Be mine!

GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Black Star Tsubaki Nakatsukasa
20.03.2016
20.03.2016
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In der großen Konzerthalle war es stickig und die junge Frau, die sich gerade durch die Menge von jubelnden, kreischenden und vor allem weiblichen Fans, bis vorne kurz vor der hell erleuchteten Bühne schob, bekam kaum Luft, sie konnte kaum atmen und hatte große Angst um das Leben, um das Leben, welches in ihr heranwuchs, direkt unter ihrem Herzen und um ihr Eigenes. Ein kleiner Unfall, ein zu fester Druck gegen ihren Bauch und es wäre in Gefahr. Sie durchlebte hier eine absolute Risikoschwangerschaft, wegen der ihr Frauenarzt ihr sogar empfohlen hatte, von diesem Konzert fernzubleiben, doch hatte sie ihn einfach sehen müssen. Sie hatte ihn so gerne sehen wollen. Es waren doch so viele Monate vergangen, in denen sie getrennt waren.
Und dann entdeckte sie ihn, dort oben auf der Bühne stehend, von Scheinwerfern angestrahlt, glänzend von innen heraus, wie es der Name seiner Familie verhieß, den ersten Song ankündigend. Er war ein Stück gewachsen, seine Haut spannte sich über den dicken Paketen von stahlharten Muskeln, mit denen er sie in den letzten Jahren schon oft beschützt hatte. Das gelbe Sternentattoo auf seiner rechten Schulter war im weichen Scheinwerferlicht gut zu sehen, in dem auch sein Haar glänzte, als wäre es mit Edelsteinen verflochten.
Vielleicht mochte das alles auch an ihrer Schwangerschaft liegen, oder daran, dass sie ihn immer nur hatte verträumt ansehen können, dass sie bereits seit ihrer Kindheit überaus romantisch veranlagt war und sich von einer Hochzeit in weiß, mit Tauben und einem großen Brautstrauß, einer Kutsche, schön geschmückter Kirche und einem Ehemann in edlem Anzug Vorstellungen gemacht hatte. Doch ob es dazu jemals kommen würde, das bezweifelte sie stark. Vor allem bei diesem Mann dort oben, mit dem Mikrofon in der Hand. Er war ihre große Liebe, die von so vielen Frauen angehimmelt wurde, die so viel besser aussahen als sie, besser zu ihm passten und auch besser zu seinen Vorstellungen einer Traumfrau. Es waren Ideale, die er ihr immer wieder vorgehalten hatte, auch wenn sie damals nicht zusammen gewesen waren.
Es war in ihrer gemeinsamen Schulzeit gewesen, als sie ihn kennen lernte, lieben lernte und nach einer gemeinsamen, verhängnisvollen Nacht einfach wortlos verschwand.

Kurz vor seinem ersten Song schirmte er seine Augen etwas mit der rechten Hand ab und besah sich sein großes Publikum. Eine Suche, eine Tradition, wie sie es vor jedem seiner Konzerte geworden war. Er suchte immer nur nach ihr. Als sie damals verschwunden war, hatte er sich große Vorwürfe gemacht, ob er sie zu lange ignoriert hatte, er war verletzt gewesen und hatte endlos lange Wochen gebraucht, bis er über den Verlust einigermaßen hinwegkam Eine Zeit I der er begonnen hatte Songs zu schreiben und eine Band zu gründen, was ihm wahnsinnig geholfen hatte. Es hatte danach nicht lange gedauert, bis die erste CD entstanden war, eine Plattenfirma ihn und seine Gruppe entdeckt hatte und jedes Konzert, welches sie gaben ausverkauft war. In sieben, kurz scheinenden Monaten war er mit seiner Band berühmt geworden. Und während irgendwann sein erster Drummer ausgestiegen war, weil er mit dem so rasch kommenden Ruhm nicht klarkam, hielt er sich an dem Gedanken fest, sie möglicherweise auf einem seiner Konzerte zu finden. Nur für sie hielt er diesen enormen Stress aus, der kaum zu bewältigen war, für viele in seinem Alter, wenn man nicht anderweitig Glück fand.
Das Erste, wonach er dann immer suchte, waren schwarze, lange Haare, in einem hohen Zopf getragen. Wenn er diese einmal entdeckte, musterte er die Gesichter der Frauen, die meist ekstatisch verzerrt waren und ihn bislang immer und immer enttäuscht hatten. Er begann langsam seine Hoffnung zu verlieren und hatte sich geschworen, noch höchstens zwei oder drei Konzerte zu geben. Wenn er sie bis dahin nicht entdeckte, dann hätte das Leben keinen Sinn mehr für ihn. Dann wäre für ihn alles aus.
Ob sie denn überhaupt wusste, wie sehr er sie liebte? Er hatte es ihr nie gestanden, es selbst erst wirklich gespürt, als er gehört hatte, wie sie seinen Namen im Schlaf flüsterte. Und dann war sie auf einmal fort gewesen, ohne sich zu verabschieden.
Er ging einige großzügige Schritte zurück und begann seine Eröffnungsrede wie er es jedes Mal tat. Noch immer suchte er sein Publikum ab. Als er auf einmal sehr kurze, schwarze, sanft glänzende Haare in einem hohen Zopf entdeckte, erstarrte er, als er ihr etwas runder und voller gewordenes Gesicht erkannte, stockte er und als sein sehnsuchtsvoller Blick ihre Augen traf, obwohl sie es nicht zu bemerken schien, musste er freudig lächeln. Sie war hier bei seinem Konzert, direkt vor der Bühne. Und unter ihren vollen Brüsten erhob sich ein Bauch, der sein Herz rasen ließ. Leicht hob er die linke Hand hinter den Rücken und gab ein kleines Zeichen, was er mit seiner Band vereinbart hatte, als Zeichen einer eiligen Planänderung, die seit ihrem ersten Konzert hätte stattfinden können.

,,Diesen Song habe ich vor langer Zeit nur für eine einzige Person geschrieben. Es ist mein allererster Song und ich hoffe, dass ich die Mädchen da draußen nicht enttäusche, aber in meinem Leben gibt es eine Frau, die mein Herz im Sturm erobert hat. Ich habe sie vor ein paar Monaten verloren und ich weiß jetzt, dass ich einen riesigen Fehler gemacht habe. Ich hoffe, dass sie mir verzeihen wird, wenn sie jetzt das Lied hört, während sie vor der Bühne steht, wo ich sie gerade lächeln sehe. Bitte meine Kleine. Ich liebe dich und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass du mir verzeihen kannst. Und ich liebe unser Baby, dass du unter dem Herzen trägst. Also wie ich es bereits sagte. Dieser Song ist nur für dich, mein Liebling.''

Laut aufkeuchend saß Tsubaki einen Moment später kerzengerade in ihrem Bett und ihr Atem ging rasselnd und schnell. Was war das bitte für ein merkwürdiger Traum gewesen? Ein leises Wimmern drang aus ihrer Kehle, als ihr bewusst wurde, dass so viele Wünsche in diesem Traum wahr geworden waren. Eine Schwangerschaft. Die Liebe von Black Star und der Traum einer großen Hochzeit. Eine gemeinsame Nacht mit ihm und ,dass er sie beschützte. Aber warum sollte sie ihn denn alleine lassen? Die schlanke Schwarzhaarige wusste doch, dass er sie als Waffe brauchte.
Es vergingen nicht einmal fünf Minuten, bis die Tür aufgerissen wurde und lautstark gegen die Wand knallte. ,,Tsubaki? Ist alles mit dir in Ordnung? Ich bin wach geworden und habe irgendwie gespürt, dass es dir nicht gut geht und ein zukünftiger Gott kann ja nicht zulassen, dass es seinen Untertanen schlecht geht'', haspelte er herunter, als wäre er absolut nicht müde und sein typisches Verhalten, das er selbst I diesem Zustand des Halbschlafes nicht ablegte, tat Tsubaki irgendwie weh. ,,Nein, nein. Es ist alles in Ordnung'', wisperte sie mit trauriger Stimme und rollte sich in ihrem Bett wieder zusammen, machte sich ganz klein. ,,Geh wieder schlafen''.
Sie schloss ihre Augen und kurz bevor sie wieder in die schöne Traumwelt abdriftete, spürte sie einen angenehm warmen Körper, der sich neben sie schob und Atem, der ihr Ohr streifte. Sie wusste instinktiv, dass er etwas gesagt hatte. Aber was? Daran konnte sie sich im Nachhinein nicht mehr erinnert Dazu war sie einfach zu müde.
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