Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

I still love you - Minho und Cassy (4)

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Gally Minho Newt OC (Own Character) Thomas
23.03.2016
08.01.2017
151
613.960
39
Alle Kapitel
650 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
24.03.2016 3.470
 
Guten Abend :)
CasseyCass hat gesündigt... o.O Sie wollte eigentlich warten, bis The Kill Order in Paperback draußen ist, weil sie die TMR-Series auch in Paperback hat. Aber dann ist ihr aufgefallen, dass diese in einem Schuber war und dementsprechend ein komplett anderes Layout hat, als TKO haben würde. Und so hat sie nun doch das Hardcover gekauft, weil dieses schöner ist, als die Paperbacks außerhalb des Schubers :D :D :D Ich konnte mich nicht gedulden, Schande. Macht sich aber sehr gut im Bücherregal :D

Aber was ich eigentlich sagen wollte: IHR HABT SIE DOCH NICHT MEHR ALLE :D :D :D So viele Revis für nur ein Kapi? Was ist denn bei euch los? Sind das die Frühlingsgefühle? Wirklich, ihr seid der Wahnsinn :o Ich wollte es nicht glauben, als ich gestern Abend gleich 8 Revis lesen konnte :) :) :)
Als Dank bekommt ihr am Wochenende zwei Kapis. Samstag oder Sonntag, mal sehen. Muss nebenbei meine Hausarbeit schreiben :) Aber so viel Einsatz und Treue muss doch belohnt werden.

Ja, das heutige Kapi ist eine vier, bevor es demnächst wieder hoch hergeht ;) Der Kerl neben Katheryn Winnick, also meiner Cassandra-Darstellerin, ist Colton Haynes, den ich für Rick angedacht hatte :) Morgen Abend treffen sie dann das erste Mal aufeinander, also Minho, Cassy und Newt. Thomas kommt am Samstag dazu.
Aber jetzt wollt ihr alle wahrscheinlich das neue Kapi lesen und nicht mein Geschwafel hören :D
Also viel Spaß dabei, meine Lieben, ich habe euch sehr lieb :)
Küsschen,
CasseyCass *-*

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
"So, if you're mad, get mad
Don't hold it all inside
Come on and talk to me now"
(I'll stand by you – The Pretenders)




Cassandra (heute)
"So..." Ich knotete eine Schleife und lächelte das Mädchen an. "Siehst du. Alles gut."
Sie besah sich den Verband um ihren Arm und nachdem sie keinen Makel gefunden hatte, grinste sie. "Danke, Missy."
"Gern geschehen. Das nächste Mal passt du auf, wenn du so viele Kisten trägst, in Ordnung? Die rostigen Nägel können Krankheiten übertragen."
"Mache ich. Wie viel muss Mama bezahlen?"
"Überhaupt nichts. Das übernehme ich."
"Danke, Missy." Das Mädchen grinste noch breiter und sprang dann vom Behandlungstisch. Vor der Tür wurde sie von ihrer Mutter in Empfang genommen, welche die gleichen platten, braunen Haare besaß, wie das Mädchen. Ihre Augen lagen tief im Gesicht und die Entbehrungen des Nordens hatten tiefe Falten um ihren Mund herum gemalt.
"Danke, Missy", wiederholte sie die Worte ihrer Tochter. "Wie viel..."
"Lassen Sie gut sein", wehrte ich ab. "Es war nur ein Verband."
Die Frau nickte. "Ich... Ich wünschte sie müsste nicht arbeiten, aber..." Schulterzucken. "Sonst kommen wir noch weniger über die Runden."
"Viele Kinder müssen im Haushalt helfen", beruhigte ich sie. "Das macht sie nicht zu einer schlechten Mutter. Zu einer schlechten Mutter würden sie werden, wenn sie ihr Kind nicht mehr zu mir bringen würden."
"Wie gesagt. Danke."
