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Hamburg City Girl

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Nils Egtermeyer OC (Own Character)
14.03.2016
01.04.2016
19
30.636
 
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24.03.2016 1.912
 
Philipp war inzwischen drei Jahre alt und der ganze Stolz seines Papas Nils. Die beiden verband eine besondere Freundschaft. Phil liebte das kochen, er liebte die Gerüche, die dabei entstanden, und er würde für Oles Bolognesenudeln wohl einmal quer durch Hamburg laufen. Ich saß auf einem Stuhl in der Küche und schnitt gerade Paprika in Streifen. „Mama, du bist ganz schön dick!“ erklärte mir mein Sohn. „Sehr charmant, Bärchen. Deine kleine Schwester braucht eben Platz!“ gab ich halb genervt, halb belustigt zurück. „Wann kommt sie denn endlich?“ fragte er ungeduldig. „Bald, Bärchen. Dann bist du großer Bruder.“ Phil strahlte glücklich. „Cool. Hat meine Schwester auch zwei Papas so wie ich?“ Ich lachte schallend. Wir hatten Phil vor kurzem erklärt, dass Steffen UND Nils seine Papas waren. Er fand das sehr cool und hatte sich sehr darüber gefreut, da er Steffen sehr liebte. Dieser hatte ihn auch einmal zu einem Dreh für „Der Restauranttester“ mitgenommen. Die Crew war sofort vernarrt in ihn, und auch der Koch, dessen Restaurant Steffen rettete, wollte Phil gar nicht mehr herausgeben. „Lass ihn uns doch als Maskottchen da“, hatte er gewitzelt. Mein brünetter Wirbelwind hatte daraufhin gemeckert, dass er zu süß sei, um ein Maskottchen zu sein.“ Kai, der Kameramann war vor Lachen fast umgekippt-genau wie ich nach der Ausstrahlung. Nils war ein bisschen eifersüchtig gewesen, obwohl nur er von unserem Sohn mit Papa angesprochen wurde. Steffen war einfach Steffen. Zu Fo hatte ich inzwischen so ein enges Verhältnis, dass ich ihn „Babba“, die schwäbische Version von Papa, rief. Meinem Paps war das relativ egal, er wusste trotzdem, dass ich ihn heiß und innig liebte.
Cornelia und meine Halbbrüder waren mir auch sehr ans Herz gewachsen, und so war die Familie Oehler-Egtermeyer-Henssler-Berger ein liebevoller Clan, der sich unterstützte und einander beistand, wo es nur ging. Phil fand die Tatsache, dass er drei Opas und drei Omas hatte total klasse, und sein Opa Werner war sein Dreh und Angelpunkt. Der sympathische gebürtige Schwabe liebte seinen Enkel ebenfalls sehr, und so war Phil im Henssler&Henssler ein gerne gesehener Gast.
Einmal war er nach dem Kindergarten dorthin ausgebüxt, was mir einen halben Nervenzusammenbruch beschert hatte, bei seinen Onkels Robert und Jan aber für einen Begeisterungssturm gesorgt hatte. Robert hatte mir angerufen, und mir versichert, den Kurzen unbeschadet wieder abzuliefern, was er drei Stunden später auch getan hatte. Eine kleine Standpauke hatte Phil trotzdem bekommen.
Da drehte sich der Schlüssel im Schloss. „Papa“, krakeelte Phil und schoss auf Nils zu, der gerade in der Tür stand. „Hey, Bärchen! Wie wars heute im Kindergarten?“ fragte Nils seinen Sohn auch direkt. „Wir haben eine Laterne gebastelt, warte ich zeig sie dir“, sprachs und raste in sein Kinderzimmer. „Hallo Schatz, na wie war euer Dreh?“ Nils kam auf mich zu und küsste mich liebevoll. „Hör bloß auf. Solche beratungsresistenten Id…“ Ich hielt ihm den Mund zu, denn Philipp war mit seiner Laterne in der Hand wieder in die Küche getreten. „Kuck mal Papa, ein Dino!“ Nils betrachtete das Kunstwerk. „Einen hübschen Dino hast du da gebastelt. Ist das ein T-Rex?“ Phil verdrehte die Augen. „Nein ein Triceratops, das sieht man doch!“ Ich grinste. Genau das sah man nämlich nicht. Außerdem war der Dino pink. Aber Phil liebte seine Laterne, daher wollte ich ihn da nicht korrigieren. Nils war hinter mich getreten und streichelte meinen Bauch. „Und was macht unser jüngster Zuwachs?“ Ich verzog das Gesicht. „Treten. Den lieben langen Tag. Man könnte meinen, unsere Tochter hätte vier Füße.“
Nils strich mir über die Haare. „Bald hast du es ja geschafft, mein süßer Kugelfisch.“ Kugelfisch? Ich spürte, wie mir die Tränen in die Augen schossen. Ich packte meine Handtasche, angelte meine Jacke vom Kleiderhaken und verließ die Wohnung. Dieser Idiot! Hatte er mir gerade durch die Blume gesagt, dass ich zu fett war? Ich hatte mir die Größe meines Bauches nicht ausgesucht. Wütend stapfte ich durch das winterliche Hamburg. Wie konnte man so ein Scheusal sein?
