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The Division: Arisen

OneshotAllgemein / P16 / Gen
18.03.2016
18.03.2016
1
1.031
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Tom Clancy's The Division

Arisen

Sie konnte ihr Glück zuerst gar nicht fassen, als sie unter einer Schicht Schnee und Plastiktüten einen vollen Kasten mit Wasserflaschen fand - alle waren noch original verschlossen und unangerührt. Kaum zu Glauben das noch niemand diesen Schatz vor ihr entdeckt hatte, nachdem in New York seit geraumer Zeit nur die Plündermentalität herrschte und keine neuen Vorräte die Stadt erreichten. Zu einem der vielen Safehouses, wo man kostenlosen Nachschub verteilte, konnte sie nicht gehen, der Weg war zu weit und die Gefahren der Straßen zu groß. Abgesehen von den Straßengangs, die alles mitnahmen was nicht niet und nagelfest war, gingen auch Gerüchte um über Gefängnisinsassen, die, nachdem die Wächter des Gefängnis Rikers aufgegeben hatten, ausgebrochen waren und nun eine nicht unbeachtliche Gewalt in den Straßen Manhattans entfesselten.

Jede Nahrungs- und Vorratssuche wurde so äußerst gefährlich. Zudem war es eiskalt - der Wind wehte ihr einzelne Schneeflocken ins Gesicht, ihre Augen tränten und ihre Nase lief. Aufgrund der eisigen Temperaturen oder wegen des trotz der Kälte alles im Griff habenden Gestankes, konnte sie nicht genau sagen. Mittlerweile hatte sie sich fast an den Anblick von Unrat und Müll, manchmal in Bergen von Säcken, oftmals aber nur lose herumliegend, gewöhnt. Dennoch tat es weh, ihre Heimatstadt so zu sehen.

Doch nun beschäftigte sie ein anderes Problem. Die Kiste mit ihrer Ausbeute musste nach Hause - sprich zwei Blocks weiter und um eine Straßenecke - getragen werden. Doch die Kiste war schwer und klobig und ihr unter Unterernährung leidender Körper hatte kaum noch Kraft. Daher pausierte sie und versuchte sich in der schmalen Gasse zwischen zwei Blocks zu verstecken. Als hätte sie die drohende Gefahr geahnt, vernahmen ihre Ohren plötzlich ein Geräusch, das viel zu nah klang, um es mit Gleichmut anzutun. Ein Scharren auf dem verharschten Schnee, dann Schritte. Erschrocken drehte sie sich um - und erstarrte. Hinter ihr stand ein Mensch - der Kleidung nach zu schließen, musste es sich um einen der Gefängnisinsassen handeln, denn er trug immer noch die orangefarbene Sträflingskleidung. Sein Gesicht war vermummt, doch sie erkannte, das es ein Mann sein musste - ein bulliger Mann mit einem Baseballschläger in der Hand, mit dem er gerade ausholte, den geringen Abstand zu ihr durchmaß und ihr einen spitzen Schrei entlockte.

Das durfte nicht wahr sein! Alles in ihr gefror vor Schreck und Angst, als sie plötzlich zu ahnen begann, das diese Begegnung durchaus das Ende ihres Lebens sein konnte. Doch noch immer weigerte sie sich einfach aufzugeben, stattdessen sprang sie auf und ließ ihre mühsam erbeuteten Nahrungsmittel stehen. Sie kam nicht weit - unerwartet stolperte sie über etwas - ihre eigenen Füße oder im Schnee verborgener Unrat - sie wusste es nicht. Ihre nackten Hände fingen ihren Sturz ab, landeten im dreckigen Schnee. Der Schmerz fraß sich brennend in ihre Handflächen, dann traf sie ein Schlag am Rücken. Nur ein hohes Wimmern kam aus ihrer Kehle, als sie zusammenbrach. Für eine Sekunde war sie wie betäubt, dann ergriff der Schreck und die Angst erneut Besitz von ihr. Durch ihre Todesfurcht beflügelt versuchte sie so schnell wie möglich wegzukrabbeln, als sie eine unnachgiebeige Hand an der Kapuze ihres Winteranoraks fasste. Sie konnte sich nicht befreien. Vor Panik schrie sie nun erneut, während die Hand sie ein Stück hoch hob und mit Wucht herumdrehte. Sie landete auf dem Rücken in mehreren Müllsäcken, die ihren Fall dämpften. Über ihr ragte ihr Peiniger auf, in einer Hand noch immer den Baseballschläger. Von seinem mit einem behelfsmäßigen Atemschutz vermummtem Gesicht erkannte sie nur die Augenpartie. Doch allein dieser Anblick ließ das Blut in ihren Adern gefrieren. Entsetzt wimmerte sie ein "Nicht", doch das schien den bulligen Mann nicht zu beeindrucken.

