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I still love you - Minho und Cassy (4)

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16
Gally Minho Newt OC (Own Character) Thomas
23.03.2016
08.01.2017
151
613.960
37
Alle Kapitel
643 Reviews
Dieses Kapitel
31 Reviews
 
 
23.03.2016 3.999
 
Und hier ist es: Das neue Kapitel des neuen Teils mit neuem Bild und neuem Inhalt :D
Ja, jetzt kann ich ja endlich schwafeln.
Also die Woche war genial :D Selten so viel gelacht. Meine beste Freundin war ja in Jena und ach... Es war einfach genial.
Wir haben (um mit ruhigeren Dingen anzufangen) zusammen gekocht und gebacken, haben einen Tag sehr fleißig Uni gemacht, viel gelesen und sind natürlich shoppen gegangen. So.
"Problem": Sie ist riesiger Marvel (gerade Captain America) und Star Wars Fan. Da kam sie doch einfach mit einem Leuchtschwert im NanuNana hinter mir her gerannt und wollte dieses Schwert kaufen! Mit 20! :D Und dann hat sie einen Plüsch-Captain-America und ich... Ich weiß nicht, meine Erziehung hat total versagt :D Abgesehen davon, dass ich auch so ein Plüsch-Vieh für Kili möchte :D
DANN (und das war das unglaublichste überhaupt) habe ich ein Buch geschenkt bekommen. Ja, gut ein Buch, toll. Aber es war eine Personal-Novel. Das sind Storys, die man eben personalisieren lassen kann. Sie hatte mir letztes Jahr irgendwann so echt seltsame Fragen gestellt, von wegen "hast du eine signifikante Narbe" oder "Welche Männer haben dich in deinem Leben geprägt" und ich war echt verunsichert. Am Ende wäre meine Karriere ins Nichts gelaufen, weil mein Profil auf irgendeiner zwielichtigen Seite gelandet wäre :D Aber nein, sie hat die Daten für die Novel gebraucht. Und es ist unglaublich.
Ich bin in der Story eine Journalistin in den 1830er (Naja, mein Traumberuf und Geschi eben) und kämpfe gegen die Karlsbader Beschlüsse und alles an. Ich komme mit Aidan (der Kili spielt) zusammen, sie heiratet Steve (der ja Captain America spielt), ich bin berühmt in der Schriftsteller-Szene und, und, und. Ich habe selten so viel Lachen müssen :D :D :D Das ist nur minder witzig, wenn man mich nie getroffen hat, aber sie hat so viele Kleinigkeiten eingebaut (zum Beispiel meine Kaffeesucht und meine Lieblingsfarbe) und es war sooooo witzig :D
Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß.
Und heute saßen wir dann plötzlich bei der Polizei :D Irgendjemand hat ihr Auto gerammt und dann mussten wir die Papiere abholen und es war einfach super unnötig und hat meinen ganzen Morgen durcheinander gebracht. Aber im Endeffekt war es nicht sooo schlimm. Viel schlimmer ist, dass mein Vermieter mich aus der Wohnung kickt, weil er sie für Eigenbedarf braucht und ich nicht weiß, wo ich nächstes Jahr nach meinem Auslandsjahr unterkomme. Also falls ihr jemanden in Jena kennt, her mit der Adresse :D

Ja, das heutige Kapi ist eine 4, es fängt ruhig und verwirrend an. Achtet bitte darauf, wann der Part des Kapis spielt, sonst seid ihr wirklich schnell verwirrt. Aber grundsätzlich beginne ich immer mit Cassy, dann kommt ein Flashback und dann Minho oder Newt :) Und ich denke morgen oder übermorgen sind die drei schon wieder vereint, hauptsächlich deshalb, weil die Story nicht langweilig werden soll :D
Natürlich vielen, vielen Dank für eure Revis, sowohl für den dritten als auch für den vierten Teil. :) Ihr Verrückten :) hab euch lieb :)

Dann habe ich noch zwei Bitten (seriöse Stimme *hust*)
1. Ihr könnt mir wieder Liedvorschläge schicken. Ich meine, ihr wisst ja ungefähr, was wir in dem letzten Teil alles hatten. Heute gibt es noch keinen Song, erst morgen. Muss erst einmal wieder in unser Ritual hineinfinden :D Also her mit den Vorschlägen,
Und 2. Ich würde euch sehr die Story von Jadeherz "Keep dreamin'" empfehlen :) Ich lese sie super gerne und sie verdient ein paar Revis. Wie auch Sommerregenduft! Also los Leute, schreibt den beiden, die haben tolle Stories :)

So, ich denke damit endet mein Intro erst einmal :D
Ich wünsche euch viel, viel Spaß beim ersten Kapi :)
Küsschen und Drücker,
CasseyCass *-*

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"Say nothing is over
Though everything's crazy
Be brave and trust me."
