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Eiskaltes Schicksal

von Ronja2331
GeschichteDrama, Tragödie / P16 / Gen
HoroHoro OC (Own Character) Ren Tao Yo Asakura
15.03.2016
22.02.2017
19
20.586
 
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20.09.2016 2.599
 
13.

Trey P.o.V.
Irgendwann am nächsten Morgen wachte Trey auf. Er wusste nicht, wie spät es war, nur, dass ihm der Schädel brummte. Die gedämpften Geräusche von unten erschienen ihm viel zu laut, und das Licht, das zwischen den zugezogenen Vorhängen hervorluckte, war unangenehm grell. Trey wollte sich schon wieder die Decke über den Kopf ziehen, als sich sein Magen krampfartig zusammenzog. Wann hatte er das letzte mal etwas gegessen? Trey wusste es nicht - das einzige, das er wusste, war, das er eigentlich keinen Hunger hatte. Allein bei dem Gedanken an Essen zwischen seinen Zähnen wurde ihm schlecht. Langsam stand er von seiner Matte auf und näherte sich dem Fenster des kleinen Zimmers. Ein Blick nach draußen verriet ihm, dass er sehr lange geschlafen hatte; die untergehende Sonne hatte alles in ein orange-rotes Licht getaucht, und die Umrisse der Gebäude begannen, unschärfer zu werden. Weiter hinten konnte er schon die ersten vereinzelten Reklameschilder der Großstadt aufblitzen sehen. Kurz entschlossen griff er sich ein frisches T-Shirt aus dem Kleiderschrank und stülpte es sich über den Kopf. Nicht viel später saß er auch schon im Bus in die Innenstadt- auf dem Weg zum Vergessen.
Er fand  die Bar ohne Schwierigkeiten wieder. Doch sie  hatte noch  geschlossen. Er war viel zu früh dran. Planlos  verließ trey die Seitengasse  und lief durch due Stadt.
Was  sollte er jetzt machen? Zurück  fahren? Doch den Gedanken  verwarf er fast sofort. Dann käme er nicht nochmal raus. Er konnte sich unmöglich um diese Zeit unbemerkt ins Haus schleichen.
Gedankenverloren lief Trey durch die Straßen. Es war ungewöhnlich frisch für diese Jahreszeit und der Wind zerzauste ihm die Haare. Mit den Händen in den Hosentaschen ging er langsam durch die Gassen von Tokio- ohne seiner Umwelt wirklich Beachtung zu schenken.
Irgendwann knurrte sein Magen. Kein Wunder. Wann hatte er das letzte Mal was gegessen? Vor 24 Stunden? Das  musste so ungefähr passen. Er kramte in seiner Hosentasche nach etwas Geld und kaufte sich einen  Hotdog von dem erst besten Stand in seiner Nähe.
Das befriedigende Gefühl von Nahrung genießend, lief er langsam, immer mal wieder von seinem Hotdog abbeißend, durch die Straßen und beobachtete die Menschen um sich herum. Hektisch, laut, schrill, bunt. Alles fühlte sich wie in Watte an. Gedämpft, aber auch viel intensiver. Die Welt erwachte. Und mit ihr er. Enthusiastisch setzte er sich in die Richtung der Bar in Bewegung
Vielleicht war die jetzt ja offen. Und wenn nicht  würde er einfach in einem Park in der Nähe auf den Einbruch der Dunkelheit warten. Viel zuversichtlicher setzte Trey seinen Weg fort.
Mit einem breiten Grinsen öffnete er die Tür zur Bar und schaute zur Theke hinüber. Dort saßen schon Takeru und Akito, jeweils ein Glas Bier in der Hand, und schienen sie über etwas unglaublich lustiges kaputt zu lachen. Als sie ihn bemerkten, drehten sie sich zu ihm um und grinsten ihn ebenso breit an
"Wo warst du gestern Alter?" fragte Takeru ihn.
"Ich hatte keine Zeit" wimmelte er ihn ab. An gestern wollte er nichts denken.
"Ach, ist ja auch egal. Setzt dich hin Mann."
Freundschaftlich klopfte Akito ihm auf die Schulter und zog einen Hocker heran. Dann zog er wieder eine kleine Tüte aus seiner Tasche.
Erwartungsvoll starrte Trey auf die staubartige Substanz vor ihm; die bittersüße Erlösung. Er zögerte einen Moment, dann griff er energisch nach der Tüte und riss sie auf.
Die Wirkung setzte wie auch beim letzten Mal einige Minuten später ein.
Schleichend wurde der Schmerz und die Trauer verdrängt, bis es in ihm nichts mehr gab als Adrenalin
Der Moment zählte für ihn nichts anderes mehr. Er unterhielt sich mit Takeru und Akito auch wenn er sich später nicht mehr an den Inhalt des Gesprächs erinnern konnte.
Er goss einen Drink nach dem anderen seine Kehle hinunter, das Brennen komplett ignorierend. Es wurde vollständig überdeckt von dem Hochgefühl, das er in diesem Moment fühlte
"Hey", meinte Takeru auf einmal. Trey blickte von seinem Glas auf und sah ihn an. "Lass uns irgendwas machen."
"Ja" stimmte Akito ihm begeistert zu "hier ist es doch langweilig. Lasst uns was unternehmen."
Trey nickte und ließ sich von ihrer Begeisterung anstecken.
Sie bezahlten und gingen raus.

Wenig später liefen die drei Jungen schon durch die Straßen der Tokioer Innenstadt. Trey konnte spüren, wie viel intensiver er auf einmal alles wahrnahm - die grellen Farben, die Mischung aus Musik und dem Hupen von Autos, die Gerüche, die aus den verschiedensten Restaurants strömten, einfach alles. Im brummte der Schädel, aber er genoss dieses Gefühl. Es war so extrem und verdrängte alles andere aus seinem Kopf, auch ihre Stimme, die ihn sonst Tag und Nacht verfolgte. Nach einer Zeit viel dem blauhaarigen Schamanen auf, dass sie sich vom Zentrum entfernt hatten. Die Gassen, durch die sie nun gingen, waren unbeleuchtet und rochen nach Abfall. Trey wollte Takeru gerade fragen, wohin sie denn unterwegs waren, als er auf ein mal zwei Mädchen erblickte, die an eine Wand gelehnt standen. Sie konnten nicht viel älter gewesen sein als er selbst, bemerkte er. Was ihm jedoch noch viel stärker ins Auge stach war die Bekleidung der beiden jungen Frauen.
Beide trugen Miniröcke. Und ein bauchfreies Top. Da hörte die Gemeinsamkeit aber auch schon auf.
Während die eine blond war wär die andere brünett.
Der Minirock der Blonden war rot. Das Oberteil gelb. Sie trug High Heels in Neon orange.
Die Brünette trug einen blauen Rock ein Neon grünes Top. Sie trug flache Schuhe in schwarz und war trotzdem so groß wie die Blondine.
Akito ging lächelnd auf die Blondine zu während Takeru die Brünette in deine Arme zog. Er küsste sie.
Trey beobachtete das Schauspiel. Ihm entging nicht, dass sich die vier offenbar zu kennen schienen.
"Kennt ihr noch eine für unseren Freund?", fragte Takeru.
Das Mädchen lachte auf und warf sich lässig ihr Haar über die Schulter. Viel zu laut, nach Treys Geschmack.
"Süßer, wir kennen noch mehr, als ihr Gläser am Stück exen könnt. Ich hab's dir doch schon mal gesagt: wir sind hier überall vernetzt."
Ihre Blondinen-Freundin schloss sich ihr an. "Nennt es Frauenpower, wenn ihr so wollt. Ach ja, und wo wir gerade von wollen reden ..." die junge Frau stemmte eine Hand in ihre Hüfte und streckte Akito die andere flach entgegen: "Ich will das Geld diesmal im Voraus."
Akito seufzte. Dann zog er einige Scheine aus seiner Tasche.
"Hier bitte", murmelte er. Zufrieden steckte die Blondine das Geld ein. Auch Takeru bezahlte die Brünette.
Sie lächelte. "Danke Baby ", säuselte sie.
In diesem Moment bog ein Mädchen um die Ecke. Sie hatte den Kopf gesenkt und spielte nervös mit ihrem Armband. Ihre Aufmachung ließ keinen Zweifel daran, dass sie zu den beiden anderen Frauen gehörte; sie trug schwarze Lederstiefel, einen knappen Rock und ein hautenges violettes Top. Die Strähnen ihrer schulterlangen, kurzen Haare fielen ihr ins Gesicht und verdeckten ihre Augen. Sie konnte nicht viel älter sein als Trey selbst.
"Hey Chou bist du auf dem Weg zu einem Kunden?" fragte die Blonde das Mädchen. Es schüttelte den Kopf.
Ihre brünette Freundin grinste: "Dann haben wir hier genau das richtige für dich", meinte sie und zog das Mädchen an ihrem Handgelenk zu Trey herüber.
Das Mädchen, Chou, sah verwirrt in die Runde. Trey lächelte sie an. Dann stockte ihm der Atem. Sie sah so aus Damuko! Ehrlich! Mit ihren schwarzen Haaren hätte sie Damukos Schwester sein können.
Sichtlich nervös lächelte sie zurück. "Hallo", meinte sie leise. "Ich heiße Chou. Wie ist dein Name? "
"Mein Name ist Trey", antwortete er und schenkte ihr das aufrichtigste Lächeln seit langem
"Freut mich, dich kennen zu lernen, Trey", sagte sie. "Möchtest du mit mir kommen? Ich meine, wir sind hier immer hin mitten auf der offenen Straße und hier könnte ja jeder vorbei und ich, nun ja, was ich sagen wollte, ich meine ..." Trey beobachtete Chou, wie sie rot anlief und sich verhaspelte mit einer Mischung aus Amüsement und Verwirrung. Ihr schien die ganze Situation extrem peinlich zu sein und es war offensichtlich, dass sie sich in ihrer Rolle nicht wohl fühlte. Aber war sie nicht eine Prostituierte? Sie musste mit dieser Art von Interaktion doch eigentlich bestens vertraut sein.
