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Hamburg City Girl

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Nils Egtermeyer OC (Own Character)
14.03.2016
01.04.2016
19
30.636
 
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15.03.2016 1.598
 
Ich bezog indes in einem der Zimmer des Laufhauses die Betten neu. So hatte ich mir mein Leben nun wahrlich nicht vorgestellt. Ich wischte alle Oberflächen ab, stellte eine Küchenrolle auf das Nachtkästchen, füllte die Glasschale, die ebenfalls dort stand, mit Kondomen auf, und verließ das Zimmer, um in den Wäscheraum zu gehen. Dort steckte ich die Bettwäsche in eine der Maschinen, startete diese, und hatte eine Entscheidung getroffen.
Ich trat zu Rosi, der Chefin. „Kann ich kurz Pause machen? Die anderen Zimmer sind noch belegt, und das von Chantal ist frisch geputzt“, fragte ich. Rosi lächelte. „Natürlich, meine Hübsche. Aber nur 15 Minuten, danach müsstest du die Zimmer von Biggi und Janna putzen.“ Ich bedankte mich, und verzog mich in den Personalraum. Ich wühlte in meiner Hosentasche nach Franks Zettel, und wählte mit zitternden Händen die Nummer, die darauf geschrieben war. Nach dem dritten Freizeichen erklang eine mir sehr vertraute Stimme.
„Eberhardinger?“ „Markus, hier ist Lena“, meldete ich mich schüchtern. „Meine Lena?“ fragte er nicht weniger schüchtern zurück. „Ja, genau die. Hör zu Markus, es tut mir unendlich leid. Ich habe mich damals wie eine Idiotin verhalten. Ich schulde dir eine Erklärung…“ Er fiel mir ins Wort. „Das tust du, Lenchen. Aber in erster Linie bin ich froh, überhaupt wieder etwas von dir zu hören. Sei mir nicht böse, aber hier ist Land unter. Wo bist du denn inzwischen gelandet?“ „In Hamburg.“ „Das trifft sich prima, dort bin ich am nächsten Wochenende.“ Ich rieb mir mit den Fingern über den Nasenrücken. „Samstag, 18 Uhr an der Alsterterrasse? Findest du das?“ Markus lachte sein dröhnendes Lachen. „Den Weg zu dir finde ich immer. Bis Samstag, mein Lenchen“, verabschiedete er sich. „Bis Samstag“, erwiderte ich und legte auf.
Als ich drei Stunden später zurück in meiner Wohnung war, klingelte mein Handy erneut. „Berger?“ „Frank hier. Hast du schon Feierabend?“ „ja, Chefchen, aber woher hast du meine Nummer?“ „Markus natürlich. Kannst du bitte ins Hotel Vier Jahreszeiten kommen, an die Bar? Wir haben eine Überraschung für dich“, lockte er mich. „Gib mir zwanzig Minuten dann bin ich bei dir“, erwiderte ich, und ging in Richtung meines Kleiderschrankes. Im Vier Jahreszeiten musste man schon etwas schicker sein, und so griff ich nach meinem kleinen schwarzen. Ich zog das Kleid an, dazu schwarze Strumpfhosen, schwarze Pumps und eine schwarze Bolerojacke. Danach flocht ich meine Haare zu einem französischen Zopf und schminkte mich dezent.