(Sunrise Avenue - Nothing is over)


https://www.youtube.com/watch?v=Vr23F3pUV_I



Cassandra (heute)
Nur noch vier Wochen und drei Tage, sagte ich mir und knöpfte die Bluse über meinem Top zu. Dann ist er wieder da. Vier Wochen. Das schaffst du Cassandra. Ich seufzte und betrachtete mein Spiegelbild, ließ die Arme sinken und musterte mich. Er würde mich umbringen. Wie die anderen Male auch. In der Zeit, wo er da war, aß ich genug, hielt mich mit Sport fit, ging regelmäßig arbeiten und kümmerte mich um Freunde und Familie, wie es sich gehörte. Wenn er weg war... ging alles den Bach herunter. Ich hatte bestimmt schon wieder abgenommen. Der Gürtel konnte um ein Loch enger geschnallt werden.
Schnell knöpfte ich die Bluse fertig und sah mich dann nach meinen Schuhen um. Cassandra, du hast drei Jahre lang mit einer posttraumatischen Belastungsstörung gelebt, die vergeht nicht einfach so. Du wirst die Folgen noch mit fünfzig spüren. Vielleicht besuchen dich dann die Geister deiner ehemaligen Freunde nicht mehr, aber die Träume werden bleiben.
"Schon klar, liebes Ich", grunzte ich und fischte meinen Schuh hinter der Truhe hervor. "Ich bin doch dankbar wieder auf zwei Beinen stehen zu können, das heißt aber nicht, dass ich Veränderungen einfach hinnehmen kann." Es gab irgendeinen medizinischen Begriff dafür, sagte zumindest Dr. Shell, mein Psychologe. Ich hatte Angst vor Veränderungen, Angst langjährige Freunde zu verlieren, Angst, dass Konstanten wegbrachen. Sie brachten mich zum Schlingern, beförderten mich aus meiner Umlaufbahn und ließen mich galant an der nächsten Wand zerschellen.
Hör auf dich zu bemitleiden, geh runter und iss.
"Dafür brauche ich meinen zweiten Schuh..." Zufrieden fand ich ihn unter dem Bett und fragte mich, wie er dort hingekommen war. Wahrscheinlich Skipper. Ja. Ganz sicher Skipper.
Kurz saß ich nur auf meinem Bett und ließ meinen Blick durch den Raum schweifen. Mein Bett stand hinter Tür an der Wand, gegenüber nur ein schiefer Tisch, direkt neben dem Fenster. Links der Tür stand ein Spiegel, daneben meine Truhe mit Klamotten. Alles aus dunklem, abgegriffenen Holz. Es war deprimierend. Oder es lag daran, dass wir wieder einmal einen Stromausfall hatten und die Morgensonne noch nicht hell genug war, mein Zimmer auf der Rückseite des Hauses zu erleuchten. Die einzigen Farbtupfer spendeten die Blumen auf dem Tisch.
"Sie werden verblüht sein, wenn ich wieder da bin", hatte er gesagt. "Die einen verblühen schneller, als die anderen. Aber am Ende werde ich vor der Tür stehen und bei dir sein." Er hatte es nicht versprochen. Ich hasste Versprechen, Menschen missbrauchten sie. Wie Beziehungen auch. Daher waren wir nicht zusammen. Wir waren beste Freunde, besser als ich und Newt es je gewesen waren und das war gut so.
