Harry Potter und die Gewitterfolgen

von baronesse
OneshotAbenteuer / P16
25.03.2016
25.03.2016
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Harry Potter und die Gewitterfolgen



  »Was … Ron!«

  »’tschuldige!« Ron blieb einen Moment stehen und bückte sich, um Hermines Sachen aufzuheben. Sie war jedoch schneller, mit einem Schlenker ihres Zauberstabs war alles wieder in ihrer Tasche verschwunden.

  »Wohin bist du denn so eilig unterwegs?«

  »Harry braucht Unterstützung.« Ein glückliches Lächeln huschte über Rons Gesicht. Hermine schluckte den Hinweis, dass er nicht länger als Auror arbeitete, hinunter. Hier ging es nicht darum, dass Ron sich zurückgesetzt oder unfähig fühlte, sondern darum, seinem besten Freund zu helfen. Ihrem gemeinsamen besten Freund. Also schwang Hermine die Tasche über die Schulter und griff nach Rons Arm. »Ich komme mit.«

  Ron nickte. Er hob den Zauberstab, schloss die Augen und disapparierte mit Hermine an seiner Seite.

  Es war ein Gefühl, als versuche jemand, sie durch ein Nadelöhr zu fädeln. Einen schrecklichen Moment lang glaubte Hermine, Ron hätte es vermasselt und sie würde in tausend Einzelteile zersplintern. Dann legte sich der Wirbel und sie erkannte eine Betonmauer, direkt vor ihrer Nase. Zu nah.

  »Au!«

  »Oh, ’tschuldige, Hermine, wirklich, es tut mir leid!« Hektisch suchte Ron in seinem Umhang und bot ihr ein Taschentuch an, das sie gegen die blutende Stirn drücken konnte. Hermine schüttelte nur den Kopf. Sie hätte das Apparieren selbst übernehmen sollen, nur wusste sie gar nicht, wohin sie wollten.

  »Was ist eigentlich los?«, nuschelte sie.

  In dem Augenblick lugte jemand in die Gasse, in der sie gelandet waren, und hastete auf sie zu.

  »Ron! Hermine!« Harry Potter trug dieselbe runde Brille wie vor 19 Jahren, als Hermine ihm auf ihrer Fahrt nach Hogwarts zum ersten Mal begegnet war. Das Haar, immer noch schwarz und widerspenstig, dünnte auf der Stirn langsam aus und einige Falten zeugten von zu viel Stress, doch ansonsten war er noch agil wie eh und je.

  Er beugte den Kopf zu seinen beiden besten Freunden und weihte sie rasch ein, warum sie gekommen waren. »Ein einfacher Fall, dachte ich. Siebenundzwanzig merkwürdige Vorkommnisse in der Gegend, die auf Anwendung von Magie hindeuten.«

  »Und es wohnen keine von uns in der Nähe?«, erkundigte sich Ron.

  Hermine musste nur einen Blick auf die Häuser um sie herum werfen, um sich die Antwort denken zu können. Niemand wollte in dieser Gegend leben, wenn er eine andere Wahl hatte. London hatte viele schöne Ecken, aber die hier gehörte nicht dazu. Buntes Graffiti bedeckte die grauen Fassaden, leere Fensterscheiben starrten auf sie hinab. Es stank nach Urin und anderen Abfällen.

  »Nein. Im Gegenteil, mehrere der Vorkommnisse sind in Anwesenheit von Muggeln geschehen. Deshalb dachte ich, ich komm her und sehe nach, ob ich Hinweise finde.«

  »Ein Sympathisant der Todesser«, schaltete Hermine sich ein. »Von denen laufen immer noch viele auf freiem Fuß herum. Sie haben schließlich nie etwas getan, was eine Verhaftung rechtfertigen würde.« Sie arbeitete in der Abteilung Magisches Recht im Zaubereiministerium, also wusste sie, wovon sie sprach.

