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Kann man gelesen haben, sollte man aber nicht.

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
22.03.2016
25.12.2018
36
58.533
57
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Dieses Kapitel
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22.03.2016 1.546
 
Der ein oder andere kennt mich vielleicht von meinem "Let's Read" zu "House of Night", dass ich gerne und regelmäßig irgendwann im Sommer 2013 und im Sommer 2014 schrieb. Durch das Leben, die Arbeit/Ausbildung und wenig Freizeit kann und will ich dieses "Let's Read" nicht mehr weiterschreiben. Aber schlechte Bücher lese ich (leider) hin und wieder immer noch. Also, ist es meine Pflicht als Buchliebhaber die Menschheit vor diesen intellektuellen Ausfallerscheinungen zu warnen. Legen wir auch gleich los, mit diesem seltsamen Schinken, den ich irgendwann letztes Jahr gelesen habe :)

Gefühlsgewitter || Wie man Always definitiv zum ranten bringt.

Autorin: Ally Taylor


Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll dieses Buch zu beschreiben, zu bewerten, zu zerreißen Denn gut fand ich diesen Schandfleck der Literatur garantiert nicht! Dieses Buch ist eine Zumutung, eine Geduldsprobe, ein zuverlässiges Mittel um schlechte Laune zu bekommen. Dieses Buch handelt nicht von Katie und ihrem Verlust oder der Tatsache, dass sie sich ihrer Mutter annähert oder ihren Hobbys oder Leidenschaften oder irgendwas anderem als Sex und Geilheit.

Dabei hat das erste Kapitel mir wirklich gefallen. Ally Taylors Schreibstil hat etwas sehr Bildhaftes und tragisch-schönes an sich. Anfangs jedenfalls, bis sie sich im immer gleichen Vokabular verliert, tausendmal dieselben Beschreibungen raus kramt und sich alles endlos im Kreis dreht. Passt also perfekt zu dieser absolut dämlichen, naiven, unausstehlichen, unglaublich unterbelichteten Protagonistin Katie Williams. Dieses Mädel kann nicht mal so weit denken wie eine Kuh scheißt. Auch hier hatte ich am Anfang Hoffnung. Ich dachte, doch tatsächlich, dass es in diesem Buch darum geht, wie Katie mit dem Tod ihres Vaters umgeht und sich langsam wieder ihrer Mutter annähert Haha, Pustekuchen! Nix da!
Katie jammert pausenlos über alles mögliche. Nichts ist der Dame gut genug, alles ist scheiße, alle sind scheiße, vor allem sie selbst. Das sieht sie wenigstens selbst ein. Immerhin etwas. Und schon nach wenigen Seiten passiert ES: Sie trifft ihren Traumtypen, ihren Adonis, ihren Prinzen. Den Typen, bei dem sie augenblicklich ein feuchtes Höschen bekommt und die sonst so unschuldige und natürlich jungfräuliche Katie plötzlich ihre innere Göttin regieren lässt und einen feuchten Traum nach dem Anderen von ihrem Prachtkerl Dillen hat.

Ich übertreibe hier wirklich nicht, wenn ich erzähle, dass sie ihn anrempelt, er sie auffängt und sie daraufhin unzählige Träume von ihm und seinen Händen und anderen Körperteilen hat. Zu allem Überfluss hat unsere Liebe Katie einen heißen, anbetungswürdigen, kaum älteren Stiefbruder, den sie mag. Also sie mag ihn so rein freundschaftlich. Warum? Keine Ahnung, weil er halt nett ist. Das ist jedenfalls alles was man von Andrew mitkriegt. Tiefe oder auch nur banale Eigenschaften einer Persönlichkeit ist viel zu viel verlangt und wird absolut vergeblich gesucht.

