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Hamburg City Girl

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Nils Egtermeyer OC (Own Character)
14.03.2016
01.04.2016
19
30.636
 
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
29.03.2016 1.946
 
Drama ;) Ich hoffe, das Kapitel gefällt euch trotzdem :)
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Heute sollte der erste Tag sein, an dem Nils wieder im Jellyfish arbeiten würde. Die Mädchen schliefen gerade, und Phil war im Kindergarten, als mein Handy klingelte.
„Berger?“ „Markus hier. Dein Vater liegt im Krankenhaus. Du solltest dringend nach Stuttgart kommen“, ratterte mein Ex hektisch herunter. „Langsam, Süßer. Was genau ist passiert?“ „Er hatte einen Herzinfarkt.“ „Wie? Warum? Was ist passiert?“ „Wir wissen nichts Genaueres. Eine Frau mit braunen Dreadlocks kam in die Küche gestürmt, und nachdem sie weg war, bekam er diesen Anfall.“ „Ich mache mich sofort auf den Weg, wenn Philli aus dem Kindergarten kommt. Und diese Frau, wo ist sie jetzt?“ „Sie ist genauso schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen ist.“ „Wenn ich die erwische!“ knurrte ich und legte auf.
Zwei Stunden später kam Phil nach Hause. „Philli, was hältst du davon, wenn wir zu Oma und Opa nach Stuttgart fahren? Opa ist krank geworden und ich möchte ihn gerne besuchen.“ Phil sah mich traurig an. „Kommt er jetzt in den Himmel?“ „Nein, Hase. Opa wird wieder gesund. Aber ich möchte ihn gerne sehen.“ „Kommt Papa mit?“ „Er kommt bestimmt nach. Ich rufe ihn gleich an.“  Ich wählte Nils‘ Nummer. „Ja, Schatz?“ „Ich muss dringend nach Stuttgart. Babba liegt im Krankenhaus, und ich mache mir große Sorgen um ihn.“ „Fahrt ihr nur, ich schaue, dass ich mich morgen hier losreißen kann.“ „Danke, melde dich bitte. Ich liebe dich.“ „Ich dich auch.“
Nachdem wir aufgelegt hatten, packte ich das wichtigste für die Kinder und mir zusammen und wies Phil an, seine Schwester Marla zu bewachen, während ich Schnine und das Gepäck verstaute.
Als ich das erledigt hatte, nahm ich Marlas Maxi Cosi in die eine, und Phil an die andere Hand. „Dann geht es jetzt wohl los“, verkündete ich meinem ältesten. Die Fahrt sollte sich jedoch als sehr nervtötend herausstellen, da ich geschlagene 7 Stunden lang Benjamin Blümchen anhören musste.
Nach dem gefühlt zweitausendsten „Törööö“ hatte ich genug, und ich legte eine andere CD ein. Es war Phils Lieblings CD. Weder Nils noch ich wussten (und auch Steffen konnte sich das überhaupt nicht erklären), woher Phil die Vorliebe für Adel Tawil hatte, aber wir nahmen es so hin, und hofften, er würde nicht noch zum Fan von Helene Fischer. Phil krähte ab dem ersten Takt begeistert mit. Einmal hatte der dunkelhaarige Sänger bei uns im Jelly zu Abend gegessen, und Phil hatte ihn entgegen des Verbotes seines Vaters nach einem Autogramm gefragt. Nils war sauer, aber Adel absolut begeistert von dem Steppke gewesen. Er gab ihm nicht nur ein Autogramm, er machte auch ein Selfie mit ihm, und lud es auf seiner Facebook-Seite hoch.
Philipp war wochenlang selig gewesen. Ich steuerte einen Parkplatz an, da die Zwillinge verkündeten, dass sie wach waren, und vermutlich Hunger hatten. Für die Fahrt hatte ich Milch abgepumpt, so dass mich Phil beim füttern der Mädchen unterstützen konnte.
Wir saßen wenig später auf einer Parkbank, und fütterten die beiden, als mein Handy klingelte. Ich fummelte es umständlich aus der Wickeltasche. „Berger?“ „Lena, Mom hier.“ „Du hast Nerven, bei mir anzurufen. Erst bist du ein halbes Jahr wie vom Erdboden verschluckt, dann bringst du Babba ins Krankenhaus, und dann tust du, als ob nichts gewesen wäre!“ Mom schluckte. „Krankenhaus?“ „Phil sitzt neben mir. Nicht jetzt. Was wolltest du bei ihm?“ „Ihm klar machen, dass er sich nicht als dein Superdad aufschwingen sollte. Immerhin hat er sich über 30 Jahre nicht für dich interessiert.“