  Harry nickte. »Das habe ich auch anfangs gedacht. Aber es ist etwas komplizierter.«

  »Das ist es doch immer.« Ron seufzte. Seine Begeisterung ob eines Auftrags schien verflogen. Hermine ahnte, was er dachte. Es war der Grund, warum er den Job als Auror an den Nagel gehängt und im Scherzartikelladen seines Bruders angefangen hatte. Sie konnte es ihm nicht verdenken. Dennoch waren sie jetzt hier und Harry brauchte Hilfe.

  »Ich habe siebenundzwanzig Ausbrüche von Magie gezählt.« Harry fuhr sich durchs Haar. »Und wie es aussieht, sind sie alle von Muggeln verübt worden.«

  »Unmöglich«, hauchte Hermine, in dem Moment, als Ron herausplatzte: »Du verarscht mich, Harry!«

  »Seht selbst. Ich habe den Verdächtigenkreis auf fünf Personen eingrenzen können. Offenbar sind sie zu einer Strafarbeit verdonnert worden oder etwas in der Art. Sie müssen Abfälle einsammeln und man merkt ihnen an, dass sie das gewiss nicht freiwillig machen.« Harry ging zum Rand der Gasse und winkte sie vorwärts.

  Aus ihrem Versteck konnte Hermine fünf Jugendliche sehen, die tatsächlich mit langen Greifzangen nach Müll auf dem Boden stocherten.

  »Man nennt es gemeinnützige Arbeit«, fiel ihr wieder ein. »Harry, das sind Straftäter!«

  »Wieso sitzen sie dann nicht in Askaban?« Ron kratzte sich an der Stirn. »Ich meine, in einem Muggelgefängnis.«

  »Weil ihre Taten nur geringfügig waren und sie noch jung sind.« Hermine musterte die Fünf. »Was jetzt?«

  »Wir müssen mit ihnen reden.« Harry fuhr sich erneut durchs Haar. Vermutlich war er genauso nervös wie Hermine sich fühlte. Sie war zwar unter Muggeln aufgewachsen, doch schon seit Jahren hatte sie abgesehen von ihren Eltern mit keinen mehr gesprochen. Und die Grangers wussten über die Zaubererwelt Bescheid.

  »Moment noch. Ron kann so nicht mit!« Hermine trug unter ihrem Umhang Rock und Bluse. Auch Harry hatte sich, in Vorbereitung auf seinen Auftrag, Muggelkleidung angezogen. Ron dagegen würde in seiner farbwechselnden Robe (der neueste Schrei der Zauberermode) auffallen wie ein bunter Hund.

  Harry schien auf alles vorbereitet zu sein. Ohne ein Wort zog er seinen Tarnumhang hervor.

  Ron blieb ein paar Schritte hinter ihnen, um nicht unabsichtlich Harry oder Hermine vor die Füße zu laufen und sich zu verraten.

  Hermine beeilte sich, zu Harry aufzuschließen.

  »Du weißt, dass hier etwas nicht stimmt, oder?«, fragte sie. »Sie sind viel zu alt, um noch Magie entwickeln zu können. Irgendetwas geht hier nicht mit rechten Dingen zu.«

  »Ich habe keine Spur von einem Zauberer gefunden.« Harry hielt eine Hand in der Tasche, wo sein Zauberstab war. Hermine wünschte, sie könnte es ihm gleichtun, aber in ihren Rocktaschen war höchstens Platz für ein Taschentuch, mehr nicht. Ihr Zauberstab war in ihrer Handtasche sicher aufgehoben, aber auch schwerer erreichbar. »Und bei siebenundzwanzig Magieausbrüchen kann man nicht mehr von Zufall sprechen.«

  Hermine seufzte. »Du hast ja recht.«

  Je näher sie kamen, desto besseren Blick hatte sie auf die Jugendlichen. Ein großer Dunkelhäutiger lehnte an einer Parkbank und kaute auf einem Grashalm herum. Vor ihm fuhr ein Lockenkopf wild mit seiner Müllsammelzange durch die Gegend. Die beiden Mädchen, eines blond, das andere dunkelhäutig, wichen kreischend zurück und versuchten, sich in Sicherheit zu bringen.

