Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Patisserie Karamell

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
OC (Own Character)
15.03.2016
13.08.2016
5
9.095
1
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.03.2016 2.195
 
Disclaimer: Mir gehören nur Toffee, Bonbon, ihr Laden und alles was darin enthalten ist! Alles andere gehört ihren rechtmäßigen Eigentümern.

Dieses Kapitel ist Pachirisu gewidmet, ich hoffe es gefällt dir.

Windbeutel – Stehe zu dir selbst

Es war bereits später Nachmittag, als ein kleines Mädchen mit kurzen, verstrubbelten hellblauen Haaren an der Gasse vorbeikam. Es ging normalerweise nicht an dieser Gasse vorbei, doch heute hatte man ihr die Fahrkarte für ihren Bus weggenommen und nun war sie vom Weg abgekommen. Es wollte zuerst rasch an der Gasse vorbei gehen, doch ein Geräusch ließ sie innehalten.

„Miau“

Sie blieb stehen und sah sich nach dem Ursprung des Geräusches um. Es kam von einer braunroten Katze mit gelben Augen, die mitten in Gasse saß und das Mädchen direkt ansah.

„Hallo, du.“, sagte das Mädchen, „Wer bist du denn?“ Die Katze kam näher und presste sich mit einem leichten Schnurren an die weißen Socken des Mädchens. „Du bist aber hübsch, du musst doch jemanden gehören oder?“

Als ob das Tier nur auf diese Worte gewartet hätte, sprang die Katze auf die Gasse zu und miaute erneut, fast eindringlich.

„Oh, du wohnst hier?“, fragte das Mädchen und machte einen zögernden Schritt auf die Gasse zu, doch dann murmelte sie „Aber ich muss eigentlich nach Hause…“

Ein erneutes Miauen, ertönte und ein plötzlicher Windstoß schubste das überraschte Mädchen in die Gasse hinein. Seine weiße Matrosenmütze segelte dabei von ihrem Kopf, doch bevor sie den Boden berührte, schoss die Katze hervor und rannte mit der Mütze davon.

„Hey, bleib stehen!“, rief das Mädchen und rannte hinter ihrer Mütze her. Tiefer und tiefer folgte sie der Katze in das Labyrinth der Gassen, und bemerkte erst dass sie wohl schon weit von der Straße fort war als sie ihre Mütze vor einem kleinen, seltsamen Laden fand.

Die Front des Ladens war aus warmen roten Ziegeln gemacht, im Gegensatz zu den langweiligen Betonwänden in der Umgebung, und an einem braunen Holzschild prangten die schwarzen, verschnörkelten Worte „Patisserie Karamell“. Die Ladentüre war scheinbar aus dem gleichen Holz wie das Schild, allerdings gab es weder Fenster, noch einen Briefkasten oder eine Hausnummer, sondern nur einen einzigen Messingtürknauf der mitten auf der Tür saß und das Licht reflektierte.

Verunsichert sah sich das Mädchen um und beschloss schließlich in den Laden zu gehen, um nach den Weg zu fragen. Die Ladentüre öffnete sich mit einem fröhlichen Klingeln und die schwarzen Augen des Mädchens weiteten sich.

Boden und Wände des Ladens waren in weichen cremefarbenen und hellbraunen Tönen gehalten, ebenso wie die vielen Tische und Vitrinen die überall in dem Raum verteilt standen. Doch das alles schien im Angesicht der Waren zu verblassen. Kuchen und Torten aller Arten waren auf Tabletts präsentiert, Bonbons ruhten in glänzenden Gläsern, farbenfrohe Lollies steckten in zarten Kristallvasen, Porzellantöpfe voller Kekse füllten Regale, verschiedenfarbige Limonaden waren in hohe Krüge gefüllt und kleine Gebäcke waren auf bemalten Tellern präsentiert.

Das Mädchen sah sich so verwundert um, dass es die Frau fast gar nicht bemerkt hatte bis diese freundlich sagte: „Willkommen in der Patisserie Karamell, dem Laden der Wünsche wahr macht. Ich bin Toffee Komatsu, was kann ich für dich tun?“ Ihre braunen Haare reichten ihr auf die Schultern, die von einer weißen Bluse bedeckt wurden, und sie hatte ein freundliches, warmes Lächeln. Sie trug einen braunen Rock, mit mehreren schwarzen Unterröcken und eine dunkle Strumpfhose. In ihren Armen lag die Katze, die das Mädchen in den Laden gelockt hatte.

