Und ewig ruft mein Herz nach dir

GeschichteRomanze, Familie / P16 Slash
Candace Gertrud Flynn Ferb Fletcher Phineas Flynn
23.03.2016
23.03.2016
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Warum? Diese eine Frage geht mir immer wieder durch den Sinn. Warum muss diese ganze Sache nur so verflixt kompliziert sein? Warum muss ausgerechnet mir das alles passieren? Warum müssen ausgerechnet mich diese Gedanken heimsuchen? Warum schaffe ich es nicht, sie ein für alle Mal zu unterbinden und endlich wieder ein ganz normales Leben zu führen? Warum muss ausgerechnet er der Grund dafür sein, dass ich nachts nicht mehr schlafen kann? Warum ertappe ich mich in letzter Zeit immer öfter bei der Vorstellung, still und heimlich unter seine Bettdecke zu schlüpfen und ihm ganz nah zu sein?
Ich weiß keine Antwort darauf. Ich weiß nur, dass ich so empfinde. Dass ich nun schon so lange Zeit mit dem Gedanken spiele, ihm einfach alles zu gestehen. Aber ich kann es nicht. Ich darf es nicht. Er würde mich doch nur auslachen. Er würde zu Mom und Dad gehen und ihnen alles erzählen. Er würde sich von mir abwenden und nie wieder auch nur ein einziges Wort mit mir wechseln. Würde mir Vorwürfe machen und nichts mehr mit mir zu tun haben wollen.
Und um genau das zu verhindern, muss ich schweigen. Ich muss die Sache für mich behalten, egal, wie schwer es mir auch manchmal fällt. Egal, wie sehr ich mich danach sehne, endlich mit ihm zusammen zu sein. Egal, wie viele Nächte ich deswegen schon wachgelegen und zu ihm hinübergeschaut habe. Wie oft ich mir in Tagträumen ausgemalt habe, dass er mich küsst. Dass er mich eng zu sich heranzieht und mich einfach küsst.
Aber ich weiß, dass das niemals geschehen wird. Ich weiß, dass er nicht so empfindet wie ich. Dass er in mir nicht mehr sieht als den kleinen Bruder. Dass er sich nie auch nur vorstellen würde, was wäre, wenn wir zusammenkommen. Ich weiß, dass sein Herz bereits für jemand anderen schlägt. Dass es längst ihr gehört. Dass er nur sie liebt und für alle Zeiten mit ihr zusammen sein will. Ich weiß, dass ich niemals auch nur den Hauch einer Chance bei ihm haben werde.
Weil er nur noch Augen für sie hat. Weil sie die einzige ist, der er seine zärtlichen Küsse schenkt. Die einzige, die das Glück hat, ihn ihren Freund nennen zu dürfen. Seit die beiden zusammen sind, ist mir endgültig klar, dass er es nicht erkennen wird. Nicht erkennen kann. Egal, wie viele versteckte Zeichen ich ihm auch gebe, er begreift es einfach nicht. Und alles nur wegen ihr. Nur, weil er ihr zufällig im Einkaufszentrum begegnet ist.
An dem Tag, an dem er mir erzählt hat, dass er in sie verliebt ist, hätte ich am liebsten laut geschrien. Denn an diesem Tag wurde mir endgültig klar, dass meine Liebe zu ihm eine Sackgasse ist. Dass er sie gar nicht erwidern kann.
An diesem Tag ist nicht nur mein letzter Funken Hoffnung, sondern auch mein Herz in zwei Teile zerbrochen. An diesem Tag habe ich so laut geweint wie noch niemals zuvor in meinem Leben. Ich habe mir gesagt, dass ich an allem selbst Schuld bin, denn wenn ich nur ein bisschen früher den Mut dazu gefunden hätte, ihm die Wahrheit zu sagen, dann wäre ich vielleicht heute derjenige, der an seiner Seite steht. Ich wäre derjenige, der ihn zärtlich küssen und streicheln kann. Derjenige, der sich Nacht für Nacht in seine Arme kuschelt und die sanfte Wärme seiner Haut spürt.
Wenn ich verhindert hätte, dass sie sich an diesem Tag treffen, wäre alles vielleicht ganz anders gekommen. Dann würde ich jetzt nicht hier sitzen und vor Liebeskummer halb verrückt werden. Dann würde ich nicht jede Nacht mit Tränen in den Augen einschlafen, wenn ich mal wieder erfahren muss, dass er bei ihr übernachten will. Dann würde ich nicht jedes Mal innerlich zerbrechen, wenn ich mitansehen muss, wie die beiden sich küssen.
Das ist das, was mir an der ganzen Sache am meisten wehtut. Die beiden zusammen zu sehen. Mitansehen zu müssen, wie sie sich gierig anfassen und gar nicht genug voneinander bekommen können. Wie sie Hand in Hand im Garten sitzen. Wie sie sich frech und ungeniert küssen, während ich dabeistehe und nichts dagegen tun kann. Es tut weh. Es tut so verdammt weh. Manchmal wünsche ich mir, dass er nur einen einzigen Tag in meiner Haut stecken könnte. Vielleicht würde er dann endlich sehen, dass er zu mir gehört. Vielleicht würde er dann verstehen, wie sehr er mich mit diesem Verhalten verletzt.
Natürlich ist mir bewusst, dass er das gar nicht bemerken kann. Weil er ja nicht einmal weiß, was ich wirklich für ihn empfinde. Weil ihm nicht klar ist, was er mir dadurch antut, wenn er sie küsst. Weil er nichts von meiner innigen Liebe zu ihm weiß. Aber ich kann es ihm einfach nicht sagen. Ich kann es einfach nicht, weil er mich mit Sicherheit nur verspotten würde. Und genau das muss ich verhindern. Er darf sich nicht von mir abwenden. Niemals. Das würde ich nicht ertragen.
Denn so habe ich die Möglichkeit, zumindest in Gedanken mit ihm zusammen zu sein. Kann mir ausmalen, wie es wohl wäre, wenn es zwischen uns passieren würde. Wenn der Blitz bei ihm genauso einschlagen würde wie er vor einiger Zeit bei mir eingeschlagen hat. An diesem heißen Sommernachmittag in unserem Garten. Dem Tag, als ich mich so unsterblich in ihn verschossen habe, wie ich es mir nie hätte vorstellen können. Weil ich bisher immer geglaubt habe, dass zwischen uns lediglich diese innige brüderliche Zuneigung besteht.
Doch an diesem Nachmittag ist mir bewusst geworden, dass da weitaus mehr ist als nur das. Als wir zusammen unter dem großen Baum im Garten gelegen und uns unterhalten haben. Als er ganz zufällig meine Schulter gestreift und mich mit diesem sexy Lächeln angesehen hat. Da habe ich endgültig gewusst, dass ich mich total in ihn verknallt habe.
Natürlich hat es vorher schon diverse Anzeichen gegeben. Natürlich habe ich schon seit längerer Zeit über ihn und unsere brüderliche Beziehung zueinander nachgedacht. Habe mich selbst dabei erwischt, wie ich heimlich an der Badezimmertür lauschte, als er unter der Dusche stand. Habe heimlich seine Sachen durchwühlt und mir unzählige Fotos von ihm angesehen. Aber ich habe das als natürliche Faszination abgetan und mir selbst eingeredet, dass ich ihn lediglich bewundere.