  »Wo ist der Fünfte?«, fiel Hermine auf. »Eben waren es doch noch fünf!«

  »Vielleicht ist er unsichtbar«, flüsterte es hinter ihr.

  Sie erschrak und verspürte das Bedürfnis, einen Kitzelfluch hinter sich zu schleudern, aber leider war dies in der Nähe der Muggel unmöglich.

  »Lass das, Ron!«, zischte sie.

  Harry war bereits weitergegangen.

  »Hallo«, rief er laut. »Entschuldigt bitte, wir haben uns verirrt und bräuchten Hilfe.«

  Hermine sah sofort, dass er nichts Dümmeres hätte sagen können.

  »Hilfe? Klar und ich bin Lady Gaga«, schnaubte das blonde Mädchen. Der Lockenkopf ließ seine Zange sinken.

  »Sie sind von der Regierung«, sagte er und lehnte sich mit dem Po nach hinten. Seine Augen musterten Harry kurz von oben bis unten und blieben dann an Hermine hängen. »Was wollen Sie, unseren Bewährungshelfer sprechen? Wir haben ordnungsgemäß unseren Dreck weggemacht, das heißt, Ihren Dreck, wir sind sauber. Sie können gern meinen Arsch sehen, Lady.«

  Hermine blieb der Mund offen stehen. Bevor sie etwas sagen konnte, fuhr der Junge allerdings schon zurück und hielt sich geschockt die Hand an die Wange. »Barry! Lass das!«

  »Ron, nein, was tust du?« Harry trat vor. Er musste auf den Tarnumhang getreten sein, denn plötzlich flackerte Ron zurück in den sichtbaren Zustand. Er stand direkt vor dem Lockenkopf und blickte ihn mörderisch an.

  »Das ist meine Frau«, knurrte Ron.

  Hermine konnte sich nicht damit auseinandersetzen, dass er sie gerade zum ersten Mal als seine Frau bezeichnet hatte, obwohl sie nicht verheiratet waren. Ihre Augen waren auf die vier Jugendlichen fixiert.

  Sie hatte mit erschrockenen Schreien gerechnet, weit aufgerissenen Augen, Panik und Verwirrung.

  Das, was sie in den Gesichtern las, war allerhöchstens milde Überraschung.

  »Alter, Sie können das auch!«, meldete sich die Dunkelhäutige zu Wort und ließ ihren Kaugummi zerplatzen.

  »Alisha, halt die Klappe!«, fuhr der Dunkelhäutige sie an.

  »Was hab ich denn getan?«

  »Du hast ‚auch’ gesagt«, klärte der Lockenkopf sie auf. »Jetzt wissen die Regierungstussi und ihre beiden Kerle, dass du auch in dem Gewitter warst. Und da wir mit dir rumhängen, sind wir alle im Arsch. Schöne Scheiße, vielen Dank auch!«

  »Nathan …«, begann der Dunkelhäutige, doch Nathan sprach bereits weiter. »Du kannst dich wieder blicken lassen, Barry, die wissen eh schon alles.«

  »Ich heiße Simon«, murrte es und dann war der fünfte Jugendliche wieder da.

  So sehr Hermine sich anstrengte, sie konnte keine Bewegung wahrnehmen, die dem Abstreifen eines Tarnumhangs glich. Wie hatte er das gemacht?

  »Schön. Mein Name ist Harry Potter und du hast recht, Nathan, ich bin hier wegen dem … Gewitter. Es sind einige sehr ungewöhnliche Vorkommnisse in der Gegend bekannt geworden und daher -«

  »Ich hab’s doch gesagt!« Nathan wartete nicht weiter ab, sondern stach mit seiner Zange nach Simon. »Die Bewährungshelferin! Sie horcht dich nur aus! Du hast uns verraten!«

  »Mach mal halblang, Nathan.« Der Dunkelhäutige stieß sich endlich von der Bank ab und kam auf Harry zu. »Ich bin Curtis. Das da ist Kelly.«

  »Ron und seine Freundin Hermine«, stellte Harry sie vor. Ron sah immer noch aus, als plante er einen langsamen und qualvollen Tod für Nathan.