Die beiden Gestalten gingen den grauen Krankenhausflur entlang und sahen dabei aus, als würden sie zum Inventar gehören. Es war ein Kreuz. Der Norden hatte wunderschöne Ecken, große, prosperierende Städte und Landschaften, wie gemalt. Aber der Norden war korrupt. Die Beamten steckten sich alles in die eigene Tasche. Schulen und Krankenhäuser gingen zu Grunde, die Polizei war da, wenn man bezahlen konnte und der Stadtrat hatte Stella letztens dezent an den Hintern gepackt. Der größte und ärmste Teil der Stadt hatte nicht einmal genug Geld, um den Kindern normale Schuhe zu kaufen. Entweder sie liefen barfuß oder in Holzpantoffeln. Er hatte mir verboten die Kosten für die Behandlungen zu übernehmen. Aber ich konnte doch der Kleinen keine Rechnung in die Hand drücken, wo sie die Schule schwänzen musste, um der Mutter beim Ernten zu helfen? Das wäre grausam. Und so nahm ich mein Gehalt entgegen, um es sogleich für Medikamente, Verbände und allerlei anderes Zeugs für das Krankenhaus auszugeben. Wenn etwas übrig blieb – was sehr sehr sehr selten vorkam – steuerte ich es Gally und Fe bei. Ansonsten lebte ich bei ihnen frei. Selbst meine Guthabenkarte lud Gally regelmäßig auf. Was nichts daran änderte, dass sie nach einer Woche bereits wieder leer war. Ich schrieb zu viel mit meinem besten Freund.
"Missy!"
Ich verdrehte die Augen. Er hatte mich zu oft Missy gerufen und die gesamte Stadt kannte mich eigentlich nur unter diesem Namen. Eigentlich müsste ich es zumindest versuchen zu ändern, aber das war vermutlich ein endloses Unterfangen. "Dr. Watson. Was gibt es?"
"Können Sie im Waisenhaus die Impfungen durchführen? Es gibt mal wieder Ausfälle bei den Krankenschwestern und ich habe noch die OPs der Bergarbeiter zu machen. Und die Kinder sind bereits überfällig. Das Waisenhaus ist so verdreckt, ich will die Kinder nicht ungeschützt herumlaufen lassen."
Dr. Watson war ein Schatz. Er wusste, dass das Krankenhaus finanziell an seinen Grenzen kratze und nah trotzdem immer und immer wieder Leute auf, die nicht zahlen konnten. Die Impfungen im Waisenhaus hatte er erst vor einem halben Jahr eingeführt. Der schlaksige Mann mit dem struppigen Schnauzer war der Held der Stadt gewesen und für eine kurze Zeit, hatte das Hospital erstaunlich viele Spenden bekommen. Die innerhalb weniger Tage aufgebraucht gewesen waren...
"Keine Sorge, Doc", lächelte ich. "Mache ich doch gerne. Ich muss nur erst zu Dr. Shell."
"Machen Sie nur. Bleiben sie schön gesund, eine Ärztin wie Sie, kann ich nicht entbehren."
Ärztin, dachte ich und suchte kopfschüttelnd meine Tasche zusammen. Ich hatte keine Ausbildung dazu gemacht, ich tat nur das, was ich konnte. Dass diese Taten mit denen einer Ärztin zu vergleichen waren, lag nicht an mir. Ich konnte einfach nicht zusehen, wie Kinder an einem simplen Schnitt starben, der ihnen eine Blutvergiftung beschert hatte, nur weil sie nicht gegen Tetanus geimpft waren oder so. Stumm zog ich meine dünne Jacke an und schulterte meine Tasche. Ich musste nur zwei Stockwerke nach oben laufen. Unten waren die Notfälle stationiert, dann kamen die ansteckenden Krankheiten, dann die Schnellambulanz, die Kinderstation und die Psychiatrie. Er hatte mich relativ schnell dort hingebracht. Nicht stationär eingeliefert, aber ambulant. Und er war jede Sitzung bei mir gewesen. Bis er den neuen Job oben an der Grenze zur Kuppel bekommen hatte. Das war vor gut einem Jahr gewesen. Zuerst war er an den Wochenenden noch nach Hause gekommen. Dann alle zwei Wochen, dann einmal im Monat, dann alle zwei Monate. Mittlerweile waren es alle drei Monate. In vier Wochen wäre er also wieder hier. Bis dahin musste ich allein zu den Sitzungen gehen.