Doch seit genau zwei Monaten weiß ich nun sicher, dass sich diese Faszination zu weitaus mehr entwickelt hat. Dass richtige Liebe daraus entstanden ist. Die Art von Liebe, die man nur für den Menschen empfinden kann, mit dem man sein Leben teilen möchte. Und genau das möchte ich so sehr. Ich wünsche mir nichts mehr als ihn einmal zu küssen, ihm einmal durch sein grünes Haar zu streicheln und ihm den Satz ins Ohr zu flüstern, der mir schon so lange auf der Zunge brennt: „Ich liebe dich“.
Mit einem leisen Seufzer setze ich mich im Bett auf, während ich mir wieder einmal bewusst machen muss, dass das lediglich meine Fantasie ist. Meine schöne, sehnsüchtige Fantasie. Wieder einmal lasse ich all die wunderbaren Tagträume, die ich mir mit ihm ausgemalt habe, vor meinem inneren Auge ablaufen. Wieder einmal spüre ich die kühlen Tränen über meine Wangen laufen, die jedes Mal in mir hochkommen, wenn ich daran denke. Wieder gehe ich zum Fenster hinüber und werfe einen Blick in den Garten hinaus. Suche mit den Augen die ganze Umgebung ab, bis ich ihn schließlich unter dem großen Baum erblicke. Sehe, wie er ruhig daliegt und sich ausruht.
Ich muss unter Tränen lächeln, während ich ihm beim Schlafen zusehe und werfe ihm mit der Hand einen Kuss zu. Wenn er doch nur nicht so verflucht süß wäre, denke ich bei mir und seufze erneut. Wenn es mir nur nicht so unglaublich schwer fallen würde, meine Gefühle vor ihm zu verstecken. Wenn er nur die Zeichen, die ich ihm andauernd zukommen lasse, endlich begreifen würde. Dann könnte alles so leicht sein. So leicht und unbeschwert.
Ein Klopfen an meiner Zimmertür reißt mich aus meinen Gedanken und holt mich zurück in die Realität. Hastig wische ich meine Tränen fort, da ich auf keinen Fall will, dass jemand irgendetwas mitbekommt. „Ja bitte“, sage ich dann und setze rasch ein gezwungenes Lächeln auf. „Hey Phin“, begrüßt mich meine Schwester Candace, als sie ins Zimmer kommt. „Hey“, erwidere ich und versuche, dabei so herzlich wie immer zu klingen, was mir allerdings nicht gerade leicht fällt. „Mom meinte, ich soll nachsehen, was du gerade machst. Sie lässt fragen, ob du nicht Lust hast, ihr ein bisschen im Garten zu helfen“. „Im... im Garten?“, frage ich und schlucke schwer, während ich daran denke, dass Ferb noch immer draußen ist und schläft. Hastig wende ich mich von Candace ab und werfe erneut einen Blick aus dem Fenster, hinunter zu ihm. Noch immer liegt er ganz friedlich da und schlummert, seine kristallklaren, wunderschönen Augen ganz fest geschlossen.
Schon wieder gehen mir unzählige Bilder und Szenen von ihm durch den Kopf. Wieder male ich mir aus, wie wir uns zärtlich küssen. Und wieder spüre ich die Tränen, die dabei meine Wangen hinablaufen. Hastig wische ich sie weg, damit Candace nichts bemerkt, doch sie kommt bereits zu mir herüber und legt mir von hinten die Hand auf die Schulter. „Phineas?“, fragt sie. „Alles in Ordnung mit dir?“.
Nein!, denke ich bei mir, sage aber nichts und versuche noch immer, meine Tränen vor ihr zu verbergen. Ich kann ihr einfach nicht die Wahrheit sagen. Sie würde mich verabscheuen. Sie würde alles Ferb erzählen und dann wäre ich geliefert. Dann würde ich nicht nur meinen über alles geliebten Stiefbruder, sondern mit Sicherheit auch meine Familie verlieren. Wer würde denn noch etwas mit mir zu tun haben wollen, wenn alles rauskommt? Wer würde es je verstehen können, dass ich in meinen eigenen Stiefbruder verliebt bin? Alle würden mich dann hassen. Jeder würde mir vorhalten, wie verrückt und abstoßend das ist. Jeder würde glauben, ich wäre psychisch krank. Und das Schlimmste daran: Ferb würde sich für immer von mir abwenden. Er würde mich für alle Zeit verstoßen.
Das darf ich nicht zulassen, sage ich mir und bemühe mich darum, mich zusammenzureißen und mein Schluchzen zu unterdrücken. Trotzdem schaffe ich es nicht, meine Tränen aufzuhalten und spüre, wie sie ungehindert über mein Gesicht laufen. Ich will sie rasch mit dem Ärmel meines Shirts wegwischen, doch Candace hat es bereits bemerkt. „Phin, was ist denn los?“, fragt sie fürsorglich und streicht kurz durch meine Haare. „Was hast du denn, hm? Was ist passiert?“.
Ich schluchze zur Antwort und sie streichelt mir noch einmal übers Haar. „Was ist passiert?“, fragt sie noch einmal. „Komm, du weißt, dass du mir alles anvertrauen kannst. Egal was es auch ist“. „Es geht nicht!“, antworte ich aufgelöst und fange an, richtig zu heulen. „Ich kann dir das nicht sagen. Es geht einfach nicht!“. „Phin“. Candace tritt vor mich hin und blickt mir tief in meine tränenblinden Augen. „Du kannst mir vertrauen. Das weißt du doch. Was auch immer dich beschäftigt, du kannst es mir anvertrauen. Ich sage es auch nicht weiter, ganz fest versprochen“.
„N-nein“, antworte ich und bemühe mich darum, mich wieder einigermaßen zu fangen. „Schon... schon in Ordnung. Es... es ist nichts wichtiges, wirklich“. „Phin“. Sie lässt nicht locker. „Jetzt sag schon. Dass du weinen musst, hat doch einen Grund. Und diesen Grund kannst du mir anvertrauen. Ich sage keinem was, versprochen“. „Zum Teufel, ich kann es nicht!“, rufe ich, lauter als eigentlich beabsichtigt und Candace schreckt zurück. „Es geht einfach nicht! Du würdest mich hassen. Ihr alle würdet mich hassen!“.
„So ein Unsinn“, erwidert sie ruhig. „Wie kommst du denn nur darauf? So schlimm kann es doch wirklich nicht sein“. „Doch!“, protestiere ich aufgelöst. „Doch, das ist es! Es ist furchtbar schlimm. Ihr würdet mich verstoßen, wenn ich es euch sage. Ihr würdet mich für alle Zeiten verabscheuen“. „Unsinn“, wiederholt Candace und bedeutet mir mit einer Handbewegung, mich zu setzen. Widerstrebend gebe ich schließlich nach und lasse mich aufs Bett sinken. Sie nimmt neben mir Platz und blickt mich noch einmal eindringlich an.
„Du kannst es mir sagen“, wiederholt sie noch einmal und fasst mich an die Hand. Ganz langsam streichelt sie darüber und lächelt leicht. „Keiner von uns könnte dich jemals verabscheuen oder gar verstoßen. Was auch immer du auf dem Herzen hast, lass es raus. Manchmal hilft es, mit jemandem darüber zu sprechen und es geht einem danach wieder besser“. Ich seufze unter Tränen, da ich haargenau weiß, dass sie nicht lockerlassen wird, ehe sie nicht die Wahrheit herausgefunden hat.
