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We all have stories we won't ever tell - Johanna Mason

von FireTree
GeschichteAbenteuer, Angst / P16 / Gen
Blight Coriolanus Snow Johanna Mason OC (Own Character)
22.03.2016
10.04.2021
17
22.502
2
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
22.03.2016 1.350
 
Anmerkung: Die Ideen, Orte und Charaktere der "Tribute von Panem" gehören Suzanne Collins und nicht mir. Diese Fanfiction lehnt sich an ihre Buchvorlage an. Sie stellt meine Interpretation der Geschehnisse und Personen dar, kann also vom Original abweichen und eigene Ergänzungen (eigene Orte und Charaktere) enthalten. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen.

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Als ich das Fenster öffne, strömt die kühle Morgenluft herein. Sie trägt den Geruch nach Nadeln, nach Moos und nach Wald in mein Zimmer, der in unserem ganzen Distrikt herrscht. Während ich von meinem Fenster aus in die Morgendämmerung schaue, sehne ich mich nach dem Wald, mit seinen hohen Nadelbäumen und der Sommerluft. Jede freie Minute verbringe ich dort. Gerne würde ich jetzt auf einem hohen Baum sitzen und dort auf den Tagesanbruch warten. Die Ruhe vor dem Grauen genießen, vor der Ernte. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, denn seit meines Albtraums liege ich nun wach. Mein Zimmer engt mich immer mehr ein. Dagegen hilft auch das Fenster nicht. Im Gegenteil, es verstärkt nur die Sehnsucht hier herauszukommen und für mich alleine zu sein.

Schließlich halte ich es nicht länger aus. Ich schließe das Fenster und schleiche leise aus meinem Zimmer in den langen Flur. An den grünen Wänden sehe ich meinen Schatten, der von einem kleinen Nachtlicht erzeugt wird. Ich bin relativ groß und ähnele auch sonst ziemlich meinem Vater. Wie er habe ich dunkelbraune Haare und Augen. Als ich an dem Zimmer meiner kleinen Schwester vorbeikomme, halte ich kurz inne und lausche, doch ich höre nur das ferne Rauschen der Bäume. Anders als ich kann sie hoffentlich schlafen. Sie ist erst dreizehn und somit drei Jahre jünger als ich.
„Jodee und Johanna“, flüstere ich und schüttele empört den Kopf. Unsere ähnlichen Namen stören mich schon ewig. Wenigstens mein großer Bruder Danyel heißt anders, aber er ist fast nie zu Hause, weil er mit seinen 19 Jahren schon einer der Fabriken am anderen Ende des Distrikts arbeiten muss. Früher haben wir viel Zeit zusammen verbracht aber das ist nun nicht mehr möglich. Wir brauchen das Geld. Auch meine große Schwester Jessica wohnt mit ihren 17 Jahren noch zuhause, aber die Tür zu ihrem Zimmer würdige ich keines Blickes. Verstritten sind wir nicht, aber besonders gerne, mochte ich sie noch nie. Und das beruht auf Gegenseitigkeit.

Am Ende des Flurs angekommen, ziehe ich meine Stiefel und meine dünne dunkelgrüne Jacke an. Mit ihr bin ich in den dunklen Nadelbäumen gut getarnt, wenn überhaupt jemand das Waldstück betritt in dem ich mich aufhalte, was eigentlich nie passiert. Wieso auch? Die Menschen arbeiten oder kümmern sich um ihre Familien. Die Kinder gehen zur Schule oder helfen bei der Arbeit. Und heute dürfen sie lange schlafen, aber ich kann nie schlafen am Tag vor dem Beginn der Hungerspiele.

Dann trete ich vor unsere Tür und schließe sie so leise wie möglich. Meine Eltern hätten es nicht gerne, dass ich mich so früh aus dem Haus schleiche. Ich sehe mich um. An einem normalen Arbeitstag sind die Straßen unserer kleinen Stadt in ein paar Stunden schon voller Menschen. Vor allem Arbeiter, die in brauner Arbeitskleidung und mit unterschiedlichen Werkzeugen ausgestattet auf den Weg in den Wald meine gewohnten Pfade kreuzen. Die meisten von ihnen tragen eine Axt über der Schulter. Das sind jene, die Tag für Tag in den Wald gehen um Bäume zu fällen. Holzfäller. Wie mein Vater auch. Er ist sehr zäh und arbeitet hart für seine Familie, aber er kann sehr streng sein. Wenn ich mich rauschleiche zum Beispiel, doch das ist mir egal. Was will er schon dagegen unternehmen?

Ich wende mich nach links. In der Ferne kann ich den noch unangetasteten Nadelwald sehen. Dahinter geht bereits die Sonne auf. Mein Lieblingsort im ganzen Distrikt. Dort klettere ich auf die hohen Bäume oder übe meine Axt zu werfen. Mit einer Axt kann hier fast jeder umgehen. Klar, denn Distrikt 7 produziert Holz und macht daraus Papier oder verarbeitet es weiter. Manchmal, wenn ich lange genug im Wald war, gehe ich auch gerne den Weg, der nun hinter mir liegt. Er führt in das Zentrum des Distrikts. Auch der große Platz vor dem Gerichtsgebäude befindet sich im nahe der vielen Läden im Zentrum. Dort werden sich heute alle versammeln, aber daran will ich noch nicht denken.