Als ich mit meinem Werk zufrieden war, verließ ich meine Wohnung, um zu dem Nobelhotel zu gelangen. Mit fünfminütiger Verspätung traf ich an der Bar ein, und fand dort Frank und Ole vor. Ich umarmte die beiden herzlich. „Hier bin ich, was für eine Überraschung habt ihr denn nun?“ Ole pfiff anerkennend. „Sexy siehst du aus, aus dir wird mal eine Yummy Mummy“, schäkerte er. „Andi, die Petze! Aber ich bin erst in der 10. Woche, man sieht zum Glück noch nichts. Aber was genau ist nun die Überraschung? Die Anmachen von dir, Ole?“ Frank lachte. „Nein, Ole hat etwas Besseres als das.“ „Na dann, lass hören“, wandte ich mich an den schwarz gekleideten Hamburger. „Ich möchte dir gerne einen Vollzeitjob anbieten. Andi hat erzählt, dass dein Chef dich ohnehin absägen will, und das mit dem Bordell hast du nicht nötig. Und ich suche händeringend eine brauchbare stellvertretende Restaurantleitung.“ Ich strahlte den dunkelhaarigen an. „Dein Ernst?“ Ole nickte, und ich fiel ihm begeistert um den Hals. „Danke! Dieses Angebot würde ich sehr gerne annehmen!“ freute ich mich aufrichtig. Fo brummte. „Und mich umarmt wieder niemand!“ Auch er wurde geknuddelt. „Wo ist denn das junge Gemüse abgeblieben?“ „Die wollten noch um die Häuser ziehen, aber wir haben uns für die gediegene Variante entschieden“, lachte Ole. „Dann schließe ich mich euch beiden an, wenn ihr nichts dagegen habt.“ Da kam eine hübsche Kellnerin auf mich zu. „Was darf ich ihnen bringen?“ Ich lächelte. „Einen Ipanema bitte.“  So saß ich noch lange mit den beiden Jungs zusammen, und der Abend war echt schön.
Am nächsten Tag konnte ich bereits im Olsen anfangen. Ole hatte alles bereits mit meinem Ex-Chef geklärt, der nicht umhin kam zuzugeben, dass er froh sei, mich und das Balg los zu sein.
Dana, Oles Frau war begeistert, dass das Personalproblem endlich gelöst war, und sie arbeitete mich mit Feuereifer ein. Ich war angetan von meinem neuen Arbeitsumfeld, und verstand mich von Anfang an gut mit Dana und den anderen Kollegen.
„Schade, dass du bald wieder in Mutterschutz gehst“, seufzte Robin, der Mann hinter der Bar. „Noch bin ich ja da, und kann euch auf den Keks gehen“, stichelte ich. Ole kam aus der Küche gelaufen. „Als ob. So schnell war Robin noch nie von einer Serviceschnepfe, wie er euch sonst zu nennen pflegt, überzeugt.“ Ich grinste ihn fies an. „Serviceschnepfe?“ Robin zuckte schuldbewusst zusammen. Ich lachte. Da stand Nils in der Tür. „Hallo, habe ich doch richtig gehört“, grinste er, und umarmte mich fest.  Ole räusperte sich „Nils, was tust du denn hier?“ „Ich wollte eure neue Serviceschnepfe entführen“, kam es prompt von dem rotblonden. „Sie hat erst in einer Stunde Feierabend“, gab Dana zurück. „Dann warte ich eben. Lena, ein Astra bitte“, grinste er mich aus tiefblauen Augen keck an. „Aus der Flasche oder vom Fass?“ „Aus der Flasche, wenn‘s recht ist.“ Ich servierte Nils das Bier und wandte mich Tisch 5 zu, der mir signalisierte, dass sie bezahlen wollten.
Eine Stunde später ließ ich mich erschöpft auf den Stuhl neben Nils fallen. Ich hatte das Gefühl, hundert Kilo zu wiegen, und das, obwohl das Baby noch keine drei Monate alt war. Wie sollte das erst werden, wenn der Bauch dicker wurde?
Nils grinste mich breit an. „Mitkommen!“ befahl er. „Und was gedenkst du zu tun? Mich entführen? Vergewaltigen? Ermorden?“ Ole lachte schallend. „Nils ist ein Weichei, der tut keiner Fliege was. Haut schon ab, bis morgen, Lenchen!“ Ich verdrehte die Augen. „Chef, dass das klar ist. Nur Fo, Andi und Markus dürfen mich Lenchen nennen, und das eigentlich auch nicht ungestraft!“ Ole kniff mir in die Wange. „Soweit kommt es ja noch, meine Angestellte macht mir Vorschriften!“ Ich umarmte ihn und seine Frau herzlich, und ließ mich von Nils ins Freie ziehen.
