memories are thicker

GeschichteDrama / P18 Slash
Bellamy "Bell" Blake Clarke Griffin Dr. Abigail "Abby" Griffin Lexa Octavia Blake Wells Jaha
24.03.2016
23.03.2020
65
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24.03.2016 1.370
 
Montonie (Clarke POV)


>> Beep...Beep...Beep...<<
Clarke hörte das monotone Piepen den ganzen Tag über. Es war egal ob sie sich im Krankenhaus befand oder nicht, sie hörte es, als wäre das Tuten in ihr Trommelfell tätowiert.
Unmotiviert und niedergeschlagen, dennoch mit einem leichten Lächeln auf den Lippen lief sie durch die weißen, kalten Gänge des Krankenhauses, nickte den Schwestern freundlich zu und grüßte die bekannten Gesichter, bevor sie in dem einen Zimmer verschwand. In dem Zimmer,  in dem der einzige Grund lag weswegen sie täglich hier her kam.

Sie zog die Vorhänge auf, warf einen Blick auf die Monitore, um festzustellen, dass alles okay war und begab sich dann an das Bett. Vorsichtig nahm sie die kühle, leblose Hand in ihre und presste ihre Lippen sanft in einem flüchtigen Kuss auf die der Anderen. Clarke wünschte sich eine kleine Regung, eine Gegenbewegung, ein Erwidern, sodass sie sich nicht jeden Tag vorkam als würde sie eine Leiche küssen, aber nichts geschah. Enttäuscht und voller Trauer setzte sie sich auf den Stuhl neben dem Krankenbett und hielt weiterhin die Hand, verschränkte ihre Finger langsam miteinander.

Es kam Clarke wie eine nie endende Routine vor, dabei waren es erst drei Wochen. Drei unerträgliche Wochen, in denen sie täglich in das Krankenhaus, den Arbeitsplatz ihrer Mutter stiefelte und ihrer im Koma liegenden Freundin beim Schlafen zu sah.  Manchmal blieb sie über Nacht, manchmal verpasste sie den Unterricht und manchmal kam sie mehrmals am Tag. Sie wusste, dass sie nicht dazu verpflichtet war und auch, dass Lexa wahrscheinlich nichts davon mitbekam, aber sie wollte da sein, falls sie doch aufwachen sollte. Clarke wollte die Erste sein, die sie sieht, wenn sie die Augenlider aufschlug, die Erste sein, an die sie sich wieder erinnerte, falls sie sich denn erinnern konnte.

Clarke seufzte und ließ sich im Sitz zurückfallen. Ihr Blick haftete dennoch an dem Gesicht ihrer Freundin. Sie sah so friedlich und unbekümmert aus, als würde sie tatsächlich nur ein Nickerchen nach einem harten Tag machen, aber das Piepen der Geräte und die Atmosphäre im Raum zerstörte die Illusion. Die Platz- und Schnittwunden waren bald abgeheilt und die Brüche konnten durch die Ruhelage ebenso gut genesen, nur hatte sie nichts davon, wenn sie danach weiterhin im Bett lag und nicht aus dem Koma erwachen würde.

Das blonde Mädchen verwarf den grässlichen Gedanken daran und begann stattdessen mit dem Vorlesen. Jeden zweiten Tag las Clarke ihr für ein, zwei Stunden vor. Sie kramte den ersten Band von Game of Thrones aus ihrer Schultasche und schlug die Seite auf an der sie beim letzten Mal aufgehört hatte. Sie war noch nicht allzu weit gekommen, aber das machte nichts, denn sie würde noch Zeit genug haben, um die Reihe zu Ende zu lesen. Lexa liebte die Serie zu Game of Thrones, war aber selbst zu faul ein Buch in die Hand zu nehmen und zu lesen. Clarke las so gerne und viel, dass sie oft glaubte für ihre Freundin mitgelesen zu haben und jetzt las sie ihr vor.

>>Jetzt.<< Catelyn sprach lauter, als sie beabsichtigt hatte. Männer wandten sich um. >>Lysa, du kannst nicht allen Ernstes mit dieser Torheit fortfahren. Lebend besitzt der Gnom einen Wert für uns. Tot ist er nur Futter für die Krähen. Und sollte sein Streiter sich behaupten...<<
>>Die Chancen dafür stehen schlecht, Mylady.


Clarke stoppte als jemand das Zimmer betrat. Sie räusperte sich und schlug das Buch zu, so das ihr Daumen darin steckte und die Seite nicht verloren ging. Jackson, Lexas Pfleger, schlich durch den Raum, als hätte er Angst sie wecken zu können.
„Guten Morgen, Clarke. Wie geht’s dir?“, fragte er im Plauderton, während er sich die Werte, die auf dem Monitor aufleuchteten, notierte.
„Mir geht’s gut, danke.“, sagte sie kühl und verdrehte die Augen. Sie wusste nicht, ob er es ihr abkaufte oder nicht, aber das war ihr auch relativ egal. Wie konnte er überhaupt die Frechheit besitzen solch eine Frage immer und immer wieder zu stellen, obwohl es doch offensichtlich war, dass es ihr nicht so gut ging.
„Hier ist soweit alles in Ordnung.“, murmelte Jackson, kritzelte seine Aufzeichnungen fertig und sah dann zu dem Mädchen herüber. „Musst du nicht zur Schule?“ Sein Kopf bewegte sich in eine hinterfragende Seitenlage und ein breites Grinsen zierte seinen Mund.
„Ich habe Ausfall.“, log Clarke und zuckte mit den Schultern.
„Na gut.“, sagte er und begab sich zur Tür. „Wir sehen uns.“

Erleichtert atmete Clarke aus. Endlich hatte sie wieder ihre Ruhe. Jackson war zwar ein netter Kerl, aber er war niemand, den sie jeden Tag sehen wollte, mit seiner immer guten Laune und seinen bemutternden Fragen. Sie öffnete das Buch wieder und suchte nach der Zeile, bei der sie stehen geblieben war.

>>Ser Vardis ist ein kühner Kämpfer. Er wird mit dem Söldner kurzen Prozess machen.<<
>>Wird er das?<<, sagte Catelyn kühl. >>Das ist die Frage.<< Sie hatte Bronn auf der Bergstraße kämpfen sehen. Dass er die Reise überlebt hatte, während andere Männer gefallen waren, durfte man nicht dem Zufall anrechnen. Er bewegte sich wie ein Panther, und dieses hässliche Schwert, das er sein Eigen nannte, schien an seinem Arm wie festgewachsen.
Lysas Freier sammelten sich um sie wie Bienen um eine Blüte.  >>Frauen verstehen nur wenig von diesen Dingen.<<


Erneut wurde Clarke unterbrochen, in dem die Tür aufschwang. Genervt grummelte sie und bewegte ihren Kopf in Richtung des Eingangs. Es war ihre Mutter, was sie umso mehr nervte.
„Clarke,“, begann sie und schloss die Tür, „Du hast in der Schule zu sein.“
Der weiße Kittel schien ihrer Mutter zu groß zu sein, denn er hing weiter über die Schultern als vorgesehen. Vielleicht hat er ihr vor einiger Zeit gepasst und sie hat nur wieder abgenommen durch ihre endlos Schichten, in denen sie immer vergas zu essen. Der Stress stand ihr ins Gesicht geschrieben.
„Ich habe Ausfall.“, wiederholte Clarke, in der Hoffnung, dass Abby genauso schnell verschwand wie Jackson.
„Hast du nicht.“, kam es von ihrer Mutter, die sich vor ihr aufbaute. „Ich habe in der Schule angerufen und nachgefragt. Du schwänzt gerade den Mathe-Unterricht.“
Wütend klappte Clarke das Buch zu, sodass es richtig knallte und ihre Mutter kurz zusammen zuckte. „So vertraust du mir also.“, warf Clarke ihr vor und sah geradeaus aus dem Fenster.
„Wenn meine Tochter fast jeden Tag Ausfall hat, dann werde ich misstrauisch, ja.“ Abby verschränkte die Arme vor der Brust und sah ihre Tochter eindringlich an, erwartete eine Erklärung, obwohl sie den Grund kannte.
„Jackson ist eine Petze.“, sagte Clarke und steckte das Buch zurück in die Tasche. Sie wusste, dass sie ihre Mutter nur loswurde, wenn sie gehen würde.
„Jackson hat damit nichts zu tun.“, verteidigte sie ihren Arbeitskollegen.
Clarke warf sich ihre Tasche über die Schulter, gab Lexa noch schnell einen Kuss auf die Stirn und flüsterte kaum hörbar: „Ich liebe dich.“ Dann wollte sie an ihrer Mutter vorbei aus dem Zimmer rennen, wurde aber am Arm gepackt und aufgehalten.
„Wie hast du vor deinen Abschluss zu packen, wenn du den ganzen wichtigen Stoff verpasst?“, fragte ihre Mutter ernst und sah ihr tief in die Augen, versuchte die Vernunft und die alte Wissbegierde in Clarke zu wecken.
„Lass das mal meine Sorge sein. Außerdem hast du keine Ahnung was ich verpasse und was nicht, du bist ja nie da.“, warf sie Abby an den Kopf und versuchte sich aus dem Griff zu befreien.
„Lexa kann froh sein, dass sie jemand so fürsorgliches wie dich hat, Clarke, aber sie würde nicht wollen, dass du deine Zukunft aufs Spiel setzt.“ Abby ließ Clarke los und strich ihr dann eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Du weißt ganz genau, dass ich nicht vor Lexa streiten will.“, meinte Clarke mit leiser Stimme und warf einen Blick zum Bett. „Ich gehe jetzt zum Mathe-Unterricht.“
Ohne ein weiteres Wort verließ sie den Raum, ließ ihre Mutter dort stehen und machte sich auf den Weg zur Schule.

//Hey Leute! Ich würde mich über Feedback und erste Eindrücke freuen, damit ich weiß wie meine Idee ankommt und ob es sich lohnt weiter zu machen! Liebe Grüße!
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