„Oh, äh ich wollte eigentlich gar nichts kaufen.“, stammelte das Mädchen etwas überwältigt, „Ich wollte nur nach dem Weg… Ähm haben sie gerade gesagt dass sie Wünsche erfüllen?“

Toffee nickte. „Alles hier hat die Macht dir deine Wünsche zu erfüllen, aber meine Sachen sind natürlich nicht umsonst. Was möchtest du denn kaufen?“

Das Mädchen sah auf seine blauen Schnürschuhe herab und dachte nach, bevor sie fragte: „Haben Sie hier etwas, was mich mutig macht?“

Nachdenklich betrachtete die Frau ihre Kundin, bevor sie die Katze absetzte und das Mädchen an einen freien Tisch geleitete: „Erzähl mir doch bitte warum du mutig werden möchtest.“

-Flaschback-

Mein Name ist Dimenzio Subaru und ich gehe noch zur Grundschule, zusammen mit meiner Kindheitsfreundin Namida.

„Hey, Nami-chan! Hast du schon die neuen Folgen von diesem Anime gesehen?“, fragte Dimenzio und sprang vor dem Tisch ihrer Freundin auf und ab.

„Klar doch, ich wollte wissen wie die Staffel endet!“, ertönte die enthusiastische Antwort der Brünetten vor ihr. Beide gingen fröhlich redend auf den Schulhof, wo sie sich in eine Ecke zurückzogen und eine Runde Gummitwist spielten.

Obwohl wir bald in die Mittelschule gehen werden, sind wir beide nicht so daran interessiert cool zu sein. Wir spielen lieber herum und reden über Animes und Mangas. Eigentlich ist das alles schön und gut aber nicht jeder findet dass in Ordnung.

„Hey, schaut mal, da sind die Babys!“ Ein blondes, schmales Mädchen ging hoch erhobenen Hauptes auf die Freundinnen zu, gefolgt von einer Gruppe ihrer Freundinnen. „Müsstet ihr nicht euren Mittagsschlaf machen?“

Kichernd echote das Wort „Mittagsschlaf“ um Dimenzo und Namida herum, die instinktiv näher zusammengerückt waren. Diese Mädchen hatten es schon lange auf sie abgesehen, schon seit Wochen ging das so.

„M-Möchtet ihr nicht mit uns spielen?“, fragte Dimenzo mit einer zittrigen Stimme, während sich Namida nur noch fester an ihren Arm klammerte.

„Oh, ja wir würden ja gerne mit euren Puppen spielen, aber wir brauchen Kohle für eine kleine Party, also rückt raus!“

Namida versuchte ängstlich zu wiedersprechen: „Aber Mia, wir müssen doch damit Essen kaufen…“

„Hey, Freak, hab ich nach deiner Meinung gefragt?“, schnauzte die Anführerin der Gruppe und schubste Namida von Dimenzo weg.

„Nami-chan!“, rief Dimenzo aus und wollte ihr helfen, doch auch sie wurde zu Boden gestoßen. Bevor sich die Blauhaarige aufrichten konnte drückte sich ein weißer Ballerina auf ihr rot-weißes Shirt und pinnte sie auf den Boden fest.

Mias Gesicht näherte sich ihrem mit einem gehässigen Grinsen. „Sieh es einfach ein: du bist einfach komplett nutzlos. Du bist immer noch ein Kleinkind, du kannst nicht mal deiner Freundin helfen und wirst es nie zu etwas bringen.“ Mit einem scharfen Ruck riss sie das Portmonee aus Dimenzos weißer Shorts. „Warum tut ihr zwei uns nicht einfach einen Gefallen und verschwindet für immer?“

Lachend und höhnisch mit ihrer Beute wedelnd verließen die Mobber den Schulhof, die beiden Mädchen zurücklassend. Namida regte sich zuerst wieder, indem sie sich wieder aufrichtete und auch Dimenzo aufhalf. „Meinst du, dass sie recht haben?“, fragte sie leise und in ihren großen braunen Augen schwammen Tränen, „Wäre es nicht besser wenn es uns nicht geben würde?“

„D-Das ist bestimmt falsch!“, brachte Dimenzo heraus, „Es kann nicht stimmen! Lass uns einfach weiterspielen!“

Doch Namida schniefte nur und wandte sich ab. „Aber was wenn es stimmt.“, war ihre Antwort, bevor sie mit gesenktem Kopf in Richtung des Klassenzimmers ging. Dimenzo versuchte den ganzen Tag über mit ihrer Freundin zu reden, doch sie bekam keine Antwort.

