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Bittersüß (One Shot)

von verlaufen
OneshotLiebesgeschichte / P12 / Gen
Dauphin Francis Mary Stewart Sebastian "Bash" de Poitiers
25.03.2016
25.03.2016
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Dieser One Shot findet nach der 5. Folge der ersten Staffel statt, in der Mary und Bash sich zum allerersten Mal küssen. (Francis bekommt dies mit)
Ich weiß nicht, wieso, aber ich finde diese Szene so schrecklich schön und ich konnte nicht anders, als etwas eigenes dazu zu schreiben. Es ist nicht viel, aber Mary und Bash sind für mich sowieso "das Paar" in Reign.
Viel Spaß beim Lesen. <3

~

»Lass uns nach dem Essen einen Spaziergang machen, was hältst du davon?«
Mary fand die Idee schön. Sie mochte den Garten und die sommerlich warme Luft, die der August nach Frankreich trug.
Sie nickte. Francis lächelte.
Trotz alldem, was seit gestern passiert war, schaffte es Mary nichtzu glauben, dass die Dinge sich einfach legen würden, wo sie doch so plötzlich alles durcheinandergebracht hatten. Wie naiv mochte sie sein, um dies zu glauben?
Den ganzen Vormittag über brannte ihr die Frage auf der Zunge, die sie sich nicht zu stellen getraute. Dennoch hängte sie sich an ihre Fersen wie ein störrisches Kind, wie ein nasses Laubblatt, das voller Trauer versucht, dem Winter zu entkommen: Wo war Sebastian?

Francis wusste von dem Kuss – natürlich tat er das. Er hatte es doch mit eigenen Augen gesehen.
Mary und Bash.
Er brachte nicht mehr als ein bitteres Lächeln zustande. Ein kaltes Lächeln voller Nervosität, das seine Fingerspitzen zittern ließ. Das Lächeln schnitt ihm in die Wangen und als er eine der prachtvoll langweiligen Vasen, die überall im Schloss herumstanden, sah, fragte er sich, was daran so besonders war und wen diese Besonderheit dazu veranlasste, sie genau dort über dem Kamin zu platzieren, wo er, Francis, beinahe gezwungen war, sie anzusehen.
Was reizte Mary plötzlich an Bash? Was hatte er getan, außer ein paar Weinflaschen aus der Küche zu stehlen und Mary anzusehen, als wäre sie die Sonne?
Francis verachtete Bash. Er verachtete seinen Bruder und er verstand ihn nicht, das tat er nur selten. Dennoch wusste Francis, dass in ihm – irgendwo vergraben und eigentlich auch gar nicht vorhanden – diese kalte Wut schlief, die sich jedes Mal regte, wenn er Bash ansah. Die sich mit kalten Händen um seinen Hals legte und ihn zwang, alles zuzulassen, was er all die Jahre angestaut hatte. All den Hass. All den Neid und die Verzweiflung, weil er immer gewusst hatte, Bash würde ihn überrennen. Und nun, wo er ihn schon fast überholt hatte, realisierte Francis, dass diese Wut langsam aufwachte und anfing, zu hungern. Nach Rache?
Sie erweckte in ihm den Drang, Bash aus dem Weg zu räumen. Manchmal träumte Francis davon. Und manchmal wachte er nachts auf und hielt sein Messer in der Hand.

