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Erst wenn man ganz unten ist, weiß man was wichtig ist.

von Julia03
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Het
André Matthäus Jule Polanski Klaus Wiebel OC (Own Character) Paul Richter Stephan Sindera
18.03.2016
14.06.2021
75
78.359
16
Alle Kapitel
117 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
10.06.2021 1.512
 
In der Nacht kam ich nicht zur Ruhe. Ich wartete bis Paul eingeschlafen war und lief dann im Haus umher. Immer wenn ich meine Augen schloss sah ich meinen Angreifer vor mir. Zuerst ging ich in mein Büro und sortierte endlich meine Bücher ein die immer noch verstreut auf dem Fußboden lagen. Danach wanderte ich weiter im Haus umher. Sortierte die Post im Wohnzimmer. Wusch das Geschirr das in der Spülmaschine war und stellte es trocken in die Schränke. Sogar einen Essensplan für die nächste Woche schrieb ich. Der Himmel wurde bereits wieder hell als ich hoch in Pauls Lesezimmer ging. Gezielt griff ich mir den dritten Band der Harry Potter Reihe und machte es mir auf dem Sofa bequem.
„Wieso wusste ich dass ich dich hier finde?“, hörte ich ein paar Stunden später Pauls sanfte Stimme und lies das Buch sinken. „Hast du überhaupt geschlafen?“, fragte er und sah mich prüfend an. Ich schüttelte nur stumm meinen Kopf. Paul setzte sich auf das Sofa und zog mich in seine Arme. „Albträume?“, flüsterte er. „Ich hab es nicht mal versucht. Immer wenn ich meine Augen schließe...“, begann ich zu erklären und spürte wie Paul sich verkrampfte. „Es tut mir leid.“, sagten wir beide gleichzeitig. Irritiert hob ich den Kopf und sah das Paul mich auch irritiert ansah. „Dir muss nichts leidtun.“, sagten wir wieder beide gleichzeitig was uns zum lachen brachte. Ich vergrub meinen Kopf wieder an Pauls Brust und er begann mit meinen Haaren zu spielen. „Nicht... Das macht mich nur müde...“, bat ich meinen Freund und wollte seine Hand aus meinen Haaren ziehen. „Das ist der Plan.“, nuschelte Paul und nahm meine Hand in seine. „Paul bitte...“, flehte ich und versuchte krampfhaft meine Augen aufzuhalten. „Es ist okay. Ich bin da und beschütze dich.“, versprach er und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Ich schloss meine Augen und schlief langsam ein.

„Ich wusste dass es dir gefallen hat.“, hörte ich einen Mann hinter mir keuchen. Sofort spannte ich sämtliche Muskeln in meinem Körper an und Panik stieg in mir auf. „Bitte nicht.“, keuchte ich, hörte dann aber Pauls Stimme so leise als wäre sie kilometerweit weg: „Ich bin da. Du bist in Sicherheit.“.  „Diesmal bringe ich es zu Ende!“, säuselte mein Angreifer und war mir jetzt so nahe, dass ich seinen Atem auf der Haut spürte. Mir stiegen Tränen in die Augen, als ich an mir runter sah und fremde Hände unter mein Shirt wandern. „NEIN!“, schrie ich und versuchte mich aus seinem Griff zu befreien. Meine Fingernägel gruben sich in die Unterarmes des Mannes und ich schrie immer lauter und verzweifelter um Hilfe.
„Dari!“  Ich versuchte mich weiter zu befreien, dachte ich hätte mir Pauls Stimme nur eingebildet. „Daria. Ich bin da.“. Seine Stimme klang lauter aber ich hatte noch immer Angst dass ich sie mir nur einbildete. „Ich beschütze dich.“, Pauls Stimme schien nun in meinem Kopf, zu sein, „Du bist in Sicherheit!“. Langsam verschwanden die Hände auf meinem Körper und so auch der Atem in meinem Nacken. Als ich mich zögernd umdrehte stand ich auf einer Wiese und über mir funkelten die Sterne wie Diamanten. Meine Atmung normalisierte sich zunehmend und als ich Paul in einigen Metern Entfernung auf der Wiese stehen sah schlich sich ein kleines Lächeln auf meine Lippen.
Wie in einem kitschigen Liebesfilm liefen wir wie in Zeitlupe aufeinander zu.
„Ich liebe dich.“, hauchte ich ihm in sein Ohr als ich meine Arme um seinen Nacken schlang. „Und ich liebe dich.“, erwiderte Paul und zog mich enger an sich.

Meine restlichen Träume waren harmlos und als ich nach ein paar Stunden meine Augen wieder öffnete, lag ich immer noch in Pauls Armen. „Gut geschlafen?“, fragte mein Freund und gab mir einen Kuss auf die Stirn. „Dank dir.“, bedankte ich mich und strich Paul über die Brust. Dann fiel mein Blick auf seine Unterarme. Schockiert setzte ich mich auf. „Alles ok?“, verwundert sah Paul mich an. „War ich das?“, mit zitternden Händen wies ich auf seine Unterarme die mit Kratzspuren übersäht war. „Schon gut.“, versuchte Paul mich zu beruhigen. Ich schüttelte aber meinen Kopf. „Nein Paul. Nichts ist gut. Ich hab dich verletzt!“. Paul hob seine Hand und wollte sie beruhigend auf mein Knie legen, ich aber sprang auf und brachte einige Meter Abstand zwischen uns. „Daria. Bitte.“, Paul stand auch auf, blieb aber beim Sofa stehen. „Ich hab dich verletzt. Den einzigen Menschen dem ich wichtig bin. Ich bin ein Monster. Was wenn ich dir irgendwann so wehtue dass du... dass du...“, ich redete wie ein Wasserfall und meine Atmung wurde immer schneller. „Verdammt.“, knurrte Paul, überbrückte die Distanz zwischen uns in wenigen Schritten und zog mich in seine Arme. „Das war ein Albtraum. Du könntest mir nie absichtlich weh tun. Das weiß ich. Ich würde dir mein Leben anvertrauen.“. In dem Moment brach ich in Tränen aus.

Es dauerte einige Minuten bis ich mich soweit beruhig hatte, dass ich mich von Paul lösen konnte. Noch bevor ich was sagen konnte, wand sich Paul an mich: „Du musst mir jetzt gut zuhören, ja? Das was du alles erlebt hast, reicht für zehn Leben. Das nicht alles spurlos an dir vorbei geht, ist klar. Aber ich liebe dich, in guten wie in schweren Tagen. Verstanden?“. Ich nickte und merkte wie mir wieder die Tränen über die Wangen liefen. Sanft wischte Paul sie weg und drückte mir einen Kuss auf die Nasenspitze. „Wir machen es uns heute gemütlich. Immerhin ist es Sonntag Mittag. Und morgen fahren wir zum Arzt, okay?“, schlug mein Freund vor und sah mich prüfend an.
„Okay...“, murmelte ich, wohlwissend dass ich dem nicht entkommen konnte.

Gemeinsam lagen wir auf dem Sofa unter einer dicken Decke eingekuschelt und sahen uns weitere Folgen von Chicago Fire an. Hin und wieder döste ich für ein paar Minuten ein, hatte aber keinen weiteren Albtraum. Zum Abendessen bestellten wir uns Sushi. Da ich wusste das Paul kein Sushi mochte, verschwand ich kurz im Bad und bestellte ihm sein Lieblingsessen, ein Steak mit Pommes, aus seinem Lieblingsrestaurant und bezahlte es direkt.
Mir nichts anmerken lassen, kuschelte ich mich danach wieder zu Paul unter die Decke und genoss seine Wärme. Als es gute 30 Minuten später an der Tür klingelte stand Paul, ganz der Gentleman auf und ging zur Tür. Ich hörte ihn kurz mit dem Lieferjungen diskutieren und wie danach ein weitere Mann dazu kam. Mit einem schelmischen Grinsen ging ich zur Kücheninsel und begann diese zu decken. Als ich gerade eine Kerze vor meinem und Paul Teller entzündete kam Paul in die Küche. „Schatz?“, fragend hielt er zwei Tüten von verschiedenen Lieferdiensten hoch. „Ja bitte?“, fragte ich und versuchte unschuldig zu wirken. „Was ist das?“, fragte Paul weiter nach und stellte die Tüten auf der Kücheninsel ab. „Ich nehme an, dass es unser Essen ist.“, lachte ich bei einem kurzen Blick in die Tüten. Paul sah mich kopfschüttelnd an: „Das weiß ich, aber warum steht hier nicht nur Sushi?“. „Wäre das nicht ein Rätsel für den Oberkommissar Richter?“, neckte ich ihn und zog die Sushi Packungen aus der Tüte. „Der sagt mir dass meine Freundin mir mein Lieblingsessen bestellt hat. Er weiß nur noch nicht wieso.“, sanft nahm Paul meine Hand in seine und hielt mich so vom weiteren Auspacken ab. „Also?“, fragend sah er mich an und ich konnte seinem Blick nicht länger widerstehen. „Ich weiß doch dass du kein Sushi magst. Und weil ich dir auch was gutes tun wollte, hab ich dir das Essen bestellt. Einfach weil ich dich liebe und nicht weiß wo ich ohne dich wäre. “, gestand ich und sah Paul tief in die Augen. „Du bist einmalig.“, mit einem Ruck zog mich Paul in eine Umarmung und küsste mich leidenschaftlich. Nach einigen Sekunden löste ich mich von ihm was ihn zum brummen brachte. Er wollte mich wieder küssen, ich drehte aber meinen Kopf weg. „Das Essen wird kalt.“, erklärte ich und strich Paul über seine Wange. „Das Essen ist mir sowas von scheißegal.“, knurrte Paul und ließ seinen Blick lüstern über meinen Körper wandern. „Paul Richter. Also wirklich!“, gespielt empört schlug ich meinem Freund auf den Oberarm, setzte mich auf einen der Barhocker und klopfte auf den Barhocker daneben: „Kommst du?“.

Während wir aßen unterhielten wir uns über das was die nächsten Tage für uns und vor allem für mich anstand. „Mein Angebot steht immer noch, dass du mit der Psychologin der Dienststelle sprechen kannst.“, erinnerte mich Paul und streckte sich eine Pommes in den Mund. „Nimm es mir nicht übel, aber wenn ich schon mit irgendeiner fremden Person über meine Schwächen und Probleme reden muss, dann nicht mit jemanden der dich und den Held in dir kennt.“, erklärte ich. „Erstens bin ich kein Held und zweitens ist ist wirklich gut. Sie würde auch nicht anders von dir denken, nur weil wir beide zusammen sind.“, versuchte mich Paul von der Objektivität der Psychologin zu überzeugen. „Ich weiß Paul. Warten wir vielleicht erst mal den Termin morgen ab. Lass uns aber erst mal zur Wache zu Herr Westerhoven. Ich muss wissen ob es was neues gibt.“, bat ich.
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