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Rote Tulpe

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Andreas Schweiger Frank Oehler Nils Egtermeyer OC (Own Character) Ole Plogstedt
18.03.2016
30.03.2016
16
24.870
 
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Dieses Kapitel
1 Review
 
 
18.03.2016 1.524
 
Mein Hirn läuft gerade über vor Input, daher habe ich eine neue Geschichte im Gepäck!
Josie gehört mir, die Kochprofis gehören sich selbst, ich verdiene kein Geld mit der Geschichte. Ich leihe mir die Jungs wie immer nur zum spielen aus, und gebe sie unversehrt zurück.
Ich freue mich immer wie Bolle über Reviews und Favos, und möchte an dieser Stelle Danke sagen, an alle die meine Geschichten lesen, lieben, und kommentieren. Ohne euch wäre mein Schreiberling-Dasein nichts!

Aber genug geschwafelt, los gehts!
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Leere. Absolute Leere. Das war alles, was ich fühlte. Der junge Polizist legte eine Hand auf meine Schulter. „Es tut mir so leid für sie“, meinte er betreten. Ich legte meine Hand auf seine. „Vielen Dank, dass sie mich benachrichtigt haben“, antwortete ich kraftlos. „Kann ich sie alleine lassen? Ich kann ihnen gerne eine Kollegin vorbei schicken. Sie ist Psychologin!“ Ich schaute ihn traurig an. „Nein danke, ich schaffe das irgendwie.“ Seine Kollegin strich mir über die Wange. „Wenn sie die Kollegin doch kontaktieren möchten, rufen sie uns bitte an! Wir helfen ihnen jederzeit!“ Ich nahm die Visitenkarte an mich, und versuchte, ein Lächeln zustande zu bringen. Doch mein Herz lag in Trümmern.
Meine über alles geliebte Schwester, alles, was von meiner Familie noch übrig war, war tödlich verunglückt!  Bei unseren Eltern würde ich mich nicht melden müssen, denn die hatten uns vor zehn Jahren unmissverständlich klar gemacht, dass wir für sie gestorben seien. Und das alles nur, weil Chrissi ihren Mann Till geheiratet hatte, und ich, wie für Zwillinge üblich, bedingungslos hinter ihr stand. Till! Den musste ich auch kontaktieren! Er war auf Dienstreise in England, aber davon konnte ich mich jetzt nicht abhalten lassen.
Unsere Eltern hatten den smarten Bayern immer gehasst, weil er eben „nur“ Handelsreisender war, und nicht etwa Anwalt oder BWL-Student oder sonst irgendetwas angesehenes. Ich selbst war seit Jahren Single. Freiwillig, auch wenn mir das keiner glaubte.
Ich griff nach meinem Smartphone, und wählte Tills Nummer. „Sommer?“ hörte ich seine tiefe, beruhigende Stimme. „Till….du musst sofort nach Deutschland kommen…Chrissi…“ Ich brach ab, da ich von einem Weinkrampf geschüttelt wurde. Die Polizisten hatten das Haus, das wir als WG bewohnten, bereits verlassen.
„Was ist passiert?“ herrschte er mich an. „Sie war auf dem Fahrrad unterwegs, und ein PKW-Fahrer hat sie übersehen. Till, sie ist tot!“ Nun weinte auch er bitterlich. „Sag mir bitte, dass das nur ein böser Traum ist. SAG ES MIR!“  „Das würde ich so gerne tun, aber leider ist es kein böser Traum“, schluchzte ich. „Kommst du nach Hause? Bitte! Ich ertrage das Haus nicht, wenn ich alleine bin!“ Er bejahte das sofort. Nachdem wir das Gespräch beendet hatten, entschied ich mich, doch unsere Eltern zu informieren. Sie waren angesehene Mediziner, und lebten tatsächlich in derselben Stadt wie wir.
Ich zog mir meine schwarze Mütze auf, und wickelte mich in mein ebenso schwarzes Cape. Mir war nicht nach fröhlichen Farben. Ich entschied mich dafür, zu Fuß zu meinem Elternhaus zu laufen, vielleicht würde mir das helfen, den Abend irgendwie zu überstehen. Der Wind war eisig, und riss an meinen lila Haaren. Das war der Grund, warum sie MICH verstoßen hatten. Lila Haare, Pericings, und tätowiert bis an die Halskrause, so verhielt sich keine Arzttochter. Dass ich inzwischen ein Sternelokal führte, juckte sie wenig. In der Fachpresse war ich schon als „Sternepunk aus München“ bekannt.
Zehn Minuten später fand ich mich im besten Viertel der Stadt wieder, und ich klingelte zaghaft an der Tür meiner Eltern.