»Du siehst wunderschön aus, habe ich das schon erwähnt?« Francis pflückte eine Blume, als sie den Anfang des Waldes erreichten, dann lächelte er.
»Ein-, zweimal.« Mary nahm die Blume entgegen und strich gedankenverloren über ihre Blätter. Der Stiel kam ihr so rau vor, so stark und frei von jeglicher Zartheit, die Blütenblätter hingegen leuchteten in sattem Rot und umarmten ihre Fingerspitzen in beinahe tragischer Schönheit, wie Lippen, wie küssende Lippen, dachte sie.
»Jetzt ziehst du mich auf«, sagte Francis wiederund riss Mary aus ihrer Träumerei.
Sie lächelte. »Mag sein.«
Seine Zähne blitzten, dann griff er nach ihrer Hand und zog sie zu sich heran. Er küsste ihren rechten Mundwinkel. »Erinnerst du dich? Vor ein paar Wochen lagen wir hier im Grünen …«
Grinste er?
Mary senkte den Blick. »Auf was willst du hinaus, Francis?«
Seine Hände glitten über ihre Taille und seine Lippen fanden die Stelle an ihrem Hals, an der sie heute Morgen schon gelegen hatten.
Mary kicherte. Und dennoch fühlte sie sich anders als sonst in seiner Nähe - beinahe unvollständig?

»Mary, da bist du ja, wir haben uns schon gefragt, wo du dich herumtreibst …«
»Keine Sorge«, setzte Mary an, doch Kenna fing an zu lächeln. »Du warst bei Francis?«
Mary nickte, Lola und Greer tauschten einen kurzen Blick.
»Dann scheint ihr euch ja wieder versöhnt zu haben.«
Mary runzelte die Stirn. Francis hatte beschlossen, nicht mehr darüber zu reden und Mary wollte nicht darüber reden. Sie wollte mit Sebastian reden, doch das würde sie für sich behalten.
»Ist es wahr?« Greer rutschte näher zu ihr hinüber, in ihrer Stimme schwang Neugier mit. »Francis und Olivia?«
Mary schluckte. Greer schien ihr Gesichtsausdruck nicht zu gefallen, sie senkte entschuldigend den Blick.
»Greer«, sagte Mary in einem Tonfall, der klang, als schriebe sie einen Brief (an ihre Mutter vielleicht) und legte Greer ihre blasse Hand auf den Unterarm, die aussah, als wäre sie aus Porzellan. »Olivia wurde überfallen. Sie bleibt wohl eine Weile am Hof.«
»Am Hof?«
Mary nickte wieder – ihr war heute nicht nach ausgiebigen Gesprächen – und da sah sie, wie die Tür am Ende des Saals aufschwang. Sie wusste, dass es Sebastian war, bevor er den Raum betrat und ihr Herz schien ihr voraus durch den Saal zu hetzen.
Er sprach mit dem König und hob flüchtig den Blick, wobei er den ihren traf.
Er redete weiter und sein linker Mundwinkel zuckte, als hätte Henry eben einen schlechten Witz erzählt.
Mary sah Bash immer weiter an, bis er seinen Blick für einen winzigen Moment zur Tür fliegen ließ und dann wieder zu ihr zurück. Er richtete sich auf und verließ den Saal und Mary war, als hätte sie einen Sonnenuntergang direkt am Meer beobachtet und nun war ganz plötzlich die Nacht hereingebrochen.
»Was ist mit Sebastian?«, fragte sie plötzlich, den Blick noch immer auf der großen Tür, als käme er jeden Moment wieder hinein.
Greer, Lola, Kenna und Aylee verstummten augenblicklich und sahen sie an. Auch Mary selbst riss endlich ihren Blick los, wirkte aber dennoch gefasst. »Ich habe ihn heute kaum gesehen.«
Kenna fand als Erste ihre Sprache wieder. »Nun, er plant einen Ritt in die Wälder, wie mir ein Diener berichtete.«
»In die Wälder?« Mary dachte daran, dass er nach Tannenzweigen und Moos riechen würde, wenn er zurückkehrte und ihr gefiel der Gedanke.
»Hast du ihn gestern auf dem Fest nicht gesprochen?«, fragte Greer verwundert.
»Er erwähnte nichts dergleichen … Entschuldigt mich.« Und damit fasste Mary den Entschluss, aufzustehen und ihm zu folgen.

