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Der Rächer Entenhausens

von Daschwo
GeschichteAllgemein / P16
Dagobert Daisy Donald Gundel Gustav Phantomias
14.03.2016
14.03.2017
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14.03.2016 1.287
 
„Ich geh jetzt ins Bett, Kinder.“ sagt er lange gähnend. Seine Schritte die Treppe hinauf sind langsam und schwer. Es ist erst neun Uhr abends. Seine drei Neffen sind es gewohnt. Früher, als sie noch jünger waren, sind sie mit ihm zu Bett gegangen. Aber jetzt sind die Drillinge 17 Jahre alt und gehen nie und nimmer vor 23 Uhr zu Bett. Ihr Onkel und Erziehungsberechtigter jedoch pflegt einen äußerlich sehr faulen Lebensstil, wozu spätes Erwachen, ausgiebiges Frühstücken und weiterschlafen zählen. Doch Donald Duck ist mehr, als er vorgibt zu sein.

Oben in seinem Zimmer angekommen, geht die Ente wie jeden Abend auf den Schrank zu, nachdem er die Vorhänge geschlossen hat. Aus einem Geheimfach im doppelten Boden des Kleiderschranks holt er eine Puppe aus der dort eingebauten Ladestation heraus, die er in seinem Bett platziert und einschaltet. Lautes, lebensechtes Schnarchen ertönt. Dann schiebt er die matrosenähnlichen Anzüge in seinem Kleiderschrank zur Seite, stellt sich hinein und schließt den Schrank. Darin drückt er auf den versteckten Knopf und fährt in dem geheimen Aufzug in dem noch sehr viel geheimeren Keller, dessen Existenz nur ihm und seinem Freund und Erfinder bekannt ist. Donald steigt aus dem Aufzug heraus und lauscht. Seine Neffen sind bereits mit der Spielekonsole beschäftigt. Die werden ihn nicht mehr hören. Mit leichter Vorfreude widmet sich der staatlich anerkannte Faulpelz seiner eigentlichen Beschäftigung. Mit geübten Handgriffen zu Kleidung, Spezialgeräten und Waffen wird aus ihm der gefürchtetste Wächter der Stadt.
Damals, als das alles begann, da erinnert er sich noch sehr genau daran, da war er nur auf sein eigenes Wohl bedacht. Er rächte sich an denen, die ihn einen Faulpelz schimpften, was eigentlich ja stimmte. Er selbst weiß am Besten, wie arbeitsscheu er ist. Aber dennoch! Leuten wie sein Onkel Dagobert Duck und seinem Vetter Gustav Gans musste ein Denkzettel verpasst werden! Dann erkannte er aber den wahren Wert seiner geheimen Identität. Und Verbrecher gibt es wirklich genug in Entenhausen.
Es fehlt nur noch die Maske, dann ist er bereit für diese Nacht. Auf Zehenspitzen schleicht der Rächer der Unschuldigen durch einen Geheimgang in die Garage, deren Tor stets weit geöffnet ist und von Mondlicht verschont bleibt. Sein Auto würde nie jemand stehlen. Der Ruf des Faulpelzes eilt ihm voraus. Niemand will das Auto Donald Ducks, da man ständig Angst haben musste, wegen leerem Tank stehen zu bleiben. Phantomias jedoch steigt wie jede Nacht in seinen geliebten 313 ein und aktiviert mittels Fingerabdruck unter seinem Sitz die eingebauten Sonderanfertigungen. Sogleich vibriert das Auto leicht, wird pechschwarz und ändert das Nummernschild in das Zeichen X. Der kaum hörbare Motor brummt leise, als Phantomias auf die Straße hinausfährt, deren Straßenlaternen um diese Zeit längst ausgeschaltet sind. Sein Onkel Dagobert Duck hat ein Sparprogramm für die Stadt aufgestellt, da diese sich dem Gedanken der Umweltretter angeschlossen hat und jeden entbehrbaren Strom einspart, wozu die Straßenlaternen der Stadt zählen. Wer jetzt noch nachts flanieren geht, muss selbst Lampen mitnehmen. Phantomias allerdings braucht solchen Kram wie Lampen nicht. Mit seiner Maske sieht er nachts so gut wie tagsüber, weswegen er stets ohne Scheinwerfer fährt.
„Krah Krah!“ schreit es plötzlich über ihm. Sein Kopf ruckt nach oben und gerade noch so sieht er, wie eine dunkle Gestalt auf einem Besen, begleitet von einem Raben, geradewegs auf den Geldspeicher seines Onkels zufliegt. „Gundel Gaukeley. Was hat sie nun schon wieder vor?“ flüstert er zu sich selbst und folgt der Hexe und ihrem Raben Rurak (auch Nimmermehr genannt). Gundel Gaukeley derweil fliegt zusammen mit ihrem besten Freund Rurak und einem teuflischen, heute Nachmittag geschmiedeten Plan auf den Geldspeicher zu. Mit diesem boshaften Plan wird sie endlich die Nummer Eins des Geizkragens bekommen! Endlich!
„Er folgt uns, Herrin.“ kräht Rurak neben ihr und reißt sie aus ihren Nachtträumen. Der Rabe sah gerade nach unten und erkannte den größten Feind seiner Herrin. „Bei allem Knoblauch dieser Welt, ist das sein Ernst! Er hat mir doch erst letzte Woche die Tour vermasselt!“ zischt Gundel aufbrausend. Doch heute Abend ist sie sogar auf diese Nervensäge Phantomias vorbereitet. Sie richtet ihren Besen Richtung Erdboden und landet schon bald. Mitten auf der Straße wartet sie auf ihn. Und wenige Sekunden später ist er auch schon da.