  »Sie wollen also wissen, was wir können?«

  »Das wäre … hilfreich.« Hermine erkannte, dass Harry etwas anderes hatte sagen wollen. Allerdings schien es klug zu sein, erst einmal so viel wie möglich über diese Jugendlichen herauszufinden.

  »Ich kann durch die Zeit reisen«, offenbarte Curtis.

  Hermine griff nach Rons Arm und hoffte, nicht umzufallen. »Durch die Zeit?«, wisperte sie. Es war möglich. In ihrem dritten Schuljahr hatte sie einen der seltenen Zeitumkehrer besessen und war ständig zurückgesprungen, um ihr Lernpensum zu bewältigen. Allerdings waren sämtliche Zeitumkehrer bei dem Kampf in der Mysteriumsabteilung zerstört worden. Natürlich war es denkbar, dass die Unsäglichen seitdem neue hergestellt hatten – aber wie hätten sie in die Hände dieses Muggels geraten können?

  »Ich drehe sie zurück, wenn etwas passiert ist, was mich betrifft und was ich ändern will. Also weiter als bis zum Tag meiner Geburt komm ich nicht zurück.«

  Hermine konnte nur starren. So weit?

  Harry hatte sich derweil mit Nathan unterhalten und ihm die Müllsammelzange abgenommen. »Sonst stichst du noch jemandem ein Auge aus, und ich bin nicht sicher, dass einer von uns das nachwachsen lassen kann.«

  »Das wäre auf jeden Fall praktisch.« Nathan zog seine Hand in den Ärmel. »Seht her, Hand ab! Hand wieder dran! Ein Wunder!« Er wackelte mit den Fingern. »Wer will das Ganze mit meinem Schwanz sehen?«

  »Du bist so ein Pisser, Nathan.« Alisha schüttelte sich und wollte sich von ihm entfernen, trat jedoch auf die Zange, die Harry zu Boden gelegt hatte. Sie strauchelte. Ron streckte seinen Arm aus, um sie zu stützen.

  Und was dann passierte, würde Hermine für den Rest ihres Lebens nicht mehr vergessen.

  »Oh Mann!«, ächzte Ron und riss die Augen auf. »Ich will mit dir schlafen! Jetzt, sofort! Ich will, dass meine Frau uns dabei zusieht. Du bist so heiß! Lass uns über das Gras wälzen und Kinder machen! Ich will mindestens zwei! Lass uns anfangen!«

  ‚Ron will Kinder?’, war das Erste, was Hermine dachte, dann: ‚Mit ihr?’

  »He, es ist nicht so, wie Sie denken!«, preschte da schon Curtis vor. »Lassen Sie sie los!« Hastig zog er Ron zurück, der sich zwar wehrte, aber das Mädchen losließ. »Alisha, Baby, alles okay?«

  Alisha nickte. Sie trat zu Curtis, vermied jedoch jede Berührung und ließ den Kopf hängen. »Ich hasse das.«

  »Das ist ihre Fähigkeit«, erklärte Curtis. »Jeder, der sie anfasst, will sofort mit ihr schlafen und ist ihr vollkommen zu Willen.«

  Ron blieb der Mund offen stehen.

  Harry, dem das Ganze offenbar sehr unangenehm war, hatte die Brille abgenommen und polierte sie an seinem Ärmel. »Nun, ähm … ich muss nachdenken. Ihr sagt, die Fähigkeiten sind bei einem Gewitter gekommen?«

  »Das müssten Sie doch wissen. Ihr Kumpel kann sich unsichtbar machen.« Curtis verschränkte die Arme. »Also war zumindest er auch in dem Gewitter.«

  ‚Ein Unwetter, das magische Kräfte verleiht? Das ist Unsinn’, dachte Hermine. ‚Es ist nach keinem Gesetz der Magie möglich.’ Sie hatte die Theorie der Magie nicht ausführlich studiert, aber so viel wusste sie.