Ich fummelte mein Handy aus der Tasche und wählte eine Nummer. „Eberhardinger?“ „Markus, ich bin es“, schluchzte ich ins Telefon. „Süße, was ist denn los? Habt ihr euch gestritten?“ „Nils hat mich einen Kugelfisch genannt.“ Markus lachte dröhnend. „Bist du ja auch, Prinzesschen. Bei Phil war dein Bauch nicht so riesig.“ Jetzt brach alles aus mir heraus. „Du findest mich also auch fett? Dann sei froh, dass du mich damals nicht heiraten musstest, du Riesenarsch!“ Und zack, hatte ich aufgelegt. War das denn die Möglichkeit? Ich war wohl ein fettes, hässliches Monster. Da kam mir Werner entgegen. „Lena-Maus, was machst du so alleine hier in der Kälte?“ Ich warf mich Philipps Opa in die Arme. „Nils und Markus finden mich fett“, heulte ich bitterlich. Werner strich mir beruhigend über den Rücken. „Was haben die beiden denn gesagt?“ „Das ich ein Kugelfisch bin“, piepste ich. Werner seufzte. „Maus, das haben die Jungs nicht so gemeint. Die beiden wollten dir bestimmt nur sagen, dass du eben sehr…schwanger bist. Aber komm mit, ich bin auf dem Weg ins ONO. Da finden wir bestimmt ein Dessert für dich, dass dich aufmuntert.“ Ich nickte und nahm dankbar den Arm an, den er mir reichte. Im ONO angekommen, rief Werner nach seiner Lebensgefährtin Susanne. „Haben wir noch ein Dessert für unsere Maus?“ Susanne nickte knapp, und kam mit einem Schokobrownie mit Vanillesauce zurück. Ich probierte ein Stück. „Wusstet ihr, dass sie den Kühen ihre Babys wegnehmen, damit die Milch geben? Das ist grausam! Und da ist doch bestimmt Milch drin?“
Ich schob den Teller weg, und brach wieder in Tränen aus. „Ich kann doch nichts derart Grausames essen“, schniefte ich. Susanne zwinkerte mir zu. „Wie wäre es mit Obstsalat?“ Ich nickte ihr dankbar zu, und sie stand kaum 10 Sekunden später mit einem großen Obstsalat vor mir. Diesen futterte ich glücklich auf. „Susanne, bin ich wirklich so fett?“ Die Mittfünfzigerin seufzte. „Nein Maus. Du bist einfach nur sehr schwanger. Aber bald nicht mehr, da kommt euer kleines Wunder ja dann zur Welt. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Nils dich fett findet. Das hat er doch bestimmt nicht so gesagt?“ Ich liebte die Frau mit den blonden kurzen Haaren einfach. Sie traf immer den richtigen Ton. „Er nannte mich Kugelfisch.“ Susanne grinste.
Im selben Moment stürmten Nils, Steffen und Philipp ins Lokal. „LENA!“ brüllten die Männer gleichzeitig. Ich brach erneut in Tränen aus. Scheiss Stimmungsschwankungen! „Willst du einen Brownie, Philipp?“ fragte Susanne liebevoll. „Ja, danke Tante Sanne“, entgegnete er und ließ sich in die Küche entführen. Nils setzte sich neben mich. „Du kannst doch nicht einfach verschwinden. Ich bin fast verrückt geworden vor Sorge!“ „Um deine fette Freundin? Verarschen kann ich mich alleine!“ bellte ich. Steffen setzte sich auf die andere Seite. „Lenchen, du bist nicht fett, nur schwanger. Also hör auf, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, das ist bekloppt!“ Ich schaute ihn entrüstet an. „Bei Phil war es doch auch nicht so schlimm?“ Sanft legte er einen Arm um mich. „Nein, da hat mich aber auch keiner Kugelfisch genannt“, erwiderte ich und kuschelte mich an Phils Erzeuger. Nils schnaubte. „Ich finde Kugelfische doch aber niedlich“, wandte er ein. Steffen warf ihm einen mörderischen Blick zu. Ich fing wieder an zu weinen. „Glückwunsch, Nils!“ giftete Steffen. „Nein, das ist es nicht“, antwortete ich. „Unsere Püppi hat mich gerade voll in die Rippen getreten-das tat höllisch weh.“ Nils strahlte. „Darf ich fühlen?“ „Du bist Püppis Papa, wer wenn nicht du?“ Steffen zwinkerte. „Wie soll Püppi eigentlich heissen?“ „Janine Anna“, klärte ich ihn auf. „Anna ist natürlich fest als Patentante eingeplant.“ „Ihr seid wieder genau so dick miteinander wie früher, oder?“ Ich strahlte. „Als ob wir nicht einen Tag getrennt gewesen wären. Andi ist schon etwas eifersüchtig.