Labyrinth *

GeschichteAbenteuer / P16 Slash
20.03.2016
26.03.2016
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PROLOG
Die Morgensonne kroch über die grauen Bergspitzen und warf einen rötlichen Schimmer auf das Königreich Hyrule. Die weißen Mauern und hellen Häuser der Großstädte wurden erhellt vom warmen Licht der Frühlingssonne.
Etwas abseits der großen Städte gab es, an einem Berghang inmitten von Wald und Wiesen, ein kleines Bauerndorf, mit Namen Kakariko. Die einfachen Holzhütten zeugten von einem harten Leben, in dem man sich alles verdienen musste und nichts geschenkt bekam. Eine Windmühle rotierte auch in den frühen Morgenstunden bereits und das Dorf erwachte, um seiner Farmarbeit nachzugehen. Felder wurden gepflügt, Tiere gefüttert und Öfen für Backwaren angeworfen.
Ein kleines Kind rannte vom Hof seines Hauses  zu einer der herumgelegenen Hütten und packte mit ihren dünnen Fingern den großen Holzriegel des Stalltores.
"Pass auf, Linkle! Halt dich vom Wald fern! Sei zum Essen wieder da! ... Und bitte geh nicht...!"
"Jaaa Mami!", schrie Linkle und riss das Holztor auf, indem sie sich mit ihrem Gewicht daran hängte. "Ich passe doch immer auf!" Die Achtjährige betrat die große Scheune und ein duzend paar Augen starrten sie an.
"Guten Morgen!", rief Linkle fröhlich und strich sich die langen blonden Haare aus dem Gesicht.
Sie begann damit zwischen den Hühnern umher zulaufen und ihre Nester zu durchwühlen. Unter lautem Gegacker und Geflatter sortierte sie befruchtete und unbefruchtete Eier aus, wobei ihr bereits geschultes Auge sofort erkannte, was für Eier es waren und legte alle fein säuberlich in einen Korb. Diesen stellte sie dann auf das Regal und zupfte sich eine Feder aus den Haaren.
Die Cucco-Herde begann erneut zu flattern und rum zu wuseln und Linkle stieß einen Pfiff aus. "Ab auf die Wiesen!!!" Ein Duzend zuckende Köpfe richteten sich auf sie und schwarze Augen fixierten sie. "Hier lang...." Linkle verließ die Scheune. Sie achtete vorbildlich darauf, dass auch alle 12 Hühner aus der Scheune trotteten und begann diese dann mit einem Stab und Pfiffen scheuchend, über den Hof zu treiben, wie eine Herde Schafe.
Ihr Weg führte sie über Wiesen auf denen noch Tau glitzerte, vorbei an einem Fluss, wo sie aufpassen musste, dass keines ihrer Cucco's abstürzte und ertrank und schließlich zum Waldrand zu einer schattigen, mit Blumen übersäumten Wiese.
Die Hühner begannen damit herum zu picken und Körner und Samen aus dem Boden zu scharren. Linkle ließ sich auf einem Stein im Schneidersitz nieder und beobachtete mit einem wachsamen Auge ihre Schützlinge, während sie gleichzeitig die Landschaft genoss. Von hier konnte sie zurück zum Hof schauen, wie ihre Mutter gerade Wasser aus dem Brunnen zog. Das Leben hier auf der Cucco-Farm war einfach schön. Die frische Luft tat gut und Linkle sog sie zufrieden ein.
Sie ließ sich zurückfallen und starrte in den Himmel an dem nur ein paar einzelne Federwolken ihre flauschigen Fäden, wie Rauchschwaden über den Himmel zogen. An diesem Frühlings morgen schwelgte sie in Träumen von Helden und Abenteuern. Eine Geschichte, die ihre Großmutter ihr immer erzählt hatte. Sie schloss die Augen und während die Sonne ihr Gesicht wärmte, träumte sie sich in dunkle Wälder voller Monster, die sie bekämpfen musste um Freunde zu retten. Sie war der tapfere Krieger Link, welcher vor vielen Jahren gelebt hatte und Abenteuer bestehen musste und sie rette Freunde, Verwandte oder Kämpfte mit Schwert oder Pfeil und Bogen.
So träumend merkte sie gar nicht, wie die Zeit verging..
"Hey Linkle!" Die laute Stimme schreckte sie auf und sie setzte sich ruckartig auf. Verwirrt blinzelte sie und sah dann ihre beste Freundin, Taara. "Hey, Taara." Die Achtjährige strahlte über das ganze Gesicht. Taara war ein Jahr jünger als sie selbst, war aber größer, hatte braune Locken und braune Augen. Sie waren zusammen aufgewachsen und fühlten sich fast wie Schwestern. Jeden Tag verbrachten sie miteinander und konnten schon lange nicht mehr ohne den anderen auskommen.
"Spielen wir heute Nachmittag, wenn du mit den Cucco's zurückkommst?", fragte Taara und ihre schokoladenbraunen Augen sahen groß und bittend auf Linkle und trafen ihre eisblauen Augen. Linkle lächelte. "Auja!!"  Sie nickte heftig und rückte dann etwas beiseite. "Setz dich."
Taara ließ sich neben sie auf dem Stein nieder und legte den Kopf an ihre Schulter.
Die beiden Kinder begannen zu reden. "Ich hab Geld bekommen, davon können wir uns Süßigkeiten kaufen", meinte Taara und zeigte eine Tasche voller kleiner, grüner Kristalle. Diese Kristalle waren die Währung hierzulande, man nannte sie Rupee.
Die beiden Kinder grinsten sich an und Taara steckte die Rupee wieder in ihre Tasche. "Aber erst heute Nachmittag", meinte sie.
Die Sonne wanderte über den Himmel und es war bereits Vormittag, als plötzlich ein lauter Schrei von der Farm zu hören war. Linkle sprang vom Stein auf. "Das war Mutter!!!"
"Geh hin, ich passe auf die Cucco's auf", meinte Taara, die sie besorgt mit ihren braunen Augen anstarrte.
Linkle nickte und rannte den Abhang herunter. So schnell war sie noch nie gerannt, aber die Sorge um ihre Mutter trieb sie an. Stolpernd stürmte sie auf den Hof, ins Haus hinein und rannte ihrer Mutter, Marta in die Arme.
Die blonde Frau legte die Arme um Linkle. "Geh raus, Kleines...", flüsterte sie ihr ins Ohr.
"Warum Mutter?" Linkle wollte an ihr vorbei in die Stube. Sie konnte dort ihren Vater sehen, der irgendwas aufs Sofa hob. ... Ihre Großmutter...
"Was ist mit Großmutter?", fragte sie und drängte noch heftiger an ihrer Mutter vorbei. Angst stieg in ihr auf, was war hier los?
"Lass... sie ...rein", erklang die schwache Stimme der Frau aus der Stube, aber Marta ließ noch nicht los.
"Das Kind ist alt genug... um zu verstehen, dass das Leben irgendwann auch mal zu Ende geht", krächzte die Großmutter und ihre Stimme klang so müde und verbraucht.
Marta ließ los und Linkle kam in die Stube. Ihr Vater stand neben der Großmutter und gab ihr gerade ein Glas Wasser.
"Was ist passiert, Großmutter Sally?", fragte Linkle mit stockender Stimme und völlig verwirrt.
"Großmütterchen ist alt, Liebes..", erklärte sie und zog Linkle neben sich auf das Sofa um liebevoll den Arm um ihre junge Enkelin zu legen... "Ich hab wohl deine Mutter etwas erschreckt, als ich heute Morgen gestürzt  bin.." Sie rieb sich den Arm.
Linkle nickte nur. Ihre Hände zitterten leicht und sie ballte sie zur Faust.
"Großmutter Sally? Du wirst bald verschwinden oder?", fragte sie und ließ den Kopf hängen. Ihre blonden Haare fielen ihr ins Gesicht und verdeckten, dass eine Träne aus ihren blauen Augen tropfte.
Sally strich die Haare hinter ihre Ohren und hob ihr Kinn an. "Das muss jeder mal, aber das ist kein Grund, um mich zu weinen, Liebes..." Sie schloss Linkle in ihre Arme. "Stolze Mädchen weinen nicht um ihre alte, verbrauchte Großmama..." Linkle musste ein schluchzendes Lachen ausstoßen. Ihr saß ein regelrechter Kloß im Hals und Trauer befiel ihr kleines Herz.
"Das ist mein Ernst, Liebes... du bist doch eine kleine Heldin. Kommst sofort angerannt wenn Gefahr droht, nicht wahr.. So warst du schon immer."
"Stimmt.." meinte Linkle und lächelte schwach, aber so richtig wollte es nicht durchkommen.
"Habe ich dir je die Geschichte erzählt wie ein junger Held die Prinzessin gerettet hat?" fragte die Großmutter und begann schon auszuholen, doch Linkle unterbrach sie lachend. "Jaaa, schon Tausend mal und immer hast du sie etwas anders erzählt!"
Die Großmutter lachte auch. "Ich möchte dir etwas schenken... Takeo, bitte bring mir das Kästchen, dort auf dem Regal.." sie blinzelte Müde über ihre schiefe Brille hinweg.
Der Vater nickte und brachte ihr ein kleines Holzkästchen mit eingravierten Kristallen.
Sie öffnete unter den neugierigen Augen ihrer Enkelin und auch aller anderen im Zimmer die Kiste und zum Vorschein kam ein Kompass. Er war so groß wie eine Hand, golden und hatte zwei eingravierte Flügel. Sie legte den Kompass in die Hände ihrer achtjährigen Enkelin.
"Den möchte ich dir schenken."
"Wo... hast du den Kompass her, Mutter?" stieß Marta aus. "Der muss extrem wertvoll sein."
"Der Kompass ist in der Tat sehr wertvoll... ich habe ihn von meiner Großmutter bekommen und diese wiederum von ihrer. Er ist seit vielen Jahren in unserem Besitz unserer Familie und nun möchte ich, dass Linkle ihn bekommt." Sie strich ihrer Enkelin über die blonden Haare. "Er zeigt auf die Schätze dieser Welt, führt dich in Höhlen voller Abenteuer und wird dich auch immer wieder sicher zurück bringen."
Linkle nickte andächtig. "So einen Kompass... hatte der Held in deinen Geschichten auch immer." meinte sie und die Großmutter nickte. "Richtig.. so einen hatte er."
Sie lächelte und lehnte sich dann zurück in ihrem Sessel. "Ohhh ich bin sooo müde.." krächzte sie. Ihr altes faltiges Gesicht, was immer so voller Freundschaft war, begann an Gesichtszügen zu verlieren. Glasige Augen flackerten suchend zwischen ihrer Familie hin und her.
"Mutter.. " Marta kniete neben ihr. "Nein Marta... hier endet mein Abenteuer, es ist an der Zeit dass jemand jüngeres auszieht und Abenteurer erlebt...Linkle... Linkle, wo ist sie.." sie umkrallte Linkle's Handgelenk und Linkle spürte Übelkeit aufsteigen in ihrem Magen. "Ich sitze hier Großmutter." flüsterte sie
"Du bist doch nie ausgezogen für irgendwelche Abenteuer..." meinte Marta und Tränen sammelten sich in ihren Augen.
"Doch, in meinen Träumen.... Man darf nie aufhören zu Träumen, denn wenn man die Träume verliert, dann hat man nichts mehr auf das man bauen kann.. " Sally schloss ihre Augen und döste leicht weg.
Ihre Brust hob sich noch ein paar Mal, dann hörte sie auf zu Atmen.
"Großmutter?..." fragte Linkle und drückte den Kompass an ihre Brust. "Was hast du Großmutter?"
Marta schluchzte und wurde von Takeo herangezogen. Der Mann legte die Arme um seine Frau.
"Was hat Großmutter?" rief Linkle, aber eigentlich wusste sie es schon. Sie fiel auf die Knie und krabbelte zu Ihrer Mutter, welche sie in ihre behütenden Arme schloss.
Schluchzend hielt suchte sie Halt am Rock ihrer Mutter, für etwas, wofür es keinen Halt gab.




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