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Guilty Pleasure

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Harry Styles Niall Horan Zayn Malik
25.03.2016
28.07.2022
32
137.383
6
Alle Kapitel
108 Reviews
Dieses Kapitel
11 Reviews
 
 
25.03.2016 4.740
 
Hallo ihr alle! Wir schreiben das Jahr 2022 und heute ist der 27. April.

Man mag es kaum glauben, aber diese Story hier habe ich vor 6 Jahren geschrieben bzw. angefangen. Ich bin so oft gefragt worden, ob ich hier weitermache und jetzt habt ihr mich soweit. ;) Die ersten 24 Kapitel sind "alt", stammen aus der Feder meines 22-jährigen Ichs. Ab dem 25. Kapitel geht es dann mit aktuellem Stoff weiter. Ich werde die alten Kapitel nicht überarbeiten, was Rechtschreibung, Tippfehler etc. angeht. Die Zeit nutze ich lieber, um an der Story weiterzuschreiben. Ich habe noch ein bisschen was vor mit den Protagonisten und hoffe, ich komme einigermaßen gut voran.
Die Begrüßung unter diesem Absatz hier lasse ich stehen, als kleine Erinnerung. Ja... dann viel Spaß beim Lesen! :)

Alice (mittlerweile 28 Jahre alt und immer noch Fan)  

PS: Wenn ihr Lust habt, schaut doch mal bei meiner anderen, aktuellen FF vorbei.

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Hej ihr!

Es freut mich, dass ihr euch hier her verirrt habt! Kurz zu mir: Mein Name ist Alice, ich bin zuckersüße 22 Jahre jung und noch nicht sooo lange ein Fan von One Direction. Ich kann also nicht behaupten, das mega Fan-Wissen zu haben oder von Anfang an dabei gewesen zu sein. Mal ganz abgesehen davon habe ich seit... puuuh, na ja, seit einem Jahr bestimmt nicht mehr geschrieben und ich bin etwas eingestaubt. Gut möglich also, dass das erste Kapitel etwas holprig zu lesen ist.

Lasst mir gern ein Feedback da, damit ich weiß, ob es noch erträglich war oder ob ich es inzwischen vollkommen verlernt hab. :'D

Alles Liebe!

Alice
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Kapitel 1
Once Upon A Time


Das Anwesen von Zayn Malik war ein Gerücht. Es hieß, irgendwo in einem Wald am Rande der Stadt - viel zu versteckt, um von Unwissenden gefunden zu werden - verbarg sich eine gigantische, weiße Villa. Umgeben von einem wahren Fuhrpark an Autos, einem weitläufigen Grundstück mit eigener Parcours-Strecke und einem Schießstand schien sie beinahe zu märchenhaft, um wahr zu sein. Angeblich hatte das Anwesen viele Millionen Pfund gekostet, verfügte über weit mehr als zwanzig Schlafzimmer und war von außen mit dem teuersten Stein verkleidet, den es im vereinigten Königreich zu erwerben gab.
Doch Zayn Malik war kein neureicher Geschäftsmann, der durch Glück und Zufall in die richtige Aktie investiert hatte und nun in Geld schwamm, nein. Zayn Malik war Chef einer Organisation, die sich Der Orden nannte. Wie behauptet wurde, hatte er selbst diese Organisation ins Leben gerufen, doch die Tatsache, dass er kaum älter als dreißig zu sein schien, widerlegte diese Vermutung.
Der junge Mann war kein besonders geselliger Mensch, eigentlich hatte niemand ihn je gesehen. Trotzdem waren sich alle sicher, dass er existierte, genau wie diese geheimnisvolle Villa, die nirgendwo zu finden war.
Der Orden benutzte sie als Hauptquartier, als Zentrum ihrer Machenschaften, die alles andere als legal zu sein schienen. Jeden Tag aufs Neue erschienen im Newspaper aktuelle Meldungen über Diebstähle, Überfälle, Prügeleien, Unfälle und sogar Morde. Die Schuldigen wurden so gut wie nie gefasst und doch wurde in jedem Artikel auf diese kriminelle Organisation verwiesen, von der alle glaubten, dass sie existierte, ohne jemals einen Beweis dafür bekommen zu haben.
Auch Niall Horan war sich sicher, dass die Geschichten rund um Zayn Malik keine Märchen waren, nicht zuletzt deshalb, weil sich hin und wieder zwielichtige Gestalten auf dem Parkplatz seiner Schule herumtrieben und mit Drogen dealten. Natürlich war ihm bewusst, dass das nichts absonderliches war, dass es in jeder Kleinstadt irgendwelche Idioten gab, die Zeug vertickten.
Doch diese Gestalten hatten etwas an sich, das einschüchternd wirkte und düster. Niall konnte es nicht genau beschreiben, aber man sah diesen Typen einfach an, dass sie absolut skrupellos waren. Im Grunde genommen wollte Niall nichts mit ihnen zu tun haben. Natürlich weckten sie seine Neugierde und der Reiz des Verbotenen zog ihn an. Doch das war es nicht, was ihn eines Nachmittags doch in die Arme des Ordens trieb.
Es war Harry.
Harry Edward Styles, den Gerüchten zufolge Zayns rechte Hand, war ein attraktiver, junger Mann. Er hatte dunkle Locken, die ihm bis zur Schulter reichten, funkelnd grüne Augen und ein verschmitztes Lächeln. Zahlreiche Tattoos zierten seinen schlanken Körper, eines eindrucksvoller als das andere. Seine langen Beine steckten fast immer in schwarzen Skinny Jeans und seine schmale Taille perfektionierte sein Erscheinungsbild.
Ja, Harry Styles war hinreißend... zumindest was das Äußere anbelangte.
Niall hatte schon oft davon gehört, dass zahlreiche junge Frauen auf Harry hereinfielen, weil sie sich blenden ließen von seinem schiefen Lächeln und erst zu spät erkannten, dass sich hinter dieser hübschen Fassade ein abscheulicher Charakter verbarg. Inwieweit das korrekt war, konnte Niall nicht sagen, denn er kannte Harry nicht persönlich.
Sicher, er kannte Harry durchaus. In- und auswendig hätte er dessen feine Züge beschreiben können, die hohen Wangenknochen, die perfekt geschwungenen Lippen, die gerade Nase und die kleinen Fältchen um Harrys Augen, wenn er lachte.
In seinen Träumen hatte Niall den jungen Mann schon oft berührt, ihn geküsst und auch noch ganz andere Dinge mit ihm angestellt, in der Realität jedoch hatte Harry Styles wohl keinen blassen Schimmer, dass Niall Horan überhaupt existierte.
Und das sollte sich heute ändern.
„Bist du bescheuert?!“, fragte Louis und sah seinen Freund mit großen Augen an „Was sind denn das für beschissene Vorsätze?“
„Jetzt komm mal wieder runter!“, rief Niall empfindlich und griff nach seiner Tasche „Ich hab ja nicht vor, das Zeug dann auch zu nehmen.“
„Ja, aber einen Haufen Geld dafür willst du schon ausgeben oder wie? Du spinnst doch, Horan!“
Niall verdrehte die Augen, weil er fand, dass Louis überreagierte. Während er noch einen letzten Blick in den Spiegel im Flur warf, wippte Louis vor der Haustür ungeduldig mit dem Fuß. Es war der vierte Januar, die Weihnachtsferien somit vorbei und Niall und sein Freund auf dem Weg zur Schule.
Für die beiden jungen Männer würde es das letzte Halbjahr sein, im Sommer hatten sie ihre Abschlussprüfungen und wenn alles gut ging, einen Schulabschluss, der sie berechtigte, an einer Universität zu studieren.
Louis war bereits Feuer und Flamme was seine Zukunft anging, er schwankte zwischen einem Medizinstudium und einer Karriere als Musiker, Niall hingegen hatte nur eines im Kopf und das hatte grüne Augen und dunkle Locken.
„Hast du es dann bald mal? Ich friere mir hier den Arsch ab und außerdem kommen wir zu spät.“, jammerte Louis und Niall seufzte. Er schnappte sich den Haustürschlüssel von der Kommode, trat zu Louis hinaus und zog die Tür hinter sich zu.
„Kann es sein, dass du schlechte Laune hast?“, fragte Niall, während sie los marschierten Richtung Schule. Es war kalt draußen und der Schnee, der gestern gefallen war, bereits festgetreten. Vereinzelt leuchteten noch ein paar Straßenlaternen und tauchten die kleine Ortschaft in orangenes Licht.
Während Niall guter Dinge war, dass er heute endlich einmal ein paar Worte mit Harry wechseln würde, stampfte Louis mürrisch neben ihm her.
„Ich habe keine schlechte Laune.“, protestierte er „Aber mein bester Freund hat vor, Bekanntschaft mit ein paar echt zwielichtigen Drogendealern zu machen, nur um so einen Idioten namens Styles kennenzulernen! Drogen, Niall! So etwas ist illegal, sau teuer und obendrein kann man davon süchtig werden. Und das alles nur, um mit diesem Kerl zu reden?! Vielleicht ist er noch nicht mal da!“
Niall verzog das Gesicht, denn es war durchaus möglich, dass Harry nicht auftauchen würde. Es war nicht er, der die Drogen vertickte, sondern einer seiner Leute. Harry tauchte nur auf, wenn es Probleme gab, zum Beispiel, wenn jemand seine Rechnung nicht beglichen hatte.
Aber Niall hatte sich fest vorgenommen, im neuen Jahr endlich den Mut zu finden, irgendwie mit dem Lockenkopf in Kontakt zu treten und er hoffte einfach, dass er heute Glück hatte. Ganz abgesehen davon hatte er ja nicht vor, sich wirklich Drogen zu kaufen. Er würde die Typen ganz einfach anquatschen und dann...
„Außerdem sind die gefährlich.“, fuhr Louis mit seiner Moralpredigt fort „Du weißt selbst, dass Harry kein scheues Lämmchen ist. Er ist Zayns rechte Hand und wenn es Probleme gibt, löst er die meistens mit Körperkontakt. Erinnerst du dich nicht mehr an den Kerl aus der 10b letztes Jahr? Der hatte sein Zeug auch nicht bezahlen können und ist von Harry krankenhausreif geschlagen worden.“
„Das waren doch alles nur Gerüchte.“, spielte Niall Louis' Aussage herunter, obwohl er sehr wohl wusste, dass Harry über Grenzen ging, um das Geld für seinen Chef einzutreiben.
„Glaub doch was du willst!“, schnaubte Louis „Fakt ist, Harry Styles ist nicht deine Liga, Nialler.“
Niall ging nicht mehr weiter auf die Einwände seines Freundes ein, sondern lief stumm neben ihm her. Es war ihm egal, dass Louis seine Idee nicht gut hieß. Was wusste der schon? Er hatte sowieso etwas gegen Harry, also konnte er auch gleich den Rand halten.
Gut... ein bisschen konnte Niall seinen Kumpel auch verstehen, immerhin war Harry Mitglied in einer Bande von Kriminellen, die für Geld bestimmt so ziemlich alles taten und außerdem schien er recht viel zu sagen zu haben. So gesehen war er wahrscheinlich auch kein unbeschriebenes Blatt, aber das war Niall vorerst egal. Er wollte den Lockenkopf einfach mal kennenlernen, ein paar Worte mit ihm wechseln und vielleicht herausfinden, ob sie sich verstanden.
Und dann könnte er immer noch entscheiden, wie es weiterging.
Nach ca. zehn Minuten kamen die beiden Jungs schließlich an ihrer Schule an. Sie hatten den gesamten Rest des Weges geschwiegen und nun war es Louis, der leise seufzte und somit die Stille unterbrach.
„Sehen wir uns in Mathe?“, fragte er und sah seinen Freund abwartend an. Niall verzog das Gesicht, Mathe lag genau in der Zeit, in der die Dealer sich auf dem Gelände aufhielten, das wusste Niall inzwischen. Als er nicht antwortete, schüttelte Louis bloß den Kopf und stiefelte davon.
„Du rennst geradewegs in dein Verderben, Horan. Der wird dich ausnehmen wie eine Weihnachtsgans und wenn du ihm kein Vergnügen mehr bereitest, sticht er dich ab und schmeißt dich in den nächstbesten Fluss.“
Mit diesen Worten verschwand Louis im Schulkorridor und ließ einen etwas zerknirschten Niall zurück.

Der Tag zog sich und das lag nicht zuletzt daran, dass Niall es nicht ertrug, mit seinem besten Freund zu streiten. Er kannte Louis seit dem Kindergarten und es lag ihm schwer im Magen, wenn sie mal eine Meinungsverschiedenheit hatten.
Trotzdem blieb er bei seinem Plan, auch wenn es vielleicht - ganz sicher - nicht der brillanteste war. Doch als er Silvester mit all seinen Freunden um null Uhr angestoßen hatte und sie sich gegenseitig ein gutes neues Jahr gewünscht hatten, da hatte Niall für einen kurzen Moment die Augen geschlossen und sich geschworen, dass er sich endlich trauen würde, Harry anzusprechen. Zu lange schon hatte er den Lockenkopf aus der Ferne angeschmachtet, jetzt wurde es Zeit, endlich mal Nägel mit Köpfen zu machen.
Während Niall aus dem Fenster starrte und feststellte, dass es erneut begonnen hatte zu schneien, lief seine Englischlehrerin vor ihm her und schrieb Dinge an die Tafel, die wohl wichtig waren, Niall aber wenig interessierten.
Immer wieder warf er einen Blick auf die Uhr, doch die Zeiger schienen heute noch langsamer zu gehen, als an anderen Tagen und Niall kam sich vor, als sitze er auf heißen Kohlen. Als der dritte Unterrichtsblock endlich begonnen hatte, entschuldigte Niall sich noch vor dem Raum bei seinem Lehrer und verschwand mit der Lüge, es ginge ihm nicht gut, Richtung Ausgang.
Louis saß auf einem der hinteren Plätze im Raum und starrte auf den freien Stuhl neben sich. Er unterdrückte ein Zähneknirschen und hoffte im Stillen, dass Niall zur Vernunft kommen würde, bevor es zu spät war.
Der hingegen hatte sich inzwischen dick eingepackt in seinen Schal, Jacke und Mütze, hatte seine Tasche geschultert und trat hinaus in den Schnee. Sein Herz schlug ihm mittlerweile bis zum Hals und er war so aufgeregt, dass ihm schlecht wurde. Ein paar Minuten lang lief er nervös vor dem Schulgebäude auf und ab, bis plötzlich ein großer Geländewagen auf den Parklatz einbog und nahe der Hauptstraße stehen blieb. Nialls Herzschlag setzte für eine Sekunde aus, als er sah, wie zwei angsteinflößende Typen aus dem Auto stiegen und sich lässig gegen die Motorhaube lehnten. Sie unterhielten sich und während Niall noch mit dem Schweinehund in sich kämpfte, konnte er beobachten, wie einige Jungs aus der Schule sich langsam dem Geländewagen näherten. Niall blieb noch einen Moment auf Sicherheitsabstand und musste schließlich enttäuscht feststellen, dass Harry wohl nicht dabei war. Außer diesen zwei einschüchternden Dealern war kein weiterer aus dem Wagen gestiegen und Niall überlegte, ob er trotzdem hingehen sollte. Zwar würde er nicht mit Harry persönlich sprechen, aber vielleicht würde er erfahren, wann der junge Mann beabsichtigte, sich das nächste Mal hier blicken zu lassen.
Also atmete Niall noch einmal tief durch, klaubte all seinen Mut zusammen und schlenderte so lässig wie möglich auf den großen Geländewagen zu. Mittlerweile standen die beiden Dealer wieder allein dort, ihre Kundschaft hatte sich ihr Zeug offenbar schon geholt und Niall hoffte, dass das Ganze jetzt reibungslos ablaufen würde und es keine Probleme gab.
„Äh... hey.“, krächzte er, als er schließlich vor den beiden Typen zum Stehen kam und hob zum Gruß die Hand.
„Wie viel Gramm?“, fragte der Größere von Beiden und Niall zuckte erschrocken zusammen. Die kamen ja schnell zur Sache.
„Also eigentlich... ich...“
„Junge, kaufen oder verschwinden, klar? So schwer ist das doch nicht.“, mischte sich nun auch der andere ein und Niall wich einen Schritt zurück. Er hätte sich vorher überlegen sollen, was er sagen sollte, anstatt hier jetzt sprachlos im Schnee zu stehen und sich lächerlich zu machen.
„Ich will nichts kaufen.“, piepste er und erntete ein verächtliches Schnauben als Antwort.
„Dann verpiss dich.“
„Nein, ich... also...“
„Warte mal.“, wurde sein Gestammel unterbrochen und der Größere richtete sich plötzlich auf. Er sah Niall neugierig an und schob sich seine Mütze zurecht. Ein paar dunkle Haare kamen zum Vorschein und Niall fiel eine Narbe auf, die sich von der rechten Augenbraue des Fremden bis hin zu seinem Haaransatz zog. Er schluckte.
„Quatscht du uns wegen dem Job an, man?“, wollte der Kerl wissen und Niall bekam große Augen. Was für ein Job?
„Als Dealer?“, half der andere Kerl ihm auf die Sprünge und musterte ihn skeptisch „Das besprechen wir normalerweise in der Zentrale und nicht hier.“
„Ich... ach so.“, war alles, was Niall über die Lippen kam. Unsicher sah er die beiden jungen Männer vor sich an und tat dann etwas, von dem er nicht ahnen konnte, dass es sein ganzes Leben verändern würde.
„Ja, ich bin wegen dem Job hier. Bringt mich zu Zayn.“

Zehn Minuten später saß Niall auf der Rückbank eines teuren Geländewagens und versuchte zu ignorieren, dass auf dem Platz neben ihm zwei Revolver lagen und ein Rucksack, in dem Gott weiß was drin zu sein schien. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals und seine Hände zitterten, während er aus dem Fenster starrte und sich fragte was zur Hölle er hier machte!
Die beiden Dealer hatten sich inzwischen als Jackson und Adam vorgestellt und während letzterer den Wagen mit einer gemeingefährlichen Geschwindigkeit über die Straßen jagte, saß Jackson gelassen auf dem Beifahrersitz und warf Niall immer wieder Blicke im Rückspiegel zu.
Der Blondschopf fühlte sich hundsmiserabel. Er konnte nicht fassen, dass er darum gebeten hatte, zu Zayn gebracht zu werden und – was noch viel verrückter war – dass man das nun tatsächlich tat. Was hatte er sich nur dabei gedacht?!
Gar nichts, wie ihm schmerzlich bewusst wurde. Es war eine Kurzschlussreaktion gewesen, einfach zuzustimmen. Dieses Jobangebot schien wie ein Wink des Schicksals. Natürlich hatte Niall nicht vor, in diesen Orden einzusteigen, aber das Angebot würde er sich trotzdem anhören. Je mehr Zeit er bei Zayn verbrachte, desto größer war die Wahrscheinlichkeit Harry über den Weg zu laufen.
Dass das Ganze ziemlich waghalsig war, war Niall bewusst. Es war nicht ausgeschlossen, dass irgendetwas passieren würde. Zayn Malik war wie ein Geist, niemand schien ihn je gesehen zu haben geschweige denn zu kennen. Dennoch war klar, dass er ein grausamer Mensch sein musste und Niall spürte, dass er nervös wurde. Eine merkwürdige Mischung aus Angst und Adrenalin machte sich in ihm breit und dass er langsam aber sicher die Orientierung verlor, machte es auch nicht besser.
Mittlerweile war Adam auf einen Schleichweg abgebogen, der sie weg führte von der Hauptstraße und der Zivilisation, hinein in ein Waldstück, das schier endlos schien. Wenn sie ihn jetzt aussetzen würden, wüsste niemand, wo er war. Er selbst auch nicht. Niemand könnte ihm zu Hilfe kommen, falls...
Aber soweit durfte er nicht denken. Er musste versuchen, ruhig zu bleiben, Zayn gegenüberzutreten würde vermutlich schon schlimm genug werden. Also krallte Niall sich in die Polster seines Sitzes und starrte weiterhin angestrengt nach draußen, versuchte irgendwie zu erkennen, wo sie waren.
Doch die Wege waren so verwinkelt und eine Tanne glich der anderen, es war unmöglich, sich hier zurechtzufinden. Wahrscheinlich hatte selbst Adam ein Navi bei sich oder er kannte den Weg zu Zayn schon sehr, sehr lange.
Niall wusste nicht, ob er überrascht sein sollte, als sich mitten im Wald mit einem Mal eine große Lichtung ankündigte und Adam den Wagen auf ein Grundstück zu lenkte. Hier mitten in der Pampa ragte plötzlich eine gigantische Villa in die Höhe, umgeben von einem Anwesen, das genug Platz für eine weitere Halle bot und in einer auslaufenden Wiese endete.
Niall klappte der Mund auf als er realisierte, dass Zayn Maliks geheimnisvolle Villa alles andere als ein Gerücht war, sondern tatsächlich existierte. Das Gebäude, das nicht nur teuer aussah, sondern auch einen ausgefallenen Baustil hatte, schien so gar nicht in dieses idyllische Waldstück zu passen. Wie ein riesiger Fleck Rotwein auf einem sonst perlweißen Kleid stand die Villa dort und wirkte mit den gruseligen Typen, die sich an jeder Ecke wie Wachen positioniert hatten, wie eine Festung.
Niall biss sich auf die Unterlippe, als ihm klar wurde, dass sie das auch war - eine Festung. Ein Ort, an dem sich Zayn zurückziehen und womöglich auch verstecken konnte und an dem er planen konnte, wen er als nächstes ins Gras beißen lassen würde. Niall durchzuckte es unwillkürlich und als Adam den Wagen schließlich mitten vor dem beeindruckenden Eingang der Villa parkte, setzte sein Herzschlag kurzzeitig aus. Noch niemals war er so aufgeregt und gleichzeitig panisch gewesen wie jetzt. Dieses Chaos an Gefühlen ließ ihn keinen einzig klaren Gedanken fassen. Alles was er wusste war, dass er Harry wahrscheinlich näher war, als jemals zuvor.
„Alles aussteigen.“, brummte Jackson, griff über die Lehne seines Sitzes nach dem Rucksack, der neben Niall gelegen hatte und öffnete dann seine Tür. Auch Adam griff nach den Autoschlüsseln, warf Niall einen kurzen Blick zu und stieg dann ebenfalls aus. Der Blondschopf schluckte und griff mit zittrigen Fingern nach dem Türgriff. Er hatte keine Ahnung, was ihn erwarten würde und hoffte im Stillen, dass er hier heil wieder heraus kam. Die Panik schnürte ihm bereits die Kehle zu und doch konnte er nicht bereuen, mit Adam und Jackson mitgefahren zu sein. Natürlich war das absolut leichtsinnig und naiv gewesen und scheiß gefährlich. Doch die Möglichkeit, Harry persönlich kennenzulernen, ließ Niall alle Vorsicht vergessen und so stieg er schließlich aus dem großen Geländewagen und fand sich direkt vor Adam wieder. Von Jackson war weit und breit keine Spur mehr zu sehen, dafür kam nun ein anderer Kerl mit grimmiger Miene auf sie zu.
Er war nicht unbedingt größer als Adam, trotzdem wirkte er irgendwie einschüchternder. Seine Schritte waren lang und selbstbewusst und die Waffe, die er in einem Halfter um seine Hüfte trug, ließ ihn noch bedrohlicher wirken. Sein Blick war eisig, als er Niall von oben bis unten musterte und sich dann durch die dunklen Haare fuhr.
„Adam.“, seufzte er mit tiefer Stimme „Seit wann nehmen wir Leute mit hier her?“
„Harry schleppt doch auch andauernd irgendwelche Weiber hier an. Wo ist das Problem?“, rechtfertigte sich Adam und sein Gegenüber sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an.
„Erstens ist Harry sehr viel höher gestellt als du, also vergleiche dich gefälligst nicht mit ihm! Und zweitens beschäftigt er diese Weiber dann ja auch für ein paar Stunden. Das hast du mit dem hier nicht vor oder? Also was zur Hölle soll der hier?“
Adam schluckte und wich ein Stück zurück. Offenbar war Niall nicht der Einzige, der sich eingeschüchtert fühlte.
„Er hat nach dem Job gefragt.“, erklärte Adam leise und sein Gegenüber sah erst überrascht aus, ehe er verächtlich auflachte.
„Der da? Ernsthaft?“
„Komm schon, Liam. Es ist nicht meine Aufgabe zu beurteilen, ob Zayn ihn für geeignet hält.“, brummte Adam und Niall zuckte abermals zusammen.
„Du hast recht.“, seufzte dieser Liam und sah Niall noch einmal abwertend an „Ich bringe ihn hin. Je schneller Zayn ihn zu sehen bekommt, desto schneller können wir ihn auch wieder aussetzen.“
„Aussetzen?“, quiekte Niall, doch er bekam keine Antwort. Stattdessen nickte Adam nur und wandte sich dann ohne ein weiteres Wort zum Gehen. Niall sah ihm etwas verzweifelt hinterher, er wollte nicht mit diesem Liam allein gelassen werden.
„Wie hast du von dem Job erfahren?“, fragte der, ehe er sich ebenfalls umdrehte und in langen Schritten auf die Villa zuging. Das große Gebäude machte die Atmosphäre nicht unbedingt entspannter, im Gegenteil. Die Villa war mit ihren Säulen und den hohen Fenstern so prächtig und einschüchternd, dass sich Niall augenblicklich noch unsicherer fühlte. Einen Moment lang stand er da wie festgefroren, bis er begriff, dass er Liam folgen sollte. Er stolperte beinahe über seine Füße, so schnell beeilte er sich, den Abstand wieder aufzuholen.
„Äh... durch Zufall.“, antwortete er etwas unbeholfen und betete, dass Liam nicht weiter nachfragen würde. Der junge Mann sah Niall skeptisch an, es war offensichtlich, dass er ihm nicht glaubte. Dennoch beließ er es dabei und stellte keine weiteren Fragen. Wahrscheinlich war Niall ohnehin nicht interessant genug, um Liams Interesse länger als zehn Sekunden zu wecken. Sie stiegen die große Treppe zur Eingangslobby empor und mit jeder Stufe, die Niall der Haustür - eigentlich konnte man sie gar nicht so nennen, sie glich eher einem Tor - näher kam, beschleunigte sich sein Puls unangenehm. Er hörte das Pochen in seinen Ohren, spürte es in seinen Fingerspitzen und ihm wurde plötzlich heiß und kalt zugleich. Liam stieß mit einem ordentlichen Kraftaufwand die schwere Tür auf und stemmte sich dagegen, um sie Niall offen zu halten. Der Junge huschte unsicher an ihm vorbei und fand sich plötzlich in der wohl eindrucksvollsten Eingangshalle wieder, die er je gesehen hatte. Unwillkürlich fühlte er sich an die Empore eines Kunstmuseums erinnert, in dem er vor Jahren einmal mit der Schule gewesen war.
Die Decke war so hoch, dass ein gigantischer Kronleuchter problemlos Platz fand, der Boden war aus pechschwarzen Fliesen und ließ die weißen Wände nur umso heller erstrahlen. Es gab ein Fenster, das mehrere Meter breit war und bis in den zweiten Stock zu reichen schien und überall standen diese grimmigen Menschen herum, eine Hand an dem Revolver in dem Halfter, den Blick starr geradeaus gerichtet. Sie bewegten sich kein Stück, auch nicht als Liam an ihnen vorbei preschte und Niall ihm wie ein dummer Welpe folgte. Es herrschte eisige Stille im Foyer, nur die eiligen Schritte waren zu hören, hallten von den Wänden wider und verliehen der ohnehin schon angespannten Atmosphäre noch einen beklemmenden Unterton. So edel und elegant dieses Haus auch eingerichtet war, es wirkte kalt und unpersönlich. Nirgendwo waren persönliche Gegenstände zu sehen, keine Bilder, keine Regale, nichts. Es schien beinahe, als wäre Zayns Villa eher ein Ausstellungsstück, als ein Zuhause und Niall fragte sich, ob das beabsichtigt war.
Vermutlich war Zayn nicht der Typ für indirektes Licht und Familienfotos an den Wänden, das ein oder andere Teelicht auf der Fensterbank und Kissenbezüge, die zum Sofa passten. Niall verzog das Gesicht.
Nein, wahrscheinlich schien Zayn mehr Wert auf eine einschüchternde Wirkung zu legen, als auf eine gemütliche. Liam jedoch schien sich nicht daran zu stören, im Gegenteil. Mit seiner kalten Ausstrahlung und dem grimmigen Gesicht passte er genau hier her und während sie die langen Korridore entlang liefen, wurde Niall immer ängstlicher.
Gleich würde er Zayn Malik persönlich gegenüber stehen und sich ein Jobangebot unterbreiten lassen, auf das er gar nicht scharf war. Doch mit einem Mal dämmerte es Niall, dass er vielleicht gar keine Wahl mehr hatte. Niemand hatte ihm die Augen verbunden, niemanden kümmerte es, was er sah oder hörte und dass, obwohl der Anführer des Ordens doch scheinbar ziemlich viel Wert darauf legte, sein Anwesen geheim zu halten.
Niall schluckte. Er hatte schon zu viel gesehen, als dass man ihn wieder gehen lassen würde. Oder? Was hatte er sich nur dabei gedacht, hier her zu kommen? Das war purer Wahnsinn gewesen! Er hatte sich in einen jungen Mann verguckt, von dem er kaum etwas wusste! Bis auf die Tatsache, dass er gefährlich war. Und jetzt brachte er sich selbst in Gefahr, nur um diesen Kerl kennenzulernen. Louis hatte recht gehabt, sein Plan war bescheuert gewesen!
„Da wären wir.“, murmelte Liam und blieb abrupt stehen. Niall sah auf und bemerkte etwas verspätet, dass sie vor einer dunklen Flügeltür standen, die so hoch war, dass sie beinahe mit der Decke abschloss.
„Du wartest hier, klar?“, zischte Liam, warf Niall einen warnenden Blick zu und klopfte dann leise an die Tür. Es dauerte keine Sekunde, da erklang ein höfliches „Ja, bitte?“ und Liam öffnete die große Tür und verschwand im Raum dahinter.
Augenblicklich ertönte Stimmengemurmel, aber Niall konnte nicht verstehen, über was gesprochen wurde. Doch das war auch gar nicht nötig, ihm rutschte das Herz auch so schon in die Hose. Einen irrwitzigen Moment lang überlegte er, ob er einfach die Beine in die Hand nehmen und verschwinden sollte, doch ein Blick zu den Wachen, die überall verteilt herum standen, brachte ihn schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.
Eine Flucht war unmöglich.
Und dann wurde die große Tür abermals geöffnet und Liam sah Niall auffordernd an.
„Komm.“, sagte er schlicht, trat zur Seite und Niall wurde schlecht. Seine Füße verweigerten ihm den Dienst, doch er zwang sich trotzdem dazu, an Liam vorbei in das große Büro zu treten, das ohne Zweifel Zayn Maliks war.
Der Chef des Ordens stand am Fenster, die Hände auf dem Rücken verschränkt und starrte nach draußen, als gäbe es dort irgendetwas zu sehen, außer Wäldern und Wiesen. Als er Niall herein kommen hörte, spitzte er jedoch die Ohren und wandte sich neugierig um. Er musterte den Jungen von oben bis unten, ehe er die Augenbraue in die Höhe zog und lächelte.
„Willkommen!“, sagte er höflich, doch Niall lief es eiskalt über den Rücken. Er starrte den Mann vor sich mit großen Augen an und kam nicht umhin festzustellen, wie attraktiv er war. Längst nicht so verflucht sexy wie Harry, aber dennoch anziehend.
„H-hallo.“, brachte Nialll stotternd hervor und spürte, dass er rot anlief. Seine Hände begannen zu zittern und er krallte sie in den Saum seines Oberteils, um seine Nervosität und Angst zu verstecken.
Das war er also, der berüchtigte Zayn Malik.
Er war größer, als Niall erwartet hatte und der Blick aus seinen braunen Augen so intensiv, dass Niall weiche Knie bekam. Zayn jedoch strahlte eine Ruhe und Selbstsicherheit aus, die verboten gehörte und wirkte trotz seines Lächelns so bedrohlich, dass es wahrscheinlich ein leichtes für ihn war, die Leute dazu zu bringen, ihm zu gehorchen.
„Setz dich doch. Liam hat mir erzählt, du bist wegen dem Job hier.“, durchbrach Zayn die Stille und sein Blick lag forschend auf Niall. Der nickte zögernd, ließ sich widerwillig auf einem der dunklen Ledersessel vor Zayns Schreibtisch nieder und biss sich auf die Unterlippe.
„Es ist schön jemanden zu haben, der sich so bereitwillig für unsere Aufgaben zur Verfügung stellt.“, fuhr Zayn fort und lächelte ein Lächeln, dass seine Augen kaum erreichte „Versteh mich also bitte nicht falsch, aber du bist nicht gerade derjenige, den wir suchen.“
„Aber ich kann das!“, protestierte Niall ohne nachzudenken. Himmel, er sollte einfach den Rand halten! Was tat er denn hier bloß?!
Zayn sah den Jungen vor sich überrascht an. Offenbar hatte er nicht damit gerechnet, dass Niall widersprechen würde. Es kam nicht so oft vor, dass jemand unbedingt in den Orden aufgenommen werden wollte. Normalerweise musste man die Leute meistens ein bisschen zu ihrem Glück zwingen und es gab einen, der das besonders gut konnte...
„Liam?“, rief Zayn leise und keine Sekunde später wurde die hohe Altbautür geöffnet und Liam trat herein. Er warf einen kurzen Blick zu Niall, der immer noch recht eingeschüchtert auf seinem Stuhl saß und wandte sich dann zu Zayn.
„Ja?“, fragte er ruhig und sah seinen Chef abwartend an.
„Bring mir Harry.“
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