„Was hast du vor?“ „Dich an die Alsterterrasse entführen, dort ist heute Abend eine Latino-Party. Du kannst doch tanzen?“ „Ja kann ich. Ich habe in Amerika angefangen, aber hier in Deutschland komme ich selten dazu. Aber ich habe kein Party-Outfit an?“ Nils reichte mir seinen Arm. „Eine schöne Frau kann nichts entstellen“, meinte er, und wir machten uns auf den Weg.
An der Alsterterrasse angekommen, tobte um uns schon das Leben. Ich strahlte, denn zum tanzen gehen hatte ich wirklich kaum Zeit gehabt in den letzten Jahren. Damon, mein Tanzpartner aus den USA war vor zwei Jahren zuletzt zu Besuch gewesen, und das war auch das letzte Mal gewesen, wo ich mich exzessiv durch die Clubs getanzt hatte.
Die Liveband spielte eine Salsa, und Nils schnappte mich ohne Umschweife. „Nicht so stürmisch“, scherzte ich, ließ mich aber bereitwillig von ihm führen. Und er war wirklich gut. Wir vollführten Drehungen, Platzwechsel, und alles was ihm in den Sinn kam. Ich war in diesem Moment einfach nur glücklich und entspannt. Das tat so gut! Einmal die Probleme hintenan stellen, und abschalten.
Zwei durchtanzte Stunden später wurde mir langsam kühl. Ich fröstelte. Nils bemerkte das, und legte mir seine Jacke um die Schultern. Er zog mich leicht an sich. Ich ließ es geschehen, und nahm den leichten Duft von „Cool Water“ wahr. „Du riechst gut“, bemerkte ich daraufhin. Nils strahlte mich an. „Das war auch der Plan, immerhin wollte ich dich beeindrucken“, schmunzelte er. „Ist dir gelungen. So viel Spaß hatte ich seit langem nicht mehr. Danke dafür.“ Ich wollte ihm einen Kuss auf die Wange geben, doch er schien andere Pläne zu haben. Er drehte sich zu mir, und so landete mein Kuss zielsicher auf seinem Mund. Ich riss die Augen auf. „NILS! Was sollte das denn nun?“ Er senkte betreten die Augen. „Ich wollte dir nicht zu nahe treten. Aber seit gestern gehst du mir nicht mehr aus dem Kopf. Andi war schon genervt, weil ich ihn so ausgefragt habe. Ich soll dich lieb grüßen, er ist mit Fo wieder nach Süddeutschland zurück gefahren.“ Ich lehnte mich leicht an Nils.
„Es ist nicht, dass ich dich nicht auch sympathisch und hübsch finde und so. Aber ich bin schwanger! Wie soll das denn gehen?“ Der rotblonde strich mir vorsichtig übers Haar. „Das geht prima, mir macht es nichts aus, dass das nicht mein leibliches Kind ist.“ Behutsam streichelte er meinen Bauch.
Dieser begann, leicht zu prickeln. „Sei mir nicht böse, aber Ole verlangt morgen wieder nach meiner Anwesenheit. Es ist schon spät. Aber danke für diesen wunderbaren Abend“, sagte ich, gab ihm seine Jacke zurück, und küsste ihn frech auf den Mund. Nils zwinkerte. „Ich kann eine Lady nicht alleine durch die Nacht laufen lassen. Ich begleite dich.“ Ich rollte mit den Augen, hakte mich dann aber schicksalsergeben bei ihm unter.
Zehn Minuten später standen wir vor der Tür des Hauses, in dem ich eine Einraumwohnung bewohnte. Sie war mit 35qm sehr klein, aber mit meinen zwei bisherigen Jobs war einfach nichts Größeres drin gewesen. Ich umarmte Nils zum Abschied und ging nach oben. Ich streifte meine Schuhe von den Füßen und schnappte mir ein Buch. Nachdem ich drei Seiten gelesen hatte, merkte ich, dass meine Augen schwer wurden. Ich legte das Buch auf die Seite, holte mein Bettzeug aus dem Schrank, warf mich schnell in meinem Pyjama und war eingeschlafen, kaum dass mein Kopf das Kissen berührt hatte.
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