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Eiskaltes Schicksal

von Ronja2331
GeschichteDrama, Tragödie / P16 / Gen
HoroHoro OC (Own Character) Ren Tao Yo Asakura
15.03.2016
22.02.2017
19
20.586
 
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16.07.2016 1.196
 
10.


Pilika P.o.V.

Seufzend sah Pilika in die Runde. Alle waren da und aßen. Nur ihr Bruder nicht. Er war zwar aufgestanden, wie Yoh ihr versichert hatte, aber er nicht runter gekommen. Und sie war sich nicht sicher, ob er sie überhaupt sehen wollte.
Was sie so gehört hatte, hatte Horohoro auch den Besuch von Ren und Yoh, die ihm mindestens genauso nah standen wie sie, nicht gut aufgenommen. Er hatte sie abgewiesen. Das hatte Pilika ihrem Verhalten entnehmen können. Aber es war noch etwas passiert, das hatte sie an ihrem Verhalten gemerkt. Sie wusste nur nicht, was es war. Dennoch blieb die Tatsache, dass Yoh und Ren sich schon seit sie aufgestanden waren immer wieder besorgte Blicke zuwarfen. Irgendetwas war passiert. Doch keiner von beiden schien wirklich darüber reden zu wollen.
Am Ende des Frühstücks schien Yoh sich aber dann doch einen Ruck zugeben. Denn er räusperte sich, sodass ihn alle ansahen.
„Ihr wisst ja, dass Ren und ich gestern Abend noch nach Trey gesehen haben“, begann Yoh.
„Yoh, hör auf!“, unterbrach ihn Ren da.
„Nein“, widersprach jener, „Sie haben ein Recht darauf, es zu erfahren.“
„Sie müssen das nicht wissen?“, beharrte Ren.
„Was müssen wir nicht wissen?“, hakte Pilika nach. Sie war hellhörig geworden, als der Name ihres Bruders gefallen war.
„Nichts“, knurrte Ren.
„Ren“, mahnte Yoh. „Wir machen uns alle Sorgen um Trey. Es wäre nicht fair, wenn wir es ihnen verschweigen.“ Ren sah zwar immer noch nicht begeistert aus, aber er schwieg.
„Also“, nahm Yoh erneut den Faden auf, „wir wollten Trey eigentlich nur dazu bewegen, dass er mal aufsteht, duscht und runterkommt, um was zu essen. Aber stattdessen hat er uns gesagt, dass er...“ Yoh schluckte. Er schien mit den Tränen zu kämpfen.
„Er hat uns gesagt, dass er nicht mehr...“, versuchte er es erneut, aber wieder blieb ihm die Stimme weg.
„Himmel noch mal, sag wie es ist“, knurrte Ren da, „Trey hat uns gesagt, er wünschte er wäre tot.“ Er sah keinen an, als er das sagte.
„Er hat WAS?!“, fragte Pilika entsetzt. Alle anderen sahen ähnlich bestürzt aus.
Yoh nickte nur betroffen.
„Das darf er nicht machen“, flüsterte sie erstickt. „Horohoro ist doch mein Bruder. Er ist das nächste an Familie, das ich habe. Er darf nicht sterben.“ Pilika konnte es einfach nicht glauben. Sie wusste, dass Damukos Tod Trey sehr mitgenommen hatte, aber sie hätte nie geglaubt, dass es so schlimm ist.
Sie bemerkte es kaum, wie Tamara sie aus dem Raum in ihr Zimmer führte. Ihre Gedanken drehten sich immer nur im Kreis. Was konnte sie nur tun, um ihrem Bruder zu helfen? Horohoro durfte einfach nicht sterben. Das wusste sie. Damuko hätte das nicht gewollt und eigentlich sollte er das doch auch einsehen.
Irgendwann kam Tamara wieder rein.
„Alles gut?“, fragte sie, nur um sich dann zu korrigieren, „ich meine, es ist klar, dass nicht alles gut ist. Das mit Trey ist schrecklich. Aber naja...“ Sie schwieg.
Pilika sah das andere Mädchen an. Sie wusste, was sie gemeint hatte, aber... nichts war in Ordnung. In ihrem Hals bildete sich ein Kloß. Sie versuchte, Tamara zu sagen, dass sie sie verstand, aber sie brachte keinen Ton heraus. Auf einmal fühlte sie, wie ihre Augen sich mit Tränen füllten. Sie strömten ihr ungehindert über die Wangen, als sie hemmungslos zu schluchzen anfing.
„Oje, es tut mir Leid“, meinte Tamara leicht panisch, „sowas Dummes kann auch nur ich sagen.“ Doch sie setzte sich trotzdem neben Pilika und strich ihr beruhigend über den Rücken.
Als Pilika sich wieder etwas beruhigt hatte, fragte sie: „Warum bist du überhaupt gekommen? Nicht, dass ich nicht froh bin, dass du es getan hast. Aber ...?“ Nun schwieg Pilika.
„Ach so. Die anderen haben beschlossen, dass erst mal niemand abgesehen von Yoh und Ren zu Trey darf. Tut mir Leid“, murmelte Tamara. Sie durfte ihren Bruder nicht sehen?! Aber Horohoro brauchte sie doch jetzt!
„Wer denken die, wer sie sind“, murrte Pilika trotzig, „Horohoro ist mein Bruder! Und ich werde ihn sehen wann ich es will!“
„Ich glaube, Trey will momentan niemanden sehen“ erklärte Tamara vorsichtig.
„Aber ich bin doch seine Schwester“, protestierte Pilika schwach.
„Tut mir Leid“, wiederholte Tamara. Dann hielt sie Pilika noch lange fest.


