Mit Sicherheit

von Tatjana
OneshotRomanze / P12 Slash
Cia Linkle
21.03.2016
21.03.2016
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Hallo an alle!
Hier ein kleiner One-Shot für den Wettbewerb zu „Hyrule Warriors Legends“, der euch hoffentlich Freude bereiten wird. Ich bedanke mich vielmals fürs Lesen!
Liebe Grüße,
Tatjana

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Es beginnt mit einem Hühnergackern.

Du fährst erschrocken von deinem Mittagsschlaf hoch, deine Hände umschließen automatisch die Doppel-Armbrust, die neben dir auf dem Nachttisch liegt. Eilig erhebst du dich, streichst deine Kleidung glatt und atmest tief durch.

Ein weiteres Gackern erklingt und lässt dich zusammenzucken. Jederzeit bereit, abzudrücken, schleichst du zu einem Fenster neben der Eingangstür und blickst hinaus. Vor der Tür deiner Hühnerfarm steht jemand, den du nicht genau erkennen kannst, doch deine Augen erhaschen violetten Stoff.

Du schluckst, legst deine Armbrust auf den Esszimmertisch und öffnest die Tür.

Vor dir steht eine junge Frau in knapper Kleidung, die ihre großen Brüste betont, das Gesicht der Frau wird von einer vogelartigen Maske verdeckt. Du schluckst nochmals, dann fragst du:

„Wer seid Ihr?“

„Mein Name ist Cia“, antwortet die Frau. Ihre Stimme ist ungewöhnlich tief, doch angenehm. „Bist du Linkle?“ Du nickst und ein Lächeln umspielt die Lippen der Fremden.

„Nach dir habe ich gesucht!“, ruft Cia aus. „Bist du die Schwester von Link, dem Soldaten?“ Du bist dir nicht ganz sicher, ob die Wahrheit nicht lieber verschlossen bleiben soll, ob dieser Frau überhaupt zu trauen ist, doch schließlich bestätigst du Cias Frage mit einem Nicken.

„Allerdings“, bemerkst du, „arbeitet Link im Hyrule-Schloss, nicht hier.“ Nur mit Mühe kannst du den Neid aus deiner Stimme halten, zu gerne wärest du jetzt an Links Stelle, Abenteuer erlebend, statt sich Tag um Tag um eine Hühnerfarm zu kümmern.

„Das ist mir bewusst“, antwortet Cia. „Doch ich habe nach dir gesucht.“ Wieder lächelt sie auf eine Weise, die dir nicht gefällt, dich aber dennoch fasziniert. Wer mag diese Frau nur sein?, fragst du dich.

„Was wollt Ihr von mir?“ Du klingst schärfer als beabsichtigt, doch das scheint die Fremde nicht zu kümmern. In einer fließenden Bewegung rückt sie ihre Maske zurecht, zupft am Saum ihres Rockes und deutet dann mit einem Finger auf dich.

„Informationen“, antwortet Cia kühl. „Du musst wissen, ich bin sehr an deinem Bruder interessiert – und da dachte ich, dass du als seine Schwester sicher am meisten von ihm weißt.“ Kaum sind die Worte ausgesprochen, überkommt dich ein seltsamer Schwindel, als hätte dich eine fremde Magie berührt. Du fühlst dich auf einmal sehr redselig.

Dir ist diese Frau nicht geheuer, doch trotzdem nickst du und deutest ins Wohninnere. „Wollt Ihr vielleicht einen Tee mit mir trinken, bei dem wir uns austauschen können?“ Cia nickt und überquert die Schwelle deines Heims. Unwillkürlich erinnerst du dich an eine Warnung deiner Eltern: Nie jemanden leichtfertig ins Haus einzuladen, weil derjenige böse Absichten haben könnte.

Ärgerlich schüttelst du den Gedanken ab und schreitest in die Küche. Aus dem Augenwinkel erkennst du, dass Cia es sich auf einem Stuhl am Esszimmertisch bequem macht und, dem Winkel ihres Kopfes zu schließen, deine Doppel-Armbrust betrachtet.

In der Küche erwärmst du den Wasserkocher und füllst das Wasser in zwei Teetassen. Erst, als du beide Tassen ergreifen willst, fällt dir auf, dass du vergessen hast, Teebeutel in sie zu füllen. Beschämt holst du dieses Versäumnis nach und marschierst wieder zu Cia ins Esszimmer. Du stellst eine Tasse vor ihr ab, nimmst die andere an dich und verstaust die Doppel-Armbrust unter dem Tisch.

„Wozu braucht eine Hühnerfarmerin solch eine Waffe?“, kommt dann auch schon die überfällige Frage.

