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Hamburg City Girl

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Nils Egtermeyer OC (Own Character)
14.03.2016
01.04.2016
19
30.636
 
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30.03.2016 1.380
 
Ein halbes Jahr später war der große Tag gekommen. Wir hatten uns auf eine Winterhochzeit in Stuttgart geeinigt. Und so saß ich in Markus‘ Haus, und ließ mir von seiner Schwester die Haare machen. Petra Eberhardinger-Schäfer war eine begnadete Friseurin und ich hatte mich in jungen Jahren schon gern von ihr stylen lassen. Die Zwillinge waren inzwischen 15 Monate alt, und Phil hatte seinen vierten Geburtstag erfolgreich hinter sich gebracht. Die Mädchen zogen sich immer wieder an den Möbeln hoch, und versuchten einige wackelige Schritte. Marla war die Chaosqueen, während Schnine der ruhige Pol des Duos war. Schnine liebte ihre Patentante Anna über alles, genauso wie ihren Patenonkel Lukas. Marla hatte sich eng an Andi gebunden. Steffen mochte sie auch, und liebte es, wenn er mit ihr spielte, aber Andi war ihr ein und alles. Wenn er sie auf dem Arm hatte, zählte für sie nichts anderes mehr. Markus beschäftigte die drei gerade mit Lego-Steinen. Petra grinste. „So, die Haare hätten wir schon mal. Schau in den Spiegel, ob das so passt.“ Ich schaute in den Spiegel und brach in Tränen aus. „Petra, du bist eine Künstlerin! Das sieht super aus!“ schniefte ich. „Fein, dann machen wir das Make Up. Bruderherz, bringst du uns noch eine Packung Taschentücher?“ Markus kam mit dem gewünschten angelaufen. „Woah, Lenchen! Du bist ja eine richtige Schönheit heute!“ trompetete er los. „Heute? Na vielen Dank auch!“ gab ich gespielt beleidigt zurück.
Als mein Make Up fertig war (ich hatte mich für die dezente Variante entschieden), zog ich mich mit Petra ins Gästezimmer zurück, wo sie mir in mein Kleid half. Es war eine A-Linie mit langer Schleppe und langen Ärmeln aus Spitze. Darüber trug ich eine weiße Kunstfell-Jacke. Als ich fertig angezogen war, traten wir nach draußen. Markus und Phil klatschten begeistert, und Marla krähte „Ma, sön!“ Schnine zupfte an meinem Rocksaum, und ich nahm sie hoch. „Ma, Kuss!“ forderte sie.  Ich küsste sanft ihren roten Lockenkopf. Sie kicherte, und Markus nahm sie wieder zu sich. „So, wir gehen alle schon mal vor, dein Papa kommt gleich und holt dich ab!“ verkündete mein Exfreund. Petra, die Kinder und er waren dann auch recht schnell verschwunden.
Da die Zwillinge inzwischen abgestillt waren, gönnte ich mir vor dem Haus eine Zigarette, als ein schwarzer Porsche um die Ecke kam. Ich zitterte vor Anspannung. Das Auto parkte ziemlich genau vor mir, und die Fahrertür flog auf. Mein Vater stand vor mir, in einem wunderschönen schwarzen Anzug. Er wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. „Du bist wunderschön, meine Große. Komm‘ steig ein, dann bringe ich dich zu deinem Liebsten.“ Ich umarmte ihn fest. „Papa? Weißt du eigentlich wie froh ich bin, dass ich dich habe?“ flüsterte ich, und atmete seinen vertrauten Geruch ein. Er küsste mich auf die Schläfe. „Und ich erst. Aber wir wollen doch nicht zu spät kommen?“ Ich schüttelte den Kopf, und er half mir in den Wagen.
Nach einer zwanzigminütigen Fahrt waren wir vor dem Fernsehturm angekommen, wo die Zeremonie stattfinden würde. Ein Zugeständnis von mir an Nils, da ich an schrecklicher Höhenangst litt. Mit mulmigem Gefühl trat ich auf das Bauwerk zu. Mein Vater reichte mir seinen Arm, den ich dankbar annahm. „Und da muss ich wirklich hoch? Ich sterbe“, jammerte ich. „Wir schaffen das. So wie wir bisher alles geschafft haben. Vertrau deinem alten Vater.“ Ich grinste, denn so alt war er ja gar nicht. Er war schließlich nur 20 Jahre älter als meine Wenigkeit.
An seinem Arm betrat ich den Fahrstuhl. Dort kuschelte ich mich sofort in seine Arme-Fahrstühle waren auch nicht das, was ich als meine besten Freunde bezeichnen würde.
Oben angekommen, hörte ich schon Musik. Fo führte mich in den Raum, der schon festlich dekoriert war. Als ich Nils dort stehen sah, wusste ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte.
Ich fing seinen Blick auf, und lächelte ihn glücklich an. Aus dem Augenwinkel sah ich Anna, die sich schon die Augen tupfte, bevor irgendetwas passiert war. Andi und Ole hielten sich an der Hand, Dana und Cornelia taten es ihnen gleich. Justus und Jonas sahen umwerfend aus in ihren Anzügen. Ich liebte meine Brüder sehr. Wir waren inzwischen ein wunderbares Team geworden.
Fo hatte meine Hand in Nils‘ gelegt und flüsterte ihm etwas zu, was ich nicht verstand. Danach beeilte er sich, seinen Platz zwischen Cornelia und Justus einzunehmen.
„Liebes Brautpaar, liebe Festgemeinde, wir sind heute hier zusammen gekommen, um dieses Paar in den heiligen Stand der Ehe zu heben. Sie haben diesen Ort ausgewählt, weil sie, Frau Berger hier in Stuttgart nicht nur ihre Ausbildung genossen haben-auch ihr Vater lebt und wirkt hier. Ihre Beziehung war nicht immer einfach, aber sie haben durch die Kraft der Liebe alle Täler durchschritten, und das Leben hat ihnen drei wunderbare Kinder geschenkt. Die Liebe ist ein seltsames Spiel, heisst es in einen berühmten Liedtext. Aber ich finde die Liebe nicht seltsam, ich finde sie das wertvollste, das zwei Menschen miteinander teilen können. Und wenn ich in ihre Augen sehe, sehe ich, dass sie dies tun. Und so frage ich Sie, Herr Nils Egtermeyer: Sind sie hier her gekommen, um nach freiem Willen und aus reiflicher Überlegung die Ehe mit der hier anwesenden Lena Berger einzugehen?“ Nils schaute mir tief in die Augen. „Ja.“
„Und wollen Sie, Frau Lena Berger, aus freiem Willen und aus reiflicher Überlegung die Ehe mit dem hier anwesenden Nils Egtermeyer eingehen?“ „Ja, das will ich.“
„Nachdem sie beide meine Frage übereinstimmend mit Ja beantwortet haben, erkläre ich Sie kraft Gesetzes zu rechtmäßig verbundenen Eheleuten. Sie dürfen sich jetzt gerne küssen!“ Das ließ Nils sich nicht zweimal sagen, und küsste mich stürmisch. Applaus brandete auf.
Ich löste mich von ihm, nahm seinen Ring von dem Tablett, auf dem er lag, sah ihn an, und begann zu sprechen:
„Mein Schatz, ich habe lange überlegt, was ich heute sagen will. Immerhin bin ich hier in einer Höhe, die ich nur schlecht ertrage. Und als ich am grübeln war, was ich dir sagen könnte, habe ich unseren ältesten um Rat gefragt. Und Phil hat es auf den Punkt gebracht. Er meinte nämlich: Was an Papa toll ist? Alles. Er ist lieb, spielt viel mit mir, zeigt mir das Kochen und außerdem hat er dich lieb-du musst ihn einfach heiraten. Aber mir fallen noch mehr Gründe ein, warum ich heute hier vor dir stehe, und ja zu dir gesagt habe. Zum einen ist da dein Sanftmut, deine Begabung, mich von meiner Palme ganz schnell wieder herunter zu holen, dein Lächeln, dein Blick, wenn du etwas erreichen willst, und an oberster Stelle steht, wie du mit unseren Kindern umgehst. Du bist einfach der Beste Vater und Ehemann, den man sich wünschen kann. Ich liebe dich!“ Ich steckte ihm den Ring an, und Nils hatte wässrige Augen bekommen.
„Dann bin jetzt wohl ich dran. Was soll ich sagen? Andi hat dich einfach zu unserem Treffen mitgebracht, und ich war von der ersten Minute an hin und weg von dir. Deine Augen haben schelmisch aufgeleuchtet, als du einfach auf Andis Schoß gesprungen bist. Du bist eine loyale Freundin, würdest für deine Lieben bis ans Ende der Welt gehen, für deinen Vater sogar noch weiter. Du liebst bedingungslos, auch mich. Du hast mir so vieles nachgesehen, und du bist eine wunderbare Mutter. Aber nicht nur das, ganz nebenbei bist du auch noch die schönste Frau der Welt. Ich liebe dich, und egal was kommt, ich bin immer an deiner Seite, solange ich lebe.“ Ich sah schon gar nichts mehr, so sehr waren meine Augen von Tränen verschleiert. Ich spürte einfach etwas Kühles an meinem Finger. Ich wischte mir die Tränen ab, und hatte auch direkt Anna am Hals hängen. „Glückwunsch, Süße! Ich freue mich so für euch!“ Auf der anderen Seite spielte sich zwischen Nils und Lukas ein ähnliches Szenario ab. Danach bestürmte mein Schwager mich. „Willkommen in der  Familie, Lenchen!“ Ich küsste ihn dankbar auf die Wange. „Danke Luke. Ihr habt es mir aber auch wirklich einfach gemacht.“ Danach unterschrieben wir noch die Hochzeitsurkunde, und nahmen das Stammbuch an uns. Fo nahm mich fest in den Arm. „Glückwunsch, mein Schatz! Jetzt ist doch alles gut, hm?“ Ich küsste ihn auf die Wange. „Danke, Papa. Ich bin froh, dass sich alles zum Guten gewendet hat.“
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