Vielleicht hat sie Recht, sage ich mir schließlich. Vielleicht tut es mir wirklich gut, mein Geheimnis endlich mit jemandem zu teilen. Vielleicht tut es mir dann nicht mehr so weh. Ich atme noch einmal tief durch, ehe ich zu erzählen anfange. „Gut“, sage ich zu ihr und schaue ihr ins Gesicht. „Aber du musst mir versprechen, dass es unter uns bleibt. Du darfst keinem etwas davon sagen – vor allem nicht Ferb. Versprichst du mir das?“.
„Wieso Ferb?“, will sie verwundert wissen. „Versprichst du es?“, wiederhole ich, ohne mich um ihre Frage zu kümmern. „Ich verspreche es“, meint sie zustimmend und hebt wie zum Schwur ihre Hand. „Also sag schon, was ist los?“. „Ich... ich weiß gar nicht, wie ich dir das überhaupt erklären soll. Es ist so... verrückt“. „Sag es mir einfach“, erwidert sie lächelnd. „Klar und deutlich – ohne große Umschweife“. „Ich... ich... bin“, setze ich an, breche dann allerdings ab und stehe auf. Es fällt mir unglaublich schwer, es auszusprechen, auch wenn ich weiß, dass es haargenau das ist, was ich empfinde.
„Du bist was?“, will sie wissen und steht ebenfalls auf. „Ich bin... verliebt“, bringe ich endlich hervor, sehe sie dabei allerdings nicht an, sondern starre aus dem Fenster in den Garten hinaus. „Du bist verliebt?“, wiederholt sie meine Aussage. Ich drehe mich kurz um und nicke nur, den Blick dabei zu Boden gesenkt. „Aber Phineas, das ist doch wunderbar“, entgegnet sie und ein Lächeln legt sich auf ihr Gesicht. „Das ist doch kein Grund zum Weinen“.
„Doch!“, rufe ich laut und fühle, dass ich jeden Moment wieder in Tränen ausbreche. „Verdammt, ich liebe jemanden, den ich eigentlich gar nicht lieben darf“. „Wie... wie meinst du das?“, fragt sie mich verwirrt. „Was meinst du damit, du darfst nicht?“. „Diese Liebe darf nicht sein“, antworte ich schluchzend. „Sie ist verboten“. „Verboten?“, fragt sie durcheinander. „Wieso verboten?“. „Das verstehst du nicht!“, rufe ich laut aus und schluchze. „Das kannst du überhaupt nicht verstehen“.
„Vielleicht würde ich es verstehen, wenn du mir sagst, von wem hier überhaupt die Rede ist“, meint sie ruhig, aber bestimmt. Dann steht sie auf und kommt zu mir ans Fenster. „Nun sag schon, Phin“, wiederholt sie und streichelt meine Schulter. „Über wen sprechen wir hier die ganze Zeit? In wen hast du dich verliebt?“. Ich wimmere leise unter tausend bitteren Tränen und richte meinen Blick auf Ferb, der noch immer unter dem großen Baum sitzt, inzwischen allerdings aufgewacht ist. „Es geht um einen Jungen“, antworte ich ihr leise und beiße mir auf die Lippe. „Einen Jungen, den ich schon seit ich denken kann kenne und der mir wirklich sehr viel bedeutet“. „Einen... Jungen?“, fragt sie nach, was ich mit einem zaghaften Nicken bejahe.
„Aber Phin, das ist doch nicht schlimm“. Sie hält kurz inne, ehe sie mich fragt: „Bist du deswegen so aufgelöst? Weil du einen anderen Jungen liebst?“.
„Nein“, antworte ich zögernd. „Darum geht es nicht. Es ist nur, dass...“. Wieder schaffe ich es nicht, den Satz zu beenden. Wenn es doch nur nicht so verflucht schwer wäre, es auszusprechen! „Was ist es dann?“, möchte sie fürsorglich wissen und sieht mich an. „Warum darf diese Liebe nicht sein? Wer ist denn nun derjenige, der dein Herz erobert hat?“. „Er ist der hübscheste und liebste Junge, den ich jemals gesehen habe“, antworte ich und versuche zu lächeln. „Und wo kommt er her?“, hakt sie weiter nach. „Kenne ich ihn vielleicht? Wie sieht er aus? Hast du ein Bild von ihm?“. Die Fragen sprudeln förmlich aus ihr heraus.
„Du kennst ihn ganz bestimmt“, antworte ich leise. „Und ich denke, ein Foto von ihm wirst du nicht brauchen. Du musst nur aus dem Fenster schauen“. Candace folgt meinem Blick nach draußen und endlich scheint sie zu begreifen, auf wen ich hinauswill. Sie schluckt schwer, ehe sie mir schließlich einen ungläubigen Blick zuwirft. „Ferb?“, fragt sie unsicher und räuspert sich. Ich nicke nur, während ich mich umdrehe und aufs Bett sinken lasse. Ich vergrabe das Gesicht in meinem Kopfkissen und fange an zu weinen. Dieses Mal noch viel lauter als je zuvor. Jetzt ist es aus, denke ich bei mir. Candace weiß jetzt alles. Jetzt wird sie zu Mom und Dad gehen und ihnen erzählen, wie abstoßend ich bin. Jetzt werde ich nicht nur Ferb, sondern meine ganze Familie verlieren.
„Hey“. Candace setzt sich zu mir und ich spüre, wie sie mir mit der Hand über den Rücken streichelt. „Hey Phineas“. Ich reagiere nicht, bin zu sehr versunken in all den schrecklichen Vorstellungen, die mir jetzt durch den Kopf gehen. Die Gewissheit, dass ich jetzt endgültig aufgeflogen bin. Dass ich meine Familie verlieren werde. Und dass Ferb nie wieder mit mir sprechen wird. Mein Ferby. Mein heißgeliebter Ferby.
Candace streichelt meinen Haarschopf und tippt mir kurz auf die Schultern. „Phin, Bruderherz, bitte schau mich an“. Zögernd und unsicher hebe ich den Kopf und rapple mich ein Stückchen auf. „Phin“, wiederholt Candace sanft und streift mit den Fingern über meine Wange. Überrascht wende ich meinen Blick in ihre Richtung. Zuerst glaube ich, dass ich nicht richtig sehe, doch dann wird mir klar, dass ich mir das keineswegs einbilde. Sie lächelt. Sie lächelt mich tatsächlich an. Aber wie kann sie noch lächeln, wo sie jetzt die ganze Wahrheit kennt? Wie kann sie auch nur eine Sekunde bei mir bleiben, ohne mich anzubrüllen und mir vorzuwerfen, wie ekelhaft das alles ist?
Behutsam wischt sie mir um die Augen und legt ihre Hand dann wieder auf meiner Schulter ab. „Candace, ich...“, setze ich an, doch sie schüttelt nur den Kopf, um anzudeuten, dass ich nichts sagen soll. „Es ist gut, Phineas“, meint sie dann. „Es ist alles gut“. „Ja, ja aber...“, will ich erneut ansetzen, doch abermals bedeutet sie mir, zu schweigen. „Phin, es ist okay. Es ist alles okay“. Mit diesen Worten nimmt sich mich in die Arme und klopft mir einige Male auf den Rücken. „Aber Candace, ich... ich liebe... Ferb“, protestiere ich aufgelöst. „Du müsstest doch jetzt komplett durchdrehen. Du müsstest mich anschreien und mir sagen, wie krank ich bin“.