Kurz bevor sie nach Hause gehen wollte, sprach sie ein Lehrer an. „Subaru-chan, kommst du bitte mal her?“

Mit einem Kloß im Hals ging sie langsam auf den Lehrer zu. Auf ihren Weg dorthin hörte sie ein Zischen von Mia. „Sag was und deiner Freundin geht’s schlecht!“

Nun völlig verängstigt trat das Mädchen auf ihren Lehrer zu. „Subaru-san, du bist doch mit Akiyama-san befreundet und mir ist aufgefallen, dass ihr zwei heute sehr still wart. Möchtest du mir vielleicht etwas sagen? Ich kann euch helfen.“

Ich wollte damals wirklich etwas sagen, aber da waren einfach ständig diese Augen, dieses Flüstern und ich konnte nur noch die Drohung von Mia in meinem Kopf hören. Es fiel mir wieder wie oft ich es nicht geschafft hatte meine Freundin zu beschützen oder für mich selber einzustehen, wie oft ich dafür fertig gemacht wurde einfach nur ich selbst zu sein.

„Es ist nichts, Shimada-sensei.“, wisperte Dimenzo und bevor der Lehrer sie zurückhalten konnte, rannte sie aus dem Klassenzimmer. Sie rannte auch an Namida vorbei, die versuchte ihre Freundin anzusprechen aber sie erreichte sie nicht.

Erst an der Bushaltestelle blieb sie stehen um nach ihrer Fahrkarte zu greifen, doch anstatt ihres Portmonees fand sie nichts. Die ganze Demütigung des Tages kam wieder auf sie zurück und mit hängendem Kopf marschierte sie davon.

-Flaschback Ende-

„Ich verstehe“, sagte Toffe und nahm einen kleinen Schluck von ihrer Limonade.

„Schon mein ganzes Leben lang kann ich das einfach nicht, für mich selber oder andere einstehen. Aber ich will das nicht mehr! Ich will nicht mehr ständig Angst vor allen haben!“, schluchzte Dimenzo und es traten wieder Tränen in ihre Augen.

Die Patissiere legte dem Mädchen eine Hand auf die Schulter und reichte ihr ein besticktes Taschentuch. „Ich habe das richtige für dich.“

Als das Mädchen aufsah, beobachtete sie wie Toffee zu einer der Vitrinen ging und einen kleinen Teller mit einer silbernen Servierglocke darauf herausnahm. Sie setzte das Ganze vor ihr ab und hob vorsichtig die Glocke hoch. „Iss diesen Windbeutel. Er ist mit einer Erdbeercreme gefüllt und wird dir die Kraft geben für dich einzustehen.“ Auf dem Teller saß ein wunderschöner kleiner Windbeutel, höchstens groß genug für drei Bissen, goldbraun mit einer weichen rosa Cremefüllung.

„Bevor du zugreifst, lass mich dir noch sagen dass meine Produkte ziemlich teuer sind. Wenn du den Windbeutel isst werde ich mehr von dir nehmen als nur Geld. Ich nehme mir etwas persönliches, vielleicht deine Augen oder eines deiner Beine, aber dafür erfüllt sich auch dein Wunsch.“, warnte Toffee und fixierte Dimenzo.

Die Blauhaarige starrte das Gebäck an. Ihr Herz pochte laut und sicherlich konnte man es hören, doch sie nahm den Windbeutel in die Hand, schluckte noch einmal und biss hinein.

Der fruchtige Geschmack breitete sich auf ihrer Zunge aus und ein Prickeln machte sich in ihr breit. Plötzlich schienen sich ihre Probleme langsam in Luft aufzulösen. Sie hatte das Gefühl alles schaffen zu können!