  »Sie waren nicht in dem Gewitter«, mischte Kelly sich ein. Sie stand hinter ihren Freunden und hatte bislang geschwiegen. Jetzt warf sie den langen Zopf über die Schulter und trat vor. »Ich hab in ihren Gedanken gelesen. Sie haben keine Ahnung, wovon wir reden.«

  »Aber …« Alisha verstummte.

  Hermine warf Harry einen Blick zu. ‚In unseren Gedanken?’ Auch das war unmöglich. Es gab nur einen Zweig der Magie, der in die Richtung ging und Legilimentik als Gedankenlesen zu bezeichnen, verfehlte völlig das Konzept. Niemand wusste das besser als Harry.

  »Sie sind Zauberer«, verkündete Kelly nun. »Oder zumindest glauben sie, dass sie’s sind.«

  »Zauberer? Kinderkacke. So’n Mist hat nicht mal meine Ma versucht mir zu erzählen, und die meint, masturbieren ist schädlich für die Augen.« Nathan machte eine obszöne Geste, auf die niemand reagierte.

  »Wenn Kelly das sagt, dann stimmt es auch«, verteidigte Simon sie. » Sie sind also wahre Zauberer? Mit Kräften wie unseren?«

  »Ja«, sagte Harry schließlich. »Unsere Magie ist nicht auf eine einzige Begabung beschränkt, aber dafür gehorcht sie anderen Gesetzen. Zeitreisen sind nicht möglich und Gedankenlesen auch nicht. Ich habe nie von einer Fähigkeit wie der deinen gehört.« Er nickte in Alishas Richtung. »Und um unsichtbar zu werden, brauchen wir einen Tarnumhang oder einen Zauberspruch.«

  Wie zum Beweis hob Ron den Umhang hoch, den er vorhin hatte fallenlassen. »Außerdem haben wir Zauberstäbe.« Er grinste, als er seinen hervorholte. Nach einem raschen Blick durch die Gegend, ob ihnen niemand zusah, richtete er ihn auf Nathan. »Levicorpus!«

  »Ron!«, sagte Hermine schockiert.

  »Ich will ihm nur einen Denkzettel verpassen. Was der Junge dir schon alles zeigen wollte…«

  »Und du wolltest dich noch vor fünf Minuten mit einer seiner Freundinnen übers Gras wälzen!« Hermine war nicht willens, dieses Thema fallen zu lassen.

  Ron schnitt eine Grimasse und ließ Nathan wieder hinunter.

  »Was jetzt, Harry?«

  »Sie können uns nicht mehr sagen, als dass es bei einem Gewitter passiert ist.« Harry wich ihren Blicken aus. Hermine begriff, worauf er hinauswollte. Sie besaßen nicht die Macht, den Jugendlichen ihre Fähigkeiten wieder zu nehmen, dafür waren viel mehr Zeit, Arbeit und ein paar Unsägliche nötig.

  Dennoch hatten sie ihnen verraten, was sie waren. Diese Muggel wussten zu viel. Eine von ihnen konnte Gedanken lesen, ein anderer die Zeit zurückdrehen, wenn ihm etwas zustieß.

  »Ich würde gern mehr über das Unwetter erfahren«, sagte Hermine laut und versuchte, ihre Gedanken allein auf das Thema zu lenken. Sie musste Harry helfen. Er war der Einzige –

  »Wie war das denn? War es ein gewöhnliches Gewitter?«

  »Mehr wie ein Weltuntergang.« Alisha schüttelte sich.

  »Die Hagelkörner waren so groß wie Kellys Titten!«

  »Nathan, du Arsch! Glotz gefälligst woanders hin!« Kelly schlug ihm auf den Arm.

  Das war die Ablenkung, die Harry brauchte. »Obliviate!«

  Die Zauber schossen durch die Luft, während Ron und Hermine Harry dabei halfen, die Gedächtnisse der Muggel so zu verändern, dass die Begegnung nie stattgefunden hatte. Nachdem sie das vollbracht hatten, zogen sie sich in die Gasse zurück.

  »Was, meinst du, ist hier geschehen?« Hermine wusste nicht, worüber sie sich mehr Sorgen machen sollte. Dass es dieses Gewitter gegeben hatte oder in welcher Gegend von London es den Menschen Fähigkeiten verliehen hatte. Diese fünf dort draußen waren der lebende Beweis dafür, wie gut es war, dass Muggel über keinerlei Magie verfügten.

  »Warte noch.« Harry holte etwas Fleischfarbenes aus seiner Tasche und verwandelte es mit einem Stupser seines Zauberstabs. Eine Ratte huschte davon.

  »Ein Langziehohr. Dritte Generation«, erklärte Ron stolz. »Das mit der Ratte war meine Idee.«

  Hermine verdrehte die Augen und drängte sich näher an ihre Freunde, damit sie mithören konnte.

  »Worüber haben wir gerade geredet?« Nathans Stimme erklang. »Kellys Titten?«

  »Nein, du Arsch. Du hast vom Weltuntergang angefangen.«

  »Wirklich?« Nathan klang überrascht. »Hm, ein gutes Thema. Was meinst du, Kelly, wie wird die Welt untergehen? Ich denke ja, es hat mit Sex zu tun. Die Menschen denken immer zu viel an Sex! Jeder einzelne Mann denkt doch nur mit seinem Schwanz.« Hermine glaubte, sehen zu können, wie er sich in den Schritt griff. Seine Freunde stöhnten.

  Kelly zündete sich eine Zigarette an. »Meine Welt geht unter, wenn meine Kippen leer sind. Du schuldest mir noch drei.«

  Nathan ignorierte sie. »Ehrlich, Leute! Wie soll da noch was erledigt werden? Stellt euch mal vor. Bei mir ist das okay, ob ich den Müll heute aufsammel oder morgen, ist allen kackegal, aber wenn unser Präsident – wie heißt noch mal unser Präsident? – wenn der ständig seine Frau Präsidentin knallen würde, dann ist England im Arsch!«

  »Das ist es jetzt schon.« Curtis klapperte mit seiner Zange. »Mach dich an die Arbeit, Nathan. Wir haben keinen Bock auf dein Gelaber. Je eher wir fertig sind, desto eher lässt Sally uns gehen.«

  »Du denkst auch nur ans Ficken. Wie genau macht ihr das eigentlich, wenn du Alisha nicht anfassen kannst?«

  Die Stimmen verklangen, als die fünf Jugendlichen sich von der Langziehohrratte entfernten und ihre gemeinnützige Arbeit erledigten. Harry holte die Ratte zurück und steckte sie in die Tasche.

  »Was nun?«, fragte Hermine.

  »Ich werde einen Bericht darüber verfassen. Jemand anderes muss sich um diese Gewitterfolgen kümmern und dafür sorgen, dass die Sache hier unter Verschluss bleibt. Ich denke nicht, dass die fünf eine Gefahr sind.«

  »Und die siebenzwanzig Vorfälle?«

  »Auch da muss sich jemand anderes drum kümmern.« Harry rieb sich die Augen. »Kehren wir nach Hause zurück.«

  »Oh ja, Feierabend.« Hermine seufzte. Sie konnte es kaum erwarten, ihre Tasche in die Ecke zu stellen und die Füße hochzulegen. Und vielleicht mit Ron die ein oder andere Sache zu klären. Zum Beispiel, wann sie anfingen, diese zwei Kinder zu machen, die er so unbedingt haben wollte.


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Dies ist mein Beitrag zum Crossover-Turnier von Shattered Memories. Betagelesen wurde der OS dankenswerterweise von Noctua, vielen Dank dafür. Reiner Text sind laut Word übrigens nur 2903 Wörter.
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