„Warum sollte ich das?“, erwidert sie ruhig und lächelt. „Du hast dich verliebt. Verliebt sein ist doch etwas schönes“. „Aber... Ferb...“, stottere ich verwirrt, da ich mit allem gerechnet habe, aber nicht mit so einer Reaktion. „Und?“, meint sie. „Er ist mein Stiefbruder, verflucht!“, rufe ich laut, da ich nicht verstehe, wie sie nach dieser Offenbarung nur so gelassen bleiben kann. „Na eben, du sagst es“, entgegnet Candace und nimmt meine Hand. „Er ist dein Stiefbruder. Technisch gesehen seid ihr also nicht verwandt“. „Ja... aber... du müsstest doch jetzt rasen vor Wut“, sage ich völlig perplex. „Und was würde das bringen?“, antwortet sie. „Was würde es nutzen, wenn ich dich jetzt anschreie und dir Vorwürfe mache? Das würde an der Situation nicht das Geringste ändern. Natürlich muss ich zugeben, dass dein Geständnis ziemlich überraschend kommt. Und es wird auch dauern, bis ich damit umgehen kann. Aber soll ich dich deswegen jetzt zur Schnecke machen? Soll ich dir deswegen eine ewig lange Standpauke halten? Soll ich tobend und kreischend durch das ganze Haus springen und es allen, die ich treffe, erzählen? Das würde weder mir noch dir irgendwas bringen. Deshalb lasse ich es. Klar muss ich mich damit erst einmal abfinden, keine Frage. Aber ich werde mich deswegen nicht von dir abwenden oder dich gar dafür hassen. Du hast es im Moment doch schon schwer genug. Du bist doch sicher selbst ziemlich durcheinander wegen dieser Sache. Da möchte ich es dir nicht noch zusätzlich schwer machen. Im Gegenteil: Ich möchte dir helfen. Du brauchst im Moment jede Unterstützung, die du bekommen kannst“.
„Candace...“, heule ich gerührt, als sie ihre Ansprache beendet hat und klammere mich eng an ihr fest. „Psst...“, wispert sie tröstend und lehnt meinen Kopf gegen ihre Schulter. „Ist schon gut. Ist alles gut“. Sie greift nach einem Taschentuch und tupft mir damit mehrmals um beide Augen. „Ich glaube, wir zwei sollten uns dringend unterhalten“, meint sie dann. „Du brauchst jemanden, mit dem du über die Sache reden kannst. Ich merke doch, wie sehr dich diese ganze Situation belastet und wie weh es dir tut. Darum möchte ich, dass du weißt, dass ich für dich da bin, okay? Wenn du das Bedürfnis hast, darüber zu sprechen, dann sag es mir. Du kannst immer zu mir kommen, ich habe immer ein offenes Ohr für dich“.
„Danke“, weine ich bewegt und schluchze. „Danke, Candace. Danke, dass du zu mir hältst“. „Phin“, wispert sie tröstend. „Du bist mein Bruder. Ich halte immer zu dir, was auch passiert. Bitte vergiss das nie, in Ordnung?“. Mit diesen Worten steht sie auf und geht hinüber zur Tür. „Ich bin in meinem Zimmer, falls du mich brauchst“, lässt sie mich wissen und wirft mir ein Lächeln zu. „Ich glaube, du brauchst jetzt erst einmal etwas Zeit für dich. Und wenn dir nach Reden ist, dann komm einfach rüber, ja?“. „Danke“, wiederhole ich und lächle unter Tränen. „Nicht dafür“, entgegnet sie und lächelt zurück. „Und bitte mach dir keine Sorgen. Die Sache bleibt unter uns, in Ordnung?“. „In Ordnung“, stimme ich ihr dankbar zu. Sie schließt die Tür hinter sich und ich erhebe mich, um erneut einen Blick aus dem Fenster zu werfen. Ferb ist inzwischen aufgestanden und hilft Mom und Dad im Garten. Wenn er es nur wüsste, überlege ich und seufze. Was würde dann passieren?

Spätabends liege ich noch immer in meinem Bett und starre mit ausdruckslosem Blick Richtung Zimmerdecke. Noch immer beschäftigt mich das Gespräch, das ich mit Candace am Nachmittag gehabt habe. Ich denke an ihre Reaktion. Daran, mit welcher Gelassenheit sie die Tatsache hingenommen hat, dass ich Ferb auf diese Weise liebe. Überlege, dass sie eigentlich hätte komplett ausrasten müssen, als ich es ihr erzählt habe. Doch stattdessen akzeptiert sie es einfach. Als wäre das die selbstverständlichste Sache auf der Welt. Als wäre es nicht total krank, sondern ganz normal, sich in den eigenen Stiefbruder zu verknallen.
Ich denke über ihr Angebot, dass ich jederzeit zu ihr kommen und mit ihr reden kann, nach. Daran, dass sie gesagt hat, es könnte mir vielleicht helfen, mich mit jemandem darüber auszusprechen. Vielleicht hat sie damit gar nicht so Unrecht, sage ich mir. Vielleicht würde es mir wieder besser gehen, wenn ich jemanden habe, dem ich die ganze Geschichte erzählen kann. Dem ich erzählen kann, welche Umstände überhaupt dazu geführt haben, dass es passiert ist. Erzählen kann, wie sehr ich mich nach seiner Nähe sehne. Wie oft ich nachts wachliege und ihn beim Schlafen beobachte. Wie oft ich mir ausmale, einfach unter seine Decke zu schlüpfen und mit ihm zu kuscheln. Und wie sehr es mich verletzt, ihn zusammen mit IHR zu sehen. Wie eifersüchtig ich auf sie bin, weil sie das Glück haben darf, mit ihm zusammen zu sein.
Gerade vorhin habe ich die beiden wieder einmal weggehen sehen. Wieder einmal hat sie ihn abgeholt und verbringt jetzt wahrscheinlich eine unbeschwerte, glückliche Zeit mit ihm. Mit meinem Ferby. Ausgerechnet mit dem einen, der doch eigentlich zu mir gehören sollte. Schon wieder spüre ich einen Messerstich in meinem Herz, während ich mir vorstelle, wie die beiden sich in den Armen liegen und sich küssen. Schon wieder lässt mich allein der Gedanke daran jeglichen Halt unter meinen Füßen verlieren. Schon wieder wünsche ich mir, dass er ihr niemals begegnet wäre. Schon wieder spüre ich diesen unbändigen Hass auf sie und überlege mir, wie ich es ihr heimzahlen kann.
Ich weiß, dass es ungerecht ist. Dass es total ungerecht von mir ist, auch nur daran zu denken. Ich weiß, dass ich mich eigentlich für ihn freuen sollte, dass er endlich jemanden gefunden hat, mit dem er sein Leben teilen möchte. Dass sie ja im Grunde auch nichts dafür kann, dass er so verrückt nach ihr ist. Sie ist eben einfach perfekt. Die perfekte Frau, der man einfach nicht widerstehen kann. Klar musste er da schwach werden. Klar musste er sich in sie verlieben. Klar musste das alles passieren, noch bevor ich überhaupt die Chance dazu bekommen habe, ihn über meine Gefühle aufzuklären.