„Na, schmeckt es dir?“, fragte Toffee mit einem kleinen Lächeln.

„Ich hab noch nie etwas so leckeres gegessen!“, rief Dimenzo aus und nahm schnell ihre letzten Bissen. Ein Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus.

Die Patissiere nahm den kleinen Teller und sagte: „Du solltest jetzt nach Hause gehen, deine Mutter macht sich sicher Sorgen um dich.“

„Oh nein das hatte ich ja echt vergessen!“, rief das Mädchen und stürmte hastig aus den Laden heraus. Erst als die Türe hinter ihr ins Schloss fiel ihr ein, dass sie noch nicht bezahlt hatte, doch als sie sich umdrehte fand sie nur die Gasse in der sie Katze gefunden hatte.

Verwirrt rannte Dimenzo nach Hause, wo sie von ihrer tränenüberströmten Mutter empfangen wurde. „Wo warst du denn Schatz?! Ich war richtig krank vor Sorgen als du nicht mit dem Bus kamst! Was ist denn nur passiert?“

Hätte ihre Mutter ihr die gleiche Frage am Morgen gestellt, hätte ihre Tochter ihr gesagt, dass nichts wäre aber jetzt…

„Mama, ich muss dir etwas sagen.“

~Am nächsten Morgen~

„HEY FREAK! WARUM RUFT DEINE MUTTER BEI UNS AN UND BESCHWERT SICH?!“, schrie Mia über den halben Schulhof, als sie Dimenzo sah.

Das Mädchen ging mit entschlossenen Schritten auf ihre Peinigerin zu, ihre schwarzen Augen strahlten vor Selbstvertrauen. „Weil ich ihr gesagt habe wie du Namida und mich hier behandelst! Ich halte nicht länger still während du uns als Fußabtreter benutzt!“

Zum ersten Mal schien in Mias blauen Augen Unsicherheit aufzuflackern. „Hatte ich dir nicht gesagt, dass deiner Freundin etwas passiert wenn du etwas sagst…“

„Und warum sollte ich dir glauben? Ich habe keine Lust mehr still zu halten damit du dich besser fühlen kannst!“, unterbrach Dimenzo sie. Mittlerweile hörte die ganze Schule zu. „Du bist zu bedauern Mia, du kannst dich nur gut fühlen wenn du die Illusion hast etwas Besseres zu sein. Aber dafür musst du jetzt jemand anderen suchen, denn ich habe keine Angst mehr vor dir und wenn du Nami-chan etwas antust wirst du es bereuen!“ Mit diesen Worten drehte sich Dimenzo um und ging durch die Menge der Schaulustigen auf Namida zu. „Nami-chan, es tut mir leid dass ich dich bis jetzt nicht beschützten konnte. Ich hatte Angst dass Mia recht hatte und ich wirklich nichts wert bin, aber jetzt habe ich diese Angst nicht mehr. Sind wir noch Freunde?“, fragte sie etwas ängstlich.

Namida schniefte und umarmte ihre Freundin. „Natürlich sind wir noch Freunde, du Dummi! Und jetzt komm, ich muss dir doch noch den neuen Manga geben denn du wolltest!“

„Yeahy!“

Keiner hatte die junge Frau mit den braunen Haaren bemerkt, die am Schuleingang stand und eine kleine Kristallphiole, mit einem schimmernden Licht darin, in ihrer Hand hielt. „Ein Herz, dass den Mut gefunden hat für sich und andere einzustehen. Was ich mir von nehme, ist deine Zaghaftigkeit, die dich davon abhält dein Leben zu genießen.“

Sie drehte sich um und machte sich wieder auf den Rückweg zu ihrem Laden. „Mhm, diese Essenz wird sicher etwas sehr leckeres geben…“, murmelte sie vor sich hin und klebte im vorbeigehen einen Flyer an die Wand eines Hauses.

„Patisserie Karamell – Deine Wünsche werden wahr.“

~

Windbeutel mit Erdbeercreme – Windbeutel werden aus einem Brandteig gemacht und können aufgrund ihrer hohlen Struktur mit allem möglichen gefüllt werden. Die herausquellende, süße Creme symbolisiert die kindliche Persönlichkeit von Dimenzo, wegen der sie so oft niedergemacht wurde.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast