Verschlungene Wege

von III-Reva
GeschichteFantasy, Übernatürlich / P16
26.03.2016
29.11.2017
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VERSCHLUNGENE WEGE
KAPITEL I



»Das ist so unfair!«
Zwei purpurne Augen sprühten wütende Funken in den Schminkspiegel.
Verächtlich zischend packte das Mädchen mit den seltsamen, leuchtenden Augen den silbernen Lippenstift in ihrer Hand fester.
»Natürlich ist das unfair, aber ist nun mal logisch.«, brummte die Stimme eines Jungen, tief und kehlig.

»Es ist überhaupt nicht logisch! Sara hat braune Haare und blaue Augen, ihr fällt bei jedem Kampf das Schwert aus den Fingern und sie ist sogar zu gutmütig, um im Sommer eine dämliche Mücke zu zerquetschen!
Nein, stattdessen kommt sie immer mit ihrem Marmeladenglas und der Kartonage und verfrachtet das dumme Viech raus! Was ist denn daran bitteschön logisch, hm?«

Verärgert fuhr das Mädchen herum, starrte ihr Gegenüber vorwurfsvoll an.
»Come down, Gee!«, zuckte der Junge mit den Schultern, strich sich kurz durch sein kurzes, tintenschwarzes Haar.
Seine Augen leuchteten in demselben, purpurnen Ton, er hatte helle Alabasterhaut, einen markanten Kiefer und angedeutete Wangenknochen. Unter seiner glänzenden Lederjacke zeichneten sich seine Muskelstränge deutlich ab - er sah mehr als gut aus, dennoch schenkte Gee ihm keinerlei Beachtung. Kein Wunder, denn sie waren Geschwister.

»Haha, hältst dich wieder für ganz cool, Liam«, murrte sie, ehe sie mit einem gereizten Schnauben den silbernen Deckel ihres Lippenstiftes abschraubte. Unschöne Fingerabdrücke klebten nun am kalten Metall.
»Hey, wir sind Spartaner! Natürlich sind wir cool!«, lachte Liam, warf seiner Schwester einen prüfenden Blick aus seinen purpurnen Augen zu.
»Wir sind die besten Kämpfer, von Natur aus. Ist doch besser als irgendein … Gypsiezeug.«

»Tzz«, zischte Gee verächtlich, spitzte ihre Lippen und starrte ihr Spiegelbild im glänzenden Schminkspiegel an. »Natürlich ist das nicht übel, aber … verstehst du nicht, das Gypsiesein ist eine Art Freischein!«
Sorgfältig fuhr sie mit dem weinroten Lippenstift über ihre vollen Lippen, dann fuhr sie fort.
»Du wirst in der richtigen Familie geboren, ein Teil deiner DNA hat sich, rein zufällig natürlich, gesagt wie toll es doch wäre, Gypsie zu sein und zack!« – sie schnipste mit ihren Fingern einmal in der Luft – »wirst du Nikes Champion. Primitiv.«

Angestrengt beäugte sie sich im Spiegel, ihre langen, tintenschwarzen Haare, ihre porzellanweiße, makellose Haut, die geschwungenen Wimpern, welche ihre leuchtenden, purpurnen Augen perfekt einrahmten.
Ihre Lippen waren voll, die Gesichtszüge fein, sie hatte hohe Wangenknochen – und sah beinahe genauso aus wie ihr Bruder, nur in weiblicher Form. Zwillinge. Zweieiige Zwillinge.

»So einfach läuft das nicht«, widersprach Liam, zog seine schwarze Augenbraue hoch.
»Ach, wie denn dann?«, spottete Gee. »Wie nutzlos Sara ist, haben wir bereits zur Genüge durchgekaut. Und dann hat sie auch noch dieses dämliche, rostige Schwert gekriegt – ich bitte dich! Sara hat nicht einmal schwarze Haare und purpurne Augen, sie sieht nicht aus wie ein Quinn, sie sieht nicht aus wie eine Frost! Sie sieht aus wie ein Niemand, wie Großvater Tyr. Aber mal ehrlich, für den interessiert sich doch niemand!«