Während ich so darüber nachdenke, komme ich mir plötzlich unheimlich blöd vor. Ich schäme mich für die absurden und hinterhältigen Gedanken, die mir durch den Kopf gehen. Schäme mich für meine Vorstellung, die beiden auseinanderbringen zu wollen. Das ist gemein von dir, sage ich zu mir selbst. Er ist doch dein Stiefbruder. Du solltest dich eigentlich darüber freuen, dass er so glücklich verliebt ist. Stattdessen überlegst du dir Mittel und Wege, einen Keil zwischen die beiden zu treiben. Wie skrupellos bist du eigentlich?
Ich sollte mich in Grund und Boden schämen, denke ich bei mir. Dafür, dass ich den beiden ihr Glück nicht gönne. Dafür, dass ich jeden Tag darauf hoffe, die beiden würden sich trennen. Ich weiß, dass das gemein von mir ist. Aber ich kann nichts dagegen tun. Ich kann mich nicht gegen meine Gefühle wehren. Ich liebe ihn nun einmal.
Vielleicht hilft es mir, zu reden, denke ich und stehe schließlich auf. Vielleicht muss ich einfach nur einmal über alles sprechen, was mich beschäftigt. Vielleicht sollte ich das Angebot von Candace einfach annehmen und ihr diese ganzen Gedanken anvertrauen. Und mit diesem Vorsatz mache ich mich auf den Weg zu ihrem Zimmer.

Candace liegt in ihrem Bett und blättert gerade in irgendeiner Zeitschrift herum, als ich das Zimmer betrete. Sofort setzt sie sich auf und blickt mit einem Lächeln zu mir herüber. „Hey Phin“, sagt sie sanft und bedeutet mir mit einer kurzen Handbewegung, neben ihr Platz zu nehmen. Zögernd mache ich die Tür hinter mir zu, ehe ich schließlich zu ihr hinübergehe und mich neben sie aufs Bett fallen lasse.
„Was ist los, Phin?“, möchte ich sie wissen, obwohl sie die Antwort auf diese Frage bereits kennt. Obwohl sie genau weiß, weshalb ich hier bin und worüber ich mit ihr reden möchte. „Ich... ich habe über dein Angebot nachgedacht“, antworte ich und fühle mich plötzlich ein Stück verunsichert. „Ich... ich würde gern mit dir reden“. „Aber gern“, antwortet sie lächelnd. „Wenn du das möchtest“. „Nun... zuerst würde ich dich gern etwas fragen“, erwidere ich und schlucke. „Was du willst“, meint sie. „Du darfst mich alles fragen“.
„Okay“, sage ich knapp. „Aber bitte versprich mir, dass du mir eine ehrliche Antwort gibst, ja?“. „Natürlich“, stimmt sie zu. „Ich bin immer ehrlich. Also sag schon, was möchtest du wissen?“. „Bist du sauer auf mich?“, frage ich sie und richte meinen Blick zu Boden. Ich schaffe es einfach nicht, ihr dabei ins Gesicht zu sehen. „Warum sollte ich denn sauer auf dich sein?“, entgegnet sie meine Frage. „Weil du jetzt die Wahrheit kennst“, antworte ich traurig. „Weil du jetzt weißt, was Sache ist. Weil ich nicht alle Tassen im Schrank habe. Weil ich völlig übergeschnappt bin. Du musst mich doch dafür hassen. Du...“.
„Phin“, unterbricht sie mich, als sie mir die Hand auf die Schulter legt. „Du redest völligen Unsinn. Wie kommst du denn nur auf solch absurde Ideen? Warum sollte ich dich denn hassen? Warum sollte ich sauer auf dich sein? Nur, weil du Ferb liebst?“. Ich nicke betrübt und spüre im selben Moment, wie sie mir einen Klaps auf den Kopf gibt. „Au“, rufe ich aus. „Warum tust du das?“. „Damit du diesen Schwachsinn schnell wieder vergisst“, antwortet sie und umarmt mich fest. „Brüderchen, hör mir zu“, setzt sie dann fort und lächelt mich verständnisvoll an. „Ich habe dir doch vorhin gesagt, dass es okay für mich ist. Natürlich ist es ein bisschen ungewöhnlich, keine Frage. Aber es ist nicht verboten. Und erst recht nicht falsch“. „Ja, aber...“, erwidere ich, während mir ein paar Tränen über die Wangen kullern. „Kein Aber, Phin“, entgegnet Candace sanft. „Du hast dich in ihn verguckt. Das steht ganz klar fest. Warum sitzt du dann mutterseelenallein in deinem Zimmer herum? Warum machst du es dir selbst so schwer? Warum gehst du nicht einfach zu ihm und sagst ihm, was du empfindest?“.
„WAS?“, rufe ich aus und atme vor Schreck laut auf. „Das meinst du jetzt aber nicht ernst, oder?“. „Doch“, erwidert sie ruhig. „Was spricht denn dagegen?“. „Lass mich überlegen“, erwidere ich sarkastisch. „ALLES! Ich kann ihm doch nicht einfach diese Hiobsbotschaft auf die Nase binden! Er... er würde mich für alle Zeit hassen. Er würde mir vorwerfen, wie verrückt ich bin und dass ich dringend Hilfe brauche. Außerdem...“. Ich unterbreche mich, während unweigerlich ein Bild von ihr vor meinem inneren Auge auftaucht. „Außerdem...?“, bohrt Candace vorsichtig nach. „Außerdem ist er doch schon glücklich verliebt!“, rufe ich mit einem lauten Seufzen aus und spüre die Tränen, die sich bei dem Gedanken an sie in meinen Augen bilden.
„Aber Phin“, setzt sie ermutigend an. „Deshalb ist doch noch nicht alles verloren“. „Doch!“, protestiere ich aufgelöst. „Er ist mit ihr zusammen. Mit seiner ach so tollen Vanessa. Wie soll ich da jemals eine Chance haben, hm? Wie soll er mich je beachten, wenn er nicht einmal auf Jungs steht?“. „Armer Phin“, flüstert Candace in mein Ohr und lehnt meinen Kopf gegen ihre Schulter. „Er würde mich hassen, wenn er es wüsste“, schluchze ich. „Er würde es Mom und Dad erzählen. Und sie würden mich deswegen verabscheuen. Sie würden mich verstoßen. Außerdem macht es sowieso keinen Sinn, solange er mit seiner heißgeliebten Vanessa zusammen ist. Er liebt nur sie und das wird sich auch nie ändern. So oder so, ich kann nur verlieren, egal was ich tue“. „Armer Phin“, wiederholt Candace beruhigend. „Ich wünschte, ich könnte dir irgendwie helfen“.
„Candace...“, setze ich an, nachdem ich mich wieder ein bisschen beruhigt habe. „Ich... ich muss dir noch etwas sagen“. „Was denn, Bruderherz?“, fragt sie fürsorglich. „Vorhin“, antworte ich. „Als ich die beiden wieder einmal zusammen weggehen sah. Da habe ich mir gewünscht, dass sie sich niemals begegnet wären. Ich habe mir gewünscht, dass er mit ihr Schluss macht und mir ausgemalt, wie es wäre, wenn ich es ihr endlich heimzahlen könnte. Wenn ich ihr endlich alles heimzahlen könnte. Als ich dann auch noch dabei zusehen musste, wie sie ihn küsst, hätte ich sie am liebsten erwürgt! Es hat so wehgetan, wieder einmal mitansehen zu müssen, wie sie mit MEINEM Ferb herumturtelt. Ich wünschte, sie würde endlich aus seinem Leben verschwinden! Dieses billige Miststück, das mir einfach meinen Ferb wegnimmt. Ich hasse sie so sehr! Ich HASSE sie!“.