Als Alfred, ihr Butler, öffnete, war ich erleichtert. Er war immer ein Opa-Ersatz für mich gewesen. Ja, in einen derart affigen Haushalt war ich hineingeboren worden. Mit Butler, und Köchin Gärtner und Nanny. „Josie“, freute er sich, und drückte mich fest. „Alfred, wie schön dich wiederzusehen. Leider bin ich aus keinem freudigen Anlass hier. Könnte ich bitte Mutter und Vater sprechen?“ Er nickte nur, und führte mich in die Bibliothek. „Herr und Frau Wittgenstein, Josephin ist hier!“
Meine Mutter hob ihren Blick. „Was willst du?“ „Mit euch reden“, antwortete ich ebenso knapp. Es geht um Christine.“ „Was ist mit dieser missratenen Göre?“ schnappte meine Mutter. Mein Vater lächelte. „Komm her, Kind. Setz dich.“ Ich drückte dankbar seine Hand. In diesem Moment tat mir ein warmes Wort gut. „Chrissi wurde von einem PKW-Fahrer erfasst, als sie mit dem Rad unterwegs war.“ Wieder rannen mir heiße Tränen über die Wange. „Und, was hat das mit uns zu tun?“ fragte meine Mutter. „HEDWIG!“ ereiferte sich mein Vater. „Siehst du nicht, wie schlecht es Josephin geht?“ „Sie ist tot. Noch am Unfallort ist sie ihren Verletzungen erlegen. Ich wollte, dass ihr das wisst.“  Vater schlug sich beide Hände vor den Mund, während Mutter weiterhin unbeeindruckt wirkte. Er zog mich fest an sich. „Es tut mir alles so leid, mein Schatz, kannst du deinem alten Vater verzeihen?“ Ich nickte stumm. „Das ist doch bestimmt eine Intrige, weil wir euch enterbt haben“, keifte Mutter. Das genügte. „Vater, du weißt, wo du mich findest, es ist besser, wenn ich jetzt gehe!“ Erhobenen Hauptes rauschte ich hinaus. Hanna, die langjährige Köchin meiner Eltern, bog gerade mit einer Platte Kuchenschnittchen um die Ecke. „Josie, schön dass du…“ Als sie mein verzweifeltes Gesicht sah, schob sie mich direkt in die Küche, und so berichtete ich auch ihr und Alfred, was passiert war.
Wir saßen noch eine Weile beisammen, und trauerten gemeinsam, als mein Handy mich aus den Gedanken riss. „Wittgenstein?“ „Hier ist Andre, dein Sous Chef, wo in aller Welt bist du?“ „Wieso bist du im Laden? Wir haben Ruhetag, geh nach Hause!“ „Das geht nicht, deine komischen Sternekollegen haben sich doch angekündigt, wegen DIR!“  Heiliger Bimbam, auch das noch. Naja, da musste ich jetzt wohl durch. Ich verschwand im Gästebad, und brachte mein Gesicht einigermaßen auf Vordermann. Dann griff ich zu meiner blauen Dose, und nahm eine Tablette heraus. Nachdem ich sie geschluckt hatte, verabschiedete ich mich von Hanna und Alfred.
Kurz darauf kam ich im Restaurant an. Dort saßen bereits zwei Männer am Tisch. Eigentlich war heute Ruhetag, aber die Kollegen hatten um ein persönliches Treffen gebeten. „Josie Wittgenstein, guten Tag. Sie sind dann also Herr Schweiger und Herr Oehler?“ Der ältere der beiden grinste. „Wir sind Andi und Fo, und du.“ „Okay, was kann ich also für euch tun?“ Ich setzte mich zu den beiden. Andi schaute mich an, und erklärte, was sie wollten. „Unser Mike ist bei den Kochprofis ausgeschieden, und unsere Filmfirma will uns so einen schnöseligen rothaarigen vorsetzen. Ich habe dich ins Rennen geworfen. Eine Frau wäre eine gute Ergänzung zu unserem Team!“ Ich erhob mich, und gab beiden die Hand. „Danke, aber nein danke. Wenn ihr etwas zu Essen bestellt habt, geht das aufs Haus, aber ich muss weiter.“ Damit ließ ich die beiden stehen. Ich hatte gerade meine Schwester verloren, meinen Zwilling, meine Seelenverwandte, und dann sollte ich Unterhaltungsfernsehen machen? Das ging mir dann doch zu weit.
Ich lief zurück nach Hause, Dort angekommen, legte ich mich auf Chrissis Seite des Ehebettes. Till wäre vor morgen nicht zu Hause, und so lang es noch nach ihr roch….Gedankenverloren griff ich nach Ursi, dem Plüsch-Eisbären, ohne den Chrissi nirgendwo hingegangen war. Ich rollte mich zusammen, und tränkte das Tier mit bitteren Tränen.
So wurde ich von Till gefunden. Der große, dunkelhaarige zog mich nur schweigend in die Arme. Wir sprachen kein Wort, sondern gaben uns einfach nur unserem Schmerz hin.