Meine Hand wanderte automatisch zu meiner Brust und ich presste die Faust gegen das Brustbein. Die Schmerzen, die mir am Anfang den Verstand geraubt hatten, waren zu einem dumpfen Pochen abgeklungen. Aber wann immer ich an Newt oder Minho dachte, an sie oder meine Briefe, die immer geöffnet und gelesen, aber unbeantwortet zu mir zurückgekommen waren, kam der Schmerz zurück. Ich würde eine Party für ganz Minska schieben, wenn die Schmerzen für immer verschwunden waren. Dr. Shell meinte, ich sollte nach zehn Jahren damit rechnen. Die Hälfte hatte ich also schon.
"Cassandra, Essen!", rief Fe die Treppe hinauf und ich stemmte mich endlich vom Bett hoch. Meine Arbeitstasche musste noch unten liegen, ich hatte sie gestern einfach dorthin geschmissen. Gestern war aber auch ein bescheuerter Tag gewesen. Meine Schicht im Krankenhaus war fast doppelt so lang gewesen, wie normal. Und das nur, weil irgendwo in der Nähe von Stockhalm ein Stollen des Bergwerks zusammengekracht war. Man sollte ja meinen, dass die ihr eigenes Krankenhaus hatten, aber nein, Minska musste herhalten. Minska und ihre Ärzte.
Vor der Tür wurde ich von einem aufgeregten Skipper begrüßt, der schwanzwedelnd an mir heraufsprang und meine Hände ableckte. Wau war vor zwei Jahren gestorben – an Altersschwäche laut dem Tierarzt – hatte uns aber zuvor bereits einen Wurf Welpen hinterlassen. Die Hündin war Brenda zugelaufen und Wau war absolut begeistert gewesen, obwohl sie definitiv eine andere Rasse war. Skipper hatte nun Waus goldenes Fell und einen schwarzen Ring um dem linken Auge, was er von der Mutter hatte. Passte zumindest zu seinem schalkhaften Auftreten. Zusammen sprinteten wir die Treppe herunter, wo Gally am Telefon stand.
Ich drückte ihm einen Guten-Morgen-Kuss auf die Wange und überließ ihm dann seinem Chef – nur der würde es wagen um 7.00 in der Früh anzurufen. In der Küche stand Fe am Herd, der mit Gas betrieben wurde, brutzelte die Pfannkuchen, kochte Kaffee und versuchte Rosie wach zu halten.
"Guten Morgen, kleine Sternschnuppe", sagte ich und wuschelte ihr durch die blonde Lockenpracht. "Hast du gut geschlafen?"
"Ja. Nur viel zu kurz." Die Kleine gähnte. "Kindergarten ist doch gar nicht Pflicht, Mummy, warum muss ich da hin?"
"Weil ich sonst zu nichts komme. Und heute muss ich zudem ins Stellas." Fe drückte mir meinen Kaffee in die Hand. "Iss, Cassandra, sonst setzt es was. Am Ende reißt er mir den Kopf ab."
"Ja, Mummy", wiederholte ich Rosies Ausruf und grinste.
Fe war gut ein Jahr nach unserer Ankunft in Minska schwanger geworden und die kleine Rosie war das süßeste Baby gewesen, was ich jemals in den Armen gehalten hatte. Sie hatte Gallys grüne Augen und seine blonden Haare, während die Menge der Haare definitiv von Fe stammte, sowie das zierliche Aussehen. Rosie war ein Schatz und ich durfte mich die glückliche Tante nennen.
"Was willst du im Stellas?", fragte ich und träufelte Sirup auf meine Pfannkuchen.
"Deine allerbeste Freundin überhaupt hat eine Bestellung Obst aufgegeben. Für ihre Frühlings-Cocktails. Ich will ihr die erste Lieferung bringen."
"Falls Stella wach genug sein wird", grummelte Gally, der gerade in die Küche kam. Es war verwirrend und logisch zugleich, dass Stella ihre Kneipe Stellas genannt hatte. Man musste nur aufpassen, ob man die junge Frau oder ihre Kneipe meinte. "Es gab gestern eine riesige Fete, vor fünf war sie nicht im Bett."
"Gab es wieder Beschwerden wegen des Lärms, ja?", fragte ich.