Trey P.o.V.

Trey lag auf seinem Bett. Er wartete darauf, dass die anderen auch ins Bett gingen, damit er sich unbeobachtet rausschleichen konnte.
Er war heute sogar aufgestanden und hatte sich geduscht. Zum Teil um sich so indirekt bei Yoh und Ren für sein Verhalten zu entschuldigen; Zum Teil, um die Nacht über unbeobachtet zu bleiben und raus zu kommen. Denn wenn sich die anderen um ihn sorgten, würde in der Nacht garantiert irgendwer nach ihm sehen. Zumindest nach seinem Kommentar, er wolle sterben.
Nur zum Essen war er nicht runtergekommen. Das hatte er einfach nicht geschafft. Allein schon bei der Vorstellung in der großen Runde zu sitzen, wo ihn alle besorgt und mitfühlend ansahen, wurde ihm schlecht.
Also hatte Yoh ihm etwas zu Essen hoch gebracht. Dabei hatte er Trey immer noch besorgt angesehen. Aber er hatte kein Wort mehr über den letzten Abend verloren. Trey wusste nicht, ob ihn das freuen sollte oder nicht. Immerhin war er der Grund für diesen Blick. Er ging auch davon aus, dass Yoh in der letzten Nacht nicht viel geschlafen hatte. Auch wegen ihm.
Trey lauschte. Es schienen alle zu schlafen. Zur Sicherheit wartete er noch eine halb Stunde. Dann stand er auf, zog sich an und schlich sich zur Tür raus.
Diesmal hatte er keine Probleme, die Bar wiederzufinden. Akito und Takeru waren dieses Mal noch nicht da. Aber Trey war das egal. Sie würden schon noch kommen. Er genehmigte sich einfach schon einen Drink.  Und dann noch einen. Und noch einen. Solange, bis er wieder vergessen konnte, was geschehen war und warum es ihm so dreckig ging.
Tatsächlich trafen Takeru und Akito später am Abend ein.
„Hey Trey, wie geht’s dir, Ater?“, begrüßte Takeru ihn mit einem Handschlag.
„Gut, Alter. Mir geht es wirklich gut“, antwortete Trey. Er nuschelte ein bisschen.
„Das freut mich“, antwortete Takeru.
„Ja“, schloss sich auch Akito an, „Das ist gut.“ Die beiden setzten sich zu Trey an den Tisch. Akito bestellte die nächste Runde. Trey grinste ihn dankbar an. Es war schön, einfach so zusammen sitzen zu können. Ohne, dass ihn jemand besorgt von der Seite musterte, als könnte er jeden Moment explodieren. Weder Akito noch Takeru wussten davon. Für sie war er einfach nur ein weiterer Kerl, mit dem man gut trinken und einfach Spaß haben konnte. Mit ihnen fühlte er sich auch nicht schuldig, wenn er mal lachte. Sonst tat er es, denn Damuko konnte es ja nicht mehr.
„Hey, Trey, willst du auch mal?“, riss ihn da Takeru aus den Gedanken.
„Was?“, fragte Trey zurück. Er hatte gar nicht richtig mitbekommen, was die beiden gemacht hatten.
„Ob du auch mal was nehmen willst“, meinte Akito, „das Zeug ist echt gut.“ Er hielt Trey eine kleine Tüte mit weißem Pulver entgegen.
„Das ist Speed“, erklärte Takeru, „Man schnupft es. Flüssig kann man es sich auch spritzen. Dann ist die Wirkung besser. Aber uns reicht es auch so.“
„Also willst du auch mal?“, wiederholte Akito.
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