„Er WUSSTE nicht, dass ich seine leibliche Tochter bin, wie hätte er sich da um mich kümmern können? Außerdem hat er sich in meiner Ausbildung schon rührend gekümmert. Und er war mit mir bei Philipp. Und was ist mit Paps und dir? Weder bei Philli noch bei den Mädchen warst du nach der Geburt in Deutschland, geschweige denn zur Taufe des Großen. Er kennt dich nur von Fotos und aus Skype. Und da willst DU Fo erklären, dass er ein schlechter Vater ist? Ich glaube es ja nicht.“ Wütend beendete ich das Gespräch. „Warum bist du so böse?“ fragte Phil. „Ach, die Oma hat mich ein bisschen geärgert. Aber jetzt fahren wir mal weiter, dann können wir morgen den Opa besuchen. Was meinst du? Onkel Markus wartet schon auf uns.“
Eine Stunde später standen wir vor Markus‘ Haus. Bzw. stand ich, den schlafenden Phil auf dem Arm haltend, und die Maxi Cosis neben mir auf dem Boden stehend. Kaum hatte ich geklingelt, wurde auch schon die Tür aufgerissen. „Lenchen! Da seid ihr ja endlich!“ Ich nickte matt, und er beeilte sich, mir zu helfen, das Auto zu entladen. Die Kinder schliefen im Gästezimmer in ihren Betten, und ich hatte mich neben ihn auf das Sofa geworfen. „Sieben Stunden Benjamin Blümchen in Dauerschleife-ich dachte, ich bekomme einen Kollaps!“ Markus lachte. „Töröööö“, witzelte er. Ich warf ihm daraufhin ein Kissen an den Kopf. „Du bist so blöd! Aber ernsthaft: Was genau ist mit meinem Vater passiert?“ Markus sah mir ernst in die Augen. „Also, diese Furie kam in die Küche gestürmt, und hat ihn mit Vorwürfen überhäuft, dass er sich ja jahrelang nicht um dich gekümmert habe, dass sein Sohn noch leben könnte, wenn er für ihn da gewesen wäre, und so weiter. Daraufhin hat er sich dann so aufgeregt, dass er den Infarkt bekommen hat.“ Ich spürte, dass mir die Tränen die Wangen herunter liefen. „Sie hat ihm unterschwellig die Schuld an Phils Tod gegeben? Ich erwürge sie!“ Mein Ex nahm mich liebevoll in den Arm. „Nicht weinen, meine Lena. Fo wird wieder gesund. Versprochen.“ Ich kuschelte mich vertrauensvoll an ihn. „Versprichst du es mir? Ich habe ihn doch gerade erst gefunden. Ich möchte ihn nicht wieder verlieren.“ Markus küsste mich auf die Schläfe. „Ich verspreche es dir.“ So saßen wir noch eine Weile und redeten miteinander, bis mir fast die Augen zufielen. Ich machte mich auf den Weg ins Gästezimmer und legte mich vorsichtig zu Phil ins Bett. Er hatte zum Glück einen tiefen Schlaf, und bemerkte es nicht.
Am nächsten Morgen fühlte ich mich wie ein Zombie. Die Mädchen hatten über Nacht wieder alles gegeben, und mir nur sehr wenig Schlaf gegönnt. Gerade saß ich auf dem Bett und stillte Marlene (oder Schnine, langsam konnte ich sie nicht mehr auseinander halten, denn sie sahen sich immer ähnlicher), als Markus mit Phil auf dem Arm eintrat. „Guten Morgen die Damen!“ „Guten Morgen, die Herren“, entgegnete ich verschlafen. „Onkel Markus hat mir Schokoflakes gemacht!“ Ich starrte Markus wütend an. „Du weißt genau, dass er dieses Zuckerzeug nicht bekommen soll“, fauchte ich. „Ach komm schon, lass‘ seinem alten Onkel doch mal den Spaß. Ich habe ihn so selten.“ Marla (es war ganz sicher Marla, denn sie hatte denselben Leberfleck wie ich auf der Wange) meldete sich mit einem Bäuerchen. Schnine war bereits gefüttert, und so machte ich mich mit den beiden auf den Weg zum Frühstückstisch.
Ich goß mir schweigend eine Tasse Tee ein, und knabberte lustlos an einer Scheibe Toast. Markus meckerte. „Du musst essen, Lenchen!“ Ich brummte nur unwirsch. Nachdem alle Kinder (und natürlich meine Wenigkeit) gewaschen und angezogen waren, machten wir uns auf den Weg ins Krankenhaus. Da piepte mein Handy. Ich entsperrte es, und stellte fest, dass ich eine Nachricht von Ole hatte.
OleP: „Süße, ruf mich nachher mal dringend an, aber bitte nicht aufregen. Umarm deinen alten Vater von mir, er soll schnell gesund werden-wir brauchen ihn. Liebe Grüße, dein Boss“