"Klar", meinte Trey nur. Sichtlich erleichtert nickte das Mädchen und schaute drehte sich um. "Komm bitte mit", rief sie über die Schulter und setzte sich in Bewegung.
Trey folgte ihr durch verschiedene Gassen bis sie vor einem kleinen Apartment zum Stehen kam.
Chou zog einen Schlüssel aus ihrer Rocktasche und schloss mit zitternder Hand die Tür auf. Trey fiel auf, dass sie auf dem gesamten Weg kein Wort gesagt hatte. Tatsächlich hatte sie jedes Mal, wenn er einen Blick auf ihr Gesicht erhaschen konnte, noch blasser ausgesehen als zuvor. Langsam folgte er ihr in die kleine Wohnung hinein und setze sich auf das große Bett mitten im Raum. Chou stand direkt vor ihm und hatte ihm den Rücken zugedreht. "Was genau möchtest du, dass ich mache?", frage sie über ihre Schulter hinweg, sah ihn immer noch nicht an. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
Hatte sie etwa Angst vor ihm? Trey musterte Chou. Das konnte doch nicht dein. Sie war es doch gewohnt dass fremde Männer bei ihr waren. Sollte sie dann  nicht mehr Selbstvertrauen haben?
"Was ist denn los?", fragte Trey Chou sanft. Doch sie drehte sich nicht um. Trey stand wieder auf. "Hey." Er legte ihr eine Hand auf die Schulter.
Das Mädchen zuckte zurück, als hätte sie sich verbrannt. Geschockt sah Trey sie an, als Chou auf einmal zu schluchzen anfing. Erst leise, dann immer lauter, bis ihr gesamter Körper zu beben schien. Trey hatte noch nie jemanden so weinen sehen, bis auf Pilika, als Damuko ... Scheiße.
Er nahm sie sanft in seine Arme. Sie schluchzte nur noch lauter und versuchte sich zu befreien.
"Shshsh ... Alles ist gut", sagte er leise und gab sich dabei Mühe, möglichst beruhigend zu klingen. Alles ist gut, Damuko, alles ist gut.
Doch Chou wand sich aus seiner Umarmung heraus und ging ein paar Schritte zurück. Die Tränen liefen ihr immer noch über die Wangen.  Sie sah Trey ängstlich an.
"Bist du nicht... ", sie schluckte, "Bist du  nicht wütend? "
Trey sah sie überrascht an. "Warum sollte ich das sein?" Auf dich könnte ich niemals wütend sein.
"Weil ich es nicht kann ", flüsterte Chou kaum hörbar. „ Ich kann dir nicht geben was du willst .“
Verwirrt sah Trey sie an.
"Ich versteh nicht ganz", meinte er schließlich.  
Chou wischte sich die restlichen Tränen aus dem Gesicht und begann, nun mit etwas festerer Stimme zu sprechen.
"Ich weiß, du bist ein Kunde, und ich breche unsere Abmachung, aber ich kann das nicht. Tut mir wirklich sehr leid, aber es geht einfach nicht. Das ... nimm es bitte nicht persönlich, das hat nichts mit dir zu tun aber ... ich kann mit niemandem schlafen, den ich kaum kenne. Es geht einfach nicht"
"Aber ..." da dämmerte es ihm auch.
Trey starrte Chou an. Trotz der Ähnlichkeiten war das nicht seine geliebte Damuko  Das ist nicht Damuko. Damuko ist tot. Und es ist deine Schuld Auf einmal fiel ihn das Atmen schwer.
Hatte er Damuko gerade betrügen wollen?
Was war los mit ihm? Damuko war tot, seine Damuko war tot, und er war tatsächlich kurz davor gewesen, einfach mit einem wildfremden Mädchen von der Straße zu schlafen?!
Du bist schlecht, du bist Dreck, du bist Abschaum. Du bist schlecht, du bist Dreck, du bist Abschaum. Du schlecht, du bist Dreck, du bist Abschaum. Schlecht, Dreck, Abschaum, schlecht, Dreck, Abschaum, schlechtdreckabschaum schlechtdreckabschaum schlechtdreckabschau schlechtdreckabschaum schlechtdreckabschaum ... Es ist deine Schuld, dass sie tot ist!
"Ähm ... Trey?" Zögerlich tippte sie Trey an die Schulterm
Doch Trey konnte nicht reagieren. Stumm sank er zu Boden.
Schlechtdreckabschaum; für mehr war in seinem Kopf kein Platz.
Er war wirklich das aller letzte.
     