Enthusiastisch wedelte sie mit der, sorgfältig manikürten, Hand in der Luft umher, kramte mit der anderen in einer kleinen, silbernen Schachtel nach Ohrringen.
»Ich meine, ihre Haare sehen aus wie ein hellbraunes Gestrüpp, und ihre Augen erst! Dieses wässrige Hellblau erinnert mich eher an eine Wasserleiche, oder an einen Besoffenen, als an Nikes Champion.«
Sie zupfte mit gerunzelter Stirn einen Petes Park‘  Sandwich Gutschein aus dem Behältnis, ehe sie ihn zerknüllte und ihre Suche nach den Ohrringen fortfuhr.
»Jedenfalls«, fuhr sie wie beiläufig erwähnt fort, »bin ich zu dem Fazit gekommen, dass Nike keine schlechtere Wahl hätte treffen können. Aber hey, kein Problem! Loki verbannt,  Schnitter geflohen, alles super!«

Zynisch lachte sie auf, beachtete die monotone, leicht zuckende Miene ihres Bruders nicht.
»Also, wer kommt alles zu der Party?« Sie kräuselte ihre Lippen. »Sara? Kommt Sara?«
»Was denkst du denn«, murmelte Liam, lehnte sich mit verschränkten Armen an die Wand, sodass seine Muskeln sich unter der Jacke spannten – »Natürlich nicht.«

»Was ist diesmal ihre Ausrede? Ist Janet Stude, ihre tolle Freundin, wieder krank? Oder schreibt sie wieder in … «, gespielt überlegend streckte Gee ihre Finger in die Luft – » … drei Wochen eine Prüfung in Mythologie?«
»Nö. Hatte wohl keine Lust mehr auf eine unkreative Ausrede.« Missmutig, beinahe gelangweilt, lächelte Liam. »Meinte, dass sie keine Lust auf, ich zitiere: ‚Besinnungsloses Saufen, hartes Ficken und einen schmerzhaften Kater‘ hat.«

»Hm«, schnaubte Gee, fuhr mit einem hölzernen Kamm durch ihre schwarzen Haare, welche im künstlichen LED Licht bläulich schimmerten, »ist auch besser so. Noch einen Abend mit ihrer hässlichen Visage, und ich hätte mich ernsthaft aus dem vierten Stock des Walhalla Wohnheims gestürzt.«


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Die säuerliche Flüssigkeit rann angenehm ihren Hals hinunter, hinterließ einen süßen Fruchtgeschmack. Seufzend nippte sie erneut am grellgelben Maracujasaft und erlaubte sich kurz, ihre Augen zu schließen um sich der dominanten Stimme Nicki Minajs‘ hinzugeben.
Auch wenn sie es liebte, auf Partys zu gehen, verachtete sie es doch, die Sinne mit dem alkoholhaltigen Bier zu benebeln – mal ganz abgesehen davon, dass es furchtbar nach saurem Gras schmeckte und roch.
Auch wenn sie sich – ihres Spartanerseins wegen – erlauben konnte, ihre Sinne zu trüben, hasste sie es, keinerlei Kontrolle über sich selbst zu haben.

Ihre Mutter hatte ihnen oft Geschichten erzählt, dass die Schüler zu ihrer Zeit sich nie hatten fallen lassen dürfen – beziehungsweise, immer eine Waffe mit sich tragen mussten, da die Gefahr vor Schnittern zu groß gewesen wäre.
Ein Jammer, dass die Schnitter sie heute nicht mehr angriffen.

Begreifend riss Gee ihre Augen auf, tippte verwirrt mit dem Finger auf einen der weiß bespannten Tische. Verdammt, ihre Gedanken immer erschreckender!
Aber heute, heute zumindest trug kein Schüler Waffen mit sich.
Kurz verzog sie ihre Miene, dann trank sie den letzten Rest der köstlichen Flüssigkeit in ihrem Plastikbecher – bereits lauwarm war der, anfangs kalte, Fruchtsaft geworden.