Ich klopfte an Dr. Shells Tür und nach seinem brummigen Herein, trat ich in das freundliche Zimmer. Es war das einzige, freundliche Zimmer im gesamten Hospital. Aber wenn jemand wirklich depressiv war, konnte man ihn nicht in einem grauen Raum ohne Fenster und mit flackernden Lichtern setzen. Wenn renoviert wurde, dann in Dr. Shells Behandlungszimmer.
"Missy, Cassandra!", rief der Arzt aus und erhob sich von seinem Drehstuhl. Der Mann hatte kein einziges Haar mehr auf dem Kopf, schokofarbene Haut und lustige Augen. Er war der perfekte Psychiater, ohne dass ich es genau benennen konnte, warum. Man musste ihm einfach vertrauen und seine Sorgen erzählen.
"Hallo, Dr. Shell", erwiderte ich und ließ seine warme Umarmung über mich ergehen. Beim ersten Mal hatte die Umarmung mich so aus dem Konzept gebracht, dass ich die Sitzung über kein Wort hervorgebracht hatte.
"Was für ein Tag?", fragte er.
"Gut." Ein Gut-Tag.
"Sehr schön. Setz dich." Er deutete zu dem großen Sessel vor seinem Schreibtisch und reichte mir sofort eine Tasse Kaffee. "Thomas hat mir erzählt, dass du am Wochenende wieder Albträume hattest. Schlimmere als sonst."
"Ja, das stimmt." Es war fürchterlich gewesen. Wenn er nicht da war, litt ich häufiger unter den Albträumen der schlimmen Art. Und Samstagabend war noch schlimmer als die schlimme Art gewesen. Gally und Fe waren Essen gewesen und ich und Thomas hatten zusammen auf Rosie aufgepasst. Als diese im Bett gewesen war, hatten wir uns nur aufs Sofa gekuschelt und gelesen, bis ich eingeschlafen war und wenig später in den Fängen eines grausamen Albtraumes wieder aufgewacht war. Thomas hatte verdammt lange gebraucht, bis ich wieder im Hier und Jetzt gelandet war und er war die ganze Nacht über bei mir geblieben. Das waren die Ausnahmen. Ansonsten musste ich allein schlafen, wenn er nicht da war, um zu lernen, wieder eigenständig zu leben. Doch ohne Thomas wäre Samstagnacht wer weiß was, passiert.
"Magst du mir davon erzählen?" Dr. Shell musterte mich ganz neutral aus seinen dunklen Augen, den Kopf leicht schief gelegt.
"Viel gibt es nicht zu erzählen. Es war der gleiche Traum. Nur... intensiver." Meine Finger strichen über den Tassenrand. "Ich war auf der Lichtung. Mit Minho und Newt." Sofort presste sich meine Faust wieder gegen meine Brust. "Die anderen waren auch da. Und ich wusste, was wir noch alles erleben würden, aber sie nicht. Ich wusste, sie würden mich verlassen und trotzdem haben sie mir weiter ihre leeren Versprechungen an den Kopf geworfen. Und dann..." Ich stockte und spürte meine bebenden Lippen. Immer und immer wieder dachte ich, dass ich meine Träume – oder besser den einen Traum, den ich jede Nacht träumte – verarbeitet hätte. Doch sobald ich von ihnen sprach, kamen die Verbitterung und die Angst zurück. Ersteres wegen Minhos und Newts Verrat. Die Angst wegen der Monster...

Flashback – fünf Jahre zuvor
Ich setzte mich schreiend auf und versuchte mich zu orientieren. Ich wusste nicht wo ich war und wie ich an diesen Ort gekommen war. Aber die kalte und klamme Angst des Traumes saß noch in meinen Knochen, zusammen mit dem Schmerz in meiner Brust, der mir die Tränen in die Augen trieb. Schluchzend tastete ich nach einem Lichtschalter oder irgendetwas, doch ich fand nichts. Panische Angst peitschte durch meinen Körper. Warum zur Hölle war es bloß so dunkel?