„Nicht nur Füchse sind an Hühnern interessiert“, erklärst du nach kurzem Zögern. „Ich benutze die Doppel-Armbrust hauptsächlich, um Diebe und Mörder zu vertreiben.“ Die Armbrust war ein Geschenk Links, bevor er seine Ausbildung als Soldat antrat, weshalb sie dir mehr als alles andere am Herzen liegt. Fast ist es so, als wäre er selbst bei dir.

„Ich verstehe“, meint Cia und legt eine Hand ans Kinn. „Ein so schönes Mädchen ist sicher sehr begehrt bei den Männern, nicht wahr?“

„Ihr seid sicher hundertmal begehrter als ich“, sagst du und deutest mit einem Nicken zu den ausladenden Brüsten Cias. Die Fremde winkt ab und lacht. „Mag sein. Doch lass uns zum eigentlichen Gesprächsthema kommen: Link.“

„Was wollt Ihr wissen?“, fragst du halb herausfordernd, halb neugierig.

„Alles. Seine Gewohnheiten, seine Stärken und seine Schwächen.“ Wieder dieses Lächeln. „Falls er Schwächen besitzt, heißt das.“

„Er redet nicht besonders viel“, plauderst du drauflos. „Ein schweigsamer Zeitgenosse, der lieber anpackt, als zu warten. Manchmal sehr ungeduldig und äußerst mutig. Seinen Schal trägt er selbst im Sommer.“ Weil ich ihn verschenkt habe, vervollständigst du den Satz in Gedanken. Wenn es etwas gibt, worauf du stolz bist, dann ist es der Schal, den du für deinen Bruder gestrickt hast. Über einen Monat dauerte es, bis er fertig war, doch das Gefühl, ihn komplettiert zu haben, hat alle Mühen wettgemacht.

Cia nippt an ihrem Tee. „Lecker“, lautet ihr Fazit. „Ich danke dir.“ Sie erhebt sich, überrascht folgst du der Bewegung.

„Ihr geht schon?“, rufst du deutlich enttäuscht aus. „Bleibt doch noch ein wenig hier.“ Du weißt selbst nicht, warum, aber du möchtest Cia auf keinen Fall jetzt schon gehen lassen. Du redest dir ein, dass sie nur deshalb bleiben soll, damit du herausfindest, warum sie so in Link vernarrt zu sein scheint, doch in Wirklichkeit fasziniert dich diese Frau auf ihre ganz eigene Art, die du nicht genau benennen kannst.

„Wenn du meinst“, erwidert Cia schulterzuckend, setzt sich wieder hin und greift nach ihrem Tee, den sie daraufhin schlürft. Du atmest erleichtert aus und fragst: „Wieso wollt Ihr so viel über Link wissen?“ Das Lächeln auf dem Gesicht Cias vertieft sich.

„Persönliche Gründe“, lautet ihre Antwort. „Gründe, von denen ich im Beisein von Fremden ungern sprechen will.“ Dir behagt das nicht, doch du schweigst und trinkst deinen eigenen Tee mit wundervollem Erdbeeraroma. Das Schweigen breitet sich aus wie ein Wasserring, nachdem ein Stein in ihn geworfen wurde, doch die Stille ist angenehm und deshalb unterbrichst du sie nicht. Stattdessen beobachtest du Cia. Gerade führt sie wieder ihre Tasse zum Mund, nimmt einen kleinen Schluck, wartet und trinkt die Tasse dann vollständig aus.

„Wollt Ihr noch mehr?“, fragst du hoffnungsvoll, doch zu deiner Enttäuschung schüttelt Cia den Kopf. „Doch ich werde wiederkommen“, sagt sie. „Mit Sicherheit.“

---

Cia hält ihre Versprechen, lernst du bereits nach einer Woche. Gerade bist du damit beschäftigt, den Hühnerstall auszumisten, als du eines der Hühner gackern hörst, genau wie bei der ersten Begegnung mit Cia. Tatsächlich ist es sie, die vor der Haustür auf Einlass wartet. Ihr Aussehen hat sich nicht verändert; immer noch trägt sie die knappe, violette Kleidung und die Vogelmaske, die ihr Gesicht verbirgt. Während der letzten Woche hast du dich schon öfters gefragt, aus welchem Grund sie das tun könnte, bist aber auf keine Antwort gestoßen.

Deshalb fragst du sie nun direkt: „Warum tragt Ihr eine Maske?“ Die Maske ist genauso faszinierend wie die Frau selbst, auch wenn du das niemals zugeben würdest. Von Cia erhältst du nur ein geheimnisvolles Lächeln, das du inzwischen immer vor dir siehst, wenn du an sie denkst. Du denkst in letzter Zeit oft an sie.

„Warum trägst du Zöpfe?“, kommt die Gegenfrage. „Weil sie zu dir gehören, auf die gleiche Weise, in der meine Maske zu mir gehört.“ Mit dieser Antwort gibst du dich vorerst zufrieden und bittest Cia mit einer Handbewegung in dein Haus. Sie folgt der Aufforderung und setzt sich auf denselben Stuhl, auf den sie sich schon bei ihrem letzten Besuch setzte.

„Tee?“, fragt sie. Du nickst, bereitest die Tassen vor und setzt sich ihr gegenüber.

„Welche Fragen habt Ihr dieses Mal?“, erkundigst du dich.

„Fragen über dich“, antwortet Cia und nimmt einen Schluck aus ihrer Tasse. „Wie geht es mit der Hühnerfarm voran? Macht dich die Arbeit glücklich?“ Damit hat sie, ohne es zu wollen, deinen wunden Punkt getroffen. Wie gerne würdest du mit einem enthusiastischen „Ja!“ antworten, wie gerne würdest du begeistert über die ererbte Hühnerfarm reden, doch du schaffst es nicht, dich zu dieser Lüge durchzuringen.

„Nein“, sagst du deshalb und bekommst sofort ein schlechtes Gewissen. Deine Eltern würden sich für dich schämen. „Bitte lacht mich nicht aus“, fährst du fort. „Aber ich dachte schon immer, dass ich zu Größerem bestimmt bin, versteht Ihr? Wie eine Heldin aus alter Zeit.“ Du wirst rot, doch Cia lacht dich nicht aus, tatsächlich bildet ihr Mund eine schmale, ernste Linie.

„So ergeht es mir auch“, verrät sie dir. „Ich bin eine Wächterin, doch ich möchte nicht nur bewachen. Ich will besitzen.“ Du hebst eine Augenbraue.

„Besitzen? Was denn?“

Cia zögert sichtlich, doch schließlich murmelt sie: „Einen Mann.“ Ihr Ton macht deutlich, dass du nicht weiter nachfragen sollst, also tust du es auch nicht, obwohl deine Seele vor Neugier brennt. Du willst auch besitzen, wird dir klar. Keinen Mann und keine Frau, sondern das Abenteuer selbst.

„Ich kann Euch verstehen“, seufzt du. „Etwas haben zu wollen, es aber niemals besitzen zu können, ist fürchterlich.“ Du trinkst einen Schluck und stellst die Tasse geräuschvoll wieder auf den Tisch. Cia tut es dir nach, stellt ihre Tasse aber leiser ab.

„Wie ich sehe, sind wir uns in diesem Punkt ähnlich“, stellt sie fest. Du errötest. Eine Gemeinsamkeit mit dieser selbstsicheren Frau zu haben, ist mehr, als du dir vorstellen kannst. Cia lächelt dich an und es ist ein anderes Lächeln als das, was du bisher von ihr kanntest – es ist freundlicher, liebevoller. Automatisch erwiderst du es und fühlst dich mit einem Male vollständiger, als hätte bisher ein Körperteil von dir gefehlt, das du nun wiedererlangt hast.

„Ich fürchte, ich muss mich für heute verabschieden“, kündigt Cia zu deiner Enttäuschung an. „Vielen Dank für das Gespräch und den Tee.“ Sie erhebt sich, doch dieses Mal willst du sie nicht so einfach gehen lassen, also stehst du auf und drückst sie zurück auf ihren Stuhl. Über ihr thronend fühlst du dich mächtiger als bisher, wie eine Königin, die ihren Gemahl in die Schranken weist.

„Was soll das denn?“, lacht Cia. Dir gefällt ihr Lachen, dir gefallen ihre kirschroten Lippen, dir gefallen ihre ebenso roten Augen …

Ehe du selbst begreifst, was du tust, hast du dich schon vorgebeugt und deine Lippen auf ihre gelegt. Die Verbindung dauert kaum eine Sekunde, dann löst du dich, erschrocken von deinem eigenen Wagemut, von ihr und stammelst: „Entschuldigung! Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist!“

Cia legt den Kopf schief und berührt mit einem Finger ihre Lippen.

„Faszinierend“, murmelt sie. „So fühlt sich also ein Kuss an.“ Und bevor du dich abwenden kannst, nimmt sie dein Gesicht in ihre Hände und drückt dir einen weiteren Kuss auf die Lippen. Du bist zu überrascht, um ihn zu erwidern und er wird auch viel zu schnell gelöst, doch du genießt diese gestohlenen Sekunden flirrender Verliebtheit.

„Kommt Ihr nächste Woche wieder?“, fragst du angespannt.

Cia lächelt. „Mit Sicherheit.“
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