Wieder schluchze ich verzweifelt, als ich endlich alles ausgesprochen habe, was mir schon so lange durch den Kopf schwirrt. Gleichzeitig komme ich mir ziemlich egoistisch vor. Natürlich tut es mir weh, den beiden zuzusehen. Natürlich möchte ich gern derjenige sein, der mit ihm zusammen ist. Trotzdem sollte ich doch zumindest versuchen, mich für die beiden zu freuen. Stattdessen schiebe ich Vanessa die Schuld an allem zu und rede schlecht über sie. Ich komme mir so schäbig vor. So hinterhältig und gemein.
Aufgelöst vergrabe ich meinen Kopf in den Händen und wimmere leise. „Es... es tut mir Leid“, heule ich. „Ich... ich...“. „Hey“, flüstert Candace mir zu, legt beide Arme um meine Hüften und hält mich fest. „Du musst dich nicht entschuldigen. Ich kann nachvollziehen, dass du eifersüchtig bist und es ist gut, dass du endlich mal darüber sprichst“. „Ich bin so egoistisch“, rufe ich laut, während ich mich an ihr festklammere. „Das ist nicht wahr“, meint sie tröstend und legt mir eine Hand an die Wange. Sie blickt mir kurz in die Augen, ehe sie hinzufügt: „Phineas, du bist nicht egoistisch. Du liebst Ferb nun einmal. Und ich kann verstehen, wie weh es dir tun muss, ihn zusammen mit Vanessa zu sehen. Ich verstehe deine Gedankengänge und deinen Wunsch, dass sie aus seinem Leben verschwindet. Ich weiß, dass du so gerne derjenige sein möchtest, der in seinen Armen liegt“.
„Candace“, frage ich sie unter Tränen. „Was kann ich tun? Was kann ich unternehmen, damit dieser Schmerz endlich aufhört?“. Sie beißt sich kurz auf die Lippe, antwortet aber nicht. „Bitte Candace“, flehe ich sie verzweifelt an. „Sag mir, was ich tun kann. Gib mir einen Rat“. „Ich weiß keinen“, antwortet sie schließlich und senkt betrübt den Kopf. „Ich weiß nicht, was du tun kannst. Der einzige Vorschlag, den ich dir machen kann, ist, dass du mit offenen Karten spielst“. „Das kann ich nicht!“, rufe ich laut. „Dadurch würde ich ihn für immer verlieren“.
Sie seufzt, während sie mir einige Male durchs Haar streichelt. Dann herrscht für einige Zeit bedrückende Stille. Keiner von uns beiden weiß, was er als nächstes tun oder sagen soll. Wir wissen beide, dass ich mich in einer ausweglosen Situation befinde.
Doch auch wenn sie keinen Rat für mich hat, bin ich ihr trotzdem unendlich dankbar. Dafür, dass sie sich die Zeit nimmt, mit mir darüber zu sprechen. Dass sie mir so viel Verständnis und Fürsorge entgegenbringt. Dass sie mir zuhört, ohne mich mit Vorwürfen und Predigten zu überschütten. Und dafür, dass sie trotz dieser Sache noch zu mir hält. Dafür liebe ich sie. Dafür liebe ich sie so sehr.
„Candace“, sage ich schließlich und breche damit endlich das Schweigen. „Ja?“, möchte sie wissen und blickt mich kurz an. „Danke“, antworte ich. „Danke für alles. Dafür, dass du mir zuhörst und für mich da bist. Dass du mich trotz meines Geständnisses noch lieb hast. Dass du nicht zu Mom und Dad gegangen bist, sondern die Sache für dich behalten hast. Das vergesse ich dir nie. Dafür werde ich dir ewig dankbar sein. Du bist die beste Schwester der Welt“. „Ach Phineas“, erwidert sie, gerührt von meinen Worten und knuddelt mich fest. „Ich hab dich auch lieb“.

Es ist bereits spät in der Nacht, als ich schließlich wieder in mein Zimmer hinübergehe. Candace und ich haben noch ein sehr langes Gespräch geführt und sie hat mir noch einmal gesagt, dass meine einzige Chance darin besteht, Ferb die Wahrheit zu sagen. Doch das bringe ich nicht fertig. Egal, ob es die einzige Möglichkeit ist, meinen Schmerz zu überwinden. Das kann ich einfach nicht tun. Zu groß ist die Gefahr, dass er sich dann von mir abwendet und ich ihn für immer verliere. Zu stark meine Angst, dass er mich auslacht und es überall herumerzählt.
Auch wenn es mich ein gebrochenes Herz und unzählige heiße Tränen kostet. Ich muss schweigen. Ich darf es ihm nicht sagen. Egal, wie oft ich ihn noch zusammen mit Vanessa sehe. Egal, wie viele ihrer zärtlichen Küsse ich noch mitansehen muss. Wie viele Seitenhiebe ich deswegen noch einstecken muss. Ich muss stark bleiben. Auf keinen Fall darf er etwas merken. Darf sie etwas merken. Sonst verliere ich ihn. Für immer.
Ruhelos wälze ich mich im Bett hin und her, während ich darauf warte, dass ich endlich einschlafe. Doch egal, wie sehr ich mich auch anstrenge, ich schaffe es nicht. Zu viele Bilder kreisen in meinem Kopf. Zu viele Gedanken an ihn. Zu sehr beschäftigt mich die Tatsache, dass er mit ihr ausgegangen ist. Dass sie sich vielleicht in diesem Augenblick in den Armen halten und sich wild und hemmungslos küssen. Oder vielleicht noch weitaus mehr anstellen. „Nein!“, rufe ich laut aus, während ich versuche, dieses Bild aus meinem Kopf zu verjagen. Diese Vorstellung, dass sie irgendwo in einem Hotelzimmer liegen und...
Ich kann den Gedanken nicht zu Ende bringen. Es tut zu weh. Es verletzt mich zu stark, auch nur darüber zu spekulieren. Mit einem Ruck setze ich mich im Bett hoch und versuche krampfhaft, meine immense Vorstellungskraft in Zaum zu halten. Warum musst du dir ständig selbst wehtun, du Trottel, schimpfe ich mit mir selbst. Warum stellst du dir solche Sachen vor? Reicht es nicht schon, dass dich der Liebeskummer langsam zerfrisst? Musst du da noch zusätzlich Öl ins Feuer gießen?
Seufzend stehe ich auf, während ich mir bewusst mache, dass es keine Rolle spielt, ob ich es mir vorstelle oder nicht. Ich weiß, dass es früher oder später zwischen den beiden passieren wird. Dass sie irgendwann miteinander schlafen werden. Und dass es nichts gibt, was ich dagegen unternehmen könnte.
Mit kalten Tränen in den Augen laufe ich im Zimmer auf und ab, suche nach einer Möglichkeit, meinen ganzen Schmerz irgendwie herauszulassen. Wenn ich es nur endlich schaffen würde, Ferb alles zu gestehen, denke ich bei mir. Wenn er nicht ausgerechnet mein Stiefbruder wäre. Dann könnte alles doch so einfach sein. Ein weiteres Seufzen dringt aus meinem Inneren, während ich zum Schreibtisch hinübergehe. Dort steht seit ewigen Zeiten dieses eine Foto von ihm. Dieser eine Schnappschuss, den ich an einem klaren Sommerabend von ihm gemacht habe. An einem Abend, an dem all diese Sorgen noch gar nicht existiert haben. Mit einem leichten Lächeln nehme ich es in die Hand und streichle es.