Ich tippte gerade eine Antwort, als die nächste Nachricht hereinflatterte.

„AndiMUC: Ich schwöre dir, ich bringe Nils um! Aber dazu später mehr. Meld dich bitte dringend und richte deinem Papa die besten Wünsche von Andi und mir aus. Lieb‘ dich, XOX, deine Anna :*“

„Du bist ja gefragter als die Kanzlerin!“ scherzte Markus. Da kam die dritte Nachricht.
„Stef: Ich weiß nicht, ob du es schon wusstest, aber wenn Nils eine gebrochene Nase hat, bin ich schuld. Und wir machen uns einen Kopf wegen dem-solltest doch mich heiraten! MELD DICH! Dein Steffen :*“
Ich tippte eine Antwort an alle drei gleichzeitig. „LenchenB: Was auch immer los ist, regt euch ab, Babba geht jetzt vor. Ich melde mich bei euch. Ach, und Anna, hör auf anderer Leute Handy zu benutzen. Andi hasst das, wie du weißt, mindestens genau so sehr wie ich. Liebe euch, Lenchen“

Wir waren vor dem Robert-Bosch Krankenhaus angekommen. Markus schnappte sich Marla, ich Schnine. Phil trabte gut gelaunt hinter uns her. Als wir am Empfang ankamen, erkundigte ich mich höflich nach meinem Vater. „Ah, ja. Da hemmers jo. Der Herr Oehler liegt in Zimmer 540, 5. Stock.“ Ich bedankte mich artig bei der Empfangsdame, und schon rauschten wir davon
Als wir vor Fos Zimmer angekommen waren, drückte Markus mich kurz, Danach klopfte er an. Aus dem Inneren ertönte das matte „Herein?“ meines Vaters, und wir betraten den nüchternen Raum. „Opa!“ jodelte Phil direkt und kuschelte sich an ihn. „Hallo, mein Schatz. Schön, dass du mich besuchen kommst“, meinte Fo mit müder Stimme. „Papa, was machst du für Sachen?“ wandte ich mich liebevoll an den grauhaarigen. „Deine Mutter. Sie bringt mich noch ins Grab.“ „Ja, Markus hat es schon erzählt. Es tut mir so leid!“ wieder liefen mir die Tränen. „Da kannst du doch nichts dafür, mein Kind. Ich bin dir nicht böse. Wie könnte ich auch?“ Ich küsste ihn auf die Stirn. „Ich hab‘ dich lieb“, flüsterte ich ihm zu. Er schaute mir liebevoll in die Augen. „Ich dich auch, meine Große“. Kurz darauf war er wieder eingeschlafen. Phil schlief an seiner Seite, und ich bat Markus, kurz auf die Mädchen aufzupassen. Ich hatte nämlich bemerkt, dass mein Handy, das ich vorsorglich auf lautlos geschaltet hatte, ununterbrochen vibrierte. Jedoch hatte ich keinen Anruf bekommen, sondern wieder nur einen Haufen Nachrichten:
„Stef: Melde dich doch mal bitte, es ist DRINGEND! Dein Steffen :*“
„OleP: Wie geht’s dem alten Mann? Ruf‘ mich doch bitte kurz mal zurück, LG, dein Boss“
„AndiMUC: Oh ja, ich hasse es, dass Anna immer an meinem Handy rumfummelt, aber sie hat recht. RUF.MICH.AN! Knutschi, Andi“

Ich rief als erstes Andi an. Das erschien mir klug, denn er war der besonnenste in dieser Runde. Nach dem zweiten Freizeichen nahm jemand ab. „Lenchen! Gott sei Dank, wir dachten schon, du…Gib‘ mir das Handy, du weißt dass ich das hasse!“ Es raschelte kurz. „Hi Lenchen, Andi hier. Ich HASSE diesen Tick von Anna! Aber es ist wirklich wichtig! Du kennst doch Martha, eure Kellnerin?“ Ich nickte. „Ja, diese neue, mit den Plastiktitten?“ „Genau die. Mit der hat Ole ihn gestern in flagranti erwischt.“ Ich hatte das Gefühl, explodieren zu müssen. „Ole hat WAS? Und dann hat er gleich bei dir getratscht?“ Andi brummte. „Nein, zuerst bei Steffen. Großer Fehler. Er musste ihn fast mit Gewalt davon abhalten, Nils nicht in der Alster zu versenken.“ „Danke, Andi. Ich rufe direkt mal Ole an. Bis dann.“
Kurz darauf hörte ich Oles sonore Stimme. „Plogstedt?“ „Boss, ich bins. Andi hat es mir schon erzählt.“ „Das ist noch schlimmer als dein Kuss mit Steffen. Ich bin so enttäuscht von Nils. Ich bin für dich da. Und wie geht es Fo?“ „Er ist noch sehr schwach, aber es sieht gut aus. Wenn ich meine Mom in die Finger bekomme, zerreiße ich sie in der Luft, das garantiere ich dir!“ „Okay, Liebes. Grüße auch von Dana und Robin, aber wir müssen mal weiter machen“ „Tschüß, Boss, bis die Tage!“
Danach wählte ich Steffens Nummer. Kaum war das erste Freizeichen erklungen, hörte ich ihn schon. „Na endlich! Was hat so lange gedauert?“ „Papa liegt im Krankenhaus, ich bin gerade in Stuttgart. Ole und Andi haben mir schon berichtet. Und du lässt die Finger von Nils‘ Nasenbein. Das gehört mir“, grollte ich.
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