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Streetworker

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Bobby Singer Castiel Chuck Shurley / Gott Dean Winchester Dick Roman Sam Winchester
16.03.2016
15.01.2022
135
392.600
129
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724 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
15.01.2022 4.233
 
Hey ihr Lieben,

vergangene Woche hab ich es endlich wieder geschafft ein neues Kapitel für euch zu schrieben. In diesem Kapitel werden Castiel und Dean ein wenig miteinander reden und versuchen mehr Klarheit in die verdrehte Situation in den letzten Tagen zu bringen.

Wer noch mal über das bereits erwähnte aus Castiels Vergangenheit nachlesen möchte, kann dies gerne im 63. Kapitel noch mal tun, da ich in diesem nur neue Informationen beschreibe, die Dean noch nicht hatte.

Wie immer hoffe ich sehr, dass es euch gefallen wird und würde mich auch dieses Mal wieder sehr über das eine oder andere Wort von euch freuen.

Danke auch wieder für die lieben Reviews von Andromedar, SylvFan71, Garibaldi12 und Landei.

Habt viel Spaß und bis bald wieder

Eure Cassi



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Kapitel 135


Tag 148, Freitag

Wohlig umfing Dean die Wärme des Bettes in dem er lag und der Geruch seines Freundes. Erleichtert stellte er fest, dass er es noch immer war, sein Freund.
Er hatte sich schon seit Tagen nicht mehr so wohl gefühlt, so ganz ohne dieses bedrückende und schmerzhafte Gefühl in seiner Brust, während ihn die Sehnsucht nach Castiel und die Angst vor der Zukunft zu erdrücken schien. Das Gefühl, nicht mehr ganz zu sein, das Gefühl das etwas fehlte. Endlich konnte er spüren, wie sich all die kleinen Einzelteile, welche einst mal sein Herz gewesen waren, auch wieder zu diesem zusammensetzten.

Leise seufzend, wandte Dean sich um, wollte in die Arme von Castiel kriechen und das Gefühl der Geborgenheit noch einen Moment länger genießen. Doch das leere Bett neben ihn und die leisen Geräusche des Wassers aus dem Nebenzimmer, ließen ihn wissen, dass Castiel wahrscheinlich gerade duschte. Auch er hatte sicherlich eine Dusche nötig, weil sie es gestern Abend nicht mehr geschafft hatten und einfach in den Armen des jeweils anderen eingeschlafen waren. Er war viel zu erschöpft und erledigt gewesen, als das er sich zu einer weiteren Dusche hätte überwinden können, selbst das klebrige Gefühl, von den Zeugnissen ihrer letzten Nacht, hatte ihn nicht überredet, vor allem, als Castiel sanft mit ein paar Tüchern ihn reinigte, als er bereits im Halbschlaf abgedriftet war. Viel zu wohl hatte er sich in Castiels Armen gefühlt, als dass er auch nur einen Gedanken daran verschwendet hatte, noch einen Fuß aus dem Bett zu setzen. Arme, die er jetzt vermisste.

Noch immer die Nase in das Kissen seines Freundes drückend und dem wohligen und sicheren Gefühl, welches ihn umgab, nachspürend, bemerkte er gar nicht, wie das Wasser abgestellt wurde und die Geräusche erloschen. Erst als sich eine Tür quietschend öffnetet und er Schritte näher kommen hörte, würde ihm klar, dass Castiel fertig mit der Dusche war und zurückkehrte.

Dean wandte sich um, damit er seinen Blick auf die Tür richten konnte, aber nicht ohne sich weiter in die weichen Laken zu wickeln, unter die hoffentlich der Dunkelhaarige gleich ebenfalls zurück kriechen würde.

„Du bist wach.“

Das geradezu strahlende Lächeln, welches Castiel Dean entgegenbrachte, als er durch die angelehnte Tür trat, sorgte für ein angenehmes Kribbeln unter Deans Haut, welches sich in einem flatterndem Gefühl in seiner Magengegend sammelte.

„Hab dich vermisst.“

Nuschelte Dean und freute sich darüber, dass Castiel näher trat, während er sich mit einem Handtuch seine Haare trocken rubbelte und nichts weiter als ein weiteres um seine Hüften trug. Vereinzelte Wassertropfen bahnten sich ihren Weg über seine Brust und verfingen sich letztendlich im weichen Stoff des Handtuches. Dean hätte gern den weiteren Verlauf der kleinen Tropfen beobachtet, was ihn dazu brachte das Handtuch für einen Augenblick missbilligend anzublicken, doch als sein Blick zurück auf Castiel fiel, wurde er wieder weicher.

