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Perfection has no place in love

von penitence
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Lady Lucille Sharpe OC (Own Character) Sir Thomas Sharpe
21.03.2016
30.03.2016
3
3.791
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21.03.2016 1.050
 
‘‘Imagination is the only weapon in the war against reality.‘‘
                               
                            Alice in Wonderland




,,Sarah, hast du wieder die Zeit vergessen?‘‘, fragte die ältere Bibliothekarin und lächelte gutmütig, als sie bemerkte, dass die junge Frau mal wieder vollkommen in ihre Lektüre vertieft war und die Welt um sich herum, nicht mehr wahrnahm. ,,Sarah? Liebes‘‘, versuchte sie es noch einmal und berührte dabei sanft ihre schmale Schulter. Diese, wenn auch leichte Berührung, ließ sie vor Schreck zusammenfahren. Sarah blickte auf, doch als sie erkannte, wer da vor ihr stand, beruhigte sich ihr Pulsschlag und ein kleines verlegendes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Der Blick der älteren Frau wanderte zum Einband des Buches, das in Sarahs zierlicher Hand ruhte. ,,Wie ich sehe, liest du wieder eines deiner Schauermärchen‘‘, sagte sie augenzwinkernd, beugte sich hinunter und hauchte ihr einen leichten Kuss auf die Wange. Sarah reagierte prompt, streckte neckisch die Zunge heraus, hielt das Buch gegen ihre Brust gepresst und sagte dann, mit spielerischer Theatralik: ,,Welch Bürde auf meinen Schultern lastet, mit einer Mutter gestraft zu sein, die keinen Sinn für literarische Meisterwerke hat.‘‘ ,,Ach, sei bloß still!‘‘, erwiderte die Angeklagte kichernd. Sie strich ihr langes dunkles Haar zurück, glättete den Stoff ihres kurzen Rocks und fragte dann, ein wenig verunsichert: ,,Kann ich so gehen? Ist es nicht übertrieben?‘‘
 
Abigail Miller war eine hübsche hochgewachsene Frau mit olivfarbenem Teint und wunderschönen grünen Augen, die das, selbst in der heutigen Zeit, weit verbreitete Klischee, einer alten unattraktiven Bibliothekarin nicht im geringsten erfüllte. Während Sarah selbst eine ihrer roten Locken, die sich aus einer der Haarnadel gelöst hatte, hinters Ohr strich, wurde ihr wieder einmal bewusst, wie verschieden sie waren. Das Abigail nicht ihre leibliche Mutter war, war seit je her eine Tatsache, die sie nicht mit Traurigkeit, sondern mit Freude und der Gewissheit erfüllte, wirklich geliebt zu werden.
Abigail war ihr näher, als es jeder ihrer Verwandten, jemals gewesen war.

,,Du siehst wunderbar aus und jetzt geh endlich, ich kümmere mich um den Rest.‘‘ ,,Vielen lieben Dank, mein Schatz‘‘, erwiderte Abigail freudestrahlend, umarmte sie zum Abschied und verschwand dann mit beschwingten Schritten, zwischen den Bücherregalen.

Jetzt, da Sarah wieder allein war, genoss sie die beruhigende Stille, die sie über alles liebte und stets in der Bibliothek herrschte. Manchmal, wenn sie durch diesen wundersamen Irrgarten schritt, erschien es ihr, als könne sie die zahlreichen Bücher, in den Regalen, flüstern hören. Sie wisperten ihren Namen; erzählten ihre Geschichten; luden sie ein, den Alltag zu vergessen und nur noch zu träumen.

Dieser Versuchung, erlag Sarah, beinahe bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Sie war auch jetzt dazu geneigt, das Buch das sie noch immer in der Hand hielt, weiter zu lesen. Aber es gab noch einiges zu erledigen und sie wusste, sobald sie die Seite wieder aufschlug, würde sie sich abermals in der fesselnden Geschichte verlieren und womöglich erst am nächsten Morgen davon lösen können. Also stellte sie den Einband, schweren Herzens, zurück an seinen rechtmäßigen Platz und machte sich auf, die restlichen Aufgaben zu bewältigen.

Als die Uhr schließlich Mitternacht schlug, war Sarah endlich mit allem fertig geworden. Bereit zum Aufbruch, war sie gerade dabei das Licht zu löschen, als ihr ein Buch ins Auge fiel, an das sie sich bei bestem Willen nicht erinnern konnte. Es lag einsam und verlassen, mitten auf dem Boden, im hinteren Bereich der Bibliothek. Sarah näherte sich dem Fundstück, doch als sie es aufheben wollte, erschrak sie so sehr, dass es ihr sogleich wieder aus der Hand glitt. Sie war sich nicht sicher, ob ihre Sinne ihr einen Streich spielten, aber sie hätte schwören können, dass sich der Einband warm angefühlt hatte, beinahe so als hätte ihn zuvor irgendjemand eine längere Zeit in der Hand gehalten. Sie blickte sich verstohlen um, bevor sie sich abermals hinabbeugte und das Buch schließlich aufhob. Nein, der Buchrücken war warm, daran gab es keinen Zweifel. ,,Ist hier jemand?‘‘, rief sie in den Raum hinein, doch erhielt keine Antwort; um sie herum herrschte weiterhin vollkommene Stille.

Sie begutachtete den Einband, betrachtete die wunderschönen Verzierungen und staunte über den allgemeinen hervorragenden Zustand, der augenscheinlichen Erstausgabe, die in ihrer Schönheit aus dem restlichen Bestand herausstach. Sarah schlug die erste Seite auf und las flüsternd, den Titel des Buches.

,,Crimson Peak‘‘

Obwohl sie beinahe jedes Buch in der Bibliothek, in Form, Größe und Anzahl kannte, konnte sie sich nicht entsinnen, das ihr jemals dieses besondere Exemplar aufgefallen war. Ihr einziger weiterer Anhaltspunkt war nun dessen Inhalt. Vielleicht würde dieser ein wenig aufschlussreicher sein. Doch auch nach einem kurzen Überfliegen der ersten Seiten, fand sie keine zufrieden stellende Antwort auf ihre zahlreichen Fragen. Das Buch, dessen Entdeckung; All das war und blieb ein Rätsel. Ihre Frustration wuchs und mit ihr, ihre Erschöpfung. Also entschloss sie sich dazu, am nächsten morgen, Abigail von ihrer Entdeckung zu berichten und das Buch vorerst zurück an seinem vorgesehenen Platz zu bringen, um nicht der Versuchung zu erliegen, es mit nach Hause zu nehmen und dort bis in die späten Abendstunden zu erforschen.

Bereits wenige Schritte entfernt, in einem der oberen Regale, erblickte Sarah eine vielsagende Lücke. Sie seufzte resigniert, denn sie würde die Leiter benötigen und auch wenn ihr der Gedanke nicht gefiel, nahm sie all ihren Mut zusammen und erklomm die ersten wackeligen Stufen. Sarah war keine überaus ängstliche Frau, doch ihre Höhenangst war eine Last, die sie seit ihrer Kindheit, wie eine schlechte Angewohnheit begleitet hatte. Endlich, auf der letzten obersten Stufe angekommen, erkannte sie zu ihrem Bedauern, dass sie das Regal nicht vollends erreichen konnte. Dort oben, zitternd in der Höhe stehend, holte sie tief Luft. Sie würde jetzt nicht aufgeben, sie war bereits so weit gekommen. Sie stellte sich auf ihre Zehenspitzen, streckte ihre zittrige Hand aus, doch gerade in jenem Moment, in dem das Buch beinahe im Regal platziert war, verlor sie das Gleichgewicht. Sie stieß einen Schrei des Entsetzens aus, als sie in ihrer Panik nach dem erst besten griff, dass sich in ihrer Nähe befand, doch ihre schweißnassen Finger fanden keinen Halt. Sie und das Buch stürzten in die Tiefe und kamen ohne Gnade, auf dem harten Boden auf. Der Aufprall raubte ihr den Atem.

Ihre Kehle war wie zugeschnürt, das Blut rauschte in ihren Ohren und dann, wurde Alles schwarz...
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