"Wie immer. Aber das Stellas wäre nicht so grandios, wenn es nicht ständig diese Partys schmeißen würde. Nächste Woche gibt es die 80er."
80er. Vor ein paar Jahren hatte es einen Fund von Kulturgütern aus der Zeit vor den Sonnenerruptionen gegeben. Bücher, Musik, Filme, Bilder und so weiter. Stella hatte die Musik und ein paar Einrichtungsgegenstände abgestaubt und gab seitdem regelmäßig Partys mit passender Musik. Es war toll. Und legendär.
"Wer war am Telefon, Liebling?", fragte Fe.
"Erstaunlicherweise... Vince."
"Vince?", wiederholten Fe und ich unisono und sahen einander überrascht an. Das zum Thema, nur sein Chef würde so früh anrufen.
"Ja, Vince. Ich will euch nicht beunruhigen, lasst mich noch etwas Informationen sammeln." Gally hatte einen Job beim städtischen Sicherheitsdienst, es gab immer irgendetwas zu tun. Gerade weil Armut Verbrechen hervorrief und Minska gehörte nun mal zu den ärmsten Städten des Nordens. Doch wenn es um Informationen ging, handelte es sich um ein größeres Problem. Und wenn Vince aus Dublina anrief, dann war es ein großes, schlimmes Problem.
Ich starrte auf meinen Teller mit den Pfannkuchen und mein Hunger verflog, wie erwartet. Fünf verdammte Jahre waren vergangen. Und was hatte sich verändert? Nichts! Ich war noch immer ein psychisches Wrack, die Welt war noch immer gefährlich und rau und meine Familie noch immer nicht in Sicherheit. War es zu viel verlangt endlich wieder ein normales Leben zu führen?
"Ich muss los", murmelte ich und schob mich von der Bank herunter.
"Du hast zwei Bissen gegessen!", schalt mich Fe und stemmte die Hände in die Hüften.
"Ja, ich weiß, tut mir Leid..."
"Wann ist dein nächster Termin?", fragte Gally mit hochgezogener Augenbraue.
"Heute Abend. Und ich gehe hin, versprochen. Dr. Shell hat mir das letzte Mal schon die Hölle heiß gemacht."
Kurzzeitig herrschte Stille in der kleinen Küche mit der Küchenzeile und der großen, wuchtigen Essecke. Rosie schmatzte beim Kauen, die Pfannkuchen brutzelten und die Herren des Hauses starrten mich besorgt an. Ohne Fe und Gally wäre ich aufgeschmissen gewesen. Klar, ich hätte bei Thomas und Brenda um die Ecke wohnen können, aber mein Bruder hatte ein eigenes Leben ohne kranke Schwester verdient. Schließlich hatte auch er darunter gelitten, dass Newt und Minho gegangen waren.
"Es ist fünf Jahre her, Cassy", murmelte Fe. "Du hast verdammt große Fortschritte gemacht, aber... Vielleicht ist es an der Zeit wieder in die Zukunft zu blicken. Du hast die Vergangenheit verarbeitet, gelernt in der Gegenwart zu leben, jetzt musst du die Zukunft planen. Und Ri... Ich meine er, wird immer länger fort bleiben."
Wir hatten uns darauf geeinigt seinen Namen nicht zu nennen, in der Zeit, wo er weg war. Es war leichter für mich. Fe hatte schon Recht, ich hatte Fortschritte gemacht. Aber ein Teil von mir war noch nicht bereit loszulassen. Ein Teil von mir, wartete noch immer in Dublina am Hauptbahnhof darauf, dass Minho und Newt wiederkamen.

Flashback – vor fünf Jahren
Die Luft roch nach Fastfood und schwitzenden Menschen. Vielleicht war es auch mein eigener Geruch, ich konnte mich nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal geduscht hatte. Meine 700 Dollar Startguthaben waren vor ein paar Wochen bereits aufgebraucht gewesen, obwohl ich sofort in eine alte Kaschemme gewechselt war, wo ein Zimmer zum Spottpreis angeboten worden war. Aber vier Monate in Dublina waren teuer und so war ich hochkant hinausgeworfen worden, als ich die Miete nicht mehr hatte zahlen können.