Zwei Wochen später wurde meine geliebte Schwester zu Grabe getragen. Ich saß in der ersten Reihe in der Kirche, Tills Hand fest gedrückt, und bekam die Worte des Pfarrers nicht wirklich mit, Mit der anderen Hand drückte ich Ursi, den ich ihr auf die letzte Reise mitgeben wollte, fest an mich. Als wir dem Sarg hinterher zum Grab liefen (wir hatten darum gebeten, das alleine tun zu wollen) bemerkte ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich drehte mich zu der Person um, und stellte fest, dass Vater gekommen war. Ich hakte ihn unter, und zu dritt nahmen wir Abschied.

Das war nun ein halbes Jahr her, und es verging kaum ein Tag, an dem ich nicht an meine Schwester dachte. Till ertränkte sich in Arbeit, und ich sah ihn nur noch alle zwei Wochen. Heute Abend sollte eine Weihnachtsfeier im „Red Tulip“, so hieß mein Lokal, stattfinden. Ich hatte es nach Chrissi und ihren leuchtend roten Haaren benannt gehabt. Sie hatte von mir seit unserer Kindheit jedes Jahr zum Geburtstag eine rote Tulpe bekommen.
Andre und ich arbeiteten routiniert Hand in Hand. „Josie, der Gastgeber der Weihnachtsfeier würde dich gerne sprechen!“ meldete sich meine Servicedame Anna zu Wort. „Lass ihn rein, ich kann hier nicht weg, sonst ist das Chateaubriand beim Teufel!“  Sie nickte, und winkte jemanden heran. „Andi?“ begrüßte ich den jungen Mann erstaunt. „Josie, schade dass du unser Angebot damals abgelehnt hast, nun müssen wir doch mit diesem Ätzpartikel Nils arbeiten!“ „So schlimm kann er gar nicht sein“, gab ich zurück. Er lächelte. „Nein, ist er auch nicht, aber wir wollen dich immer noch haben. Du würdest uns bereichern, davon bin ich überzeugt!“ Ich sicherte ihm zu, es mir durch den Kopf gehen zu lassen.
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