Frostschmerz

KurzgeschichteAbenteuer, Romanze / P18
21.03.2016
30.08.2016
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Kapitel 1

Für mich ist es normal alles um mich herum anders wahr zu nehmen. Ich habe psychometrische Kräfte und kann damit mit nur einer Berührung erfahren, was die Person oder der Gegenstand vor mir erlebt, gedacht oder gefühlt hat. Ich hatte nie Probleme mit dieser Gabe, bis auf jetzt.

Loki, der Gott des Chaos, war genau hinter mir und packte mich mit seinen dünnen, knochigen Händen. Er krallt seine Fingernägel in meinen Oberarm und ich spüre auf dem ganzen Körper ein stechendes Kribbeln. Wie tausende Nadeln dringt der Schmerz in meine Haut ein, umschließt meine Knochen und mein Herz. Ich will das es aufhört, ich schreie so laut ich kann und versuche mich von ihm los zu zerren, aber dadurch wird es nur noch schlimmer. Sein Gelächter hallt von den dunklen Wänden um mich herum und der Schmerz nimmt mir die Kraft zu atmen. „Du gehörst mir Gwendolyn Frost!“ schrie er und rammt mir einen Dolch mitten in das Herz. Es war der Helheim Dolch. Das Artefakt welches meine Mutter vor den Schnittern, bis zu ihrem Tot, versteckt hat. Welche Ironie, dass ich, die den Dolch erst den Schnitten ausgehändigt hat, damit nun getötet werde. Ich fühle wie der Dolch sich durch mein Herz bohrt und sofort sehe ich ein Bild meiner Mutter. Sie liegt blutend auf der Straße und sie flüstert meinen Namen, dann wird ihr die Kehle durchgeschnitten.

Schreiend werde ich wach und schrecke hoch. Ich versuche mich zu beruhigen, ruhig zu atmen. Nyx kommt zu mir aufs Bett gesprungen und leckt mir über das Gesicht. Ich kraule sie zwischen den Ohren. „Möchtest du darüber reden?“ höre ich eine tiefe Stimme mit britischen Akzent sagen. Vic, mein sprechendes Schwert, muss wohl geweckt worden sein. Ich schüttele den Kopf. Ich will das alles nur vergessen. Schließlich war es nur ein schrecklicher Alptraum. Ich habe Loki schon besiegt, der Chaoskrieg ist vorbei. Es herrscht Frieden auf Mythos und dennoch träume ich immer wieder so etwas. Frustriert schmeiße ich mich wieder zurück in meine Kissen und schaue zur Uhr. Es ist halb eins, er könne noch wach sein. Ich zücken mein Handy und tippe ein Paar Worte ein. Schnell bekomme ich auch eine Antwort.

Ich stehe auf und ziehe fix noch ein T-Shirt und eine kurze Hose an. Vic und Nyx mustern mich dabei „Du solltest versuchen zu schlafen.“ Meinte  Vic herablassend. „Das kann ich bei deinem Geschnarche eh nicht.“ Antwortete ich schnell, während ich meine Schuhe anzog. „Ihr bleibt hier.“ sagte ich noch zu den beiden, bevor ich meine Schlüssel schnappte und in den dunklen Flur verschwand. Leise huschte ich zu einem der Fenster am Ende des Flurs in der ersten Etage. Die Verriegelung war kaputt und so war es ein leichtes, auch nach der Sperrstunde, rein und raus zu gehen. Mit einem mutigen Satz landete ich auf dem Rasen, dieses Mal sogar ohne hin zu fallen. So oft, wie ich jetzt schon nächtliche Exkursionen gemacht habe, werde ich noch bald zu einem Profi. Am Anfang hatte ich immer noch Angst nachts über den Campus zu laufen, aber wenn man erstmal mehrere Male hier fast getötet wurde, wird die Angst eher normal.

Jetzt schleiche ich von einem Wohnhaus zum anderen. Ich denke selbst ein Ninja wäre stolz auf mich. Die warme Sommerluft weht durch die Bäume. Ich liebe dieses Gefühl, wenn der Wind die eigenen Gedanken einfach wegzutragen scheint und so bleibe ich erstmal ein wenig stehen und genieße den Moment, einmal nicht zu denken.

Eine kurze Zeit später war ich schon an meinem Ziel angekommen. Noch einmal tief durchatmen. In dem Moment als ich klopfen wollte, öffnete sich auch schon die Tür. Ich wurde in den Raum gezogen nur um wieder an die geschlossene Tür gelehnt zu werden. „Ich habe wohl wirklich einen schlechten Einfluss auf dich, Gypsiemädchen.“ Logans Stimme drang an mein Ohr und er strich meine lockig, braunen Haare aus dem Gesicht, bevor er mich küsste. Ich spüre seine unveränderliche Liebe zu mir. Seine Lust nimmt mich komplett ein. Unser Kuss wird leidenschaftlicher und seine Hände wandern zu meinen Hüften. Ich streiche meine Hände über seine muskulösen Arme bis hin zu seinem Nacken. Es ist einfach unfassbar, zu fühlen wie es ihn verrückt macht, wenn ich das tue. Aber auch er weiß was mich um den Verstand bringt. Eher ich auch nur einen klaren Gedanken fassen kann, hat er mich auch schon hochgehoben und zu seinem Bett getragen. Durch mein Lächeln unterbrechen wir den Kuss. Ich weiß genau was er vor hat, aber darauf wird er noch etwas warten müssen. Schnell drehe ich mich um und werfe ihn auf das Bett. Ein vielsagendes Lachen liegt auf seinem Gesicht. Ich beuge mich zu ihm rüber, führe meine Hände langsam über seinen durchtrainierten Körper und gehe durch seine schwarzen, kurzen Haare. Auch seine Hände finden wieder ihren Weg. Wie Feuer brennen sie auf meiner Haut. Ich kann nicht anders als ihn zu küssen. Seine Hände wandern über meinen Rücken hin zu meinem Po. Als er mich mit einem Schwung auf den Rücken drehte, war ich ziemlich überrascht. Er sieht mir in die Augen. „Ich liebe dich, Gwendolyn.“ Er streicht mir wieder die Haare aus dem Gesicht. Diese Worte konnten einfach alles vertreiben. „Ich liebe dich auch, Spartaner.“ Ein funkeln blitzt in seinen blauen Augen auf. Plötzlich färben sich seine Augen in ein Schnitter Rot. Erschrocken richte ich mich auf.

„Alles in Ordnung?“ fragt er besorgt. Ich reibe mir diesen Anblick aus den Augen und nicke „Es tut mir Leid, meine Psychometrie spielt einfach verrückt.“ Ich muss mich zusammenreißen nicht zu weinen. Noch nie habe ich meine Gabe als so lästig empfunden wie jetzt. Er nimmt mich in seine Arme. Er sagt nichts. Er weiß auch nicht was er sagen soll. Ich spüre seine Unsicherheit und seine Sorge.

„Ich fühle mich einfach nur erschöpft. Ganz egal was ich sehe, ganz egal was ich berühre, überall sehe nur noch Szenarien aus dem Chaoskrieg. Gemetzel, Blut und Tote. Ich kann immer noch die Schreie hören und die Schmerzen fühlen, die hier hinterlassen wurden. Und das obwohl der Krieg schon zwei Monate her ist.“ Mein Kopf fühlt sich so schwer an. Ich lehne mich an seine Brust und er legt seine Hand auf meinen Kopf. „Ich werde für dich da sein, Gwendolyn. Gemeinsam schaffen wir das, ich verspreche es dir!“

Für diesen Moment war alles gut. Ich hatte Logan an meiner Seite und für wenigstens den Rest der Nacht gab es nichts anderes. Hätte ich gewusst, was auf mich zu kommt, wäre ich am nächsten Tag liegen geblieben.
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