Instinktiv streckte er verschlafen eine Hand nach seinem Freund aus, welcher auflachend zu ihm kam und sich zu ihm bückte, um ihm einen sanften Kuss auf die Lippen zu hauchen, während er das Handtuch achtlos auf den Boden fallen ließ, mit dem er sich noch eben die Haare getrocknet hatte.

„Morgen Schlafmütze, es ist bereits 11 Uhr, Bobby hat schon angerufen und erwartet uns zum späten Mittag bei sich.“

Dean brummte nur, während er sich einen weiteren Kuss von Castiels viel zu sanften Lippen klaute.

„Komm wieder ins Bett...“

Deans Stimme klang leicht rau vom Schlaf und der viel zu langen Nacht, oder wegen der Kälte am vergangenen Abend. Dean wusste es nicht und eigentlich war es ihm sowieso egal.

Ein leises Kichern ließ ihn erneut unzufrieden aufbrummen, während er sich an Castiel klammerte und ihn versuchte zurück in ihr Bett zu ziehen.

„Okay, ich komme gleich noch mal zurück ins Bett. Versprochen.“

Seine Aussage bekräftigend gab er Dean noch einmal einen Kuss, bevor er sich von ihm löste und einen Schritt zurückkam.

„Aber die Brötchen sind gleich fertig und wenn wir das Haus nicht abfackeln wollen, sollte ich sie gleich aus dem Ofen nehmen. Aber dann komm ich zurück ins Bett und wir frühstücken hier. Einverstanden?“

Dean nickte nur missmutig, aber ein Frühstück im Bett zusammen mit Castiel, klang auch durchaus verlockend. Vielleicht würde er die Wartezeit selbst mit einer schnellen Dusche verbringen, dann hätten sie es nicht mehr so eilig, wenn sie nachher zu Bobby fahren würden.

Allein bei dem Gedanken an seinen Adoptivvater überkam ihn ein leichtes Gefühl von Panik. Er wollte gar nicht wissen, wie sauer er auf ihn sein würde, nach der Aktion vergangene Nacht. Er wusste selbst, dass abzuhauen nicht die beste Idee gewesen war, die er gehabt hatte, doch in diesem Moment hatte er nicht anders gekonnt. Es hatte alles so falsch ausgesehen und zu sehr geschmerzt und da erschien ihm eine Flucht am naheliegendsten, auch wenn er jetzt wusste, dass man vor den eigenen Gefühlen und dem Schmerz in seinem Innerem nicht weglaufen konnte.

„Okay, dann geh ich kurz duschen.“

Dean erinnerte sich daran, dass er Castiel noch eine Antwort schuldig war und er von seinen Gedanken sich hatte ablenken lassen. Doch die sanfte Berührung, wie Castiel durchs Deans wahrscheinlich verstrubbeltes Haar fuhr ließ sein Inneres wieder ruhiger werden.

„Ich beeil mich.“

Dean wickelte sich aus den Laken, während Castiel sich schnell eine Shorts überzog und aus dem Schlafzimmer verschwand. Langsam stand er auf, wobei er ein leicht wundes Gefühl in den unteren Regionen verspürte, doch es gab keine Spur von Schmerz. Viel eher war es eine Erinnerung an ihre gemeinsame Nacht. Ihr erstes Mal und eigentlich hätte dies auch sein erstes Mal sein sollen, doch auch wenn dem nicht so war und Dean für einen kurzen Moment einen Stich in seinem Innerem spüren konnte, war es dennoch Deans erstes Mal freiwillig und aus Liebe. Etwas Besonderes, weswegen Dean bei dem ungewohnten Gefühl leicht lächeln musste.

Er hätte nie gedacht, dass Sex sich so anfühlen konnte. Er hatte es immer mit etwas schmerzhaften verbunden, etwas das keinen Spaß machte, sondern eher eine lästige Pflicht war, doch Castiel hatte ihn eines besseren belehrt und im Nachhinein, wusste er gar nicht mehr, wieso er die ganze Zeit über so nervös gewesen war.