Mit einem Mal wurde die Tür aufgestoßen und Rick kam hineingewankt. Er rieb sich verschlafen über die Augen. "Cassandra? Es ist alles gut. Moment..." Eine kleine Lampe in Türnähe sprang an, warf gruslige Schatten an die Wände und erhellte einen kleinen Raum, notdürftig möbliert. Rick kam auf mich zu, setzte sich auf den Bettrand und seufzte. "Das ist das sechste Mal heute Nacht. Was träumst du bloß?"
Ich schüttelte hektisch den Kopf. Nie im Leben würde ich diesen Traum in Worte fassen. Er war schlimmer und brutaler und schonungsloser als jede Frequenz, die Janson mir angetan hatte. Noch immer liefen mir die Tränen in Strömen über das Gesicht und ich zitterte wie Espenlaub. Rick hob eine Wolldecke hoch, zeigte sie mir und schlang sie mir um die Schultern. Dann ließ er die Arme wieder sinken. Ich wollte von niemanden berührt werden. Jede Berührung, die Zuneigung ausdrückte war doch eh gelogen. Erheuchelt und falsch.
"Soll ich Thomas holen?"
Erneutes Kopf schütteln. "Reicht, wenn ich einem die Nacht versaue", flüsterte ich und spürte die heißen Tränen auf den Wangen. Thomas hatte mich vor zwei Wochen nur leicht lächelnd umarmt, als ich angekommen war. Ich hatte in jeder seiner Gesten seine Sorge um mich und die Anklage gegenüber Minho und Newt gespürt. Würden die beidem ihm je wieder unter die Augen treten, würde er sie knallhart skalpieren. Und ein Teil von mir war noch immer dagegen. Egal was sie mir angetan hatten, ich würde sie noch immer verteidigen. Es war zum Kotzen. "Tut mir Leid."
"Nein, das muss es nicht", wehrte Rick ab und gähnte unterdrückt. "Heute Nacht bin ich eben dran. Außerdem... du versaust einem die Nacht nicht. Du macht sie interessant."
Ich wandte Rick das Gesicht zu. Er meinte die Worte tatsächlich ernst. "Warum hilfst du mir?"
"Keine Ahnung. Am Anfang war es die pure Langeweile. Wirklich das Turteln deines Bruders und Gallys war ätzend. Daher bin ich irgendwann nach Dublina zurück und habe dich etwas beobachtet. Solange, bis dein Bruder dich herzitiert hat. Du brauchst Hilfe und ich bin der Einzige hier, der dir helfen kann, ohne sein Leben aufgeben zu müssen."
"Mag sein. Aber warum?" Ich betonte das letzte Wort und sah Rick weiterhin unverwandt an. Seine Mundwinkel zuckten leicht nach oben, doch er mied meinen Blick. Für ein paar Sekunden war er ganz weit weg mit seinen Gedanken.
"Ich weiß es wirklich nicht", antwortete er schließlich und sah mich wieder an. "Ich bin von mir selbst verwirrt." Rick nickte zu meinem Kissen. "Versuch noch etwas zu schlafen. Gally hat morgen irgendetwas vor und..."
"Es sind Monster", unterbrach ich ihn ruhig. Rick saß tatsächlich zum sechsten Mal in dieser Nacht an meinem Bett, er hatte sich nicht verzählt, und beruhigte mich. Er verdiente eine Antwort. "Ich träume von Monstern. Sie... Sie sind eine Mischung aus den Griewern der Lichtung und dieser komischen Viecher mit den Glühbirnen aus der Brandwüste. Und wenn sie reden haben sie Jansons Stimme. Die anderen verstehen meine Angst nicht, sie sagen, ich würde halluzinieren. Was alles nur noch schlimmer macht." Meine Finger zupften an der Bettdecke und ich zuckte nichtssagend mit den Schultern. Rick sagte eine Zeit lang nichts und ich konnte es ihm nicht verübeln. Was sollte er schon antworten? Die Sache herunterspielen konnte er nicht, dafür war sie zu ernst. Mir Mut machen brachte ebenfalls nicht, ich würde ihm seine Worte nicht glauben. Da war Schweigen die sicherste Lösung. Doch zu meinem Erstaunen setzte sich Rick auf den Boden, lehnte sich mit dem Rücken an mein Bett und begann leise zu erzählen. Er erzählte mir von seinen Träumen. Nicht alle seiner Worte waren gelogen gewesen, als er mir bei Jorge von seinem früheren Leben erzählt hatte. Rick hatte eben nur nicht den Brand gehabt und war weggeschickt worden. Er war zum Rechten Arm gekommen. Nach ein paar Minuten legte ich mich wieder hin und starrte in das schummrige Zimmer, während Rick weiter redete. Seine Stimme klang zwar müde und der Uhrzeit entsprechend kratzig, aber auch angenehm und verdammt ruhig. Eine schreiende Cassandra konnte ihm offensichtlich nicht die Nerven rauben. Und er erzählte schonungslos jedes Detail seiner Albträume, die all seine Kindheitsschrecken beinhalteten. Rick schaffte es, dass meine Träume nur so schlimm waren, wie ich mein Unterbewusstsein sie malen ließ.