„Ferby“, flüstere ich und presse den Rahmen gegen meine Brust. „Mein wundervoller Ferby“. Dann halte ich es nah vor mein Gesicht und küsse es. Küsse ihn. Tue endlich das, was ich so lange zu unterdrücken versucht habe. Ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus, während ich noch einmal einen Blick darauf werfe. „Ich liebe dich, Ferby“, sage ich laut. „Ich liebe dich so sehr. Wenn ich doch nur die Kraft finden würde, dir endlich die Wahrheit zu sagen. Wenn du nur wüsstest, wie lange ich mich schon heimlich nach dir sehne. Wenn dir nur klar wäre, wie sehr es mich verletzt, wenn du dich mit Vanessa triffst. Wenn du über alles Bescheid wüsstest, Ferby, hätte unsere Liebe dann eine Chance?“. Eine Träne tropft auf das kühle Glas im Rahmen, während ich mir wünsche, dass es genauso einfach wäre, dem echten Ferb das alles zu sagen.
„Mein süßer Ferby“, setze ich fort und drücke das Foto noch einmal an mich. „Wenn ich dir nur endlich gestehen könnte, dass ich in dich verliebt bin. Wenn dieses ewige Versteckspiel endlich ein Ende hätte. Wenn ich endlich den Mut hätte, offen mit dir darüber zu sprechen. Dir zu sagen, wie oft ich nachts wachliege und dich beobachte. Wie oft ich mir schon ausgemalt habe, mit dir zusammen zu sein. Dich zu küssen. Dich zu lieben. Wenn das alles nicht so verdammt kompliziert wäre. Wenn du nur spüren würdest, wie sehr ich dich brauche. Wenn du mein Geheimnis kennen würdest. Würdest du mich dann trotzdem noch mögen?“.
„Natürlich, Phin“, höre ich plötzlich eine Stimme hinter mir sagen. Eine Stimme, die ich jederzeit wiedererkennen würde. Ich erstarre. Das Bild gleitet mir aus der Hand und zerspringt in tausend Scherben. Ich spüre, wie mein Herz anfängt zu rasen. Nein, sage ich mir. Nein, lass das nicht wahr sein. Lass es nicht ausgerechnet IHN sein!
Auch wenn ich es überhaupt nicht will, drehe ich mich trotzdem zu ihm um. Er lehnt im Türrahmen und starrt mit völlig ausdruckslosem Blick zu mir herüber. „F-Ferb“, bringe ich noch hervor, ehe mir schwarz vor Augen wird.

„Phineas? Phineas, kannst du mich hören?“. Ich spüre, dass jemand mich sanft rüttelt und schlage schließlich meine Augen auf. Zuerst weiß ich gar nicht, wo ich mich überhaupt befinde, bis mir schließlich klar wird, dass ich im Bett liege. In meinem Bett. „Phineas“. Wieder ruft jemand meinen Namen. Vorsichtig setze ich mich auf und blicke mich um. Ferb steht neben mir und schaut mich besorgt an. „Phin, alles okay?“, möchte er wissen und setzt sich zu mir.
Ich habe keine Ahnung, was ich darauf antworten soll. Weiß gar nicht, was eigentlich geschehen ist. Ich erinnere mich nur daran, dass ich sein Bild geküsst habe. Dass er plötzlich in der Tür stand. Und dass er jetzt alles weiß. Dieser Gedanke lässt mein Herz wieder rasen und auch meine Atmung beschleunigt sich. Wie soll ich ihm das denn nun erklären? Warum sitzt er jetzt neben mir auf den Bett und schaut mich an, als wäre überhaupt nichts geschehen? Warum ist er nicht sauer auf mich?
„Phin, mein Kleiner“, sagt er und greift nach meiner Hand. Er umfasst sie vorsichtig mit seiner und wirft einen Blick in mein Gesicht. Darin scheint sich im Moment alles zu spiegeln, was ich gerade tief in mir fühle. Betroffenheit, Blamage, Wehmut. Und Angst. Angst davor, dass ich ihn verliere. Dass er jetzt für immer aus meinem Leben geht. Weil er jetzt die Wahrheit kennt. Weil er jetzt weiß, wie verrückt und krank sein kleiner Stiefbruder ist.
„Ferb“, sage ich zu ihm und weine. „Wie... wie lange hast du mir zugehört?“. „Lange genug“, antwortet er und rutscht ein Stück näher zu mir heran. „Ich habe gehört, was du über mich gesagt hast“. „Oh“, rufe ich enttäuscht und entsetzt zugleich, weil ich ganz genau weiß, dass er mich jetzt verabscheut. Mit zusammengebissenen Zähnen warte ich darauf, dass er mir eine Standpauke hält. Dass er mir vorwirft, wie ekelhaft ich bin und dass ich dringend psychologische Hilfe brauche. Dass er zu Mom und Dad hinuntergeht und ihnen alles erzählt.
Aber nichts geschieht. Er sitzt ganz einfach nur da und mustert mich. Springt nicht tobend durchs Zimmer und macht mir Vorwürfe. „Ich...“, beginne ich unsicher. „Ich... weiß gar nicht, was ich sagen soll“. „Sag nichts“, entgegnet er und beugt sich zu mir herab. „Sag einfach nichts“. Mit diesen Worten schließt er mich in die Arme und klopft mir kurz auf den Rücken. „F-Ferb“, sage ich, verwundert und überrascht von seiner unerwarteten Reaktion. Ich habe ja wirklich mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass er mir um den Hals fällt.
„Ist das alles wahr, was du gesagt hast, Phin?“, fragt er ganz sanft, als er die Umarmung löst und ich bejahe es einfach mit einem Nicken. Ich bin nicht in der Lage, irgendetwas darauf zu sagen. „Du bist also in mich verliebt?“, fragt er noch einmal und wieder nicke ich nur. „Wow“, sagt er dann und holt tief Luft. „Wenn ich nur gewusst hätte, dass...“. Er unterbricht sich, als er bemerkt, dass ich weine und legt seine Hand zärtlich an meine Wange.
„Hey Kleiner“, flüstert er dann. „Was ist denn los?“. „Ferb, wie... wie kannst du nur so ruhig bleiben?“, frage ich ihn schluchzend. „Warum flippst du nicht völlig aus und wirfst mir vor, dass ich krank bin? Warum sagst du mir nicht, wie abstoßend das ist, wo ich doch genau weiß, dass du das gerade denkst? Warum sagst du mir nicht, dass du mich jetzt hasst?“. „Weil das nicht stimmt“, antwortet er sanft. „Das ist doch totaler Unfug. Wie könnte ich dich denn jemals hassen, Phineas?“. „Aber... aber du weißt doch jetzt, was ich fühle“, protestiere ich laut.
„Ganz genau“, sagt er und lächelt mich an. Er lächelt mich wirklich an. „Und weißt du was? Ich finde es süß“. „Du... was?“, hake ich nach, da ich glaube, mich gerade verhört zu haben. „Ich warte nun schon so lange darauf, dass du es mir endlich sagst“, meint er und streichelt tröstend meine Hand. „Was?“, wiederhole ich meine Frage, weil ich nicht fassen kann, was er gerade gesagt hat. „Phineas, glaubst du, ich bin blind?“, erwidert er fürsorglich. „Glaubst du, ich habe nicht bemerkt, dass du seit einiger Zeit anders zu mir bist als sonst? Glaubst du, ich habe nicht gespürt, dass da viel mehr zwischen uns ist als bisher? Glaubst du, ich habe nicht gesehen, dass du mich nachts heimlich beobachtet hast, weil du dachtest, dass ich tief und fest schlafe? Glaubst du, ich habe nicht gehört, was du mir heimlich zugeflüstert hast?“.