Es war ihm klar, dass es nicht immer Schmerzen bedeutete, vor allem, da er das Castiel nie angetan hätte, wenn dem so wäre und doch war da immer diese eine kleine Angst in ihm gewesen, dass es wieder wehtun würde, doch das hatte es zu keinem Zeitpunkt.

Vielleicht aber auch, weil sie keinen Sex gehabt hatten, sondern sich vergangene Nacht geliebt hatten, was für Dean mittlerweile etwas vollkommen anderes war.

Sex war etwas was den Körper befriedigte, aber nicht die Seele. Es war etwas das nicht von Dauer war und manchmal nur einem von beiden Spaß machte, doch miteinander zu schlafen war etwas vollkommen anderes. Es ging nicht nur um die körperliche Befriedigung, sondern darum der Person, die man liebte, nah zu sein, sich seinen Gefühlen hinzugeben. Jetzt wusste Dean genau, was es war und freute sich auf das nächste Mal, wenn er mit Castiel wieder auf diese Art Zeit verbringen konnte.

Dean war noch vollständig nackt, doch das störte ihn nicht weiter, als er barfuß aus dem Zimmer schlüpfte und im Badezimmer verschwand. Handtücher waren sowieso im Badezimmer und er würde es einfach so wie Castiel handhaben.

Routiniert duschte Dean, wusch die Spuren ihres vergangenen Liebesaktes von sich und musste dabei unweigerlich an seine oder eher ihre gemeinsame Dusche denken. Wie Castiel ihn liebevoll geküsst und gehalten hatte. Wie er verstanden hatte, dass er dieses Mal wirklich bereit war und es ernst wie noch nie zuvor meinte und Castiel es auch gespürt zu haben schien.

Ein wohliger Schauer überkam Dean, als er an ihre gemeinsame Dusche dachte. Wie vertraut sie miteinander umgegangen waren, etwas das er in den letzten Tagen mehr als nur vermisst hatte.

Schnell beendete Dean seine Dusche, bevor seine Gedanken noch weiter abschweifen konnten, da er Castiel nicht warten lassen wollte und trocknete sich fahrig mit einem Handtuch ab, welches er anschließend, ebenso wie der Dunkelhaarige, um seine Hüften band.

Als er aus dem Badezimmer kam, konnte er Castiel noch immer unten in der Küche mit Geschirr klimpern hören, weswegen er schon mal in ihr Schlafzimmer ging und sich eine Shorts überzog. Er könnte sich vorstellen irgendwann mit Castiel zusammen hier zu wohnen. Eigentlich würde er dies am liebsten jetzt schon tun, aber Bobby hatte klar gemacht, dass er, solange er noch nicht Volljährig war, noch bei ihnen wohnen würde und eigentlich hatte Dean auch nichts dagegen.

Natürlich wollte er lieber heute als morgen mit Castiel zusammen ziehen und doch war es ein ziemlich großer Schritt und seinen kleinen Bruder konnte und wollte er auch noch nicht alleine lassen. Es kamen ihm die Gedanken vom Vorabend in den Kopf, dass Sammy jetzt andere Menschen hatte, die sich um ihn kümmern würden, doch jetzt wo sich der Schleier aus seinen dunklen Gedanken endlich wieder gelichtet hat, konnte er erkennen, dass er egal was passieren würde und egal wie viele Menschen sie nun hatte, immer Sammys großer Bruder sein würde und er immer für ihn da wäre.

Als Dean sich in das Bett setzte und sich an das Kopfteil anlehnte, hörte er bereits wie Castiel die Treppe herauf kam. Er hatte es also wirklich geschafft, vor ihm fertig zu sein, was ihm ein kleines erfreutes Grinsen auf die Lippen zauberte, da er es wirklich geschafft hatte, Castiel nicht warten zu lassen, so wie er es sich vorgenommen hatte.

Wie erwartet, ging auch sogleich die Schlafzimmertür auf, in der Castiel mit einem großen Tablett stand, welches mit unzähligen Sachen beladen war. Sofort strömte ihm der Geruch von Kaffee und frischen Brötchen in die Nase, was ihm erst jetzt bewusst machte, wie hungrig er eigentlich war. Er wusste nicht wann er das letzte Mal etwas gegessen hatte. Gestern Abend hatte er nichts mehr gegessen und auch so hatte er am Morgen und Mittag zuvor keinen wirklichen Appetit verspürt, weswegen es schon ein wenig her war, dass er eine wirkliche Mahlzeit zu sich genommen hatte und nun wo alles wieder gut zwischen ihnen war, kehrte der Hunger umso mehr zurück.