Minho (heute)
"Ich verstehe noch immer nicht warum du gehst!" Liz folgte ihm die Treppe hinauf und Minho musste sich beherrschen nicht entnervt aufzustöhnen. Manchmal war diese Frau ein Nervenbündel der schlimmsten Art. Auf der einen Seite konnte er es verstehen. Viele Menschen, die jahrelang außerhalb des Sicheren Hafens gelebt hatten, hatten sich eine nervöse Aufmerksamkeit angeeignet, die sie allerhöchstens beim Schlafen abstellten. Auf der anderen Seite konnte man nach sechs Jahren – Liz war vor Minho nach Roma gekommen – langsam aber sicher seinen Lebensstil normalisieren.
Im Arbeitszimmer trafen sie auf Newt, der Taylor auf dem Schoss hatte und ihm irgendetwas vorlas. Oder so tat. Er hob den Blick und grinste Liz an. "Hallo, Lizzy-Liz. Na, wie geht's?"
"Oh und er kommt auch mit?", fragte Liz und deutete auf Newt. "Der Alki? Ernsthaft? Damit das Loch auf unserem Konto noch größer wird?"
"Ich bin kein Alki!", schnaufte Newt empört auf, während Minho seine Akten durchsah und möglicherweise wichtige Papiere ausheftete. "Alkis können ohne Alkohol nicht leben, ich könnte es. Ich will nur nicht."
"Was ist ein Alki?", fragte Taylor und sah Newt unten herauf aus großen Augen an. Der Pony des Kleinen hing ihm wirr ins Gesicht und ließ ihn noch tollpatschiger aussehen.
"Ein Alki ist eine Person, die ganz viel Alkohol trink. So richtig viel. Verdammt viel."
"Mama trinkt auch Alkohol..."
"Das Glas Gin ab und zu!", fuhr Liz auf.
"Siehst du!", rief Newt aus und riss theatralisch die Augen auf. "Du hast das Glas, ich die Flasche."
"Gally hat von uns beiden gesprochen, Liz", versuchte Minho seine Frau vor einem Wutausbruch zu bewahren und senkte etwas die Stimme. Er schob die Papierstapel in eine Mappe und warf diese Newt zu, der sie in die Reisetasche packte. "Wir kommen bald wieder zurück, niemand von uns will länger im Norden bleiben, als nötig."
"Der Winter naht! Was ist, wenn ihr über den Winter dort oben festsitzt?" Liz verschränkte die Arme vor der Brust, ihre grünen Augen funkelten gefährlich. Seufzend schlang Minho die Arme um ihre Taille und zog sie an sich. Sie war nur etwas kleiner als er und ihre Wange ruhte an seiner; der Duft ihres Shampoos wehte um seine Nase. "Ich komme wieder, Liebes", murmelte er. "Noch vor Taylors Geburtstag."
"Bringst du mir dann etwas aus dem Norden mit, Paps?", fragte Taylor und begann aufgeregt auf Newts Schoss herumzuspringen. Dieser besah sich stirnrunzelnd das Buch, aus dem er Taylor vorgelesen hatte und begriff erst jetzt, dass der Titel Biochemische Waffen während des Vietnam-Krieges eher weniger gut für Kinder geeignet war. Möglichst unauffällig schob er es ins Regal zurück und setzte eine Unschuldsmiene auf.
"Natürlich, was willst du denn haben?", fragte Minho und versuchte sein Grinsen zu verbergen. Newt war die Liebenswürdigkeit in Person, wenn es um Taylor ging, aber er würde ihn in der Toilette ertrinken lassen, so unfähig war er in der Kindererziehung.
Taylor biss sich angestrengt auf die Unterlippe, seine Zahnlücken hinterließen danach komische Abdrücke. Er hatte seine Eltern um zwei Uhr morgens mit Indianer-Geschrei geweckt, als sein erster Milchzahn herausgefallen war. Minho hatte beinahe einen Herzinfarkt erlitten, als der kleine Knirps auf ihn gesprungen war. Kinder im Haus zu haben, war er definitiv nicht gewohnt gewesen.
"Ich möchte... ich möchte..." Mit einem Mal leuchteten die Augen des Jungen auf. "Eines dieser Boote! Weißt du, Paps, die wir in dem Buch gesehen haben? Die vollständig aus Naturmaterialen waren?"
Minho nickte. Super... Da konnte er wahrscheinlich Stunden durch den Wald laufen, bis er alle Materialen dafür zusammen hatte und dann musste er auch noch jemanden finden, der ihm die Sachen so zusammenbaute, dass sie am Ende wie ein Schiff aussahen. Trotzdem... Wenn es Taylor glücklich machte. "In Ordnung, ich halte nach einem Schiff Ausschau."
Taylor machte erfreute, glucksende Geräusche und drehte sich dann zu Newt um, damit dieser von der Neuigkeit erfahren konnte.
"Pass auf dich auf", bat Liz leise. "Wir brauchen dich hier."
"Newt mag vielleicht einen eher weniger vertrauenswürdigen Eindruck machen, aber ich kann auf ihn zählen", erwiderte Minho. "Deshalb wäre er auch mitgekommen, wenn Gally nur nach mir gefragt hätte. Wir haben uns immer gegenseitig beschützt und das wird dieses Mal nicht anders laufen." Er gab Liz einen kleinen Kuss auf die Nasenspitze. "Du wirst sehen, wir sind kaum aus der Tür, dann werden wir bereits wieder da sein."
"Und Cassandra?"
Minho zuckte leicht zusammen. "Was soll mit ihr sein?"
"Wird sie nicht auch dort sein?"
Es war eine ihrer Abmachungen gewesen. Sie erfuhren die Vorgeschichte des jeweils anderen, bevor sie heirateten. Minhos war um einiges komplizierter gewesen, aber am Ende war immerhin rein Tisch gewesen. Bis auf das Problem, dass Liz Cassandra, obwohl diese Kilometer entfernt lebte, irgendwie als Bedrohung wahr nahm. Dabei würde Cassandra ihn eher im Schlaf umbringen, als ihn seiner Familie wegzunehmen. "Ja, sie wird auch da sein. Aber das ist egal. Wir sind damals gegangen, Cassandra interessiert uns nicht mehr." Diesmal legten sich seine Lippen auf Liz'. "Nur du und Taylor interessieren mich."
"Nehmt euch ein Zimmer", grollte Newt und barg das Gesicht gespielt verzweifelt in Taylors Haaren. Dieser lachte auf und faselte etwas von kleinem, komischen Onkel Newt.
Minho schnappt sich seine Jacke von dem Jackenständer an der Tür und warf sie sich über die Schulter. Hoffentlich waren die Sachen alle warm genug. In Roma lagen die Temperaturen selten unter 15°C und er wollte ungern in Minska erfrieren. Obwohl es Cassandra wahrscheinlich gelegen käme... Wütend schüttelte Minho den Kopf und straffte dann die Schultern. Gally würde sie nicht holen, wenn es verdammt ernst war. Er würde sich von allen anderen eine Schimpftirade der besonderen Art anhören müssen. Das hatte rein gar nichts mit Cassandra zu tun. Kein Bisschen. Doch das Gefühl sich selbst zu belügen verschwand nicht. Auch nicht, als er Liz einen Abschiedskuss gab, Taylor umarmte und dann mit Newt ins Auto stieg. Die Lüge lastete auf seinen Schultern und drückte ihn unweigerlich immer weiter hinunter. Millimeter für Millimeter.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast