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Hamburg City Girl

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Nils Egtermeyer OC (Own Character)
14.03.2016
01.04.2016
19
30.636
 
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22.03.2016 2.012
 
Zur gleichen Zeit, Wohnung Lena und Nils, Hamburg:

Ich seufzte. Warum wollte meine Mutter mir immer auf Zwang mitteilen, wer mein leiblicher Vater ist? Ich wollte das doch gar nicht wissen. Peter, mein Ziehvater war mir mehr Vater, als es mein Erzeuger je sein könnte, und ich liebte ihn über alles.
Ich kuschelte mich an Nils. „Warum will Mom mir das Leben schwer machen?“ jammerte ich. Nils hatte seine Arme um mich gelegt, und er streichelte beruhigend meinen Bauch. Da begann er auf einmal, zu strahlen wie ein Atomkraftwerk. „Philipp hat mich getreten“, schwärmte er. Ich lächelte ihn an, und gab ihm einen zärtlichen Kuss. „Er will seinem Papa eben hallo sagen“, erwiderte ich. Nils beugte sich zu meinem Bauch, und begann zu sprechen. „Hallo Philipp, hier ist Papa! Ich wollte dir nur schon mal sagen, dass ich dich sehr lieb habe. Ich freue mich darauf, dich bald kennenzulernen.“
Ich merkte, dass mir Rührungstränen über die Wangen rannen. „Du bist jetzt schon der beste Papa der Welt, mein Schatz“, wandte ich mich an den Mann, den ich jeden Tag ein bisschen mehr liebte. Er war einfach das Beste, was mir hätte passieren können.
In regelmäßigen Telefonaten hielt ich Andi auf dem neuesten Stand, und er witzelte schon, dass ich wohl bald Frau Egtermeyer sei.
Das würde ich mir wohl sehr wünschen, aber wir waren gerade mal ein paar Monate lang ein Paar. So schnell würde Nils da wohl nicht mit einem Antrag um die Ecke kommen. Aber ich würde einfach warten. Zunächst würden wir ja Eltern werden.
Nils war immer sehr euphorisch, was das anging. Er begleitete mich nach Möglichkeit zu jeder Untersuchung, hatte an einem Samstag das komplette Kinderzimmer aufgebaut, und schleppte Babykleidung in Massen an. Philipp würde mehr Klamotten besitzen, als mein verstorbener Zwilling und ich bei unserer Geburt. Nils massierte mir auch immer die Füße, denn diese waren wirklich schwer, seit Philipp so groß geworden war.
Ole verbot mir, schwere Getränkekisten oder gar Bierfässer zu tragen, und hatte in Robin, der sich inzwischen zu einem guten Freund entwickelt hatte, einen großen Fürsprecher. Oft ging mir die Fürsorge der Männer etwas auf den Keks. Dana packte mich zum Glück nicht so sehr in Watte. Sie war der Meinung, dass ihre 3 Kinder die Tatsache auch überlebt hatten, dass sie in den Schwangerschaften Kisten getragen hatte. Ich war ihr sehr dankbar dafür, denn ich musste Ole und Robin oft zur Ordnung rufen, wenn sie mich zu sehr bemutterten.
Ich schloss die Augen und lehnte mich an meinen Freund. „Über was denkst du nach, meine Süße?“ fragte er mich besorgt. „Darüber, dass ich bald in den Mutterschutz gehe, und mir hier wohl die Decke auf den Kopf fallen wird.“ Nils grinste mich herausfordernd an, und seine tiefblauen Augen funkelten belustigt. „Da wird uns schon etwas einfallen“, schmunzelte er und zog mich dicht an sich heran.
Da piepte mein Handy. Ich hatte offensichtlich eine Nachricht empfangen. Automatisch grapschte ich danach, und las. „Lenchen, melde dich bitte umgehend bei Fo! Notfall! Hab dich lieb, Markus :*“ stand da. Nils hatte über meine Schulter hinweg mitgelesen. „Notfall? Ist denen die Butter ausgegangen?“ Ich wählte ohne zu zögern die Nummer meines Exfreundes. „Markus, was ist denn passiert?“ fragte ich auch direkt los, nachdem er das Gespräch angenommen hatte. „Wann kannst du in Stuttgart sein?“ kam auch prompt die Gegenfrage. Ich blätterte in meinem Kalender. „Am Wochenende habe ich frei. Ole hat mich dazu gezwungen. Und Nils hat da einen Auftritt auf einer Messe, insofern kann ich dann direkt kommen. Was ist denn passiert?“ Ich schaute zu meinem Freund und las in dessen Augen genau die gleiche Frage. Markus seufzte. „Das kann ich dir nicht sagen, und schon gar nicht am Telefon. Komm‘ einfach direkt am Wochenende. Ich muss auflegen, bis dann!“ Da hörte ich auch schon das Tuten, das mir verriet, dass Markus einfach aufgelegt hatte.