Das Bett sackte leicht neben ihm ein, als Castiel sich neben ihm setzte und sich ebenfalls an das Kopfteil lehnte um das Tablett so zwischen sie aufzustellen, dass sie beieinander sitzen und dennoch beide ungehindert essen konnten.

„Danke, du bist einfach wunderbar.“

Dean hauchte einen Kuss auf Castiels Lippen, während er sich das erste Brötchen schnappte und begann es aufzuschneiden.

Das Frühstück lag in angenehmer Stille und Dean genoss diese Unbeschwertheit, die sie wieder miteinander teilen konnten, ohne sich genötigt zu fühlen irgendetwas zu sagen und doch konnte Dean nicht verhindern, dass seine Gedanken immer wieder zu den letzten Tagen wanderte, als er den letzten Schluck von seinem Kaffee nahm.

Denn auch wenn wieder alles gut zwischen ihnen war, quälte ihn noch immer die Frage, wieso Castiel so stark reagiert hatte und nicht einmal Dean die Chance gelassen hatte sich zu erklären. Nicht das er gewusst hätte, was er ihm hätte erklären sollen, denn er war es nicht gewesen, der das Geld und die Kondome in seinen Rucksack getan hatte. Er hatte Castiel doch nur eine kleine Freude bereiten wollen.

„Dean?“

Erschrocken fuhr Dean zur Seite, um Castiels fragenden Blick zu begegnen. Hatte er eben etwas gesagt?

„Was ist los Dean?“

War er so leicht zu lesen? Wo er sich doch nur kurz fragte, was wirklich der Auslöser war? Die Stimme des Dunkelhaarigen war sanft und interessiert.

Castiel war doch sonst auch so verständnisvoll und hörte ihm zu. Er war es immer gewesen der ihm geglaubt hatte und auch wenn Dean jetzt viel lieber ihre gemeinsame Zweisamkeit genießen würde, ließ ihn diese Frage nicht mehr los, wo er sie einmal gedacht hatte.

„Ich möchte die Stimmung nicht zerstören.“

Nervös begann Dean seine leere Tasse zwischen seinen Fingern hin und her zu drehen. Er wollte dieses Gespräch jetzt nicht führen und doch hatte Castiel ihm versprochen es ihm zu erklären und er wollte nicht, dass etwas zwischen ihnen stand und sie noch einmal in eine derartige Situation kamen. Er wusste nur, dass es irgendwas mit Samandriel zu tun haben musste, welcher anscheinend auch für die Kondome und das Geld verantwortlich gewesen war, doch war er sich nicht sicher, ob er alles wusste, was zwischen den beiden passiert war.

Er wollte Castiel nicht drängen etwas Preis zu geben, zu dem er noch nicht bereit war und doch konnte Dean nicht verhindern, dass ihn jetzt diese Frage mehr als nur quälte.

„Das tust du nicht, aber ich sehe, dass dich etwas beschäftigt.“

Castiel war wieder so verständnisvoll wie immer. Nichts schien mehr von seiner immensen Enttäuschung vorhanden zu sein, was Dean mehr als nur erleichterte, denn er hätte es nicht ertragen, wenn Castiel noch immer Zweifel an ihm gehabt hätte.

„Ich weiß, dass du deine Gründe hattest so zu reagieren wie du es getan hast, als du das Geld und die-“

Dean könnte das Wort nicht aussprechen, allein der Gedanke war schon schwer genug, weswegen er einfach das Wort übersprang und weiter machte. Castiel würde schon wissen, was er meinte.

„-gesehen hast. Du meintest mal, es wäre damals etwas passiert, aber ich würde es einfach besser verstehen, wenn ich erfahren würde was genau passiert ist. Ich meine, du musst mir nicht alles erzählen, du hast mir ja schon von deiner Vergangenheit mit Samandriel erzählt und allein das wäre mehr als nur ein Grund und doch würde ich es gerne besser verstehen.“

Kurz herrschte Stille, bevor Dean ein eigenartiges Gefühl überkam.