Wieder lächelt er und kommt noch ein Stück näher zu mir. „Phin, ich habe schon lange gewusst, was los ist“, setzt er fort. „Ich habe jeden Tag darauf gewartet, dass du zu mir kommst und mir alles sagst. Ich habe doch auch gespürt, dass wir beide längst über normale Geschwisterliebe hinausgewachsen sind“. „Du... du hast es die ganze Zeit gewusst?“, frage ich perplex. Er nickt zur Antwort. „Ich habe meine Schlussfolgerungen gezogen“, sagt er dann. „Und ich war zuerst völlig durcheinander deswegen“. „Glaubst du, ich nicht?“, entgegne ich sarkastisch und lache verkrampft. „Ich habe mir ständig eingeredet, wie ekelhaft ich bin. Und dass es gar nicht sein darf, was ich empfinde“.
„Warum denn nicht?“, fragt er mich und ich starre ihn überrascht mit großen Augen an. „Weil... weil du mein Stiefbruder bist!“, rufe ich aus. „Das ist doch total verboten. Außerdem... du... du bist doch mit Vanessa zusammen. Also ist es doch eh völlig egal, was ich fühle oder nicht“.
Enttäuscht vergrabe ich den Kopf in meinem Kissen und wimmere. Ich hebe ihn auch nicht, als Ferb anfängt, mir über den Rücken zu streicheln. „Phineas, hör mir zu“, sagt er tröstend. „Es gibt da ein paar Dinge, die ich dir erzählen muss. Zuerst einmal möchte ich sagen, dass ich nicht gelogen habe. Ich spüre wirklich schon lange, dass uns zwei so viel mehr verbindet, als wir glauben. Und ich möchte auch, dass du weißt, dass ich ebenfalls ziemlich durcheinander bin deswegen. Auch ich habe versucht, es zu verdrängen. Ich konnte und wollte nicht glauben, was da in mir vorgeht. Jedes Mal, wenn wir uns begegnet sind, habe ich mit dem Gedanken gespielt, dich in meine Überlegungen einzuweihen. Aber ich habe mir auch ständig eingeredet, dass es falsch ist. Dass es einfach nicht sein darf. Deswegen habe ich mich Hals über Kopf in diese Beziehung mit Vanessa gestürzt. Weil ich glaubte, dadurch vergessen zu können, was ich empfinde. Weil ich dachte, dass es diese Gedanken und dieses ständige Kribbeln, das ich immer habe, wenn ich dich sehe, endlich abstellen würde. Ich habe ehrlich versucht, mit ihr glücklich zu sein, aber es hat einfach nicht geklappt. Ich konnte dieses Gefühl einfach nicht loswerden. Bei jedem Kuss, jeder Berührung von ihr habe ich stets dich vor mir gesehen. Habe mich gefragt, wie es wohl wäre, wenn es zwischen uns passiert. Habe immer wieder versucht, mich auf sie zu konzentrieren, aber es wollte nicht klappen. Ich konnte diese Gedanken einfach nicht vergessen. So viele Nächte habe ich deswegen wachgelegen und darüber nachgedacht. Habe genau wie du versucht, dieses Gefühl zu löschen. Aber seit gestern Abend weiß ich, dass sich ein Gefühl nicht einfach so löschen lässt. Es bleibt. Für immer“.
Erstaunt über das, was er gerade gesagt hat, hebe ich den Kopf und blicke Ferb eindringlich an. „Gestern?“, frage ich zögernd nach. „Warum gestern? Was ist gestern passiert?“. „Du hast schon geschlafen, als ich wieder nach Hause kam“, antwortet er mir. „Und du hast im Schlaf gesprochen. Wieder und wieder hast du meinen Namen gerufen und mir gesagt, wie sehr du dich nach mir sehnst. Dass du mich liebst. Ich habe deswegen die ganze Nacht kein Auge zugemacht, weil ich immerzu an deine Worte denken musste. Und ich habe endlich eingesehen, dass es nichts bringt, sich zu wehren. Weil ich mir sicher sein konnte, dass du dasselbe fühlst wie ich. Und genau deshalb habe ich eine Entscheidung getroffen“.
„Eine... Entscheidung?“, möchte ich wissen, weil mir nicht klar ist, worauf er hinauswill. „Ganz genau“, antwortet er. „Ich habe mich dazu entschieden, diese ganzen Bedenken endlich über Bord zu werfen. Außerdem habe ich heute Morgen mit Vanessa Schluss gemacht“. „Ja... aber... Ferb“, rufe ich verdattert. „Sie... sie war doch deine große Liebe“. „Nein“, antwortet er und schüttelt heftig den Kopf. „Das war sie nicht. Meine große Liebe ist jemand anders – nämlich du“.
„Was?“, frage ich ihn wieder, weil ich einfach nicht fassen kann, was er gerade zu mir gesagt hat. „Ich liebe dich, Phin“, flüstert er mir ins Ohr und drückt mich an sich heran. „Ich habe dich schon immer geliebt. Leider habe ich das viel zu spät eingesehen“. „Ferb, ich...“. Ich will eigentlich etwas darauf sagen, doch er legt mir den Finger an die Lippen und bedeutet mir dadurch, zu schweigen. „Ich liebe dich“, wiederholt er und hält sein Gesicht dicht vor meines.
Und dann passiert etwas, was ich mir niemals auch nur hätte vorstellen können. Noch ehe ich etwas dagegen tun kann, küsst er mich. Er küsst mich direkt auf den Mund. Ein magischer Kuss, der mein Herz zum Rasen bringt und mich völlig aus der Bahn wirft. Eigentlich will ich zurückschrecken, doch stattdessen drücke ich ihn noch enger an mich heran. Spüre seine weichen, warmen Lippen auf meinen. Fühle seine Hand, die zärtlich durch mein Haar gleitet. Ich höre auf zu denken. Stelle alles um uns herum einfach ab. Lasse mich voll und ganz auf diesen Rausch ein, den sein süßer Kuss mit sich bringt.
Und in diesem Augenblick weiß ich, dass er mir die Wahrheit gesagt hat. Dass er mich tatsächlich auf dieselbe Art und Weise liebt wie ich ihn. Auch wenn es mir zu schön vorkommt, um wahr zu sein. „Ferb...“, bringe ich benebelt hervor, als er unseren Kuss nach einigen Momenten löst. „Ich... ich weiß nicht, was ich sagen soll“. „Sag nichts“, meint er und streicht mir durch die Haare. „Sag einfach nichts. Beantworte mir bitte nur noch eine Frage“.
„Alles“, erwidere ich. „Alles was du willst“. „Willst du mit mir zusammen sein?“, fragt er mich und sieht mir dabei tief in die Augen. „Ja!“, rufe ich so laut ich nur kann und falle ihm gerührt um den Hals. „Danke Ferb“, füge ich glücklich hinzu, woraufhin er mir noch einmal in die Augen schaut.
„Nenn mich Ferby“, meint er und zwinkert mir zu. „Nenn mich einfach Ferby“.
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