Entschlossen entferne ich mich von unserem Holzhaus. Es unterscheidet sich fast nicht von den anderen Häusern unseres Distrikts: Furchtbar Eng und aus einfachem Holz. Dabei komme ich dem Wald immer näher. Wird auch langsam Zeit. Während ich laufe, denke ich über unser Land nach, das Panem heißt und von Präsident Snow aus einer Stadt regiert wird, die sie das Kapitol nennen.

Endlich betrete ich den mit Nadeln, Moos und Zapfen übersäten Boden. Ich laufe auf einen besonders großen Baum zu, den ich immer wiedererkenne, denn seine Äste beginnen relativ weit am Boden. Für manch ein anderes sechzehnjähriges Mädchen wäre selbst dieser Baum schwer zu erklimmen. Aber zum Glück haben mir die vielen Tage im Wald mit meinem großen Bruder, als wir jünger waren, zu einem einigermaßen trainierten Körper verholfen. Ihm verdanke ich auch, dass ich heute klettern und eine Axt werfen kann. Ganz anders als Jessica und ich haben wir uns immer gut verstanden und uns gegenseitig unterstützt. Schnell klettere ich nach oben. Die Äste sind so dünn, dass sie mich gerade noch halten. Ich greife nach oben und löse den Knoten, der meine Axt am Baum fixiert. Ein besseres Versteck gibt es nicht, denn außerhalb der Arbeit mit Waffen umzugehen ist strengstens verboten. Auch ich bin vom Boden aus sicherlich nicht zu erkennen. Wenn mein Bruder jetzt wie früher rufen würde: „Johanna! Wo bist du?“, würde ich wie so oft grinsen und erst einige Augenblicke später antworten: „Danyel! Hier oben!“

Zu dieser Zeit haben wir noch sorgenlos im Wald gespielt, denn keiner von uns war alt genug um bei den grausamen Hungerspielen ausgelost zu werden. Die Regeln sind einfach: Aus jedem Distrikt wird ein Mädchen und ein Junge ausgelost. Diese werden in eine große Freilichtarena gesperrt, um einander bis zum Tod zu bekämpfen. Nur einer darf lebend herauskommen: der Sieger. Und heute ist dieser eine Tag im Jahr, vor dem ich jedes Mal nicht schlafen kann. Der Tag an dem alle Kinder zwischen zwölf und achtzehn Jahren auf dem großen Platz vor dem Gerichtsgebäude zusammenkommen, damit ausgelost werden kann, wer dieses Jahr in die Hungerspiele gehen muss. Bei diesem Gedanken bildet sich ein Kloß in meinem Hals und ich versuche mich von den Gedanken an die kommenden Stunden abzulenken.

Ich klettere zum Boden und schmettere meine Axt in Richtung eines etwas weiter entfernten Baumes. Die Klinge bleibt in der dicken Rinde stecken. Während ich weiterhin auf die umliegenden Bäume werfe, steigt die Sonne immer höher. Schon viel zu schnell ist es Zeit nach Hause zu gehen und angemessene Sachen für die Ernte anzuziehen. Ein eindeutig zu trauriger Anlass um seine schönsten Sachen zu tragen, finde ich. Am liebsten würde ich bleiben wo ich bin. Einfach im Wald warten bis alles vorbei ist, doch das geht nicht. Die Anwesenheit ist für jeden Pflicht, der nicht im Sterben liegt und die Friedenswächter aus dem Kapitol kontrollieren jedes Haus. Vielleicht würden sie mich im Wald nicht finden, aber ich kann nicht nur an mich denken, denn meine Familie braucht mich.

Also gebe ich mir einen Ruck und klettere wieder auf den großen Baum, den ich schon vor ein paar Stunden zum ersten Mal hinaufgeklettert bin. Oben angekommen binde meine Axt wieder an ihrem gewohnten Platz fest. Halb klettere, halb springe ich vom Baum, verlasse nur widerwillig den Wald und mache mich auf den Weg nach Hause. Ich habe jedoch wirklich kuzzeitig daran gedacht, im Wald versteckt zu bleiben. Es muss mittlerweile früher Mittag geworden sein, doch wirkliches Zeitgefühl habe ich im Wald verloren. Es könnte sein, dass ich wieder einmal zu spät bin. Die Ernte beginnt erst um halb zwölf, aber die meisten Leute liegen sowieso schon wach. Nicht jeder reagiert gleich so panisch wie ich und alleine in den Wald traut sich sowieso niemand, vor allem wegen des Verbots. Doch die meisten machen sich Sorgen: die Kinder und ihre Eltern
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