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Hamburg City Girl

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Nils Egtermeyer OC (Own Character)
14.03.2016
01.04.2016
19
30.636
 
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23.03.2016 2.114
 
Als das erledigt war, setzte er mich vorsichtig auf eine nahegelegene Parkbank. „Ruhig atmen“, instruierte er mich. „Fresse“, schnauzte ich, versuchte aber seiner Anweisung Folge zu leisten. Er hielt meine Hand, und ich zerquetschte die seine fast. Da kam Ole angehetzt. „Lena, ach du Scheisse!“ rief er. „Ich rufe sofort Nils an!“ Kurzerhand wählte er die Nummer seines Kollegen. „Egtermeyer?“ „Nils, Ole hier! Krümel scheint auf dem Weg zu sein, und Henssler leistet hier gerade Geburtshilfe! Wo auch immer du bist, komm sofort hierher!“ fasste der dunkelhaarige hektisch das Geschehen zusammen. Nils bedankte sich, legte auf, und rannte sofort aus dem Jellyfish.
Gefühlte Stunden später kam endlich der Notarzt, gleichzeitig mit Nils. Ich zerquetschte immer noch fast Steffens Hand. „Danke Henssler, aber ab hier übernehme ich“, brummte mein Liebster ihn zur Begrüßung an. „Das ist genauso mein Kind“, schnappte Steffen zurück. „FRESSE!“ brüllte ich genervt. Die jungen Sanitäter hakten mich unter und führten mich zum Rettungswagen. „Wer von ihnen ist der Vater des Kindes?“ fragte der Notarzt. Nils und Steffen hoben beide die Hand. Der Notarzt wandte sich an mich. „Wer soll bei der Geburt dabei sein?“ „Herr Egtermeyer“, würgte ich schmerzerfüllt hervor. Nils wurde also heran gewunken, und neben mich gesetzt.
„St. Katharinen-Krankenhaus“, riefen sie Steffen noch zu, und schon fuhren wir ab. Während der Fahrt wurden die Wehen noch regelmäßiger. Ich schrie und fluchte. „Ich bringe ihn um! Hätte ich mich doch nur nie auf ihn eingelassen! Und was dich angeht Nils: Dich lasse ich nie wieder an mich ran! Nochmal solche Schmerzen überlebe ich nicht!“ Nils lächelte milde. „Lachst du mich aus? Hast du eine verdammte Ahnung, wie sich das anfühlt?“ schimpfte ich weiter.
So ging es noch ewig weiter. Aber Nils war an meiner Seite, und versuchte mich immer wieder zu beruhigen. „Du machst das prima, ich liebe dich“, flüsterte er mir zu, als wir schon im Kreissaal waren.
Philipp ließ sich aber noch vier Stunden Zeit damit, das Licht der Welt zu erblicken. Mein Liebster war in dieser Zeit nicht eine Minute von meiner Seite gewichen. Die Krankenschwester legte mir meinen Sohn in die Arme. „Herzlichen Glückwunsch! Ihr Sohn ist kerngesund!“ meinte sie, und ließ uns kurz alleine. Nils betrachtete Philipp verliebt. „Er ist wunderschön. Er sieht aus wie eine Mischung aus Fo und dir.“ „Fo ist auch der Opa von dem kleinen Mann“, schmunzelte ich. Philipp sah uns kurz aus wachen braunen Augen an, und schlief dann direkt wieder ein.

So verbrachten wir die ersten zwei Stunden gemeinsam als kleine Familie. Da klopfte es an meiner Zimmertür, und Steffen steckte den Kopf herein. Nils brummte unwillig, aber ich winkte ihn heran. Auch Steffen war ganz entzückt, als er klein Philipp betrachtete. „Wie soll er denn heißen?“ fragte er vorsichtig. „Philipp Markus Egtermeyer“, erwiderte ich. Steffen küsste Philipp auf den braunen Haarflaum. „Damit kann ich leben. Aber ich bitte euch nur um eines. Ich würde ihn gerne kennen lernen. Nicht als Papa, sondern als väterlicher Freund. Ich habe eingesehen, dass ihr zwei die idealen Eltern für ihn seid, und stehe euch sicher nicht mehr im Weg.“ Ich küsste ihn dankbar auf die Wange, und Nils reichte ihm die Hand. Es sollte sich wohl alles zum Guten wenden.
Am nächsten Tag kamen Fo, Cornelia und Markus zu Besuch. Letzterer brach in Freudentränen aus, als er hörte, dass er Philipps Patenonkel werden sollte. Fo nahm Philipp auf die Arme und streichelte ihm vorsichtig die Wange. „Hallo, ich bin dein Opa“, gurrte er. Cornelia grinste. „Jetzt bin ich also Oma geworden. Aber der kleine ist so süß, damit kann ich dann sehr gut leben.“
Drei Tage später reiste Nils‘ Mutter an. Auch sie war direkt verliebt in ihren Enkel, auch wenn er nicht ihr erster war. Sie trug ihn nur zu gerne herum, wickelte und badete ihn leidenschaftlich gerne und kitzelte oft seinen Bauch. Ich verstand mich ausnehmend gut mit meiner Schwiegermutter in spe.
Auch Andi, Anna, Ole und Dana waren begeistert vom Kochprofis-Zuwachs und nahmen ihn mir nur zu gerne ab.
So verging die Zeit und Philipp war inzwischen 15 Monate alt. Er begann, sich so langsam an den Möbeln hochzuziehen, und wagte erste wackelige Schritte. Als er eines Morgens Nils entgegen tapste (an meinen Händen versteht sich), fing dieser an zu weinen. „Oh mein Gott, er wird so schnell groß“, schniefte er. „Pa“, jodelte Philipp ihm entgegen. Nils nahm seinen Sohn auf den Arm und drückte ihm einen Kuss auf die Wange, was dieser mit einem kichern quittierte.
Ich setzte mich an den Frühstückstisch, und schlug die Zeitung auf, während Nils unseren Sohn in seinem Hochstuhl parkte. Als ich den Bericht las, der mir förmlich entgegensprang, wurde mir heiß und kalt. Meine Gesichtsfarbe wechselte von weiß zu rot, und wieder zurück. Nils war das nicht entgangen und er wollte gerne wissen, was mich den so aus der Fassung gebracht hatte.
Dabei war er allerdings unaufmerksam gegenüber Philipp gewesen, was dieser dazu nutzte, seinen Papa mit Karottenbrei voll zu husten. Mein Liebster ignorierte diese Attacke allerdings gekonnt.

„Der Sohn von Nils Egtermeyer- ein Kuckuckskind?“ lautete die Schlagzeile.
„Vor 15 Monaten wurde der bekannte Hamburger Sternekoch Nils Egtermeyer zum ersten Mal Vater (wir berichteten). Wie sich jetzt herausgestellt hat, sieht der kleine Philipp ihm überhaupt nicht ähnlich. Insider berichten, dass Steffen Henssler der leibliche Vater des Kleinen ist. Wie steht die Lebensgefährtin von Herrn Egtermeyer dazu? Weiß dieser von diesem schändlichen Betrug? Weiß Steffen Henssler von seinem Kind? Wir bleiben dran, und berichten weiter ausführlich“.

„Ich erwürge diese Pressefutzis“, fluchte Nils. Ich rümpfte die Nase. „Ich kann mir schon denken, wer hier der Insider ist“, murrte ich. „Ella? Im Leben nicht“, kam die prompte Antwort. „Entschuldige bitte, deine Ex war noch nie begeistert von mir. Ihr wäre es ein Fest, mir einen rein zu würgen“, konterte ich. „Nun sei doch nicht so, vielleicht hat Steffen selbst geplaudert?“ Entrüstet starrte ich meinen Lebensgefährten an. „Niemals! Wir hatten uns darauf geeinigt, dass das unter uns bleibt!“
„Hunga!“ quietschte es da aus dem Hochstuhl. Ich beeilte mich, Philipp seinen Karottenbrei weiter zu füttern. Aber auch mich hustete er voll. Na bravo, von wem er dieses Essverhalten wohl hatte? Nils grinste breit. „Du siehst aus wie ein Karottenmonster!“ „Schau selbst in den Spiegel“, gab ich zurück, und schmierte Philipp eine Butterstulle, die ich ihm in mundgerechte Stückchen schnitt. Diese mampfte er mit großer Begeisterung. „Yummy“, krähte er. Nils war tatsächlich vor den Spiegel getreten und begann, zu jammern. „Jetzt darf ich mich nochmal umziehen!“ Ich lachte herzlich. Was glaubte dieser Mann, wie oft ich Philipp und mich am Tag umzog?
Kaum war Nils ins Bad getreten, klingelte mein Handy. „Berger?“ „Steffen hier. Hast du den Artikel gelesen?“ „Der war nicht zu übersehen. Hast du etwas damit zu tun?“ Steffen schnaubte. „Das gleiche wollte ich dich fragen.“ Ich rollte mit den Augen. „Natürlich habe ich nichts damit zu tun, geht’s noch?“ „Allo!“ brabbelte Philipp vor sich hin. Ich strich ihm zärtlich über seinen dunkelbraunen Haarflaum. „Magst du Steffen hi sagen?“ Philipp patschte begeistert in seine Händchen. Ich hielt ihm das Handy ans Ohr. „Allo Teffen!“ jodelte er hinein. „Hallo Phil“, kam die liebevolle Antwort. „Teffen, Hunga!“ merkte Philipp noch an, bevor ich ihm das Handy wieder abnahm. „Fütterst du unser Kind etwa nicht regelmäßig?“ kam es auch direkt vorwurfsvoll. „Hör mal, er hat erst Nils und dann mich mit Karottenbrei vollgehustet, und dann eine ganze Stulle verschlungen. Was soll er denn noch essen? Fakt ist, ich habe mit dem Artikel nichts zu tun, und Nils auch nicht. Sobald ich weiß, wer es war, sage ich dir Bescheid.“
Wir legten auf, und Nils trat wieder aus dem Bad, frisch gewaschen und umgezogen. „Das war Steffen am Telefon, er wollte wissen, ob wir diesen Artikel verbrochen haben.“ Mein Schatz rümpfte die Nase. „Also war er es auch nicht? Ich werde Ella verhören müssen. Aber jetzt muss ich auch schon los. Ich liebe euch!“ „Pa!“ krähte Phil und streckte seine Ärmchen nach Nils aus. Dieser nahm ihn hoch und küsste ihn liebevoll zum Abschied. Unser Sohn kicherte, er liebte seinen Papa nämlich sehr.
„Bekomme ich auch noch einen Kuss?“ Nils küsste auch mich, und verschwand nach draußen.
„Und was machen wir zwei hübschen heute?“ fragte ich klein Philipp. „Ole!“ verkündete er.
Ich seufzte ergeben. Ole war neben Markus sein Taufpate, und Phil liebte ihn abgöttisch. Ole erwiderte das, und so war Phil immer bei ihm auf dem Arm zu finden, wenn wir im Olsen waren.
Zwanzig Minuten später standen wir vor dem Olsen, und ich klopfte zaghaft an die noch verschlossene Tür. Wenig später wurde von innen aufgeschlossen, und Robin stand vor uns. „Sehnsucht? Heute ist doch dein freier Tag?“ witzelte er und gab mir einen Kuss auf die Wange. „Bobbi“,  begrüßte Phil den charmanten Barkeeper.
Der Punk nahm seinen „Rumpelwicht“, wie er Phil immer nannte, auf den Arm. „Es heisst Robin, mein Schatz. Komm, sag Robin!“ „Bobin?“ erwiderte mein Sohn. „Schon besser“, gurrte der grünhaarige, und Philipp patschte in seine Händchen.
Ich lachte. „Mit dem R hat er seine liebe Not. Sein Patenonkel heißt auch nur Maku, ganz kriegt er das noch nicht hin.“ Robin kitzelte Phil am Bauch, woraufhin dieser begeistert quietschte und lachte. Das rief Ole auf den Plan. „Hab ich doch richtig gehört! Hallo Mausebär!“ Er entwand Robin direkt sein Patenkind. „Ole lieb!“ verkündete dieses auch direkt und strahlte seinen Onkel aus braunen Augen an.
Ich hakte mich bei Robin unter. „Wenn die beiden hier beschäftigt sind, könntest du mir einen Mexikaner ausgeben“, lachte ich ihn an. Robin grinste breit. „Nein, ich habe etwas Besseres für dich.“ Er führte mich galant zur Bar. Ole schaute mich entschuldigend an. „Lenchen, ich bin unhöflich gewesen. Kannst du mir nochmal verzeihen?“ In seinen Augen spiegelten sich ehrliche Reue und der Schalk, für den mein Chef berühmt war. Ich reichte ihm divenhaft meine Hand. Er ergriff und küsste sie. Danach schauten wir uns in die Augen und prusteten los. Ole umarmte mich herzlich, so gut das mit einem Kleinkind auf dem Arm eben ging. Ich zwinkerte ihm zu. „Dir könnte ich doch niemals böse sein“, flirtete ich. Da räusperte sich Robin hinter uns. „Dein Cuba Libre, Senorita!“ Ich nahm das Getränk an mich, und trank einen Schluck. „Bobbi, willst du mich umbringen? Das ist ja der pure Alkohol!“ „Bobbi!“ rief Philipp. Ole kitzelte ihn erneut am Bauch. „Ole“, jodelte der kleine Mann daraufhin. Ole schaute verliebt auf ihn herunter. „Ganz der Vater, genau so flirty“, grinste er. Ich trank einen weiteren Schluck meines Cocktails. „Gottseidank ist Phil abgestillt, sonst würde er nachher eine Alkoholvergiftung bekommen. Jesses, Bobbi, willst du mich besoffen machen?“ Der Punk lachte schallend. „Würde ich nie wagen, Schnepfi.“ So saßen wir noch eine Weile beisammen, und hatten viel Spaß. Bevor das Olsen seine Pforten öffnete, gingen wir wieder nach Hause.

Im Jellyfish war inzwischen ein heftiger Streit zwischen Ella und Nils entbrannt. „Was hast du denn für ein Problem?“ fauchte die brünette. „Ein blinder mit Krückstock sieht, dass Philipp ein Kuckuckskind ist!“
Nils schnaubte. „Na und? Das ist eine Sache zwischen Lena, Steffen und mir. Wir haben uns darauf geeinigt, Phil als Eltern groß zu ziehen, und Steffen begleitet ihn als väterlicher Freund. Und das geht nur uns etwas an.“ Ella schaute ihren Ex triumphierend an. „Also doch! Habe ich der Presse doch nichts Falsches erzählt!“ Nils drehte sich einfach um, und trat rauchend vor Wut in die Küche. Dort schnappte er sich eine Suppentasse und feuerte sie mit Karacho an die Wand. Sein Küchenchef Lothar hielt ihn an der Hand fest. „Ruhig, Nils. Das legt sich schon wieder. Du weißt doch, wie sie ist.“ Nils nickte, aber er kochte immer noch innerlich. Sein Sohn sollte in Ruhe fernab der Presse aufwachsen, und nicht durch sämtliche Klatschblätter gereicht werden. „Lothar, hast du eine Zigarette für mich?“ brummte er. Lothar zeigte wortlos auf die Anrichte. Nils nickte dankbar und nahm sich eine aus der Packung, kramte ein Feuerzeug aus seiner Jackentasche, und trat aus dem Hintereingang. Dort zündete er die Zigarette an, und nahm einen tiefen Zug. Dann fummelte er sein Handy hervor, und wählte. „Henssler?“ „Steffen, Nils hier. Ich weiß jetzt, wer für diesen Artikel verantwortlich ist. Es war meine Ex.“ Steffen schnaubte. „Und was machen wir jetzt?“ Kurzes Schweigen, dann meinten beide Männer unisono „Gegendarstellung!“ Und so erschien zwei Tage später erneut ein Artikel, in dem der Reporter seine Aussagen revidieren musste. Dem Chefredakteur der Zeitung war ganz mulmig gewesen, als die beiden Fernsehköche wie die Racheengel in seine Redaktion gerauscht kamen, und den zuständigen Journalisten rund gemacht hatten.
Ella war natürlich im hohen Bogen aus dem Jellyfish geworfen worden. Inge, Nils‘ Mutter hatte bei der letzten Skypekonferenz lautstark getobt. Die einzige, die das wieder ganz entspannt sah, war Marion Berger.
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