Jedenfalls, sehen Dillen und Katie sich hin und wieder zufällig und wechseln niemals mehr als zwei oder drei Worte in dieser Zeit. Wir bemerken also, das hier ist die ganz große Liebe. Im Laufe der Zeit gesellen sich noch ein Klassenkamerad (Josh) und Dillen’s bester Kumpel (Greg) zu Katies Fanclub. Die Dame hat also vier heiße Kerle, die ihr wie sabbernde reudige Köter nachrennen und ihr ans Höschen wollen. Reife Leistung für eine Woche Anwesenheit, Schätzchen!

Zwischen diesen absolut ermüdenden und langatmigen Fantasien, meist von Dillen, einmal von Andrew, dürfen wir noch miterleben wie respektlos Katie mit ihrer Mutter umgeht und sie sogar schlägt. Ich kann ja verstehen, dass sie genervt und wütend ist, weil ihre Mutter sie relativ früh verlassen hat. Aber, seine eigene Mutter zu schlagen? Tut mir leid, aber was für eine undankbare, verzogene Drecksgöre muss man bitte sein um sowas zu tun?

Es geht in dem selbem Affenzahn weiter, Träume über Träume, Gejammer über Gejammer. Es kommt allerdings einfach nichts an. Man liest von ihrem Verlust, und das sie sogar an Selbstmord denkt, aber es lässt einen einfach kalt, weil es keine Möglichkeit gibt sich mit dem Charakter zu identifizieren. Das Mädel wird auf ihre Geilheit für einen Kerl beschränkt. Ihre Gefühle und Gedanken zu anderen Themen gehen völlig unter in einem nicht enden wollendem Kapitel, in dem Katie selbst Hand anlegt, während sie sich Mr. Perfect vorstellt.

Irgendwo im Mittelteil des Buches ist Katie dann auf einer Party von Greg eingeladen. Und hier haben wir das beliebte Klischee der „Dummen Bitch“ die sich an den Prachtkerl ranmacht. Haben eigentlich fast alle Autorinnen von solchen New Adult Büchern das Lied „Diskoschlampe“ von Akustikrausch in Dauerschleife gehört, als sie über ihre Randfiguren nachgedacht haben? „Sie ist so billig man, sie lässt einfach jeden ran. Und bist du willig, dann stell’ dich bitte hinten an. Kein Grund zur Panik, ey, es ist genug für jeden da. Zieh’ brav ’ne Nummer, hey, dann macht sie auch für dich was klar.“ Diese Textzeilen passen natürlich auch in diesem Buch wieder Wort für Wort perfekt auf die böse, böse Zicke der Schule. Dillen und Schulbitch #1 machen rum und Katie besäuft sich bis zur Besinnungslosigkeit. Alter, finde den Fehler! Wie kann man seinem Hauptcharakter (wo man nun wirklich die Wahl hat) so wenig Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit andichten, dass man sich volllaufen lässt, weil der Typ, den man seit einer Woche kennt, mit irgendeiner dahergelaufenen Frau den Speichel austauscht?

Natürlich stellt sich Dillen doch als Gentleman heraus. Er findet Schnapsleiche Katie, steckt ihr den Finger in den Hals und bringt sie nach Hause, lässt seinen Pullover bei ihr liegen und schon folgt eine Szene nach der Anderen, in der Katie an dem Pullover riecht und ihn anzieht. Das ist an sich auch überhaupt nicht schlimm. Aber diese Passagen hätte man durchaus abkürzen können. Ich muss nicht vier Seiten darüber lesen, nach welcher Duftnuance der Botanik Dillen riecht.