Chou P.o.V.
Sie sah den Jungen an. Er ähnelte so gar nicht dem den sie vor her kennen gelernt hatte. Als er sie begrüßt hatte, schien er so freundlich und aufgeschlossen. Aber das, was sie jetzt vor sich hatte, ähnelte eher einem Nervenzusammenbruch.
Was sollte sie jetzt machen? Er würde sie wahrscheinlich nicht vergewaltigen. Nicht diesem Zustand. Also nahm Chou ihren kompletten Mut zusammen und setzte sich neben Trey. Doch Trey schien immer noch ganz wo anders zu sein. Er sagte nichts. Sah sie nicht mal richtig an.
Vorsichtig rüttelte sie an seiner Schulter. "Trey?", fragte sie wieder, diesmal lauter und bestimmter.
"Ich bin so ein mieser Mensch", murmelte Trey und schien es nicht mal zu merken.
Chou sah Trey an. Dann setzte sie sich kurz entschlossen neben ihn und nahm ihn in den Arm. Daraufhin schien Trey wie aus seiner Trance aufgewacht. Langsam drehte er sich zu ihr und sah sie an. Chou sah ihn ebenfalls an. "Du bist kein schlechter Mensch"
Trey schaute fragend in ihr Gesicht. "Woher willst du das wissen? Du kennst mich doch kaum? "
"Aber wenn du ein schlechter Mensch wärst hättest du mich zum Sex mit dir gezwungen. Und du wärst nicht zusammen gebrochen", widersprach Chou
"Auch schlechte Menschen brechen zusammen. Du bist ganz schön naiv, weißt du das?" Trey lachte ein freudloses Lachen.
"Kann schon sein" murmelte Chou geknickt. Nun musterte Trey sie. "Du machst das noch nicht lange oder?"
Chou schüttelte den Kopf. „Um genau zu sein ist das heute mein erster Tag. Und du bist mein erster Kunde“, gab sie leise zu. Trey konnte seine Überraschung nicht unterdrücken. Ihr erster Kunde? Das erklärte ihre Nervosität. Aber wenn ihr der Gedanke solches Unbehagen bereitete, wieso hatte sie dann eingewilligt, diesen Job zu machen?
„Warum ... warum machst du das dann?“, fragte er sie irgendwann.
„Ich brauche das Geld“, antwortete Chou kaum hörbar.
„Es gibt doch bessere Möglichkeiten als Prostitution um Geld zu verdienen“, wandte Trey ein.
„Ich weiß. Aber ich muss das machen. Ich ... ich habe Schulden bei einem Bordellbesitzer. Und er will sein Geld zurück. Also. .. muss ich für ihn ... arbeiten.“
„Weißt du ...", fing sie langsam an "Meine Eltern sind vor ungefähr einem Jahr bei einem Autounfall gestorben, und seit dem ging es nur noch bergab."
Trey sah sie an. Er sagte nichts. Ein 'es tut mir leid '  würde ihr auch nicht helfen
„Ich wollte in kein Heim. Ich habe davon nur schlechtes gehört. Also bin ich abgehauen. Das Problem war nur dass ich am Ende ohne Geld in Tokio stand.“ Sie schluckte. "Ich hatte kein Geld, und Essen gab es auch keins. Also hab ich gebettelt. Solange bis Daraku mich gefunden und zum Boss gebracht hat.“ Sie schluckte wieder. „Er hat mir Geld, Essen und eine Unterkunft gegeben. Immer mit den Worten 'Irgendwann bezahlst du mir das einfach zurück'. Vor einer Woche meinte er zu mir, dass 'irgendwann' gekommen wäre.Und die Schulden sind inzwischen so hoch, dass ich Jahre brauchen werde, um sie zurück zu bezahlen." Chou liefen die Tränen über die Wangen. „Ich will das nicht“, flüsterte sie heiser, „ich kann das nicht. Aber wenn ich meine Schulden nicht zurück bezahle bringt der Boss mich um.“




Ich freue mich wie immer über ein Feedback.
Und ein herzliches Dankeschön an Mikugirl, die immer wieder fleißig reviewt.
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