Die einen Schüler trugen keine Waffen bei sich, weil sie dumm waren.
Die anderen Schüler trugen keine Waffen bei sich, da sie durch die kaum mehr bestehende Gefahr von Loki auch den Unterricht nicht mehr ernst nahmen, und auch schlecht kämpfen konnten.
Die letzte Gruppierung der Schüler, welche keine Waffen mit sich trug, waren die Spartaner.

Kurz erlaubte Gee sich ein triumphierendes Lächeln, ehe ihr Blick im Raum nach einem neuen Bierfass irrte – sie könnte alles in die Hand nehmen was sie wollte und würde sofort wissen, wie sie es anwenden musste, um ihren Gegner möglichst effizient zu töten!
Kurz zuckte ihre rechte mit dem weißen, dünnen Plastikbecher in der Hand. Es würde nicht viel kosten … nur kurz das dünne Material zusammenpressen, eine stabile, harte Kugel daraus quetschen und sie jemanden in den Rachen drücken – nun, es war zugegebenermaßen nicht sonderlich effizient, dennoch würde es wohl schmerzhaft enden.
Beinahe peinlich, wie sehr die anderen Schüler sich vor den Spartanern fürchteten – zurecht, wohl.

Anfangs hatte es geschmerzt, als die anderen Schüler ihr auf dem Gang ausgewichen waren, sie beim Sportunterricht die Partnerarbeit immer alleine machen musste – aber mit der Zeit hatte sie gelernt, wie falsch sie ihre Situation doch gesehen hatte.
Es war erfrischend, köstlich zu beobachten, wie die Schüler nach barschen Worten ihrerseits sofort loshuschten, ihre Befehle erledigten
Wie kleine Sklaven, die nicht von der Peitsche blutig gehauen werden wollen.

Seufzend massierte sie sich mit spitzen Fingern ihre Schläfen, der wummernde Bass und die stickige Luft bereiteten ihr allmählich Kopfschmerzen.
Es war ein Sein oder ein nicht Sein, es war ein Gut oder ein Böse.
Aber warum, warum wurde die gegnerische Seite immer für böse erklärt? Vielleicht waren die vermeintlich Guten ja die Bösen – hätte ihre Mutter Gwendolyn von ihren Gedanken erfahren, wäre sie vor Schreck zusammengebrochen.

Zusammengebrochen, weil ihre Tochter, die Tochter des berühmt berüchtigten Champion der Nike, das Böse nicht verachtete.
So sehr sie es früher versucht hatte, das Böse hatte sie stets fasziniert! Das Zischen, wenn Schwerter durch die Luft schnitten und sich in die Brust ihrer Gegner bohrte, das qualvolle Stöhnen der Opfer, die wundervolle, satte Farbe des Blutes.
Soviel natürlich in der Theorie – denn, sie kannte Kämpfe nur aus Film und Fernsehen, aus dem Mythenbuch und den Erzählungen ihrer Eltern, wobei in ihnen Loki stets der Böse war.

War es zu verurteilen, nur weil jemand Macht anstrebte?
Aus ihrer Sicht, nein, bestimmt nicht! Gierte nicht ein jeder nach Macht? Nach Ruhm, Reichtum?
Kurz zuckten ihre Mundwinkel spöttisch, ehe sie sich dem reichhaltigen Büffet zuwandte, und sich einen Löffel süßer Crème brûlée zwischen die, dunkelrot bemalten, Lippen schob.
Es war doch alles so oberflächlich, gespielt, nichts war mehr echt. Alles Fake.

Der lebende Beweis kam, just in dem Moment, auf sie zugetorkelt, in Form einer knallpinken Kugel – erst bei genauerem Hinsehen konnte sie die wirbelnden Konturen als pompösen Rock identifizieren.
»Dine!«, quietschte das magentafarbene Bündel enthusiastisch, schenkte ihr ein zuckersüßes Lächeln.
»Irina«, stieß Gee zwischen den Lippen hervor, legte den silbernen Löffel mittels einer bedächtigen Geste weg. »Wie oft noch, nenn mich nicht Dine!«

Kurz hielt sie inne, dann rümpfte sie ihre Nase. »Hast du etwa getrunken?«
»Nur ganz, gaaanz wenig!«, betonte Irina, hielt, wie zum Beweis, den halbleeren Plastikbecher in ihrer rechten hoch, prostete der Spartanerin zu. »Halt die Klappe«, zischte Gee streng, riss ihr grob den weißen Becher aus der Hand, schnupperte misstrauisch an der Flüssigkeit – sofort stieg ihr der verräterische, scharfe Geruch von reinem Alkohol in die Nase, vermischt mit einem anderem, süßerem.

»Ist das Wodka?« »Mit … mit Cola …«, hickste Irina, lächelte verträumt.
Ihre platinblonden Haare waren verwuschelt, um ihre Augen klebten Reste getrockneter Mascara.
Ihre katzenhaft geformten, braun-grünen Augen waren blutunterlaufen, pinker Lippenstift klebte an ihrem Kinn.
»Du siehst schrecklich aus, unfassbar beschämend schrecklich!«, fauchte Gee angeekelt, schmiss den halbvollen Becher, ohne auf die Proteste Irinas zu hören, in die grölende Menge betrunkener Jugendlicher.

»Du findest mich ni – hicks – cht schööön?«, schmollte die Weißrussin, in ihren Augen schimmerten Tränen. »Dabei … habe i-ich mir sooo Mühe … gegeben!«
»Dann halt‘ dich nächstes Mal mit dem Saufen zurück.«, zischelte Gee, drehte sich naserümpfend von ihrer, nun, vermeintlichen Freundin weg.
Sie hasste die Personen, welche sich ihre Freundinnen schimpften.
Aber egal wie unfreundlich, wie barsch sie sich verhielt, diese Mädchen redeten sich alles schön im Leben und tänzelten um sie herum.

Gee griff nach einem blassem, rosarot-grünem Etwas, betrachtete es prüfend und stopfte sich dann das Häppchen in den Mund, nachdem sie unter dem grünlichen Schaum eine gekochte Garnele identifiziert hatte, welche mit einem hauchzarten Streifen Zitronenschale und Dill garniert war.
Mit grimmiger Miene kaute sie auf dem köstlichen Etwas herum, schnappte sich einen Becher Wasser.

Es war doch immer so, sobald man schön und reich war, war man automatisch auch beliebt in der Akademie.
Was für überbewertete Klischees. Aufgestellt von oberflächlichen Diven, welche die Spitze der begehrtesten Mädchen anführten – ekelhaft.
Mit zusammengepressten Lippen wankte Gee zum Ausgang. Es war genug für heute.


»Dine! Dine, du glaubst nicht, was eben passiert ist!«
Mit einem breiten Grinsen sprang Sara, ihre fünfzehnjährige Schwester, auf sie zu. Ihre lockige, unzähmbare braune Mähne hüpfte auf ihren Schultern, bildeten einen seltsamen Kontrast zu dem limettengrünen Shirt mit einem rosanen Pokémon – keine Ahnung, wie dieses Viech genannt wurde.

Gespielt interessiert hob Gee ihre perfekt gezupfte Augenbraue, legte ihr Modemagazin missmutig beiseite.
Nun gut, Gigi Hadid musste damit leben, dass ihr und dem neonorangenen Bikini keinerlei Aufmerksamkeit zuteilwurde – zumindest nicht jetzt.
»Du konntest den letzten Comic deiner Sammlung ersteigern?«

Sara sammelte die zerfledderten Heftchen mit schrillen Bilden und zackiger Schrift wie verrückt, hing Tag für Tag nur vor diesen seltsamen Comics.
Superman, Batman, Wonderwoman – was für ein Unsinn.
Sehnsüchtig warf die Spartanerin Gigi und der neusten Bikinimode einen letzten Blick zu, ehe sie das anthrazitfarbene Magazin zuklappte, gelangweilt nach ihrem Glas Wasser am Wohnzimmertisch griff.

