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Hamburg City Girl

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Nils Egtermeyer OC (Own Character)
14.03.2016
01.04.2016
19
30.636
 
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Dieses Kapitel
1 Review
 
20.03.2016 1.924
 
Tadaaaaah, wer wird wohl Lenas Vater sein? Die Auuflösung kommt :)
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Das mit uns war noch nicht mal etwas Festes gewesen. Er war mit seinen Brüdern bei uns im Biergarten gewesen, und ich wurde vom Chef verdonnert, seinen Tisch zu übernehmen, da alle Kolleginnen ausflippten, weil sie ihre Hormone anscheinend nicht im Griff hatten. Ich war die einzige, die wenig von Kochshows wie Grill den Henssler hielt, und ihn am Anfang auch echt ätzend fand.
Aber so kam irgendwie eins zum anderen, und wir begannen ein lockeres Verhältnis miteinander.
Bis zu jenem Tag, als ich feststellte, dass ich in der zweiten Woche schwanger war. Nachdem ich Steffen das offenbart hatte, meinte er nur, dass das ja wohl mein Problem sei, und bis zur 12. Woche wäre eh nichts gesichert. Und Unterstützung für mich und das Kind könne ich gleich vergessen. Und jetzt stand er hier, und bat um Verzeihung? Nicht für ihn, und nicht in diesem Leben.
Ich kam abgehetzt im Olsen an. Robin umarmte mich leicht. „Hast du einen Geist gesehen?“ neckte er mich. „Nein, schlimmer. Krümels Papa.“ „Und wo genau liegt da das Problem?“ fragte mein Kollege. „Er hat mich damals hängen lassen, kaum dass er erfahren hat, dass Krümel unterwegs ist. Und jetzt macht er auf reumütigen, lieben Papa. Kotzen möchte ich.“ Robin gab mir einen Kuss auf die Wange. „Du machst das schon richtig, Lena.“ Ich seufzte und machte mich an die Arbeit.
Als ich Feierabend hatte, verließ ich das Lokal, nur um wieder in Steffen hineinzulaufen. „Stalkst du mich?“ brummte ich ihn an.
Er grinste. „Natürlich nicht, aber ich finde, wir sollten uns aussprechen.“ Ich knurrte. „Nein sollten wir nicht. Du hast mir durch die Blume zu verstehen gegeben, dass du Krümel nicht willst, also leb‘ gefälligst auch mit dieser Entscheidung!“ Ich schaute ihn arrogant an. „Lena, das ist doch nicht dein Ernst!“ wandte Steffen entsetzt ein. „Doch ist es, schönen Abend noch!“ Ich schnalzte verächtlich mit der Zunge und lief in Richtung meiner Wohnung.
Dort stand schon Nils, und wartete auf mich. Ich umarmte ihn begeistert, und er gab mir einen liebevollen Kuss. „Na, meine zwei Hübschen? Wie geht es euch heute?“ Ich strahlte ihn an. „Prima geht’s uns. Krümel ist artig und schläft während ich arbeite zumeist. Ich hatte heute nur eine Begegnung der dritten Art mit seinem….“ Weiter kam ich nicht, denn ein entrüsteter Steffen hatte sich vor uns aufgebaut. „Nicht DU schon wieder“, fauchte ich. „Mit DEM willst du unser Kind großziehen?“ jammerte Steffen und wies anklagend auf Nils, der mich wiederum schockiert anstarrte. „Das wollte ich gerade erzählen. Also ich hatte nun schon die dritte Begegnung mit Krümels Vater-voila, Mr. Steffen „ich interessiere mich einen Scheiss für mein Baby“ Henssler.“ Nils rang nach Luft. „Der? Das ist nicht dein Ernst. Der legt doch alles flach, was nicht bei drei auf den Bäumen sitzt“, ereiferte er sich.
„Nils, entspann dich. Es war eine Affäre. Und als er gehört hat, dass Krümel unterwegs ist, hat er sich ganz schnell verpfiffen. Aber jetzt meint er, er könne auf Super-Daddy machen.“ Steffen brummte. „Man wird ja noch einen Fehler einsehen dürfen!“ Ich kuschelte mich demonstrativ an Nils. „Darüber reden wir in einem halben Jahr. Aber Fakt ist, ich will und werde dieses Kind mit Nils großziehen. Da kannst du dich auf den Kopf stellen!“ Nils gab mir einen Kuss auf die Schläfe. Steffen rauschte ab. „Darüber reden wir aber noch“, flüsterte mein Freund.
Ich verdrehte die Augen. „Da gibt es nichts zu reden. Was geschehen ist, ist geschehen. Ich will von Steffen nichts mehr wissen, das einzige wofür ich ihm dankbar bin, ist das Baby.“ Ich küsste Nils liebevoll. Er erwiderte es direkt. „Ich habe doch nur Angst, dass du irgendwann zu diesem Schürzenjäger überläufst“, seufzte er. Ich grinste ihn breit an. „Was will ich mit ihm? Ich habe dich. Wir haben dich, und wir lassen dich auch nicht mehr los. Damit musst du jetzt leben.“ Nils schenkte mir einen erleichterten Blick und küsste mich erneut liebevoll.
