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Shadowrun - - - New Twin Falls

von ChrisWulf
KurzgeschichteSci-Fi / P12 / Gen
OC (Own Character)
15.03.2016
15.03.2016
2
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„Ich hasse Salt Lake City“ schrie er wütend in die Nacht hinein. Früher wäre ihm das nicht passiert, doch die Zeiten ändern sich und Türsteher werden immer kleinlicher. Nur weil man einem Typen deutlich macht, das man dessen Freundin nicht dumm angeguckt hat, sondern auf das Leben der eigenen Mutter schwört, dass das nun mal am Gesicht liege, das etwas entartet sei, anschließend eine Schlägerei anfängt und dann unsanft vom Türsteher, der mindestens 50 kg mehr als man selbst auf die Waage bringt, vor die Tür gesetzt wird. Früher machte sowas Spaß, aber die Lust vergeht einem, nachdem das heute Abend schon das dritte mal war.
Die Nacht war sternenklar und eiskalt, selbst für Salt Lake-Verhältnisse. Er stand vor der Wahl in sein Hotel zurück zu gehen oder sich den nächsten Schuppen auszusuchen und, wenn sein Plan funktioniert, dort abermals rausgeschmissen zu werden. Er entschied sich für Alternative 2 und suchte sich ein Taxi. Dem Taxifahrer drückte er 30 Nuyen in die Hand und sagte ihm, er wolle in einen Club mit schönen Frauen und Türstehern mit Geduld. Der Ork nickte zufrieden lächelnd und brachte ihn ins Rotlichtviertel der Stadt. Das „Harem“, eine Stripbar mit orientalischem Flair, erweckte seine Aufmerksamkeit. Ohne lange zu überlegen ging er hinein, gab dem Türsteher seine Waffe und 10 Nuyen und ging durch den schmalen mit roten Tüchern ausgehangenen Gang, an dessen Ende das Harem seine ganze Pracht entfaltete. Um eine kreisrunde Bühne waren Stühle und Tische angeordnet und weiter hinten sah er einige Sitzecken. Er quetschte sich in eine dieser Nischen, bestellte sich ein Bier und lehnte sich zurück.
Kaum hatte er sein Bier bekommen, setzte sich eine weitere Person neben ihn. Der Elf trug einfache dreckige Straßenkleidung und eine verwaschene rote Basecap. Er beachtete den Elf nicht weiter und zog eine Zigarette aus einer zerdrückten Packung, die er schon einige Tage mit sich rumschleppte. Bevor er sie sich jedoch anmachen konnte, schnipste der Elf mit den Fingern vor seinem Gesicht und deutete auf das Schild, was über der Theke hing: No Smoking! „Na toll“ schnaubte er verächtlich. „Und wo kann ich dann rauchen?“ Der Elf deutete zu einer Metalltür am anderen Ende des Raumes über der Stand SMOKING AREA. Kopfschüttelnd stand er auf und ging zur Tür. Die Show hatte seine Aufmerksamkeit nicht verdient. Die ungeschickte Stripperin versuchte auf dem extra für sie aufgestellten Sofa sexy auszusehen, doch irgendwie wirkte es billig und absolut unprofessionell.
Draußen machte er sich endlich die Kippe an und zog den Rauch tief ein, eher er ihn in einer warmen Wolke ausstieß. Es war mittlerweile so kalt geworden, dass er seinen Atem deutlich in der Nacht sehen konnte. „So alleine hier draußen?“ erklang eine Stimme aus der Dunkelheit. Er fuhr sichtlich zusammen und griff instinktiv nach seiner Waffe. „Shit!“ Als er ins leere Griff, fiel ihm wieder ein, das er die Waffe beim betreten der Bar dem Türsteher gegeben hatte. „Keine Panik, ich tue dir nichts. Ich will mit dir reden, mein Freund.“ Die Stimme schwang sanft durch die Nachtluft und legte sich wie Nebel auf seine Ohren. „Wer sind sie?“ Er konnte nur eine schlanke Silhouette im Dunkeln erkennen. „Mein Name ist für dich erstmal uninteressant, aber sagen wir einfach ich bin eine Ms Johnson. So sagt man doch in euren Kreisen üblicherweise oder?“ Mit den letzten Worten trat sie aus dem Dunkeln in den Schein der Neonröhre. Sie war noch recht jung, sofern er von sich behaupten konnte, das wahre Alter eines Elfen schätzen zu können. Ihr Outfit war weniger das, was er von einer Johnson erwartete: Eine schwarze Ledermotorradkombi, welche ihre Weiblichkeit doch sehr stark betonte, kurze Haare, dessen Farbe er nicht ganz definieren konnte und ein wunderschönes Gesicht, das ihm das Herz schneller schlagen ließ. Sein Vater würde jetzt sagen Engelsgleich, aber er hatte nie an den Blödsinn geglaubt, an Gott und so.