Jemand rempelte mich an, ich ignorierte es. Ich hatte gelernt unsichtbar zu sein. Unsichtbar ließ es sich besser irgendwo heimlich schlafen, ließ es sich besser Essen und Kleidung stehlen, ließ es sich besser mitten im Hauptbahnhof an dem einzigen Ausgang stehen, wo man einen guten Überblick über die Menschenmassen hatte. Seit vier Monaten und einem Tag war ich jeden Tag hierher gekommen, in der Hoffnung Newt oder Minho aus dem Ausgang treten zu sehen. Ich würde ihnen alles verziehen, Hauptsache sie würden zu mir zurückgekommen. Die Tatsache, dass über die Wintermonate der Verkehr in Richtung Süden eingestellt war, interessierte mich nicht. Meine kranke Seele sagte mir, dass sie wiederkommen würden. Und heute mussten sie wiederkommen. Die vier Monate Winterpause waren offiziell vorbei und Minho saß bestimmt im Zug. Er würde zurückkommen.
Er musste einfach.
Mein Blick huschte zu der Uhr, die über dem Eingang hing. 23: 45. Der Tag war fast vorbei, ich saß hier seit den frühen Morgenstunden. Hatte mich mit dem Bratwurst-Verkäufer und dem Obdachlosen mit seinem Frettchen unterhalten, meine Haare geflochten und wieder entflochten und immer wieder auf die Uhr und die Anzeige gestarrt. Wenn Minho seinen Abgang bereute, hätte er sofort den ersten Zug in den Norden genommen. Oder zumindest einen der Züge, die heute aus Roma ankamen, schließlich fuhren verdammt viele Menschen an diesem Tag über den Ural. Und wenn er heute nicht ankam, dann morgen. Oder übermorgen. Vielleicht waren die Züge einfach überfüllt. Vielleicht hatte er, ähnlich wie ich, kaum Geld und musste sich die Fahrkarte zusammensparen. Vielleicht musste er mehrere Etappen einlegen. Ich sollte noch etwas länger warten. Eine Woche oder zwei. Irgendwann würde er kommen.
Er musste einfach.
Der Stundenzeiger bewegte sich unaufhörlich auf die Zwölf zu und ich nickte dem Wachmann des Bahnhofs zu, der seine erste, abendliche Runde drehte. Nachdem er sicher gegangen war, dass ich keinesfalls die Ankömmlinge ausrauben wollte, ließ er mich stumm vor dem Eingang stehen und die Uhr anstarrten. Ich war keine Gefahr. Nicht mehr. Die Zeit, wo ich ohne jegliche Gewissenbisse Megan verbrannt hatte, war nur ein ferner Schatten. Sie war vorbei.
Eine Gestalt stellte sich neben mich. Dunkles Leder schimmerte im Licht der Straßenlaternen, der Duft nach Zedernholz wehte zu mir herüber und die Statur kam mir merkwürdig bekannt vor. Aber ich drehte mich nicht zu der Gestalt um. Ich musste den Eingang beobachten.
"Es sind vier Monate vorbei", sagte die Gestalt in einer warmen, sanften Stimme.
"Ich weiß", krächzte ich. Ich sprach zu wenig. Meine Stimmbänder waren etwas eingerostet.
"Thomas und Gally haben in Minska eine Bleibe gefunden. Sie wollen dich bei sich haben."
"Ich muss hier bleiben."
"Um zu warten?"
"Ja."
"Das ist idiotisch."
"Warum?"
"Weil sie nicht wiederkommen werden."
Jetzt drehte ich mich abrupt zu der Gestalt um. Ricks Gesicht zeigte keinerlei Mitgefühl. Trotzdem konnte ich erkennen, wie seine Augen innerhalb weniger Sekunden über mein Gesicht glitten. Sollte er sich seine Gedanken zu meinen fettigen Haaren, den eingefallenen Wangen und müden Augen machen. Was kümmerte es mich? Es würde alles gut werden, sobald Minho wieder da war. Und er würde wiederkommen.
Er musste einfach.
"Was willst du, Rick?", fragte ich leise.
