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Hamburg City Girl

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Nils Egtermeyer OC (Own Character)
14.03.2016
01.04.2016
19
30.636
 
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30.03.2016 1.404
 
Als wir den Fernsehturm verlassen hatten (meine Höhenangst machte sich schon deutlich bemerkbar), gratulierte der Rest der Festgäste. Markus hatte mir fast die Wirbelsäule gebrochen, so fest umarmte er mich. Maja und Finn hatten tatsächlich Blumen gestreut und grinsten mich nun breit an. „Tante Lena? Warum bist du denn so blass?“ fragte Finn besorgt. Ich küsste den brünetten Wirbelwind auf die Stirn. „Eure Tante Lena hat furchtbare Höhenangst, und dieser Turm ist verflucht hoch“, erklärte ich ihm. Er schob seine Hand in meine, und Maja quetschte sich neben Nils, dessen andere Hand schon von Phil gehalten wurde. Steffen und Anna trugen ihre Patenkinder, die beide begeistert glucksten. Anna wurde von Schnine mit Küsschen versorgt, während Marla daran Gefallen gefunden hatte, ihrem Patenonkel an den Barthaaren zu zupfen. Doch Steffen ließ sich das unbeirrt gefallen, und knuddelte den kleinen Teufel nach Herzenslust.
Fo lächelte mich an. „Du kommst wieder mit mir, alle anderen folgen uns bitte unauffällig in Richtung der Speisemeisterei!“ verkündete er gut gelaunt. Nils zog einen Flunsch. „Du entziehst mir meine Braut? Das ist aber nicht besonders nett von dir, geliebter Schwiegervater!“ Markus lachte. „Du kommst mit mir, Herr Bräutigam! Lass‘ dem alten Mann seine Tochter. Die beiden werden immerhin nicht jünger!“ Fo warf eine Packung Taschentücher nach seinem Küchenchef. „Werd mal bitte nicht frech, Markus. Aber Nils, wenn es dich so grämt, dass ich dir deine Frau entführe, dann kommst du mit mir, und sie mit Markus.“ Mein Mann starrte die beiden in Grund und Boden. „Und gemeinsam geht nicht?“ Mein Vater und Markus zwinkerten ihm zu. „Nein, und ausserdem sind es nur zwanzig Minuten, das packst du schon.“
Ehe ich mich versah, saß ich schon wieder im Porsche meines Vaters. „Was genau war das jetzt?“ fragte ich ihn halb entrüstet, halb belustigt.
„Ganz einfach. Wir zwei machen noch einen Umweg, ich habe nämlich eine Überraschung für dich. Markus ist eingeweiht, deswegen hätte er das ansonsten übernommen.“ Keine zehn Minuten später parkte Fo sein Auto an einem Bahnhof. „Und jetzt gehen wir ein paar Schritte. Was hältst du davon?“ Ich runzelte die Stirn, folgte ihm aber. Auf einmal erschien ein Mann vor uns. Ich riss die Augen auf.
„Papa, das ist nicht dein Ernst?“ Fo nickte, und ich umarmte Moritz, den besten Freund meines verstorbenen Bruders, herzlich. „Moe! Was machst du denn hier?“ Der brünette grinste. „Die Hochzeit der Schwester meines besten Freundes mitfeiern, ist doch logisch?“ Ich strahlte. „Das ist eine schöne Überraschung!“ Moe nahm meine Hände in die seinen. „Da gibt es noch etwas. Willst du das, weswegen ich gekommen bin, hier oder auf der Feier?“ Ich wiegte meinen Kopf hin und her. „Auf der Feier. Und jetzt komm mit!“ Fo knuffte mich liebevoll. „Schatz, du weißt aber, dass das Auto nur zwei Sitze hat?“ „Und wie kommt Moe dann mit?“ Dieser zeigte grinsend auf seine Harley, die auf einem Parkplatz stand. Ich nickte verstehend, und ließ mich von meinem Vater zur Speisemeisterei chauffieren.
Dort angekommen, wurde ich auch schon leidenschaftlich von meinem Mann in Empfang genommen. „Wo WART ihr? Ich dachte schon, du ergreifst samt deinem Vater die Flucht!“ Ich küsste ihn. Danach wandte ich mich an Anna. „Anna, komm mal bitte her. Du auch, Andi. Da gibt es jemanden, den ihr sicher gern wiedersehen möchtet!“ In diesem Moment kam Moe die Treppe herauf. Er hatte seine Motorradkluft an, und seine grauen Augen funkelten amüsiert, als er Anna und Andi sah. Anna kreischte los. „Moe! Wie lang ist das her? Hundert Jahre?“ Moe umarmte die junge Frau. „Huberin, du wirst jeden Tag hübscher!“ Andi räusperte sich. „Schweigerin, wenn ich bitten darf! Grüß dich, Moe. Willkommen zurück!“ Moritz schaute zwischen Anna und Andi hin und her. „Du hast ernsthaft den Schweiger geheiratet? War unser Date damals so schrecklich?“
Die brünette pikte ihn spielerisch in die Seite.
