Kamisama Shinkousuru

GeschichteAllgemein / P16
20.03.2016
20.03.2016
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Lunas Sicht:

Mit schnellen Schritten lief ich die Straße entlang. Meine violetten Augen erblickten bald mein Ziel: Ein altes, verlassenes Haus am Rand der Stadt. Seit ich vor zwei Tagen in der Schule gehört hatte, wie die anderen Schüler darüber geredet hatten, wollte ich unbedingt hier her kommen. In diesem Haus sollte es nämlich angeblich Spuken und da ich ein großes Interesse für alles Paranormale hegte, fackelte ich nicht lange und machte mich auf den Weg.
An dem halb aus den Angeln gerissenen Gartentor blieb ich kurz stehen und ließ meinen Blick über die Umgebung schweifen. Am Gartenzaun blätterte die Farbe ab, der Garten war verwildert und das Holz, aus dem das Haus, welches an einem Hang stand und wegen einem Erdrutsch nun schief dastand, war sicherlich schon morsch. Ich atmete einmal tief durch, dann öffnete ich das Tor, welches verräterisch quietschte, und lief den überwucherten Trampelpfad entlang, bis ich vor der kaputten Haustür stand. Ein Blick in den Himmel zeigte mit, dass es bald dunkel werden würde, weshalb ich im Vorraus meine Taschenlampe hervorholte.Dann betrat ich das alte Gebäude. Der Holzboden knazte bei jedem Schritt, den ich machte. Ganz genau sah ich mich um und untersuchte jeden Winkel des Hauses, in der Hoffnung, dass ich irgendetwas ungewöhnliches finden würde. Doch außer ein paar heruntergekommenen Puppen, alten, kaputten Möbeln und alten Zeitungen, die bei der kleinsten Berührung zu Staub zerfallen würden, fand ich nichts. Das einzige, was man als unnormal empfinden könnte war die düstere Ausstrahlung dieses Ortes, welche mich persönlich allerdings nicht wirklich störte.
Inzwischen war es dunkel geworden, also nahm ich meine Taschenlampe und schaltete sie an. Ich wollte das Gebäude gerade wieder verlassen, da hörte ich plötzlich ein lautes Krachen. Erschrocken sprang ich zurück, als einen halben Meter vor mir die Decke nachgab und neben einigen kaputten Holzbrettern auch noch etwas anderes herunterfiel. Nachdem ich den ersten Schrecken verarbeitet hatte, leuchtete ich an die Stelle und erschreckte mich fast zu Tode, als dort auf dem Schutt eine Frau lag.  Sie sah aus als wäre die gerade einem Dokumentarfilm entsprungen. Ihre schwarzen Haare waren zu einem Haarknoten gebunden, sie trug roten Lippenstift wie reiche Frauen es in der alten Zeit taten und zu allem Überfluss trug sie auch noch einen teuren Kimono. Mich erfasste sofort wieder der typische Fluchtreflex. Ich kam einfach nicht damit klar fremden Leuten zu begegnen. Nachdem ich mich aus meiner ersten Starre gelöst hatte, versuchte ich schnell zum Ausgang zu gelangen. Ich war beinahe bei der Tür angekommen, da loderten von einem Moment auf den anderen Flammen auf. “Was zum… Das ist doch nicht normal!”, rief ich vor Schreck aus. So wie es aussah spukte es tatsächlich in diesem Haus. Anders konnte ich mir das nicht erklären.
Verzweifelt suchte ich nach einem Ausweg oder irgendetwas um das Feuer zu löschen, welches sich dank der Tatsache, dass das Gebäude komplett aus Holz bestand, rasend schnell ausbreitete. Auf einmal hörte ich das rascheln von Kleidung hinter mir. Ich drehte mich um und blickte direkt in die braunen Augen der Frau, in denen ich einen Schmerz erkennen konnte, der für mich nicht erklärbar war. Sie sah mich an, ihre Lippen bewegten sich, doch ich verstand nicht, was sie mir sagen wollte. Ich sah keinen Ausweg. In der Hoffnung diese Frau wüsste eine Möglichkeit, doch noch zu überleben, beugte ich mich zu ihr herunter. Doch anstatt etwas zu sagen legte sie mir ihre eine Hand auf die Schulter, hielt mich fest und gab mir einen Kuss auf die Stirn.

Minas Sicht:

Die Arme unter den weiten Ärmeln meines Kimonos verschränkt, lief ich um die nächste Straßenecke. Genervt sah ich mich um. Bereits seit Stunden suchte ich nach meiner Herrin  und irrte dabei durch die Gegend. Sie hatte ihren Aufenthaltsort verborgen und so war es mir beinahe unmöglich sie zu finden.
Ich legte die Ohren an und erhob mich in die Luft. Auf meiner Gewitterwolke flog ich langsam von Haus zu Haus, als mir Fujinos Präsenz ganz klar entgegenschlug. Sie war in Gefahr. Mit geweiteten Augen sah ich mich in den dunkler werdenden Straßen um, konnte aber trotz meiner guten Augen nichts erkennen, und flog dann so schnell ich konnte zum Ursprung der Fährte.
Wenige Sekunden später sprang ich von meiner Wolke und landete vor einem heruntergekommenen Holzhaus, welches lichterloh brannte. Schnell trat ich durch die morsche Tür. Ich sah Fujino weiter hinten in Trümmern liegen. Das Mädchen, welches vollkommen verstört neben ihr saß und eine Hand auf ihrer Stirn liegen hatte, ignorierte ich. Sie war nur eine Sterbliche.
“Fujino!” rief ich, eilte zu ihr und kniete mich neben sie.
Ich hob ihren Kopf auf meinen Schoß und senkte meinen eigenen zu ihr herab. Sie atmete. Erleichtert seufzte ich.
“Mina...” Ich sah überrascht zu ihr herunter. Sie war bis eben bewusstlos gewesen.
“Rette das Mädchen.”, flüsterte sie schwach. Ich sah sie verständnislos an.
“Versprich es mir”, ihre Stimme war nicht mehr als ein leiser Windhauch. Ich nickte widerwillig und sie lächelte. Sie hob die Hand und kraulte mich hinter dem Ohr, woraufhin ich schnurrend die Augen schloss. Als ich sie wieder öffnete, fiel ihre Hand zu Boden und ihr Blick wurde leer.
Entsetzt weiteten sich meine Augen und ich musste ein Aufjaulen unterdrücken als sie durchsichtig wurde und sich langsam auflöste.
Ich schloss die Augen und ballte die Hände zu Fäusten. Mit meinem früher typischen, selbstironischen Grinsen blickte ich auf und sah das Mädchen mit meiner perfekten Maske an.
Ich stand auf, hob sie hoch und ging, die Flammen von mir fernhaltend, aus dem baufälligen, brennenden Haus auf die Straße.
Ich setzte sie auf dem Asphalt ab und trat einen Schritt von ihr zurück, da bemerkte ich das leuchtende Göttersiegel auf ihrer Stirn.
Erst jetzt betrachtete ich sie genauer; sie war größer als ich, schlank, hatte lange, braune Haare und violette Augen. Sie schien noch nicht besonders alt zu sein, auf jeden Fall ging sie noch zur Schule, was ich an der Uniform sah; eine Jungenuniform; welche sie trug.
Meine Augen verengten sich zu Schlitzen und ich fauchte: “Was hast du-” Ich peitschte mit dem Schweif und legte die Ohren an. “Egal, das ist nicht mehr mein Problem, ich bin jetzt frei. Viel Glück, Windgöttin.”, sagte ich mit einem höhnischen Grinsen und wollte an ihr vorbeigehen, als ich über eine ungünstig wachsende Wurzel stolperte und das Mädchen mit umriss.
Erschrocken wollte ich sie reflexartig festhalten, als sie sich ebenfalls an mir festklammerte, das Gleichgewicht verlor und wir uns aus versehen küssten.
‘Verdammt! Das kann doch wohl nicht war sein!’


Lunas Sicht:

Ich war so geschockt, dass ich mich nicht rühren konnte. Was war das bloß für ein Abend? Zuerst krachte eine Frau durch die Decke, dann brach ein Feuer aus, dann wurde ich auf die Stirn geküsst, habe jemanden sterben sehen, und jetzt wurde mir auch noch, zwar unabsichtlich aber naja..., von einer offensichtlich überbegeisterten Cosplayerin mein erster Kuss geraubt? Am liebsten würde ich irgendwo im Boden versinken und nie wieder auftauchen. Warum gerade ich? Ich, wo ich doch überhaupt nicht mit Fremden klarkam… Nachdem ich einige Sekunden, die sich wie Jahre anfühlten, einfach nur erstarrt dastand und meine Gedanken sortieren musste, kam mir plötzlich in den Kopf, was die Blonde im Kimono  mit den hellbraunen Katzenohren und den grünen Augen, zuvor gesagt hatte.
“Was meinst du mit Windgöttin?”, fragte ich verwirrt. “Und wer bist du überhaupt?”  Als sie mir keine Antwort gab, sagte ich, da ich inzwischen schon relativ schlecht gelaunt war: “Antworte mir gefälligst!” Als ich das sagte, wirkte sie einen Augenblick lang wie erstarrt, ehe sie ohne Luft zu holen antwortete: “Ich bin Mina, eine Nekomata, und die Frau eben war Fujino, die Windgöttin, meine Herrin. Sie hat dir ihre Götterkräfte gegeben, also bist du jetzt die Windgöttin… und meine Herrin.” Das letzte presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. “Aber… das ist doch Schwachsinn. Ich bin nie im Leben eine Göttin. Und wie kommt es, dass du dadurch meine Dienerin bist?”, fragte ich verwirrt.
Als die mir Gegenüberstehende mich ansah und die Ohren anlegte, zweifelte ich an meiner Cosplayer-Theorie. So weit war die Wissenschaft noch nicht, um so realistische Katzenohren herzustellen. “Ich bin durch deine Ungeschicktheit deine Dienerin geworden! Ich wäre jetzt frei, wenn du nicht gewesen wärst!”, rief sie scheinbar empört aus. “Meine Ungeschicktheit? Was soll das denn heißen? Sag mir einen guten Grund, warum das meine Schuld sein soll, oder entschuldige dich gefälligst!”, rief ich nicht weniger aufgebracht. Kaum hatte ich das gesagt, verneigte sie sich und sagte: “Ich bitte vielmals um Entschuldigung, Herrin. Ich bin gestolpert, nicht Ihr...” Wieder klang diese Antwort gepresst. “Moment… Wie genau bist du meine Dienerin geworden?”, fragte ich misstrauisch. Immernoch verneigt antwortete sie: “Ein Vertrag zwischen einer Gottheit und einem Diener wird durch einen Kuss besiegelt.” Darauf wusste ich nichts zu erwidern. “Und… was jetzt? Was soll ich jetzt tun? Was wird von mir erwartet, falls ich wirklich eine Gottheit sein sollte? Kannst du mir das denn beweisen?”, fragte ich nun etwas ruhiger. Sie richtete sich wieder auf und ich konnte nur in ihren Augen ihre Wut erkennen, ihre Stimme blieb ruhig: “Ja, Herrin. Begleitet mich zum Fuji Schrein, dort ist die Windgöttin zu Hause.” Die plötzliche Höflichkeit überraschte mich etwas, aber was hatte ich schon zu verlieren? “Na gut, bring mich hin.” Wieder verneigte sie sich “Wie Ihr wünscht, Herrin.”

Eine halbe Stunde später kamen wir beim Tempel an. Es gab nur noch ein Hindernis zu überwinden: Die gefühlt 1000 Stufen. Nachdem ich mich auch die hochgekämpft hatte, fiel mein Blick auf einen alten, aber ziemlich prächtigen Schrein. Nachdem ich Mina, welche schon seit einer Ewigkeit hier oben war und mir nicht geholfen hatte, noch einen leicht wütenden Blich zugeworfen hatte, lief ich los in Richtung Eingang. Plötzlich hörte ich zwei ziemlich hohe Stimmen: “Fujino-sama!” Ich war sehr verwirrt, was auch nicht besser wurde, als plötzlich zwei kleine Gestalten auf mich zuflogen, kurz vor mir anhielten und mich ebenso verwirrt und erschrocken musterten wie ich sie. “Du bist nicht Fujino-sama.”, stellte die rechte Gestalt, welche in einen hellblauen Kimono mit hellvioletten Streifen an den Enden der Ärmel gekleidet war, fest. Die linke Gestalt nickte bekräftigend. Sie trug einen hellvioletten Kimono mit hellblauen Steifen an den Ärmeln. Beiden ragte ein Eichhörnchenartiger Schweif unter ihren Kimonos hervor und im Kontrast dazu trugen sie meiner Meinung nach Katzenartige Masken.
Die beiden begannen eine Diskussion darüber wer ich wohl war, als Mina sie mit einem Fauchen unterbrach. “Könnt ihr nicht einmal den Mund halten?!” Ich glaubte mehr als nur Wut in ihrer Stimme zu erkennen. War das etwa … Trauer? Oder bildete ich mir das nur ein?  “Ich habe Fujino gefunden, aber es ist zu spät.”  Der eine im Kimono starrte sie an. “Ist sie …?” Mina nickte “Begrüßt eure neue Schreingöttin... und meine Herrin” sie sagte es ohne jegliche Begeisterung. Emotionslos.
Die beiden schienen für einen Moment ziemlich betroffen, doch dann flogen sie erneut auf mich zu und verneigten sich, was mir irgendwie sehr peinlich war. “Ich bin Seikaze...”, meinte der erste mit dem hauptsächlich violetten Kimono. “...Und ich bin Arashi.”, ergänzte der andere im hellblauen. “Wenn uns die Frage erlaubt ist…”, setzte Seikaze wieder an. “...wie ist Euer Name?”, beendete Arashi den Satz. Zwar war ich verwirrt, trotzdem antwortete ich mit fester Stimme: “Mein Name ist Luna. Luna Yamamoto.” “Bevor einer der beiden etwas erwidern konnte fuhr Mina sie erneut an. “So, jetzt verschwindet und macht gefälligst Tee,ihr nutzlosen Windgeister!”
Kurz darauf saß ich mit Mina in einem Zimmer des Schreins, jede von und hielt eine Tasse Tee in den Händen. “Glaubst du es jetzt?”, fragte Mina mich, wobei ich nicht deuten konnte, was sie wohl dachte. Ich seufzte: “Ja… Ich denke schon. Auch wenn es mir schwerfällt. Aber wenn ich jetzt wirklich eine Göttin bin… Was soll ich dann tun? Wie ist das überhaupt möglich? Ich meine… Ich bin doch nur eine Schülerin ohne irgendwelche besonderen Fähigkeiten…”
“Das mag war sein, aber jetzt verfügst du über die Kraft einer Göttin. Der Windgöttin. Fujino konnte entscheiden ob eine laue Brise wehte, oder ein Sturm die Felder verwüstete…”, antwortete Mina. “K...kann ich das jetzt auch?” Ungläubig sah ich die Nekomata an. “Wer weiß… Obwohl… Eher nicht.”, meinte sie mit verachtendem Grinsen.
Auf einmal flog mit einem Knall die Türe aus und Seikaze und Arashi flogen in den Raum. “Glaubt Mina kein Wort, Luna-sama! Ihr werdet das bestimmt auch irgendwann können!”, riefen die beiden syncron. “Ts… Glaubt doch was ihr wollt.”, knurrte Mina lediglich und verschwand aus dem Zimmer. “Was hat die denn?”, fragte ich mich, ehe mir ein lautes Gähnen entfuhr. Das war wohl doch etwas zu viel gewesen.
Ich bat die beiden Windgeister noch, mir zu zeigen, wo ich schlafen sollte. Es war offensichtlich, dass sie mich nicht einfach nach Hause gehen lassen würden. Sie brachten mich in einen anderen Raum, in dem ich mich sofort auf den großen Futon fallen ließ und in einen traumlosen Schlaf fiel.
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