Nils verdrehte die Augen. „Was ist denn nun los?“ „Wenn ich das wüsste, mein Schatz. Ich muss am Wochenende unbedingt nach Stuttgart. Irgendetwas Schlimmes muss passiert sein.“ Nils drückte mich fest an sich. „Weißt du eigentlich, dass ich dich liebe?“ Ich grinste breit. „Ja das weiß ich. Weißt du denn, dass es mir genau so geht?“ Nils küsste mich daraufhin liebevoll. „Ja, das weiß ich. Die Messe auf der ich auftrete, ist übrigens in Karlsruhe. Das heißt, ich kann dich mitnehmen. Was hältst du davon?“ „Sehr viel“, grinste ich. „Was auch immer die beiden von mir wollen.“
Am darauffolgenden Samstag war es dann so weit. Ich quetschte mich auf den Beifahrersitz von Nils‘ Auto und fluchte erst mal über den Gurt, den ich kaum noch über meinen Bauch bekam.
Mein Freund war jedoch so gnädig, und half mir. Als wir dieses Problem gelöst hatten, konnte die Fahrt losgehen. Ich schaute aus dem Fenster und betrachtete die vorbeiziehenden Häuser. Wie sich mein Leben doch gewandelt hatte. Von der quasi mittellosen Daueraushilfe zur stellvertretenden Restaurantleitung mit annehmbarem Gehalt. Und den Mann meiner Träume hatte ich in Hamburg auch gefunden. Wie viel perfekter könnte es noch werden?
Wenn doch nur Phil bei mir wäre, um daran teilzuhaben. In den letzten Wochen hatte ich nach langem einmal wieder die Kraft gefunden, die gemeinsamen Fotos anzuschauen. Er fehlte mir mit jedem Tag, an dem sein Neffe in mir heranwuchs, ein Stück mehr.
Meine Liebe zu Nils wuchs auch jeden Tag. War ich am Anfang etwas zurückhaltend ihm gegenüber gewesen, war ich jetzt umso anhänglicher. Er trug mich wirklich auf Händen, und unterstützte mich wo er nur konnte. Bei den Kochprofi-Dreharbeiten erzählte er wohl pausenlos von Baby Philipp und mir, dies hatte mir Andi irgendwann genervt am Telefon gestanden. Ich betrachtete ihn von der Seite. Sein Blick war konzentriert, und seine Hand ruhte auf meinem Oberschenkel. Eine Strähne hatte sich aus seiner Frisur gelöst und fiel ihm vorwitzig ins Gesicht. Er war nicht nur ein wunderbarer Partner, er war auch noch wunderschön, dachte ich mir im Stillen. Ich konnte mir ein verliebtes Lächeln nicht verkneifen, was gepaart mit den stummen Tränen, die ich um Phil vergossen hatte, ein komisches Bild abgeben musste.
Nils drehte sich leicht zu mir. „Alles okay bei dir, mein Schatz?“ Ich nickte stumm. „Ja mir geht es gut. Sollen wir tauschen? Ich weiß zwar nicht, ob ich noch hinter ein Lenkrad passe, aber einen Versuch ist es wert.“
Nils fuhr an der nächsten Raststätte ab, und wir tauschten die Plätze. Irgendwie hatte mein riesiger Bauch doch hinters Steuer des Autos gepasst, und ich drehte voll auf. Die linke Spur wurde zu meiner besten Freundin. Nils starrte mich entsetzt an. „Mach mal langsamer, Schatz!“ jammerte er. Ich schüttelte den Kopf. „Lass‘ mir die Freude! Ich bin schon ewig nicht mehr gefahren, das muss jetzt einfach sein.“ Nils vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Ich fummelte eine CD aus meiner Tasche (was meinen Schatz zu einem zusätzlichen panischen Blick veranlasst hatte), und legte sie ein. Dann drehte ich voll auf. Aus den Boxen ertönten nun die punkigen Klänge der Misfits. Mein Freund starrte mich aus tiefblauen Augen an. „Das ist alles Oles Schuld“, stöhnte er. „Was hat mein Chef damit zu tun? Ich liebe die Misfits seit Kindertagen!“ entgegnete ich. Drei Stunden und zwei CDs später kamen wir in Stuttgart an. Ich hatte allerdings vergessen, dass vor der Speisemeisterei Schotter lag, und legte dementsprechend ein waghalsiges Bremsmanöver hin.
Fo und Markus waren nach draußen getreten, nachdem sie meinen Krach gehört hatten. Nils fiel seinem Kollegen um den Hals. „Diese Frau bringt mich um! Wo hat sie diesen Kamikaze-Stil her?“ Fo lachte laut. „Lenchen, wenigstens in der Schwangerschaft könntest du langsamer machen“, witzelte er. Markus knuffte mich spielerisch, nur um mich dann so fest zu umarmen, dass ich das Gefühl hatte, zu ersticken.
Nils nahm mich nochmal in den Arm. „Ich fahre dann mal weiter Richtung Karlsruhe. Bis Sonntag, ich liebe euch.“ Er küsste mich zärtlich. „Wir lieben dich auch, Papa“, entgegnete ich, und er fuhr gesittet vom Hof.
„So, und was genau soll ich jetzt hier?“ fragte ich meinen ehemaligen Chef. „Wir müssen reden“, setzte dieser an, wurde aber von meiner alten Kollegin Lisa unterbrochen, die mir begeistert um den Hals fiel. „Lena! Dass wir uns einmal wiedersehen!“ Ich küsste sie begeistert auf die Wange. „Lisa! Ich freue mich wirklich“, jubelte ich. „Frau Walther“, unterbrach Fo uns. „Du hast geheiratet?“ quietschte ich einfach dazwischen. Lisa nickte. „Vor drei Jahren, aber ich erzähle dir später alles. Nicht dass Herr Oehler mir noch kündigt, weil ich euch von irgendwas abhalte“, zwinkerte sie mir zu und ging ins Lokal zurück. Wobei die Speisemeisterei die Bezeichnung „Lokal“ bei weitem nicht verdient hatte. Immerhin war sie in einem Schloss untergebracht und wirkte auch im Inneren hochherrschaftlich.
„Also Herr Oehler, ich höre?“ Schelmisch schaute ich meinen ehemaligen Chef an. „Also Frau Berger“, stieg er auf das Spiel ein. Ich war immer eine der wenigen Angestellten gewesen, die ihn von Anfang an duzen durften. „Ich müsste unter vier Augen mit ihnen sprechen.“ Ich schaute Markus herausfordernd an. „Also Herr Eberhardinger, zurück in die Küche!“ Er streckte mir die Zunge heraus, was Fo mit einem Augenrollen quittierte. „Gehen wir ein Stück, Mäuschen“, meinte Fo, nachdem Markus sich tatsächlich getrollt hatte.
Er reichte mir seinen Arm, und ich hakte mich vertrauensvoll bei ihm unter. Wir liefen einige Meter durch den wunderschönen Park, der an das Schloss grenzte. Ich merkte, wie mir die Tränen die Wangen herunterliefen. Wie hatte ich das alles hier vermisst! Hier hatte ich meine Ausbildung gemacht, meine erste große Liebe getroffen, und hier wurde der Grundstein für meinen Werdegang gelegt. Ich liebte das Schloss, die große verwinkelte Küche, und diesen Park. Und ich war seit meiner Schwangerschaft eine Heulsuse geworden.
Fo stoppte, und nahm mich an beiden Händen. Seine braunen Augen sahen mich ernst  an. „Mäuschen….Ich hatte einen Anruf von deiner Mutter. Sie hat mir ein Geheimnis anvertraut. Ich weiß nicht, wie du dazu stehen wirst…“ Ich unterbrach ihn nicht, auch wenn ich mir denken konnte, worauf das hinauslaufen würde. Angst kroch langsam in mir hoch. Würde sich unser Verhältnis verändern? Gar verschlechtern? Was würden Cornelia und die Jungs darüber denken? „Ich bin dein leiblicher Vater!“ ließ Fo die Bombe platzen. Ich schaute ihn an, und zum ersten Mal erkannte ich in seinen Augen die meinen. Sie waren sogar auf die gleiche Weise gesprenkelt. Er fuhr sich unsicher durch sein graues Haar. Ich lachte schallend auf. Mir war es noch nie aufgefallen, aber er tat das in der gleichen Weise wie ich, wenn ich verlegen war. Ich schloss ihn fest in meine Arme. „Es freut mich, das zu hören. Aber einen Papa habe ich in Peter ja schon gefunden. Meinst du, wir können einfach gute Freunde sein? Bzw. uns der Sache langsam annähern?“ Fo gab mir einen Kuss auf die Stirn. „Natürlich können wir das, Lenchen. Huch, ich glaube, Krümel begrüßt gerade seinen Opa“, freute er sich. Philipp war wohl aufgewacht und trat um sich. „Er wird mal Fußballer, das würde seinen Erzeuger glaube ich am meisten nerven“, gluckste ich.
Auf einmal hörte ich eine Stimme hinter uns. „Lenchen! Du bist es ja wirklich! Ich dachte immer, Andi veräppelt mich!“ Meine Freundin aus Kindertagen kam auf mich zugeschossen und fiel mir schwungvoll um den Hals. „Anna! Oh mein Gott, ich freue mich so sehr!“ schluchzte ich. Wir umarmten uns lange, und auch Anna wurde von Philipp mit einem Tritt begrüßt. Sie quietschte begeistert auf, und küsste meinen Bauch freundschaftlich. Danach trat Andi zu mir. „Schweiger! Du sollst dich nicht immer anschleichen!“ lachte ich. Auch ihn umarmte ich herzlich.
Anna hakte mich unter. Sie war eine wunderschöne junge Frau geworden. Ihre braunen Haare reichten ihr bis weit über die Schultern, ihre blaugrauen Augen funkelten, und ihr breites Grinsen erinnerte mich an früher- so hatte sie immer geschaut, wenn sie etwas angestellt hatte. „Ich soll dich auch von meinem Bruderherz grüßen“, lachte sie. „Oh bitte nicht, der hat mich monatelang verfolgt!“
Anna musste losprusten. „Ich habe ihm immer gesagt, dass er das lassen soll. Aber Phil hatte ihm ja dann mal eins auf die Mütze gegeben.“ Ich schaute Anna wehmütig an. „Ich vermisse Phil so sehr“, seufzte ich.
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