"Dich mitnehmen. Wobei, nein, von wollen kann keine Rede sein. Ich werde dich mitnehmen. Befehl von deinem Bruder."
TomTom. Er, Gally, Fe und Brenda waren in den Norden. Sie hatten sich umsehen wollen... Mein Herz krampfte sich zusammen. Ich vermisste sie. Vier Monate allein zu sein, war schlimm. Aris hatte zwar angeboten, dass ich bei ihm wohnen konnte, aber ich wollte ihm nicht auf die Nerven gehen. Deshalb waren Minho und Newt schließlich gegangen, oder? Weil ich ihnen auf die Nerven gegangen war.
Mit einem gehörigen Donner schlug die Bahnhofsuhr Zwölf und ich zuckte zusammen. Sie waren nicht gekommen. Weder Newt noch Minho. Aber morgen war auch noch ein Tag. Und danach. Und danach. Ich musste weiter warten. Ohne es zu merken liefen mir die Tränen über die Wangen und ich begann zu zittern. Rick legte mir den Arm um die Schulter und zog mich an sich. Er konnte jedoch nichts gegen diese Tiefe Kälte tun, die sich langsam aber sicher in meinem Innern ausbreitete.


Minho (heute)
Er betrat den Pub und blinzelte ein paar Mal, um seine Augen an die dämmrigen Lichtverhältnisse zu gewöhnen. Eine Bar tauchte an der gegenüberliegenden Wand auf, Stühle und Tische im Raum verteilt, links ein Sofa. Und auf dem Sofa ein schlafender Newt.
Minho seufzte erleichtert auf und ging durch die Tische hindurch auf seinen besten Freund zu.
"Nimm ihn bloß mit", ertönte es von rechts. Ein Mann mit glänzenden Augen und Tränensäcken stand im Türrahmen und zog schniefend den Rotz hoch.
"Wie viel schuldet er Ihnen?", fragte Minho und zückte sein Portmonnaie.
"150. Ohne den zerdepperten Tisch."
"Schicken sie die Rechnung zu mir." Minho wedelte mit seiner Visitenkarten in der Luft herum und legte sich dann auf einen der Tische. Zeitgleich schnappte er sich noch ein halb volles Glas mit Wasser und schüttete es Newt ins Gesicht.
Dieser schreckte hoch, fluchte wie ein Rohrspatz und funkelte Minho wütend an. "Was zur Hölle sollte das?"
"Du wärst sonst nicht aufgewacht", sagte Minho schlicht. "Such deine Jacke und komm. Wir sollen zur Post kommen."
Newt wischte sich die feuchten Haare aus dem Gesicht und zog seine Jacke hinter der Theke hervor. "Ich hoffe du bist schön verkatert", meinte Minho und fing sich einen weiteren biestigen Blick ein.
"Nicht so sehr, wie erhofft", grunzte Newt.
Kopfschüttelnd hob Minho noch einmal die Hand in Richtung Wirt und schlug dann den Weg zur Tür ein. Newt folgte ihm knurrend und Tische umrempelnd. Draußen kniff er die Augen gegen die Frühlingssonne an und stöhnte gepeinigt auf. Ohne ein weiteres Kommentar hielt Minho ihm eine Sonnenbrille entgegen, gefolgt von einem Kaugummi und Deo. Er holte Newt nicht zum ersten Mal aus einer seiner Bars, wo er sich das Gehirn weg soff. Nach fünf Jahren mit einem Alki an der Seite, war man abgehärtet.
"Warum sollen wir zur Post?", fragte Newt nach ein paar Minuten an der Hauptstraße.
"Keine Ahnung. Liz hat den Anruf entgegen genommen."
"Wie geht es ihr und dem Kleinen?"
"Gut soweit." Die Heirat war notwendig gewesen. Ehepartner bekamen vom Staat Zuschüsse. Außerdem hatten Liz und ihr Sohn Taylor ein Dach über dem Kopf gebraucht. Minho hatte eines gehabt und so hatten sie geheiratet und waren zusammengezogen. Zu Liz' Missfallen in Newts Nähe, damit Minho ein Auge auf ihn haben konnte. Und damit sein schlechtes Gewissen beruhigt werden konnte. Doch er empfand für Liz nicht mehr als Zuneigung und Mitleid für Taylor, dessen Vater am Brand gestorben war. Newt hielt sich von den beiden fern, er wollte Minho und seine perfekte Familie nicht zur Last fallen. Innerlich schüttelte Minho den Kopf. Roma war eine gute Möglichkeit eine Familie zu gründen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Es war warm, die Leute waren nett und gut gelaunt, die Jobs gut bezahlt und die Lebenshaltungskosten relativ gering. Aber hier ging es ums Vergessen, nicht ums Verarbeiten. Niemand wollte all die traurigen und deprimierenden Geschichten aus der Vergangenheit hören. Davon gab es zu viele und jeder trug eben sein eigenes Päckchen.
Plötzlich zog Newt Minho in eine Seitengasse und stellte sich dezent in den Schatten. Er war auch das gewohnt. Nicht jeder Passant in Roma war Newt gut gesinnt. Gerade die Frauen, die er nach ein paar Tagen wieder abgeschossen hatten, wollten ihm am liebsten die blauen Augen auskratzen. Auch jetzt ging ein brünettes Mädchen an der Gasse vorbei, den Blick aufs Handy gerichtet.
"Alter, die ist doch viel zu jung für dich!", fauchte er Newt an, als dieser Minho wieder auf den Bürgersteig dirigierte.
"Ich hab nicht mit ihr geschlafen", sagte Newt nur. "Mir ging es um ihren Mund."
Minho verzog nur das Gesicht. "Schön. Ich hab vielleicht etwas mehr Geld als du, aber aus dem Knast auskaufen kann ich auch nicht."
"Ich begehe keine Straftat, Minho! Ich spreche die Mädels abends im Pub an und wenn sie wollen, dann wollen sie eben. Ich zwinge keine von ihnen!" Ein Schatten huschte über sein Gesicht. "Lass uns das Thema wechseln."
"Ach. Jetzt frage ich dich, was dich von deinen Sätzen an sie erinnert hat", konnte Minho sich nicht verkneifen.  
Newt antwortete nicht. Die Gedanken seines besten Freundes waren für Minho ein Mysterium. Nach fünf Jahren sollte er doch eigentlich über Sonya hinweg sein, oder? Er schloss kurz die Augen. Ja, Newt sollte über Sonya hinweg sein. So wie er über Cassandra hinweg sein sollte. Minho hatte im Grunde kein Recht Newt böse zu sein, er war nicht besser. Er betrank sich nur nicht jeden Abend. Ebenfalls ein Verdienst von Liz. Wenn man Frau und Kind hatte, trank man nicht. Man wollte ein Vorbild sein.
Minho drückte die Tür zum Postamt auf und legte dem Beamten hinter dem Schalter sein Anliegen vor, während Newt sich auf eine Bank niederließ, als sei er siebzig Jahre alt und leide an Rheuma. Minho bezahlte den Brief und setzte sich dann ebenfalls.
"Von wem?", fragte Newt, der den Kopf auf die Hände gestützt hatte.
"Keine Ahnung, aber das Briefpapier ist seltsam", sagte Minho und drehte das Kuvert in den Händen. "Das kommt nicht von hier."
"Hör auf Sherlock zu spielen und öffne ihn einfach", murmelte Newt. "Wird schon nichts Schlimmes sein."
Mit einem hellen Ratsch riss Minho den Brief auf und zog ein kleines Stück Papier heraus. Es war reichlich grob gearbeitet und viel dunkler, als das gebleichte Papier aus dem Süden. Ein ungutes Gefühl beschlich Minho, welches sich bestätigte, als er die Worte las.
"Und?"
Minho sah Newt an und brauchte ein paar Sekunden, um antworten zu können. "Er ist von Gally."
Mit einem Ruck schob Newt sich die Sonnenbrille hoch und starrte Minho fassungslos an. "Was?"
"Ja. Und er will, dass wir in den Norden kommen." Minho sah erneut auf das Papier herunter und die Worte begannen sich wie ein unheilvoller Strudel vor seinen Augen zu drehen.
Wir brauchen euch. G.
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