließlich wollen wir nicht, dass Doktor Chaotica die Herrschaft über Kyralia an sich reißt und die Gildenmagier versklavt“, sagte sie.

„Natürlich nicht, Captain.“

„Captain“, sprach eine emotionslose Frauenstimme, „ich halte diese Idee für töricht.“

Kathryn wandte den Kopf. „Und wieso tun Sie dies, Seven?“

„Ich habe die Tricorder-Daten und die Daten des Delta-Flyers ausgewertet und bin zu dem Schluss gekommen, dass eine Zerstörung des Ichani-Lagers mit den Waffen des Delta-Flyers aus der Luft effektiver wäre, als ein offener Kampf.“

„Und was ist mit B’Elanna?“, fragte Tom aufgebracht.

„Tom, beruhigen Sie sich“, sagte Kathryn streng. „Seven, ein Luftangriff kommt nicht in Frage.“

Seven Of Nine hob das Borgimplantat über ihrer Augenbraue. „Ich sage nur, dass der Verlust eines Crewmitglieds den Nutzen der Mission nicht aufwiegt“, gab sie zurück.

„Seven Of Nine hat nicht unrecht“, sprach Tuvok. „Ich würde daher vorschlagen, den Delta-Flyer zur Unterstützung heranzuziehen, den eigentlichen Kampf jedoch wie von Lieutenant Paris und Akkarin vorgeschlagen durchzuführen.“

Kathryn betrachtete ihre Offiziere, während sie die verschiedenen Möglichkeiten abwog, dann wanderte ihr Blick zu Akkarin, der kaum merklich nickte. „Einverstanden. Seven, Sie und Tuvok werden Paris und Akkarin mit der Simulation helfen. Sorgen Sie dafür, dass die Crew und die Gildenmagier den Kampf mit möglichst geringen Verlusten überstehen.“


***


Nach Wochen fernab der Zivilisation tat es gut, sich zu waschen und wieder saubere Kleider zu tragen. Auch wenn die Schalldusche gewöhnungsbedürftig war, so hatte Sonea sich nie sauberer gefühlt. Sie war fasziniert, wie alles auf diesem Schiff mit Magie funktionierte.

Der Türsummer erklang. Nervös zupfte sie ihr Kleid zurecht, das einer kleinen Frau gehört hatte, die einst auf diesem Schiff gelebt hatte. „Herein!“, rief sie, und bevor sie ihren Willen nach der Tür ausstrecken konnte, glitt diese mit einem protestierenden Quietschen auf.

Eine seltsame Magie, die auf Befehle reagiert, fuhr es Sonea durch den Kopf. Dann fiel Ihr Blick auf die vertraute Gestalt und sie erstarrte.

„Mylord“, sagte sie und verneigte sich.

„Guten Abend, Sonea.“ Akkarins Stimme klang amüsiert, als er ihr Quartier betrat. Seine Augen wanderten durch das Zimmer und blieben dann an ihrem Kleid hängen. Sein Lächeln vertiefte sich und Sonea wünschte sich unwillkürlich ihre Magierroben zurück.

„Captain Janeway ist einverstanden, dass wir das Holodeck nutzen, um uns auf den Kampf gegen die Ichani vorzubereiten“, teilte er ihr mit. „Ich habe bereits mit Paris begonnen, Illusionen der Ichani und der möglichen Kampfschauplätze zu erstellen. Morgen beginnen wir mit dem Training.“

„Werden die anderen Magier daran teilnehmen?“

„Das halte ich für keine gute Idee und Tuvok stimmt mir diesbezüglich zu. Janeways Leute werden zwar ohne Schild kämpfen, doch dafür haben sie überaus effektive Waffen, die mit ihrer eigenen Magie funktionieren.“

Sonea nickte. „Ich bin schon sehr gespannt.“

„Ich auch. Scheint, als würde Captain Proton nicht nur seine Welt retten.“

Sie lachte. „Wir können Paris unmöglich die Gilde retten lassen!“

„Ah, ich dachte vielmehr daran, diesen Part selbst zu übernehmen.“ Akkarins dunkle Augen funkelten. „Paris hat zu viel meines früheren Ichs.“

Sonea hob eine Augenbraue. „Euer früheres Ich war ein Enka?“

„Zumindest wurde ich als dieser beschimpft.“

„Und hattet es wahrscheinlich verdient.“ Sie streckte ihre Hände aus. „Es wird Zeit, meine Kraft zu nehmen.“

Akkarin hielt inne, dann schlangen sich seine langen Finger um ihre Handgelenke. Soneas Haut prickelte, wo er sie berührte, dann sandte sie ihm ihre Magie.

„Irgendetwas sagt mir, dass Ihr das noch immer seid“, sagte sie anschließend.

„Ein Enka?“

„Ja.“

Der Anflug eines Lächelns huschte über Akkarins Gesicht. „Und was führt dich zu diesem Schluss?“

„Das … kann ich nicht genau sagen.“ Sollte sie ihm sagen, dass es daran lag, wie er sie neuerdings ansah und an den unanständigen Gedanken, die seine Blicke auslösten? „Es ist viel mehr ein Gefühl …“

Akkarins Lächeln vertiefte sich. Mit einem Mal war er ihr wieder so nahe, wie in der Nacht zuvor. „Vielleicht kann ich …“

Der Türsummer erklang. Sonea zuckte zusammen und wich einen Schritt zurück.

„Herein!“, rief sie.

Die Türe glitt quietschend zur Seite. „Verzeihung“, sagte Captain Janeway. „Ich hoffe, ich störe nicht?“

„Wir waren gerade fertig“, antwortete Akkarin.

Janeways Blick glitt von Sonea zu Akkarin und wieder zurück und Sonea fühlte sich ertappt. „Ich bin gekommen, um Sie zum Dinner zu begleiten. Wenn Sie mir bitte folgen mögen?“

Akkarin nahm Soneas Hand und legte sie auf seinen Arm. „Mit Vergnügen, Captain“, antwortete er und führte Sonea nach draußen.


***


Nach zwei Tagen als Karikos Gefangene war B’Elanna hungrig, durstig und wütend genug, um Kariko eigenhändig zu töten, wäre sie in seine Nähe gekommen. Mehrfach hatte er sie mit seinem Messer geschnitten, woraufhin sie träge geworden war. Von den anderen Kreaturen, die Kariko seine Sklaven nannte, wusste sie, dass er ihre Lebensenergie nahm.

An diesem Tag war ein neuer Gefangener hinzugekommen. Ein alter Mann in einem purpurfarbenen Gewand. Von allen Gefangenen war er der kommunikativste und am wenigsten ängstlichste. Er hatte B’Elanna anvertraut, dass er auf der Suche nach seiner Ziehtochter Kariko in die Arme gelaufen war.

„Sie hat sich dem Mann angeschlossen, der sie mir einst wegnahm“, erzählte er. Sie hockten am Eingang ihres Zeltes und sahen in die trostlose Ebene. „Er hat sie manipuliert und schwarze Magie gelehrt, woraufhin meine Leute sie in dieses Land verbannt haben.“

„Also sind Sie ein Gildenmagier?“, folgerte B’Elanna.

Der Mann nickte.

„Und schwarze Magie ist das, was die Ichani nutzen und was sie Ihnen unterstellen, richtig?“

„Das erste stimmt, von dem zweiten weiß ich nichts. Ich bin seit mehr als einer Woche unterwegs.“

B’Elanna hielt den Atem an. Konnte es sein, dass dieser Mann auf der Suche nach den Leuten war, die Kariko so sehr fürchtete? Sie öffnete den Mund, um eine Frage zu stellen, und wurde von dem Donnern von Hufen unterbrochen.

„Ichani!“, rief jemand.

„Es geht los“, sagte sie sich an Karikos Verhör erinnernd. „Ich bin gespannt, wie viele er zusammengekriegt hat.“

Der alte Mann runzelte die Stirn.

„Kariko will Ihre Leute mit siebenundzwanzig Ichani angreifen“, erklärte B’Elanna. „Weil er glaubt, dass meine Leute zu Ihren gehören und ebenfalls schwarze Magie praktizieren.“

Die Augen des Mannes weiteten sich, dann sprengte der erste Reiter ins Lager.

„Eins“, zählte B’Elanna.

Der zweite Reiter kam.

„Zwei“, murmelte der alte Mann.

„Drei“, sagte B’Elanna.

„Vier.“

„Fünf.“

„Sechs.“

„Sieben.“

„Acht.“

Weitere Reiter kamen. B’Elanna sog leise die Luft ein.

„Neun.“

„Zehn.“

„Elf.“

„Zwölf.“

„Dreizehn.“ B’Elanna sah zu dem alten Mann. „Damit hat Kariko jetzt einundzwanzig Verbündete. Wir müssen unsere Leute warnen!“

„Er wird Euch hören und bestrafen.“

„Ich kenne einen Weg, wie er es nicht herausfinden wird, Mr. - wie war noch Ihr Name?“

Die blauen Augen des alten Mannes funkelten. „Rothen“, sagte er. „Mein Name ist Rothen.“

***
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast