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Dieser eine Tag...

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Mix
23.03.2016
05.08.2022
74
38.696
5
Alle Kapitel
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05.08.2022 550
 
…Es war ein ziemlich kühler, aber sonniger Herbsttag. Die Blätter der Laubbäume links und rechts der Allee hatten die schönsten Farben angenommen: von leuchtend gelb über orange zu blutrot. Ich mag den Herbst. Er hatte was Beruhigendes und doch was Raues. Kaum eine Jahreszeit verbindet diese Gegensätze so harmonisch wie der Herbst es tut.

Ich hatte einen Schal um den Hals und die Hände in den Manteltaschen, während Luis und ich nebeneinander her schlenderten. Die Begrüßung war eher wie die peinliche Begrüßung zweier, die sich auf einer Online-Dating-Plattform kennengelernt hatten und sich zu früh auf ein Treffen eingelassen hatten, wo sie sich doch noch gar nicht kannten und keinen Plan hatten, was sie miteinander „quatschen“ wollten. Entspannt wollten Luis und ich mal über die letzten Wochen reden und genau das taten wir nun nicht: Wir waren nicht entspannt und wir redeten kaum. Ich bemerkte Luis Blicke aus dem Augenwinkel. Scheinbar suchte auch er nach den richtigen Worten, die Konversation zu starten, war dabei aber genau so erfolgreich wie ich. „Schönes Wetter heute.“, bemerkte Luis schließlich. „Jop.“, antwortete ich. Man, war das alles unangenehm!

Ich atmete einmal tief ein und setzte an: „Ich…also… Ich wollte mich entschuldigen, dafür, dass ich in den letzten Wochen so abwesend und abweisend war und gleichzeitig wollte ich mich für dein Verständnis, deine Fürsorge und deine respektvolle Art bedanken. Du hast meinen Wunsch akzeptiert, mir die Ruhe gegeben, die ich brauchte und dich hinten angestellt. Das muss hart für dich gewesen sein und ich wollte, dass du weißt, dass ich das sehr geschätzt habe und schätze und ich dir dankbar bin dafür.“

Ruhe. „Es war mehr als hart. Und ich habe es bis jetzt nicht verstanden. Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht hatte. Von einem Tag auf den anderen war alles kaputt und ich kam nicht mehr an dich ran. Ich weiß, es war nicht leicht, was du durchmachen musstest. Und dennoch: Ich wollte für dich da sein. Ich war für dich da. Für mich war es auch nicht leicht. Diesen Schicksalsschlag, die dauernde Sorge um dich. Ich habe dich geliebt, ich wollte dich heiraten…“

‚Habe dich geliebt...wollte…‘ Er sprach in der Vergangenheit. Das tat weh. Obwohl ich genau wusste, was er damit sagen wollte. Zum ersten Mal seit Wochen, seit Monaten, schaute ich Luis in die Augen. Wir waren mitten auf dem Weg stehen geblieben und standen uns direkt gegenüber. Ich spürte seinen warmen Atem auf meiner Haut, roch seinen gewohnten Kaffeeatem. In seinen Augen lag Schmerz. Schmerz, Sorge und ganz viel Liebe. Ich konnte nicht anders: Ich schlang meine Arme um seinen Hals, legte meinen Kopf an seine Kehle. Erst überrumpelt, dann spürbar erleichtert, legte Luis seine kräftigen Arme um mich und drückte mich an sich. Einige Minuten waren wir wohl so dagestanden, ehe wir uns langsam aus dieser Position lösten. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie sehr ich ihn vermisst hatte, wie sehr ich ihn mochte. Luis suchte meinen Augenkontakt: „Fine, ich habe dich wirklich sehr geliebt. Und ich mag dich auch jetzt noch sehr, aber ich glaube, aktuell ist es das Beste, wenn wir Freunde bleiben…“

Zum ersten Mal wurde in Worte gefasst, wurde ausgesprochen, was wochenlang in der Luft schwebte. Seine Worte versetzten mir einen Stich. Auch, wenn ich wusste, dass er Recht hatte…
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