Steffen trat an mich heran. „Noch eine alte Liebschaft deinerseits?“ Der Zynismus in seiner Stimme war kaum zu überhören. „Das ist Phils bester Freund, du Idiot“, fauchte ich. „Ich dachte, du würdest dich damit arrangieren, dass ich mich trotz aller Widrigkeiten für Nils entschieden habe?“ Steffen senkte seinen Blick. „Musste ich ja. Ich hatte die Wahl: Entweder verliere ich dich, oder du bleibst mir als gute Freundin erhalten.“ Ich küsste ihn auf die Wange. „Ach Steffen, sei doch nicht so. Durch Phil sind wir doch immer verbunden“, flüsterte ich ihm zu. Er nickte traurig.
Nils erhob seine Stimme. „Lasst uns reingehen und ordentlich feiern!“ Werner stimmte begeistert zu. „Wird auch Zeit, ich verhungere fast!“ Susanne gab ihm einen Klaps. „Werner Henssler, benimm dich!“ Steffen, Robert und Jan kringelten sich fast vor Lachen. Phil baute sich vor seinem Onkel Jan auf und krähte „Trag‘ mich!“ Der fröhliche brünette nahm seinen Neffen auf den Arm, und Nils kam nicht umhin zu meckern, dass Phil ja wohl zwei gesunde Füße habe.
Ich nahm meinen Mann bei der Hand. „Lass‘ ihn doch, immerhin ist heute einmal die komplette Familie um die Kinder herum.“ Nils küsste mich zärtlich. „Dein Familiensinn ist etwas, das ich sehr an dir liebe, mein Schatz.“
Als wir alle im Saal Platz genommen hatten, erhob sich Moe. „Es ist ja eigentlich Tradition, dass der Brautvater zuerst eine Rede hält. Aber Frank hat mir den Vortritt gelassen. Für alle, die mich nicht kennen. Mein Name ist Moritz Baxter, genannt Moe. Ich bin mit Anna und Andi Schweiger sowie mit Lena aufgewachsen. Mein Vater war bei der Army, und naja….ich will hier niemanden mit meinem Lebenslauf langweilen. Lenchen, Phil hat mir zwei Tage, bevor er sich das Leben genommen hat, einen Brief für dich übergeben-mit der Bitte, ihn an deiner Hochzeit zu verlesen. Und das möchte ich hiermit tun.“ Er entfaltete umständlich ein Blatt Papier und sah mir direkt in die Augen während er las.
„Meine geliebte Schwester!
Ich weiss, du bist zehn Minuten älter als ich, aber ich habe immer das Gefühl gehabt, dich beschützen zu müssen. Wenn Moe dir diesen Brief vorliest, feierst du den glücklichsten Tag deines Lebens. Und ich bin mir sicher, dass ich meinen Schwager mögen würde. Solange du nicht den Schweiger heiratest-Sorry Schweiger, aber du und Lena, das wäre nix. Ich werde an diesem Tag leider nicht dabei sein können, denn es wird Zeit für mich, diese Welt zu verlassen. Das hat nichts mit dir zu tun, bitte glaub das niemals, Schwesterherz.
Ich bin aus der Ferne bei dir, und lieber unbekannter Schwager, bitte pass gut auf meine große Schwester auf. Liebes Lenchen, egal wohin deine Wege dich führen mögen, egal was aus dir geworden ist, ich bin mir sicher, du bist eine tolle Frau geworden. Ich werde immer auf dich aufpassen. Ich liebe dich, dein Phil“
Als Moe geendet hatte, gab es für mich kein Halten mehr. Ich weinte bitterlich. Nils schloss mich sanft in die Arme, und strich mir über den Rücken. Als ich mich einigermaßen gefangen hatte, umarmte ich Moe. „Danke. Das bedeutet mir unendlich viel.“ Er lächelte mich verschmitzt an. „Dem Brief war noch ein Geschenk beigefügt.“ Er reichte mir ein Lederband, an das ein silberner Totenkopfanhänger geknüpft war. Ich erkannte diese Kette sofort. Phil hatte sie immer getragen. Andi zitterte, als er das Schmuckstück erkannte. „Den habe ich Phil zum 16. Geburtstag geschenkt!“ presste er tränenerstickt hervor. Ich trat zu ihm, und bat ihn, mir die Kette umzulegen. Andi tat dies auch sofort, und wir standen minutenlang zu viert da, und umarmten uns-Anna war ebenfalls zu uns getreten. Wir gaben uns einige Augenblicke lang der Trauer um meinen geliebten Bruder hin.
Danach erhob sich Fo, um seine Brautvaterrede zu halten. Als er geendet hatte, stürmte Nils auf ihn zu, und umarmte ihn derart, dass ich Angst hatte, er würde ihm alles brechen. „Schatz, lass Papa ganz!“ rief ich ihn zur Ordnung. Cornelia grinste. „Ach was, das kann er ab! Ausserdem liebt er seinen Schwiegersohn“, bemerkte sie. „Ich liebe dich auch“, meinte mein Mann daraufhin, und warf seinem Schwiegervater einen Luftkuss zu. Ole und Andi prusteten los, und Werner quengelte erneut, dass er Hunger habe.
Nils und ich zwinkerten Lisa zu, die mit ihrem Serviceteam bereits bereitstand. „Kann losgehen, Lisa“, bat ich meine Ex-Kollegin. Zwei Stunden später war ich pappsatt. Die Crew hatte sich mit dem Menü geradezu selbst übertroffen.
Ich fütterte gerade Schnine mit ein paar Pommes, während Marla auf Papas Armen thronte und ihren Keks gekonnt auf seinem Anzug verteilte. Phil saß auf Steffens Schoß und hatte begonnen, die Tischdecke mit Filzstiften zu verschönern. Fo ertrug das mit Gelassenheit.
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