»Da ist sie ja. Noch schöner als gestern.«
Mary zuckte zusammen, als sie die Tür zum Saal wieder hinter sich schloss. Neben ihr stand Sebastian. Er lehnte an einer der kühlen Steinwände und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Und er lächelte – natürlich.
»Sagt nicht, Ihr habt auf mich gewartet«, antwortete Mary bloß. »Ihr habt mir einen ziemlichen Schrecken eingejagt.«
Er stieß sich leicht von der Wand ab und machte einen Schritt auf sie zu. Dann griff er nach ihrer Hand und küsste diese, ohne ihre Finger wirklich zu berühren. »Das tut mir aufrichtig leid. Ich dachte nur … Ihr habt meine Geste richtig gedeutet.«
»Das habe ich wohl«, erwiderte sie und wandte sich mit einem schüchternen Lächeln von ihm ab. »Könnt Ihr meine deuten?«

Der Sommertag schien in voller Pracht zu stehen. Einige Grillen klagten über die Hitze und die Vögel hoch über ihnen sangen von sattem Grün und reißenden Flüssen.
»Ihr plant also einen Ritt in die Wälder?«, fragte Mary vorsichtig, als sie weit genug vom Schloss entfernt waren und es immer stärker nach Nadeln und Wildblumen roch.
Sebastian hatte die Hände hinter dem Rücken verschränkt, die er jetzt überrascht sinken ließ und Mary mit einem Blick musterte, den sie nicht deuten konnte. »Nun, von wem habt Ihr das denn gehört?«
Mary blieb stehen, sie zögerte, doch dann sagte sie: »Ist das denn wichtig? Bash, die Wälder sind gefährlich, Olivia's Kutsche wurde überfallen. Was wenn …« Sie stockte undsah ihn an. »Dir etwas passiert?«
»Ich war schon oft dort draußen. Mir wird nichts zustoßen.« Er sagte dies mit einer Leichtigkeit, die Mary dazu veranlasste, ihm zu glauben. Sie schenkte ihm ein halbes Lächeln und er fasste sich ein Herz und sagte: »Gibt es nicht wichtigere Dinge zu besprechen?«
Mary wusste, worauf er hinauswollte. Sie lächelte, unschuldig und schön – wie gestern, dachte Bash.
»Ich habe zu wenig gegessen und zu viel getrunken. Ich habe nicht nachgedacht. Ich …«
»Ist es das?«, fragte Bash. »Oder ist es mehr?«
Mary sah ihn an. Die Haarsträhnen auf seiner Stirn hatten sich durch den Wind verirrt, doch jetzt gehörten sie zu ihm; in diesem Moment lagen sie dort und das einzige, was fehlte, war eine Hand, die sie glattstrich.
»Ich habe letzte Nacht von einem See geträumt, er hatte die Farbe Eurer Augen.« Mary hob die Hand und berührte sein Kinn, dann lächelte sie. »Seltsam.«
Er machte noch einen Schritt und sie wich zurück und stieß gegen einen Baum, dessen Rinde sich an ihr Kleid schmiegte und dabei knirschte, wie müde Schritte in staubigem Kies.
»Nicht«, sagte sie und ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Dann schloss sie die Augen und das nächste, was sie spürte, war seine Stirn an ihrer. Seine Nasenspitze auf ihrer und ein Seufzen, das lautlos von seinen Lippen kroch und sich auf ihre legte.
Und dann tat Mary das, was sie selbst nie von sich erwartete, naiv und beinahe hoffnungslos. Sie küsste ihn. Sie zog sein Gesicht mit einem Ruck zu ihrem heran und merkte, wie sein Körper gegen ihren sank und die Rinde auf ihrem Kleid wieder aufgeregt zu knirschen begann.
Und der einzige Gedanke, den sie hatte – und zwar die ganze Zeit über – war, dass seine Lippen sich rau auf ihren anfühlten. Sie schmeckten nach Abenteuern und dem Traum von letzter Nacht.
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