»Nein, nein! Aber Mum hat gesagt, ich darf es nur Papa, Liam und dir sagen. Dreimal darfst du raten.« – »Hm«, murmelte Gee, fuhr mit der Fingerspitze über den dünnen Rand des kalten Glases, lauschte fasziniert dem sirrenden Geräusch, »hast du deine Magie entdeckt?«
Offenbar ging sie – Saras Meinung nach – nicht genug auf deren kindisches Ratespiel ein, denn ihre Schwester verzog missmutig ihr Gesicht, wedelte aufgeregt mit der rechten.
»Nein. Weiter, los!«

Ihre Schwester war, wie sollte man es sonst formulieren, ein Spätzünder. Sie hatte mit 15 Jahren ihre Magie noch nicht entdeckt, wobei Liam und sie sie bereits in diesem Alter hatten, voll ausgebildet.
Jedoch wurde generell kaum über die Magie des anderen geredet – bis heute wusste Gee nicht, was für eine Magie ihr Vater Logan hatte.
Die Magie war der letzte, allentscheidende Trumph eines Kriegers, welche über Leben und Tod entscheiden konnte. Seit dem letzten Chaoskrieg waren die Leute noch verschwiegener geworden, obgleich Loki gestürzt worden war – angeblich.

Apropos Spätzünder – Gee lächelte geringschätzig.
»Hast du deine Tage gekriegt – endlich?« – Gwendolyn, ihre Mum, hatte Sara bereits zum Frauenarzt geschleppt, da sie diese noch nicht bekommen hatte.
Überschuss männlicher Hormone, selten aber völlig normal, blabla.
Hieß für die Spartanerin übersetzt: Ihre kleine Schwester war ein kleiner Loser.
Umso begehrter, besser fühlte sie sich selbst.
»Nei-hein! Streng dich mal an, das ist soo cool!«

»Sara!«, mokierte Gee schnaubend, legte ihr Wasserglas klirrend auf den Glastisch ab. »Gib‘ mir entweder einen Tipp oder rück raus damit!«
Sie hatte keine Lust mehr auf diese kindischen, ewigen Spielchen ihrer verpeilten Schwester. Gelangweilt zupfte sie sich einen Fussel von dem grün-blau karierten Schottenrock, strich sich über die schwarze Strumpfhose, welche ihre schlanken Beine hervorhob.

»Na schön. Es hängt mit Mums Vergangenheit zusammen. Und, dass ich eine Gypsie bin« – erschrocken schlug Sara sich auf den Mund. »Mist«, murrte sie, schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn, »jetzt hab‘ ich zu viel verraten.«
Mit verdrießlicher Miene rollte sie einen weißen Kaugummi aus dem silbernen Papier, stopfte ihn sich in den Schmollmund.

Geschockt presste Gee ihre Lippen aufeinander, zwang die Unruhe in ihr nieder. Nein. Es konnte nicht sein. Es war schlichtweg unmöglich.
Sara war zwar eine Gypsie, ja, aber sie hatte ihre Magie noch nicht entdeckt. Und, sie konnte nicht kämpfen, kein bisschen. Sie hatte schlichtweg die komplett falschen Eigenschaften. Nein. Unmöglich.
»Ich weiß!«, lachte Gee mit zittriger Stimme, schlug fröstelnd ihre Beine übereinander, versuchte, die Situation ins Lächerliche zu ziehen.
»Du bist Nikes Champion geworden!« – Bitte nicht! Bitte nicht! Bitte nicht …

»100 Punkte!«, jauchzte Sara, rote Flecken der Aufregung erschienen auf ihrem Gesicht.
Wie paralysiert blickte Gee an das farbenfrohe, hübsche Bild an der Wand ihr Gegenüber, betrachtete mit starrer Miene das Abbild von Nike, der Göttin des Sieges.
Eine seltsame Taubheit breitete sich in ihr aus, sie konnte die nervige, hohe Stimme ihrer Schwester nur noch gedämpft verstehen.

»Boah, ich sag dir, sie ist so mega schön, selbst Catwoman kann da nicht mithalten! Und ihre Ausstrahlung, eiskalt, ich hab‘ eine krasse Gänsehaut bekommen! Aber, es war soo verdammt überwältigend. Sie hat mich zum ihren Champion gemacht, also so richtig! Und ich hab‘ natürlich Ja gesag, wer würde das denn nicht …?
Ah! Ich kann es immer noch nicht glauben – ich, Sara Frost, bin Nikes Champion!
Dine, was sagst du dazu?«

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