3 Monate später war mein Bauch schon recht kugelig, was meine Schnelligkeit im Service etwas behinderte, aber ich versuchte, das bei den Gästen durch Charme wieder wett zu machen. Ich vermisste weder den Biergarten noch das Laufhaus. Ab und an schaute ich dort auf einen Schnack mit Rosi vorbei, und auch die Mädchen waren immer wieder fasziniert von meiner Babykugel. Das letzte Mal hatten sie mir einen Maxi Cosi und einige Babyklamotten geschenkt, was mich wirklich berührt hatte. Steffen versuchte immer noch, sich als Superpapa aufzuführen, was ich aber gekonnt ignorierte.
Meine Einzimmerwohnung hatte ich inzwischen in ein gemeinsames Nest mit Nils eingetauscht, und alles lief prima. Nils und ich saßen gerade auf der Couch, als mein Laptop klingelte. Ich schaute auf den Bildschirm, und stellte fest, dass Mom und Paps anriefen. Das taten sie gut einmal im Monat, und auch wenn sie Nils nur aus der Ferne kannten, mochten sie ihn inzwischen richtig gerne.
Ich hatte im Gegenzug auch schon Nils‘ Mama via Skype kennen gelernt (sie lebt auf Fuerteventura), und beide werdenden Omas waren sehr angetan von meiner Schwangerschaft und löcherten mich regelmäßig mit Fragen. Auch Nils‘ Geschwister freuten sich riesig über den Familienzuwachs. Sie hatte ich schon persönlich getroffen, und direkt ins Herz geschlossen.
Ich nahm das Gespräch auf dem Laptop an. „Hallo Kind“, krähte mir meine Mutter bereits entgegen. Sie sah für ihre 51 Jahre noch jugendlich aus, und ihre braunen Haare (die sie mir vererbt hatte) trug sie neuerdings zu Dreadlocks geflochten. „Hey Mom, was verschafft mir die Ehre? Heute ist doch gar nicht Samstag?“ Meine Mutter lachte ihr kehliges Lachen. „Weißt du nun endlich ob ich einen Enkel oder eine Enkelin bekomme?“ Ich rümpfte leicht die Nase. Eigentlich sollte das eine Überraschung werden, aber meine Mutter würde ohnehin nicht locker lassen. „Es wird ein Junge“, verkündete ich also. „Wie soll er denn heißen?“ Nils zuckte mit den Schultern. „Da haben wir uns noch gar nicht darüber unterhalten“, versuchte er abzuwiegeln. Meine Mutter zwinkerte. „Wie wäre es mit Finn-Tristan?“ „Mom, du sollst auf deine alten Tage nicht mehr kiffen! Wie oft muss ich dir das noch sagen? Dieser Name ist ja grauenvoll!“ Nils schauderte ebenfalls. Obwohl er nicht Krümels leiblicher Vater war, kümmerte er sich rührend um mich. Er zog mir sogar die Schuhe an, und band sie zu, da ich nicht mehr um meinen Bauch herumgreifen konnte.
Und natürlich hatten wir schon über Namen gesprochen. Und als ich mit dem Vorschlag Markus Steffen gekommen war, war Nils so eingeschnappt gewesen, dass ich drei Tage auf der Couch übernachten musste. Nicht mal meine Anmerkung, dass ich ihn nur foppen wollte, konnte ihn besänftigen. Schlussendlich hatten wir uns auf den Namen Philipp Markus geeinigt.
Philipp war ein dunkles Kapitel in meinem Leben. Er war mein Zwilling gewesen, hatte sich aber mit 18 erhängt, da er über den Verlust seiner ersten großen Liebe nie hinweg gekommen war. Ich hatte jahrelang unter seinem Verlust gelitten, und auch heute verging kaum ein Tag, an dem ich nicht an meine zweite Hälfte dachte. Wir waren immer eins gewesen. Die Berger-Geschwister. Eine untrennbare Einheit. Wo Philipp war, war ich, und umgekehrt. Wir hatten zwar getrennte Zimmer gehabt, schliefen aber bis zu seinem Tod in einem gemeinsamen Bett.
Und der Zweitname. Ja, der hatte für Zündstoff gesorgt, aber da ich Markus unbedingt als Paten für meinen kleinen Sohn haben wollte, waren wir uns schnell einig geworden.
„Wie wird er denn jetzt heißen?“ riss mich Mom aus meinen Gedanken. „Die drei Monate warten hältst du aus, Mom“, zwinkerte ich.
„Lenchen….jetzt wo du selbst Mommy wirst, will ich dir sagen, wer dein Vater ist.“ „Das ist und bleibt Paps. Ich will es gar nicht wissen“, fuhr ich ihr in die Parade. „Solltest du aber. Es ist F…“ schnell drückte ich die „Auflegen“ Taste. Nils starrte mich an. „Was war das denn? Du kannst doch deine Mutter nicht einfach wegdrücken?“ „Offensichtlich kann ich das doch. Ich will es nicht wissen, wann begreift sie das endlich?“

Speisemeisterei, Stuttgart, 5 Minuten später:

Fo wirbelte mit Markus und seinem restlichen Team durch die Küche. Heute hatte sich ein hochrangiger Politiker mit allerlei Sonderwünschen als Gast angesagt, und die beiden waren gezwungen, das Menü noch einmal komplett umzuwerfen. Da stand Pierre, der Restaurantleiter in der Küche. „Herr Oehler? Ich habe hier eine Marion Berger am Telefon, die erstens behauptet, sie riefe aus Paraguay an, und zweitens besteht sie darauf, mit ihnen persönlich zu sprechen.“ Fos Augenbrauen schossen in die Höhe. Er wusste genau, wer da am anderen Ende war. Marion war zum einen die Mutter seiner besten Auszubildenden Lena, und zum anderen hatten sie auf einem Weinfest einmal einen One Night Stand gehabt. Beide waren kaum 19 Jahre alt gewesen. Danach war Marion aber umgezogen, und erst als Lena als Azubi bei ihm vor der Tür stand, hatten sie wieder sporadischen Kontakt gehabt. „Geben sie mir das Telefon, Herr Dupont, das geht schon in Ordnung.“ Pierre reichte seinem Chef den Hörer. „Marion? Wie komme ich zu dieser Ehre?“ „Frank, gut dass ich dich erreiche“, meinte die Frau am anderen Ende der Leitung gehetzt.
„Es gibt da etwas, was ich dir erzählen muss. Du erinnerst dich an unseren One Night Stand auf dem Weinfest damals?“ Fo kratzte sich nachdenklich am Kinn. Natürlich erinnerte er sich lebhaft an die Frau mit den braunen Locken und den schelmisch funkenden graugrünen Augen. Auch wenn er inzwischen seit 20 Jahren mit Cornelia verheiratet war, und zwei erwachsene Söhne hatte, hatte er das wilde Hippie-Mädchen nie wirklich vergessen können. Lenas Anblick hatte das nie wirklich erleichtert, denn sie war Marion wie aus dem Gesicht geschnitten. „Natürlich erinnere ich mich“, entgegnete er. „Naja, ich bin damals so schnell in eine andere Stadt verschwunden weil ich schwanger war. Lena ist deine Tochter, Fo.“ Das saß. Fo ließ erst mal den Hörer fallen. Er sammelte ihn hektisch vom Boden auf. „Bitte was?“ meckerte er los. „Und das fällt dir nach geschlagenen 31 Jahren ein? Bist du noch ganz richtig im Kopf? Denkst du nicht, ich hätte mich damals genauso dafür interessiert? Außerdem erklärst du mir gerade nebenbei, dass ich Opa werde! Ich könnte dich…“ Marion starrte in Paraguay ihren Mann an. Was regte sich Frank denn jetzt so auf? War es nicht wichtig, dass sie ihm überhaupt Bescheid sagte? Der sollte mal runterkommen. Immer diese Spießerkerle, dachte sie sich im Stillen. Aber Fo war noch lange nicht fertig, und so durfte sie sich geschlagene 15 Minuten lang eine Tirade von dem sonst immer so fröhlichen Stuttgarter anhören.
Nachdem Fo das Gespräch wütend beendet hatte, schnappte er sich den erstbesten Teller, und feuerte ihn einmal quer durch die Küche, was sein Küchenteam dazu veranlasste, erst mal die Flucht zu ergreifen, was zum Glück von Markus abgenickt wurde.
„Chef, was in aller Welt ist los? So sauer habe ich dich seit Jahren nicht mehr erlebt“, versuchte der einfühlsame Schwabe seinen Patron zu beruhigen.
„Das war Lenchens Mutter am Telefon-sie hat mir quasi im Vorbeigehen erklärt, dass unser Mäuschen meine leibliche Tochter ist, und ich Opa werde! Was glaubt die denn, wer sie ist?“ wütete der grauhaarige. Markus legte einen Arm um seinen Chef. „Beruhige dich. Fakt ist, du musst es Lenchen auf jeden Fall sagen. Und natürlich Cornelia, Jonas und Justus. Wusstest du, dass du fast mein Schwiegervater geworden wärest?“
Fo musste grinsen. „Markus, das ganze Team hatte Wetten laufen, wann ihr denn heiratet. Jeder wusste es, bzw. hat es gehofft.“ Der dunkelhaarige gab seinem Chef eine Kopfnuss. „Jetzt müssen wir aber weitermachen“, meinte er, und rief das Team zurück in die Küche.
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