“ Nils begann, schallend zu lachen. „Das stimmt. Beim letzten Dreh war er total angezickt, weil Anna gemeinsam mit meinem Bruder Lukas die Patenschaft übernimmt, und er nicht.“ Steffen verdrehte die Augen. „Ich bin auch nicht Phils Pate und lebe noch.“ Ich knuffte ihn spielerisch. „Du bist einer seiner Väter, das ist doch viel mehr wert.“ Nils nickte zustimmend. Die beiden waren inzwischen Freunde geworden, und Nils war sogar ab und an als Juror bei „Grill den Henssler“ dabei. Während der ersten Sendung in dieser Konstellation war ich mit Phil im Publikum gewesen. Als Nils gerade Ralf Bauer maßregelte, weil dieser seinen Fisch falsch zubereitete, posaunte unser Sohn direkt los. „PAPA! Sei nicht so gemein!“ Danach stürmte er auf die Bühne und umarmte den überraschten Ralf. „Sei nicht traurig Ralf, Papa ist manchmal böse“, tröstete er den Schauspieler. Mariella Ahrens, die auf der anderen Seite kochte, schmunzelte. „Da hast du aber einen reizenden Sohn, Nils.“ Dieser kletterte von seinem Jurystuhl. „Philipp Markus Egtermeyer! Du gehst sofort wieder an deinen Platz!“ Philipp schaute daraufhin etwas bedröppelt. Ralf hob ihn hoch und setzte ihn auf die Arbeitsfläche. „Du kannst mir helfen, zu gewinnen“, lockte er unseren kochbegeisterten Sohn. Mariella schnaubte. „Das ist unfair. Ich will auch so einen süßen Helfer. Habt ihr nicht noch ein Kind?“ Nils sah seinen Sohn mahnend an. „Abmarsch jetzt!“ Phil senkte den Blick, kletterte umständlich von der Arbeitsfläche und setzte sich beleidigt neben mich. Steffen grinste in die Kamera. „Das war das wohl wichtigste gemeinsame Projekt von Nils und mir. Unser bezaubernder Sohn Philipp! Einen Applaus bitte!“
Das Publikum hatte frenetisch applaudiert und Mariella blickte verwirrt zwischen den beiden Köchen hin und her. „Euer Sohn? Seid ihr etwa ein Paar?“ Ralf kicherte, und Nils fiel fast von seinem Stuhl vor Lachen. „Nein, keine Sorge, ich bin noch zu haben“, witzelte Steffen. Nils erbarmte sich, der Schauspielerin zu erklären, wie es zu dieser Konstellation kam. Phil war indes auf Rainer Calmunds Schoß geklettert, und überzeugte ihn, dass er das gekochte Essen auch probieren durfte.
Auch bei einem Kochprofi-Dreh war er schon dabei gewesen, was ein voller Erfolg gewesen war, denn er hatte schnell alle um den Finger gewickelt, besonders seinem Opa wich er nicht von der Seite.
Wieder trat unsere Tochter zu, und ich hatte das Gefühl, sterben zu müssen, denn wieder hatte sie genau meine Rippen erwischt. „Dieses Biest“, knurrte ich. Nils schaute mich entsetzt an. „So schlimm?“ „Schlimmer“, winselte ich. „Sie tritt mir immer in die Rippen, und ich SCHWÖRE, Püppi hat vier Beine, so wie sie zu tritt.“ Steffen strich mir eine Strähne aus dem Gesicht. „Dann solltet ihr mal zum Arzt gehen, vielleicht liegt sie falsch?“ Susanne nickte zustimmend. „Phil, willst du Opa bei den Vorbereitungen helfen? Du darfst auch Gemüse schneiden“, wandte sie sich an ihren Quasi-Enkel. Phil strahlte. „Darf ich, Mama? Bitte!“ Ich lächelte ihn an. „Na klar, mein Schatz. Ich wünsche dir viel Spaß und sei lieb zu Opa.“ Nils half mir in meine Jacke und brachte mich zum Auto. „Und jetzt ab ins Krankenhaus, durchchecken lassen!“ befahl er. Zwanzig Minuten später waren wir in der Ambulanz des Katharinen-Krankenhauses angekommen. Nils erklärte der Empfangsdame die Situation, und sie begleitete uns direkt in ein Behandlungszimmer. Keine fünf Minuten stand eine junge Ärztin vor uns. „So Frau Berger, dann machen wir mal einen Ultraschall, um zu sehen, wie ihr Kind liegt“, erklärte sie, und begann, die kalte Flüssigkeit auf meinem Bauch zu verteilen. Dann fuhr sie mit dem Ultraschallgerät darüber. „Huch, da haben wir ja des Rätsels Lösung! Wer hat sich denn da monatelang hinter seiner Schwester versteckt?“ Nils starrte den Bildschirm an. „Frau Berger, kein Wunder, dass sie glauben, ihre Tochter hätte vier Beine. Sie tritt gemeinsam mit ihrer Schwester zu. Herzlichen Glückwunsch, sie bekommen Zwillinge!"
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