Wenn ihr denkt, das war bisher schlimm, dann wartet! Jetzt kommt die zweite, noch dümmere Hälfte. Dillen möchte seinen Pullover wiederhaben. Verständlich, wie ich finde. Aus heiterem Himmel küssen die Beiden sich und Dillen sagt dass er auch auf Katie steht. Wo das herkommt? Ja, keine Ahnung! Es gab in der gesamten ersten Hälfte nicht ein einziges Anzeichen, dass er auf Katie stehen könnte. Auf Katie und ihr ständiges Gejammer, dass ihre Brüste zu klein sind. Aber er tut es! Es wird geknutscht, er sagt es sei ein Fehler gewesen. Das hatten wir ja noch nie, dass Mr. Perfect der Meinung ist, dass er nicht mit der Tuse zusammen sein darf. Wo sind die Kerle hin die sich für eine Frau interessieren, es zeigen und dann nicht mit irgendeiner lächerlichen Ausrede kommen? Er tut ja so als wäre er ein gesuchter Massenmörder oder irgendein böses Wesen, das immer am dritten des Monats von einem Geist besessen ist oder anderer abgedrehter Blödsinn. Lieber Dillen, nur weil du ab und zu mal einen Wutanfall hast und deinen Vater zu Brei schlägst, heißt das nicht, dass du dein Leben lang eine Frau nach der Anderen ins Bett ziehen musst, Schätzele!

Jedenfalls, jammert Katie dann wieder den ganzen Tag. Abends steht Dillen plötzlich bei ihr Zuhause. Die Beiden knutschen, Katie bettelt – JA, SIE BETTELT – um ihre Entjungferung. Er sagt nein. Weil, Bootshäuschen ist kein guter Ort. Am nächsten Tag markiert Dillen dann sein Revier. Dieses Verhalten … ne, da hätte echt nur gefehlt dass er das Bein hebt und die Alte anpinkelt. Sowas lächerliches, weil sie mit einem Kerl redet. Gut, Josh stand auf sie. Aber, sie hat da auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Einen oder zwei Tage später taucht Dillen dann wieder unangekündigt auf Katies Dach auf (ihr Rückzugsort) und es wird feuchtfröhlich die Entjungferung vollzogen. Zum Glück wurden vorher Fragen wie „Was ist deine Lieblingsfarbe?“ und „Was ist dein Lieblingslied?“ eingebaut. Katie durfte auch Dillens Shirt mit ihren Tränen dekorieren, bevor es zur Sache ging. Denn sonst, wäre es ja keine wahre Liebe, wie behauptet wird. Sonst käme der Leser ja auf die Idee das man hier von einer absolut weltfremden und strunzendämlichen Protagonistin liest, der man es richtig wünscht, dass sie knallhart auf die Schnauze fällt.

Nach der Nacht aller Nächte erhält Dillen einen Anruf. Er verpieselt sich, Andrew (ach ja, den gab es ja auch noch!) kommt besoffen nach Hause und schlabbert seine Stiefschwester ab, weil er nach einer Woche unsterblich in sie verliebt ist. Ich konnte beim besten Willen nicht verstehen, was alle an Katie so toll finden. Sie redet mit fast niemandem auf dieser Schule, bleibt für sich selbst und badet nur im Selbstmitleid. Was ist da so interessant?

Ein Klischee jagt das Nächste. Es kommt der saufende und belästigende Vater, die Prügelei zwischen Sohn und Vater, dann die Tatsache dass nur Sie ihren Macker davon abhalten kann, dass er seinen Papa zu Tode prügelt. Falsche Anschuldigungen, sinnloser Streit, dämliches Geplapper, in Lichtgeschwindigkeit überwundener Liebeskummer, Eifersuchtsszenen und schon ist das Ende da. Endlich!

Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, was an „Make it Count: Gefühlsgewitter“ auch nur ansatzweise toll oder interessant sein soll. Es ist eine völlig unlogische und undurchdachte Liebesgeschichte, die auf nichts weiter beruht, als der Tatsache, dass die Protagonistin geil auf Dillen ist. Nennt mich derb oder vulgär, aber genau darum geht es. In diesem Buch geht es um Sex. Sex und wie es als Liebe verkauft wird. Als große Liebe, die einzige Liebe verkauft wird. Garniert mit überflüssigen Nebenhandlungen und klischeehaften Randcharakteren ergibt es eines der schlechtesten Bücher, die es jemals in mein Bücherregal geschafft haben.
 
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