„Und wie kann ich ihnen helfen Ms Johnson?“ In seinem Tonfall war eindeutig seine abschätzige Haltung zu erkennen. Er mochte diese Langohren nicht sonderlich, da er sie nie wirklich einschätzen konnte, mit ihren langen, neutralen Gesichtern, ihren Mandelaugen und dieses von der Natur gegebenen Makellosigkeit. „Ich bin eine Bewunderin deiner digitalen Künste. Du bist einer der besten auf deinem Gebiet in Salt Lake City und genau den brauche ich, den Besten. Interesse?“ Er lachte laut auf. „Hey Lady, so läuft das nicht. Erst müssen wir uns über die Rahmenbedingungen klar werden, dann rücken sie mit ein paar mehr Informationen raus, was den Auftrag angeht und dann unterhalten wir uns über einen Preis. Alles klar soweit?“ Sie blickte ihn aus großen Augen an. „Ach so läuft das ab. Ich wunderte mich schon, warum Ted Willemsburg den Auftrag so schnell ablehnte.“ Sie tippte sich mit dem Zeigefinger auf die geschürzten Lippen und blickte ins Leere.
„Ted Willemsburg? Hermes XHT? Den haben sie gefragt? Ich dachte sie suchen den besten und der bin nun mal ich.“ „Das weiß ich, JJ. Oh, ich darf sie doch JJ nennen? Oder gefällt ihnen Hacker Zero besser?“ Ihr Blick wandelte sich in eine fordernde Geste, so als wollte sie ihn Reizen, doch er beherrschte sich. „Lady, worum geht es denn bei dem Geschäft? Datendiebstahl, Paydatabeschaffung?“ „Transaktionen von Geld und dessen Verwaltung sowie das übermitteln verschlüsselter Datenpakete.“ Wieder lachte er laut auf und warf die Kippe weg. „Wollen sie mich verarschen?“ „Keineswegs.“ „Ich soll Girokonto für sie spielen.“ „So in etwa ist das korrekt.“ „Und Postbote?“ „Fürwahr.“ „Und wie viel bringt der Job?“ Mit einer unnatürlichen Schnelligkeit und Gewandtheit warf sie ihm einen Checkstick zu. Er hatte leichte Probleme ihn zu fangen, immerhin waren seine Hände halb gefroren. Als er die Summe kontrollierte, wurde er blass. „Ist das wirklich ihr ernst, Lady?“ „Absolut.“ „Das sind … mehr als …“ er stammelte vor sich hin, bis sie wieder das Wort ergriff.
„Ich habe allerdings jetzt schon einen Auftrag für sie. Nichts Wildes.“ Sie kramte einen Zettel hervor und ging langsam auf ihn zu. „Diese Person wird in drei Tagen sterben.“ Er runzelte die Stirn. „Hey, mal langsam. Ich bin kein Killer oder so.“ Als sie vor ihm stand beugte sie sich zu ihm vor. „Lassen sie mich doch ausreden“ erwiderte sie mit einem charmanten Lächeln. „Natürlich sind sie das nicht. Auf dem Zettel steht eine Adresse. Wenn die Person tot ist, kommen sie 48 Std. später zu dieser Adresse. Ich werde sie dort mit ihrem nächsten Auftrag erwarten.“ Sie drückte ihm einen Kuss auf die Wange und wandte sich um, hin zur Dunkelheit der Gasse. Sie war fast vollständig im Schatten verschwunden, als ihm noch etwas einfiel. „Hey Lady, woher weiß ich denn, das der Typ tot ist.“ Sie drehte nur leicht den Kopf, doch ihre Stimme war klar und deutlich für ihn zu verstehen. „Schalten sie ihren Fernseher ein.“ Kaum hatte sie das gesagt, verschwand sie in der Dunkelheit. Eine kurze Zeit später hörte er ein Motorrad aufheulen und sich entfernen. „Oh Mann, was für eine Nacht. Jetzt brauch ich erstmal ein Bier und ne Nutte.“ Mit diesen Worten zog er die Metalltür auf und ging zurück ins Warme.
 
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