„Schöne Nacht, nicht wahr, Gundel?“ fragt Phantomias scherzend und steigt aus, um mit der Hexe auf Augenhöhe zu sein. Zwanzig Meter sind zwischen ihnen. „Krah!“ schreit Rurak dazwischen. „Ich weiß, Rurak. Er ist ein Idiot, wenn er glaubt, uns eine schöne Nacht wünschen zu können.“ faucht Gundel und sieht Phantomias hämisch an. Nur sie versteht, was der Rabe sagt. Sonst niemand. Gundel Gaukeley ist eine Hexe von sehr gutem Aussehen. Sie hätte einige Schönheitswettbewerbe gewonnen, würde sie sich nicht so oft in ihren Zauberbüchern verstecken und nach Wegen suchen, um ihrem einzigen Ziel näherzukommen: dem Glückszehner. „Na na na, Gundel. Ich meinte es doch nur gut.“ erwidert Phantomias und legt scheinbar zufällig seine Hand auf die Strahlenpistole, die das Ziel lähmt. Gundel nimmt ihren linken Arm hoch und lässt ihren Raben darauf landen. Sie hat einen neuen Zauber erlernt. Sie flüstert Rurak etwas zu und dieser fliegt sofort los. Doch zu vielen Flügelschlägen kommt es nicht, denn aus dem Raben wird ein großer, schwarzer Bär. Phantomias schießt sofort auf das nahende Tier, doch Rurak hält nicht. Gundel bricht in lautes Gelächter aus. „Vergiss es und stirb, Phantomias! Rurak ist gegen jede Art von Schusswaffen magisch geschützt!“ kreischt sie glücklich. Phantomias erstarrt kurzzeitig, dann konzentriert er sich wieder auf das hier und jetzt. Er springt mit seinen Sprungstiefeln über den Bären hinweg und landet auf ihm. Er packt Rurak an den Ohren und lenkt ihn so weg von seinem geliebten 313 auf Gundel zu. Diese ist noch mit Lachen beschäftigt und kugelt sich bereits auf dem Boden, als Phantomias auf Rurak naht. Phantomias zückt seinen Spezialhandschuh mit den eingebauten Klingen und versenkt diese im Hals des Bären. Der Bär jault auf und Gundel hört auf zu Lachen. Phantomias springt vom Bären seitlich ab und versenkt die mit Widerhaken versehenen Klingen noch tiefer im Fleisch. „Verwandle ihn zurück oder er bekommt den anderen Handschuh zu spüren.“ droht Phantomias und hält den anderen mit Klingen versehenen Handschuh an die Kehle des Bären. „Rurak!“ ruft diese und eilt auf ihren Freund zu, um die erlösenden Worte zu flüstern. Unter den Augen des Helden hebt sie den verwundeten Raben auf und legt ihn fürsorglich ihren Arm. „Das wirst du mir büßen, Phantomias.“ zischt sie wütend. „Er wird es überleben, Gundel. Und jetzt sag mir, wie wolltest du an den Glückszehner kommen? Etwa mit Rurak als Bären?“ knurrt Phantomias, während er Gundel die Strahlenpistole vor den Schnabel hält. „Als würde ich dir das sagen!“ zischt sie verächtlich. „Soll Knoblauch deine Zunge lockern?“ droht Phantomias und zieht mit der anderen Hand eine Knoblauchknolle aus der Gürteltasche. Gundel, die gegen Knoblauch allergisch ist, starrt Phantomias nur noch verächtlich an. „Ich wollte den alten Bertel mimen und so unerkannt in seinen Geldspeicher eindringen. Reicht dir das?!“ knurrt sie, hebt die Hand und pfeift kurz. Der Besen fliegt sofort in ihre Hand. „Ich behalte dich im Auge, Gundel.“ sagt Phantomias und steckt die Knolle wieder ein. „Ja ja ja! Gift und Galle wünsche ich dir!“ faucht Gundel und fliegt davon.

Feinde hat Phantomias viel. Aber das ist eben so bei einer geheimen Identität, in der man ein Wächter über der Stadt ist. Nach einer langen Nacht mit einem Überfall, zwei Einbrechern und einem Bankräuber der Panzerknacker geht es auf den frühen Morgen zu. Wenn die ersten Polizisten zur Arbeit gehen, werden sie vier gefesselte Personen auf den Treppenstufen vor ihrem Polizeipräsidium finden und erkennen, das Phantomias in dieser Nacht für Ruhe gesorgt hat. Derweil wird ein müder, ausgelaugter Donald Duck in sein Bett fallen und erst einmal ein paar Stunden schlafen.
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