"Wo wolltest du Schlampe denn hin?", drangen in einem abgehackten Slang gesprochene Worte an ihr Ohr. Sie wimmerte und bettelte weiter, das Entsetzen in ihr kannte keine Grenzen. Ihre Gedanken waren beherrscht davon, das es nun das Ende war, andererseits aber auch, das es nicht sein durfte. Ihre Hand tastete neben sich in den Dreck. Vielleicht fand sie ja etwas womit sie sich wehren konnte?

Der Sträfling gab ein Knurren von sich, sein Blick wanderte zu ihrer Hand. Fast zeitgleich hob er den Schläger und holte aus.

Sie schrie - spitz und hoch und voller Schmerz. Er hatte ihren Arm getroffen, ihr Brustkorb war wie gelähmt, sie bekam kaum Atem. Und schon wieder holte er aus - sie schrie noch immer.

Da ertönte ein fürchterlicher Knall - der Schläger verfehlte sie und fiel zu Boden - dicht gefolgt von dem Sträfling, der auf ihren Beinen landete. Ein Schwall Blut und andere undefinierbare Flüssigkeiten waren neben ihr auf der Wand gelandet, es glänzte feucht auf den braunen Backsteinen und dem schmutzigen Schnee. Wie versteinert saß sie da, während in weiter Ferne gedämpftes Gewehrfeuer losdonnerte, in unregelmäßigen Salven. Sie verstand nicht sofort, was geschehen war - fühlte sich wie versteinert. Ohne Zweifel stand sie unter Schock.

Ihre Ohren waren noch immer wie taub von dem lauten Knall - der ein Schuss gewesen sein musste, wie ihr ihr langsam denkender Kopf nun mitteilte - als sie den Blick hob und eine dunkle Gestalt auf dem gegenüberliegendem Dach entdeckte. Ein Mann offensichtlich - groß und schlank, dunkel gekleidet, einen Rucksack neben sich stehend. Und ein langes Gewehr in den Händen haltend. Vom dichter werdenden Schneetreiben schien er sich nicht beeindrucken zu lassen - auf seiner dunklen Jacke und der schwarzen Mütze lag bereits Schnee, soweit sie dies erkennen konnte. Sie blinzelte gegen den Wind an und hob die Hand. Der Mann auf dem Dach tat es ihr gleich - sie erkannte das Präzisionsgewehr, das er trug, das wohl die dem Sträfling den Tod bringende Waffe sein musste.
Ruhig winkte er ihr zu, nickte dann und schien die Waffe wieder zu sichern, bevor er langsam und irgendwie mit argwöhnisch wirkenden Bewegungen den Rucksack wieder schulterte und vom Dach verschwand.

Ihre Gedanken wirbelten umher, als sie sich schließlich wieder gefasst hatte, um ihre Beine unter dem nun tot daliegenden Sträfling hervorzuziehen. Sie hatte unglaubliches Glück gehabt - sie konnte es noch immer nicht fassen. Und scheinbar war auch an den Gerüchten, die sie in letzter Zeit im Funk gehört hatte, etwas dran - Agenten einer geheimen Regierungsinitative waren in New York, um die Gesellschaft zu retten.

Die Division war hier.
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