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Guilty Pleasure

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Harry Styles Niall Horan Zayn Malik
25.03.2016
23.06.2022
29
122.851
5
Alle Kapitel
104 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
23.06.2022 3.465
 

Hallo ihr Lieben!

Willkommen zurück zum neuen Kapitel. Wow, wir gehen auf die 30 zu! Und dafür habe ich nur ungefähr 6 Jahre gebraucht, haha. ;D Spaß bei Seite: Es hat etwas länger gedauert mit diesem Kapitel, weil ich zwischenzeitlich vom Heartstopper-Fandom absorbiert wurde (ist hier noch irgendjemand absolut obsessed mit Nick? Ich liebe ihn).

Jetzt habe ich nochmal eine ordentliche Portion Zarry für euch und ein abschließendes Fazit von Niall. Es gibt sehr viel Smut (das war gar nicht beabsichtigt, ist irgendwie einfach passiert und ich wollte es nicht wieder löschen) und ein paar Wahrheiten zwischen den Zeilen. ;)

DISCLAIMER: Sex, Gewalt, Masochismus. Alles dabei. Nur zur Warnung!

Im nächsten Kapitel treffen Harry und Niall dann aufeinander und guess what? Harry wird einiges erklären müssen! ;D

Viel Spaß beim Lesen!

Alles Liebe,
Alice

Kapitel 29
Zarry


Mit diesen Worten packte er sein Gegenüber an den Schultern und drückte ihn mit so einer Gewalt nach unten, dass Harry erschrocken aufkeuchte, dem Druck nachgab und vor seinem Boss auf die Knie ging.
„So gefällt mir das“, murmelte Zayn und in seinen Augen blitze das Verlangen auf. Mit einer schnellen Bewegung öffnete er den Knopf seiner Jeans und zog dann den Reißverschluss nach unten.
„Los“, befahl er mit rauer Stimme „Zieh sie mir aus.“
Harry schluckte, hob dann die Hände und begann, seinem Gegenüber in einem quälend langsamen Tempo die Hose von der Hüfte zu ziehen. Zum Vorschein kam eine ebenfalls dunkle Boxershorts, unter der sich Zayns Männlichkeit deutlich abzeichnete.
„Mach schon“, murmelte der Anführer und seine Stimme bebte vor Ungeduld. Niall dagegen wusste nicht, was er nun tun sollte. Soweit hatte er nicht gedacht, als er beschlossen hatte, sich in Zayns Schlafzimmer zu verstecken. Natürlich hätte er damit rechnen können, dass die beiden Männer vor ihm intim miteinander werden würden. Jetzt stand er gefangen hinter dem Vorhang und kämpfte mich sich. Auf der einen Seite wollte er nicht hinsehen, denn es tat weh und es fühlte sich zudem unsagbar verboten und pervers an. Auf der anderen Seite aber wollte er nichts lieber, als zuzusehen. Er wollte wissen, wie es war, wenn sich die beiden mächtigsten Männer des Ordens einander hingaben und er wollte wissen, wie es war, wenn Harry vor jemandem auf die Knie ging… auch, wenn es in diesem Fall leider nicht Niall selbst war. Und dann hakte der Lockenkopf seine Finger in Zayns Boxershorts und zog ihm auch diese langsam hinunter. Mit einem letzten Blick nach oben in die lüsternen Augen seines Bosses, beugte Harry sich vor und öffnete seine Lippen.
„Gott“, keuchte Zayn, als er den warmen Mund um sich herum spürte. Reflexartig griff er Harry in die langen Locken, packte zu und begann, selbst das Tempo zu bestimmen. Immer wieder drang er so tief in Harrys Mund ein, dass dieser würgte und sich gegen die Bewegungen wehren wollte, doch Zayn ließ ihn nicht los. Ein paar Mal noch stieß er zu, dann zog er sich mit so einem Ruck zurück, dass Harry das Gleichgewicht verlor und fast nach vorn kippte. Er hustete ein paar Mal und wischte sich mit der Hand über den Mund, ehe er zu seinem Boss nach oben blickte.
„Du hast wirklich Talent dafür, weißt du das?“, raunte Zayn mit dunkler Stimme „Aber ich will nicht, dass es so schnell vorbei ist. Ich will dich ficken. Steh auf!“
Harry kam dem Befehl nach und erhob sich mit wackligen Beinen wieder. Doch anders, als Niall es erwartet hatte, sah der Lockenkopf nicht eingeschüchtert oder panisch aus. Vielmehr lag in den grünen Augen ein Gefühl, das Niall so intensiv noch nie bei Harry gesehen hatte. Es war Verlangen. Dunkles, tiefes Verlangen. Niall biss sich auf die Lippe. Mit so einem Blick, mit so einer Gier, hatte der Lockenkopf ihn nie angesehen.
„Aber wir machen es so, wie ich es will“, raunte Harry und seine Stimme klang vor Begierde so rau, dass auf Zayns Gesicht ein wissendes Lächeln erschien.
„Das kommt darauf an, was genau du willst“, antwortete er, packte Harry an der Taille und zog ihn zu sich.
„Ich will es hart“, flüsterte der Lockenkopf und diesmal war Zayn es, der ins Stocken geriet.
„Wie hart?“
„Eine 10.“
„Nein.“
„Komm schon, Zayn“, raunte Harry und hauchte seinem Boss einen Kuss auf die Lippen „Willst du mich nun oder nicht?“
„Warum eine 10? Was ist los?“, entgegnete Zayn und strich seinem Untergebenen in einer beinahe zärtlichen Geste über die Wange. Niall verstand überhaupt nichts mehr. Was bedeutete eine 10? Worüber verhandelten die Beiden da gerade?
„Nichts…“, murmelte Harry und sah zu Boden „Du weißt, ich brauche das manchmal.“
„Wenn ich nur einmal in deinen hübschen Kopf sehen könnte“, raunte Zayn und seine Stimme klang fast, als sei er traurig. Dann seufzte er „Was ist das Safeword?“
„Wir brauchen keins.“
„Harry…“, knurrte Zayn und verfestigte den Griff um dessen Taille „Das letzte Mal, dass wir es ohne Safeword probiert haben, hätte ich dich fast umgebracht.“
„Und es hat dich angeturnt, gibs zu.“
„Sag mal, hörst du eigentlich, was du da sagst?“, jetzt klang der Anführer des Ordens wirklich entrüstet „Ohne Safeword werde ich dich nicht anfassen.“
„Das ist ja mal ganz was Neues. Als ob du dich dabei sonst um mein Wohlergehen geschert hättest.“
„Wieso provozierst du mich?“, zischte Zayn und packte Harry so grob am Arm, dass der Lockenkopf aufkeuchte. In den braunen Augen des Anführers loderte Ärger, doch Harry sah nicht verängstigt aus. Eher …ungeduldig.
„Tu mir weh, Zayn. Bitte!“
„Dann nenn mir dein Safeword!“
„Du weißt, dass ich es ohnehin nicht benutzen werde.“
„Das werden wir sehen.“
„Wie wär‘s mit Schlagsahne?“, feixte Harry und Zayn verdrehte die Augen. Seine Hand wanderte von Harrys Oberarm zu dessen Schulter bis hin zu seiner Wange. Abermals strich er zärtlich über die blasse Haut, ließ seinen Daumen über Harrys Unterlippe wandern.
„Dann also Schlagsahne?“, fragte Zayn und seine Stimme klang dunkel und voller Verlangen.
„Ja“, hauchte Harry, ehe Zayn sich vorbeugte und ihre Lippen miteinander verschloss. Der Kuss begann sanft, doch das Knistern zwischen den beiden Männern entflammte bald und die Atmosphäre schlug um. Zayns Griff wurde fester, seine Berührungen grob und die Sanftheit in seinem Blick wich einer solchen Gier, wie Niall sie noch nie gesehen hatte. Innerhalb eines Wimpernschlags hatte Zayn Harry die Hose heruntergerissen, entledigte sich seiner eigenen und packte Harry gewaltsam an den Haaren.
„Ich werde dich ficken, so wie du deine kleine Hure gefickt hast!“, zischte der Anführer des Ordens und knallte Harry mit dem Kopf an die Wand neben dem Regal, ehe er sich hinter seinem Untergebenen positionierte und ihm mit voller Wucht in den Hals biss. Harry kam ein erstickter Schrei über die Lippen, doch er wehrte sich nicht. Im Gegenteil… er schien… es zu genießen?
„Ich habe nicht mit Niall geschlafen“, keuchte er, während Zayn an seinen Haaren riss und gleich darauf gewaltsam in ihn eindrang.
„Lüg nicht!“, schrie Zayn und knallte Harry abermals mit dem Kopf gegen die Wand, während er begann, sich in ihm zu bewegen.
„Ich lüge nicht“, kam dem Lockenkopf gequält über die Lippen. Für einen Moment hatte er die Augen geschlossen, als hätte er Mühe, den Schmerz zu ertragen, den Zayn ihm zufügte. Doch als er die Augen wieder aufschlug, leuchteten die grünen Iriden nur so vor Lust. Auch Zayn war kurz ins Stocken geraten. Offenbar war die Info, dass Harry und Niall bisher nicht miteinander geschlafen hatten, neu für ihn. Und es schien ihm zu gefallen, denn es dauerte nur eine Sekunde, bis er sich wieder gefangen hatte und umso heftiger in Harry stieß. Niall war inzwischen hinter seinem Vorhang erstarrt, unfähig, den Blick abzuwenden. In seinem Kopf hatte sich längst ein Gedankenkarussell in Bewegung gesetzt und verursachte ihm Kopfschmerzen. Er verstand nicht, was er da sah, konnte es noch nicht in Worte fassen. Doch mit einem Mal wurde ihm klar, dass er gerade dabei war, etwas Entscheidendes über Harrys und Zayns Beziehung herauszufinden.
„Härter!“, stöhnte der Lockenkopf und griff nach hinten, um Zayns Arm zu packen. Mit einem Ruck zerrte er seinen Boss weg von sich, drehte sich um und schubste Zayn nun seinerseits gegen die Wand.
„Was soll das?“, blaffte Harry ihn an „Du gibst dir gar keine Mühe!“
„Wage es ja nicht, mich nochmal so anzufassen!“, fauchte Zayn wutentbrannt und löste sich von der Wand. Harry jedoch wich kein Schritt zurück. Es war lebensmüde, wie er dort stand und dieses Monster provozierte, wohlwissend, dass er keine Chance haben würde. Oder… war es genau das, was er wollte?
„Eine 10!“, raunte Harry und schubste Zayn abermals „Bist du zu schwach, um –“
Und dann holte der Anführer des Ordens aus und schlug zu. Er traf Harry mehrfach im Bauch und zwei Mal im Gesicht und der Lockenkopf taumelte, ehe er beinahe ungebremst zu Boden ging und mit dem Kopf aufschlug. Zayn kauerte sich über Harry, riss an dessen Haaren und zwang ihn dazu, den Blick zu heben.
„Hast du jetzt, was du wolltest?“, zischte er wütend „Reicht dir das?!“
„Nein“, keuchte Harry und versuchte sich mit wackligen Armen wieder aufzurichten. Niall gefror das Blut in den Adern. Hatte der Lockenkopf irgendeinen geheimen Plan? Oder wollte er das wirklich? Aber wer würde so etwas wollen?!
Zayns Kehle entwich ein Knurren und er packte Harry abermals und zog ihn unsanft wieder auf die Beine. Dann schleuderte er ihn herum, schubste ihn quer durch den Raum, bis Harry den Schreibtisch im Rücken spürte und erschrocken zusammenzuckte. Er schien mit all seinen Sinnen bei Zayn zu sein, schien alles um sich herum völlig ausgeblendet zu haben. Mit einem Ruck hatte Zayn ihn abermals umgedreht und presste ihn mit dem nackten Oberkörper auf den Schreibtisch.
„Wie ist das Safeword, Harry?“, knurrte er seinen Untergebenen ins Ohr, doch Harry schüttelte den Kopf.
„Ich werde es nicht sagen“, flüsterte er und schloss die Augen, als wüsste er bereits, was als nächstes kam. Niall dagegen entwich fast ein spitzer Schrei, als ihr Anführer Harry packte und mit dessen Oberkörper den gesamten Schreibtisch leer fegte. Eine Schreibtischlampe ging krachend zu Boden, Stifte und Papiere flogen durch die Gegend und die Drachenfigur aus Messing, die Zayn als Briefbeschwerer nutzte, schlitzte Harry mit ihren Zacken die blasse Haut an der Brust auf, bis Blut floss. Ohne Vorwarnung drang Zayn abermals in Harry ein, drückte ihn weiterhin auf den Schreibtisch und beschleunigte das Tempo seiner Stöße. Zwischendurch holte er wieder und wieder aus, verpasste Harry Schläge in die Rippen und presste ihn mit dem Gesicht auf den Tisch. Als er mit fahrigen Händen schließlich den Schreibtisch absuchte und nach dem Brieföffner griff, wusste Niall, dass es gleich vorbei sein würde. So oder so.
„Safeword?“, keuchte Zayn, während er ihren Rhythmus beschleunigte.
„Fick dich!“, antwortete Harry und keine Sekunde später bäumte er sich auf, als Zayn so hart zu stieß, dass der Lockenkopf Sterne sah. Zayn nutzte die Change, griff mit einer Hand nach Harrys Hals und hielt ihm mit der anderen die Klinge des Brieföffners an die Kehle.
„Und wie ist es jetzt?“, keuchte er atemlos, seine Stöße wurden abgehakter und unkontrollierter und auch Harry schien mit seiner Lust – und seiner Kraft – langsam am Ende zu sein.
„Nah dran“, raunte er und legte den Kopf in den Nacken „Los, schneide!“
„Harry…“
„Mach schon!“
Und dann sah Niall dabei zu, wie ihr Boss seinem Untergebenen einen langen Schnitt an der Kehle verpasste. Er war ein oberflächlicher Schnitt, doch er war immerhin tief genug, um zu bluten und als sich die Wunde langsam rot färbte, fiel die Spannung von Harry ab und er sackte mit einem lauten Stöhnen in sich zusammen. Zayn stieß noch zwei Mal zu, dann kam auch er. Eine Weile lang war nur das Keuchen der beiden Männer zu hören und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis sie schließlich die Kraft aufbrachten, sich aufzurichten und voneinander zu lösen.
„Also eine 10 war das nicht“, murmelte Harry irgendwann und grinste erschöpft. Zayn atmete noch immer heftig. Er verdrehte die Augen, grinste ebenfalls und beugte sich dann vor, um Harry einen zarten Kuss auf die Lippen zu hauchen.
„Tut mir leid. Es wird immer schwerer, dich zufrieden zu stellen. Nächstes Mal gebe ich mir noch mehr Mühe“, versprach er und Harry lächelte, als wäre das etwas Gutes.
„Vielleicht könnten wir die Sache mit den Fesseln nochmal ausprobieren“, murmelte er und strich sich gedankenverloren über die verblassten Striemen an seinen Handgelenken. Zayn lachte.
„Hier nach brauche ich erstmal eine Woche Pause, Baby. Ich bin total erledigt. Kommst du mit unter die Dusche?“
„Ja, gleich. Ich brauche noch einen Moment.“
Zayn nickte, gab Harry im Vorbeigehen einen weiteren Kuss auf die lädierte Wange und ging dann in Richtung Badezimmer. Der Lockenkopf sah seinem Boss hinterher und als die Badezimmertür hinter ihm zu fiel, kam wieder Leben in Harry. Er griff sich an die Kehle und ertastete den Schnitt, ehe er gequält die Augen schloss, so, als würde er gerade erst begreifen, was Minuten vorher geschehen war. Er seufzte leise, als er die Hand zurückzog und das rote, helle Blut auf seiner Handfläche sah. Zayn hatte nur die Haut verletzt, es war nicht wirklich schlimm. Jedenfalls nicht im Vergleich zu den Verletzungen, die Harry sonst schon gehabt hatte. Sein Blick wanderte seinen Körper hinab. Die Wunden auf seiner Brust bluteten, ein Tropfen war bis hinunter zu seinem Bauchnabel gelaufen. Auch Zayns Schläge waren mittlerweile gut sichtbar, bereits jetzt zeichneten sich leichte Umrisse der Hämatome unter der blassen Haut ab. Die Schusswunde am Bauch hatte ebenfalls gelitten, doch immerhin hielt die Naht. Der Lockenkopf fuhr sich durch die Haare, die Erschöpfung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Das Leuchten in seinen Iriden war verschwunden und einem matten Ausdruck gewichen und alles in allem sah Harry aus, als wäre er gerade aus einem Traum erwacht. Einem Albtraum? Er warf einen Blick zum Badezimmer, als wolle er sichergehen, dass Zayn auch wirklich unter der Dusche stand, und ging ein paar Schritte zurück zum Schreibtisch. Mit zittrigen Fingern griff er nach der obersten Schublade, zog sie auf und holte die Unterlagen darin hervor. Es dauerte nur einen kurzen Moment, da schien er gefunden zu haben, wonach er gesucht hatte. Plötzlich loderte Wut in seinen Augen auf und er pfefferte die Papiere unsanft zurück in die Schublade. Was auch immer er in Zayns Aufzeichnungen gelesen hatte, es schien ihm alles andere als zu gefallen. Er hatte seine Hände reflexartig zu Fäusten geballt und brauchte ein paar Atemzüge, um sich wieder zu beruhigen. Und dann war die Wut aus seinen Augen mit einem Mal verschwunden, ersetzt durch das Pokerface, mit dem er Niall vorhin begrüßt hatte. Einfach so, von einer Sekunde auf die andere, hatte der Lockenkopf seine Emotionen sorgfältig weggeschlossen und Niall bekam einmal mehr eine Ahnung davon, wie viel Harry in all der Zeit vor ihm versteckt hatte. Mit einem mulmigen Gefühl sah der Blondschopf dabei zu, wie Harry seine Schultern strafte, ein falsches Lächeln aufsetzte und Zayn dann ins Badezimmer folgte. Als die Tür hinter ihm zufiel und sich der Schlüssel im Schloss drehte, fühlte Niall eine Millionen Ziegelsteine von seinem Herzen fallen.
Er lebte noch.
Sie hatten ihn nicht erwischt.
Und während sein Kopf noch zu verarbeiteten versuchte, was er gerade miterlebt hatte – denn was zur Hölle?! –, übernahm sein Körper die Kontrolle und seine Beine setzten sich in Bewegung. Mit wackligen Schritten tapste er zur Zimmertür, den Atem angehalten und den Blick immer wieder zum Badezimmer flackernd. Doch weder Zayn noch Harry ließen sich blicken. Vermutlich genossen sie die Zweisamkeit unter der Dusche. Niall spürte einen Stich im Herzen als er daran dachte, dass auch er einmal dort mit Harry unter der Dusche gestanden hatte… und wie weit entfernt ihm das nun vorkam. Als er die Zimmertür schließlich erreichte, griff er nach der Klinke und schlüpfte hinaus in den Korridor. Nur um eine Sekunde später mit Liam zusammenzuprallen, der ihn mit einer Mischung aus Wut und Angst in Grund und Boden starrte.
„Hier steckst du also!“, fauchte die Wache und packte Niall am Kragen.

Natürlich hatte Niall in all dem Chaos vergessen, dass er eigentlich nur für eine halbe Stunde an die frische Luft wollte und natürlich hatte Niall vergessen, Liam Bescheid zu geben, dass es doch länger dauern würde. Natürlich waren mittlerweile beinahe drei Stunden vergangen und NATÜRLICH war Liam deswegen ziemlich aus dem Häuschen – im schlechtesten Sinne.
„Ich könnte dich umbringen, Niall, ehrlich! Verdammt noch mal!“, herrschte die Wache den Jungen an, während er ihn ziemlich grob mit sich riss in Richtung ihrer Unterkunft. Zu Recht, gestand sich Niall beschämt ein. Denn während er sich leichtsinnig in Gefahr gebracht hatte, nur, weil er unbedingt herausfinden wollte, was Harry bei Zayn wollte, waren seine Freunde und seine Mom vermutlich umgekommen vor Sorge. Und Überraschung – jetzt wusste Niall zwar, was Harry und Zayn getan hatten, doch weiterhelfen tat ihm das auch nicht. Eher im Gegenteil. Der Blondschopf war nun noch verwirrter, als er es eh schon gewesen war. Denn diese Beziehung, die Harry mit seinem Boss führte, war schon immer vollkommen abwegig, irrational und verrückt gewesen. Doch jetzt, nach diesem Sex-Szenario… Niall konnte sich nicht helfen, es war einfach nur geisteskrank. Und er verstand es nicht. Hatte Harry irgendwas geplant? Gab es hinter alledem irgendeine logische Erklärung? Oder war es tatsächlich einfach … echt gewesen? Niall spürte, wie die Wahrheit vor seinem inneren Auge Gestalt annahm, doch er wehrte sich dagegen. Er wollte den Gedanken nicht zulassen, dass all das geschehen war, weil Harry es so gewollt hatte. War der Lockenkopf denn wirklich so kaputt, dass er Sex und Schmerz kombinieren musste, um Erlösung zu finden? Und falls es so war… Niall schluckte. Falls es so war, würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass Harry Zayns Gewaltattacken willkommen hieß? Schlimmer noch, dass er Zayn darum gebeten hatte, ihn zu verletzen? All die Male? All die zig tausende Male, in denen Niall über Harrys Blutergüsse gestrichen hatte, über Harrys Verletzungen, über dunkle Hämatome, Schnitte, Kratzer, Narben… und über die Striemen an seinen Handgelenken. Striemen, von denen Niall gedacht hatte, dass sie Zeugnis Zayns abartiger Grausamkeit waren. Doch wenn der Blondschopf es richtig verstanden hatte, dann war das alles ein Spiel gewesen. Etwas, das Harry sogar noch einmal ausprobieren würde. Also was? War alles eine Lüge gewesen? Gab es diese Wutanfälle und Gewaltattacken von Zayn gar nicht? War das einfach eine billige Ausrede, um die Wahrheit zu vertuschen? Die Wahrheit, dass Harry so krank und verrückt war, dass er geschlagen und verletzt werden wollte? Und das Zayn ihm eigentlich nur einen Gefallen tat?
Doch was war dann mit der Vergewaltigung, von der Niall Zeuge geworden war? Ein Schauer lief dem Jungen über den Rücken, als er sich daran zurück erinnerte, wie der Anführer des Ordens über Harry hergefallen war. Wie er das Nein einfach ignoriert und sich an dem Lockenkopf vergangen hatte und dass all das in einer Panikattacke seitens Harry geendet war und dem vorrübergehenden Kontaktabbruch zu Niall. Und das war nicht gespielt gewesen, da war sich der Junge sicher. Diesen Übergriff hatte Harry nicht gewollt. Und angenommen, Harry würde Niall eine Erklärung für all das liefern, was der Blondschopf gesehen hatte – denn Niall würde ihn darauf ansprechen, egal, ob er Harrys Zorn damit auf sich ziehen würde –, dann stand immer noch die Frage im Raum, wer Gemma und Khai waren. Warum Zayn seinen besten Mann entmündigen wollte. Und was Harry in Zayns Unterlagen gesucht hatte. Und, wenn sie schon dabei waren, dachte Niall grimmig, dann könnten sie auch gleich darüber sprechen, wie Zayn und Harry sich kennengelernt hatten. Was aus Harrys Tumor geworden war und WIE ZUR HÖLLE Niall da hineinpassen sollte.
Und während Niall sich schließlich umgeben von seinen Freunden in Liams Zimmer wiederfand, seine besorgte Mutter tröstete und Louis meckern hörte, wurde ihm klar, dass er sich geirrt hatte. Es war nicht so, dass er Harry kaum kannte. Er kannte ihn gar nicht. Was wusste er denn schon? Harry war 23 Jahre alt, er war chaotisch und verdammt clever. Das wars. Und das nach all der Zeit und all der Nähe, die sie miteinander geteilt hatten. Niall brauchte Antworten. Er hatte es satt im Dunkeln zu tappen. Entweder Harry würde endlich den Mund aufmachen oder es war vorbei, beschloss der Blondschopf. Und vielleicht… vielleicht war es ja ohnehin schon vorbei? So kühl wie Harry ihm gegenüber gewesen war? Sie hatten seit Wochen kaum Zeit miteinander verbracht, Harry war immer und immer wieder gezwungen gewesen, Nialls nervigen kleinen Arsch zu retten und heute hatte der Lockenkopf sich lieber mit Zayn vergnügt als die Zeit mit dem Jungen zu verbringen, der in ihn verliebt war und ohnehin wohl nur noch zwei Tage am Leben sein würde. Also war es vermutlich sowieso aus zwischen ihnen. Was auch immer es gewesen war, was sie miteinander geteilt hatten, Harry schien sich davon verabschiedet zu haben.
„Niall, ist alles okay?“, hörte der Blondschopf seine Mom neben sich murmeln und er nickte abgehakt, während ihm dicke Tränen über die Wange liefen.
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