„Da ist noch mehr, oder?“

Er hörte Castiel neben sich tief einatmen und seine eigene Tasse auf das Tablett abstellen, während er sichtlich versuchte die richtigen Worte zu finden und sich auf das kommende Gespräch vorzubereiten.

„Ja, du hast Recht. Es war noch etwas passiert, aber all das ist kein Grund dafür, dass ich das Recht hatte dich so zu behandeln wie ich es getan habe und ich kann dir gar nicht oft genug sagen, wie leid mir das tut! Ich hätte die Vergangenheit hinter mir lassen und dir vertrauen sollen. Ich liebe dich und ich weiß auch, dass du mich liebst, etwas was Samandriel und Gadreel wahrscheinlich nie getan haben.“

Gadreel? Dieser Name war Dean neu. Er wusste von Castiels erster Beziehung mit Samandriel und wie verkehrt sie gelaufen war, vor allem wenn es die erste Beziehung war. Aber was war mit Gadreel?

Anscheinend war Deans Frage in seinem Gesicht zu lesen, denn Castiel wandte sich Dean weiter zu, während er noch einmal tief Luft holte und Deans Blick auswich.

„Ich scheine in der Vergangenheit kein Händchen für Beziehungen gehabt zu haben. Samandriel hat mich nur ausgenutzt und betrogen, nachdem ich ihm zu langweilig wurde und mit Gadreel war es auch nicht viel anders. Du weißt, dass ich nach meinem 18. Geburtstag eine Weltreise gemacht habe und dabei hab ich Gadreel kennengelernt und da ich immer länger an einem Ort geblieben bin, wenn ich irgendwo helfen konnte, war es keine große Überlegung für ihn länger zu bleiben.. Er schien so anders zu als Samandriel zu sein. Er wirkte erwachsener, reifer und wollte nicht von einer Party zu nächsten. Wir haben es langsam angehen lassen, vor allem weil ich nicht den gleichen Fehler machen wollte wie mit Samandriel. Ich habe ihm davon erzählt und er versprach, mir die Zeit zu lassen, die ich brauchte und das er mich nie so hintergehen würde und so jung und naiv wie ich noch immer war, glaubte ich ihm.“

Dean ahnte wo das hinführte und fühlte ein betrübtes Gefühl in seinem Innerem bei dem Gedanken, wie oft Castiel hintergangen wurde, dabei war er der liebevollste und aufopferungsvollste Partner den man sich überhaupt nur wünschen könnte.

„Also haben wir gewartet, bis ich bereit war wieder jemanden so an mich heran zu lassen. Wir hatten eine schöne Zeit, er hatte einen Job und lud mich oft zum Essen ein. Wir gingen ins Kino, sahen uns zuhause Filme an und ich schlief oft bei ihm, aber mehr war nie passiert. Irgendwann wollte ich ihn überraschen. Er hatte einen wichtigen Geschäftstermin und ich wollte ihm einen Zettel mit Mut machenden Worten in die Hosentasche stecken...“

War das der Grund warum Castiel so dringend hatte warten wollen? Weil er selbst wusste, wie es war gedrängt zu werden und um nicht genauso ein Arsch zu sein? Aber um ehrlich zu sein, war Dean froh sich Zeit gelassen zu haben, denn er wusste nicht, wie es ihm noch vor einigen Wochen ergangen wäre.

Erneut holte Castiel Luft, was Dean wieder ins hier und jetzt holte, schien die Worte nur schwerlich über die Lippen zu bringen.

„...doch in der Tasche war schon etwas. Ich zog Kondome heraus. Zunächst dachte ich mir nichts dabei, da wir schon länger miteinander ausgingen, dachte ich, er wollte bereit sein und auch wenn ich mich selbst noch immer nicht sonderlich bereit dafür fühlte, fand ich es auf eine eigenartige Art und Weise süß, dass er sich vorbereitet hatte. Also steckte ich die Kondome wieder zurück und legte den Zettel stattdessen in seine Jackentasche, damit er nicht wusste, dass ich sie gesehen habe.“

Irgendwie war Castiels Verhalten fast schon süß. Er steckte einen Zettel in die Tasche seines Freundes um ihm eine Freude zu bereiten. Das war so typisch für ihn und gerade deswegen fand Dean es noch schlimmer, allein bei dem Gedanken was garantiert folgen würde.

„Am Abend meinte er, er würde später zuhause sein, weil der Abschluss geglückt war und er mit seinen Kollegen noch feiern wollte. Ich bin also erst spät am Abend zu ihm gegangen, mit dem Vorsatz, dass ich heute mir ihm schlafen würde. Ich war mir noch immer nicht sicher, weil ich nicht den gleichen Fehler wieder machen wollte, aber er hatte eine Belohnung verdient, wo er bei der Arbeit doch so hart gearbeitet hatte und dennoch immer Zeit für mich gefunden hatte.“

'Belohnung' allein bei dem Wort drehte sich Dean der Magen um. Sex sollte nie eine Belohnung sein, sondern etwas was beide wollten. Dean wusste leider viel zu genau was er da dachte und wie scheiße es war, etwas zu tun was man nicht wollte.

„Ich war nervös und Gadreel wirkte so erledigt, aber vielleicht waren die Verhandlungen nur so anstrengend gewesen. Auf jeden Fall bin ich noch einmal in das Badezimmer gegangen. Wollte mir gut zureden und meine Nerven beruhigen und was soll ich sagen…, in dem Mülleimer lag ein benutztes Kondom und ich wusste ganz genau, dass es nicht von mir sein konnte. Ich bin dann raus und wollte Gadreel zur Rede stellen, doch er hat mich nur ausgelacht und gemeint, ob ich ernsthaft geglaubt hätte, dass er so lange auf mich warten würde. Er wäre auch nur ein Mann und wenn ich mich so zierte, dann müsste ich halt damit leben, dass er sich seine Befriedigung wo anders herholte und ich solle mich doch nicht so anstellen, es wäre doch nur Sex gewesen. Aber so etwas kann ich nicht.“

Man hörte förmlich Castiels Verzweiflung aus seinen Worten. Natürlich konnte er das nicht, Castiel hatte Besseres verdient als eine Beziehung in der sein Partner nicht vollständig für ihn da war. In diesem Moment nahm Dean sich fest vor, egal wie sehr er Castiel brauchte und er ihm immer und immer wieder half, würde er dafür sorgen, dass Castiel nie wieder so verletzt wurde. Weder von ihm oder einer anderen Person, dazu waren ihm die enttäuschten und verletzten Augen, welche ihn verzweifelt angeblickt hatten an jenem Abend noch zu sehr in Erinnerung.

„Es tut mir leid Dean, ich weiß, dass du weder Samandriel noch Gadreel bist, aber in dem Moment sind bei mir die Sicherungen durchgeknallt. Ich denke, ich hatte Angst das gleiche bei dir vorzufinden. Ich weiß wie bescheuert das war, aber in dem Moment fühlte ich mich zurück versetzt und wollte nicht schon wieder diesen widerlichen Anblick ertragen müssen. Und vielleicht hatte ein kleiner Teil von mir gedacht, dass ich dich zu lange habe warten lassen, mit meiner Rücksichtnahme.“

Vielleicht hatte sich Castiel deswegen nicht mehr dagegen gewehrt und Deans Bitte akzeptiert.

Castiels Blick suchte Deans, welchen er bereitwillig begegnete und die Aufrichtigkeit in ihnen sehen konnte, als er weiter sprach.

„Dabei war mir sofort klar, dass es nicht so sein konnte, Dean. Ich weiß, dass du mich nie so verletzen würdest, ich weiß selbst nicht was mit mir los war. Es tut mir leid! Ich liebe dich, bitte verzeih mir.“

Dean hatte Castiel noch nie so verzweifelt gesehen und Dean war sofort bereit ihm zu verzeihen, weil er es schon längst getan hatte.

Langsam hob Dean seine Hand und legte sie an Castiels leicht raue Wange, die er auch sofort in die Handinnenfläche schmiegte, aber nicht ohne den Blickkontakt zu brechen.

„Natürlich verzeih ich dir, das habe ich doch schon längst.“

Behutsam lehnte sich Dean nach vorne, dabei bedacht nicht das Tablett umzustoßen, während er ihre Lippen sanft zusammen brachte und immer wieder mit dem Daumen über Castiels Wange strich.

Nach einer halben Ewigkeit lösten sie sich schwer atmend wieder von einander, doch wollte Dean sich noch nicht gänzlich von ihm lösen, weswegen er nahe genug bei ihm blieb um seinen Atem auf seinen Lippen spüren zu können.

„Ich liebe dich doch auch!“

Erneut küsste er Castiel sanft und versuchte all seine Empfindungen in diesen einen Kuss zu legen, damit er endlich sein schlechtes Gewissen hinter sich lassen konnte. Als sie sich erneut voneinander lösten, konnte er endlich in Castiels Augen erkennen, dass er sich langsam begann selbst zu verzeihen, wenn auch nicht vollständig, aber das würde hoffentlich bald passieren.

„Aber weißt du was ich nicht so ganz verstehe?“

Dean lehnte sich weiter zurück um Castiels ganzes Gesicht betrachten zu können, denn da sie sich gerade alles von der Seele redeten, hatte er das Gefühl das er ihm auch von Samandriel erzählen musste, etwas was er gestern schon hatte tun wollen.

Bevor Castiel sich etwas ausmalen konnte, dass es etwas mit ihm zu tun hatte, redete Dean weiter.

„Wieso hat Samandriel die Kondome und das Geld in meinen Rucksack gelegt? Ich mein-“

Doch weiter kam Dean nicht, da Castiel erschrocken auffuhr und dabei fast das Geschirr vom Tablett gestoßen hatte.

„Was hat er?“

„Ich wollte es dir gestern Abend sagen. Es kann nur Samandriel gewesen sein. Er war gestern in der Werkstatt, obwohl sein Wagen nichts hatte und dann hat er mich noch fast überfahren, als ich die Straße wechseln wollte und er aus der Werkstatt kam. „

Kurz zuckte Dean zusammen, als Castiel das Tablett vom Bett auf den Boden stellte und wütend nach seinem Handy griff. So hatte Dean ihn noch nie erlebt. Was wollte er jetzt tun?

„Was hast du vor?“

„Ich werde diese Dumpfnase anrufen und ihm sagen, dass wenn er es noch einmal wagt sich dir auch nur zu nähern, ich ihn umbringen werde.“

Wäre Castiels Stimme nicht derart bedrohlich und sein Ausdruck so wutentbrannt, hätte Dean über den Ausdruck 'Dumpfnase' gelacht, doch jetzt in dem Augenblick war Dean nicht zum Lachen zu mute, viel eher glaubte er jedes einzige Wort aus Castiels Mund. So hatte er ihn noch nie zuvor erlebt.

„Warte.“

Erschrocken griff Dean zu Castiel, um seine Hand auf das Handy zu legen, sodass es Castiel nicht mehr möglich war dieses zu benutzen.

„Dean, ich muss das jetzt klären.“

„Nein Cas, du bist sauer und ich versteh das, aber lass uns besser Jody anrufen, sie weiß was zu tun ist.“

Dean konnte sehen, wie Castiel ergeben seine Schultern entspannte und sein Handy mit seiner Hand auf die Decke ablegte.

„Ich verstehe nur nicht, was er damit bezwecken will. Ich mein, er war es doch der, der dich betrogen hat, wieso ist er auf einmal so besessen von dir?“

Dean verstand es wirklich nicht. Es ergab keinen Sinn, wo er es doch war der Castiel abserviert hatte, aber andererseits hatte er es schon einmal versucht, sie auseinander zu bringen, damals mit dem Foto.

„Ich weiß es auch nicht Dean, aber wir müssen etwas unternehmen!“

Ja, dass mussten sie, weswegen Dean grübelnd nickte.

„Vielleicht können wir mit Bobby das noch einmal besprechen. Womöglich hat er eine Idee.“

Nun war es Castiel der nickte. Erleichtert stellte er dabei fest, dass Castiel ihm ohne Fragen zu stellen einfach glaubte. Er fragte nicht erst nach einem Grund oder wie er auf diese Idee kam, er nahm es einfach nur so hin. Eine weitere Bestätigung, dass zwischen ihnen alles wieder gut werden würde.



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Was meint ihr zu Castiels Vergangenheit? Auch seine ist von Enttäuschungen und Verletzungen geprägt, aber er öffnet sich Dean und weiß, dass er überreagiert hat.

Meint ihr, Castiels Reaktion war verständlich oder eher übertrieben, das würde mich sehr interessieren.

Habt noch ein schönes Wochenende! Ich drücke euch!

Eure Cassi
 
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