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Hamburg City Girl

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Nils Egtermeyer OC (Own Character)
14.03.2016
01.04.2016
19
30.636
 
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28.03.2016 1.288
 
Hinter uns brach Tumult los. Kaum hatten wir uns von einander gelöst, warf mich Markus halb zu Boden. „Mein Lenchen! Auch wenn ich mir das mal anders vorgestellt hatte-herzlichen Glückwunsch! Wehe, wenn ich keine Einladung bekomme!“ Ich strich ihm sanft über die Wange, wie ich es in unserer Beziehung immer getan hatte, um ihn zu beruhigen. „Natürlich bekommst du eine Einladung!“ Danach preschte Fo auf mich zu. „Ach, mein Mädchen“, seufzte er. „Erst finde ich heraus, dass ich ein erwachsenes Kind habe, dann werde ich Opa, und dann auch noch Schwiegervater. Ich bin sooooo stolz auf dich!“ Nils murrte. „Und mich beglückwünscht niemand?“ Fo umarmte ihn feste. „Natürlich, Kleiner. Aber ich warne dich: Ich vertraue dir die wichtigste Frau in meinem Leben an, und habe dich dem entsprechend im Auge.“ Nils gab ihm einen Klaps auf den Hinterkopf.
Alle anderen gratulierten gesitteter, außer Anna, die Nils fast umwarf. Nils konnte sich nur davor bewahren, indem er Anna einfach auf den Arm nahm. „Nils, ich mag dich, das weißt du, gell?“ Er nickte. Andi, der gerade mich im Arm hielt, und mir einen Kuss auf die Wange gegeben hatte, stutzte. „Was kommt jetzt?“ „Aber wenn ich nicht Lenas Trauzeugin werde, sind wir keine Freunde mehr“, führte Anna weiter aus. Ich lachte schallend. „Anna, des hen mir doch vor 20 Johr scho gschwätzt“, wandte ich ein. „Haja, aber do hätt sich jo was ännere könne“, war die Antwort. „Du bisch e selte bleede Kuh, natürlich hat sich do nix g‘ännert!“ Anna hüpfte lässig aus Nils‘ Armen und gab mir einen Kuss auf die Wange. Steffen schaute irritiert zwischen uns beiden hin und her. „Und das Ganze für Nordlichter?“ „Anna ist meine Trauzeugin. Also das war die Kurzfassung.“ Andi verdrehte die Augen. „Ihr zwei. Immer noch die große Liebe, hm?“ Wir Frauen grinsten uns breit an. „Klar. Wahre Liebe gibt es eben nur unter Frauen.“
Als letzte kamen Inge und Lukas auf uns zu. „Lena, willkommen in der Familie Egtermeyer“, meinte die hübsche blonde Frau. Ihre tiefblauen Augen, die sie ihrem Sohn vererbt hatte, funkelten mich lebenslustig an. „Ich bin froh, dass Nils endlich seine Mrs. Right gefunden hat-und er hätte es nicht besser treffen können.“ Sie umarmte mich. Danach wurde ihr Sohn herzlich in den Arm genommen. „Mein Schatz, ich bin stolz auf dich!“ Lukas grinste mich verlegen an. „Weißt du, eigentlich hätte ich Nils nicht so einen guten Frauengeschmack zugetraut. Ella war die Pest. Aber du bist echt süß. Wäre ich 5 Jahre älter, würde ich dich meinem Bruder direkt ausspannen.“ Ich umarmte den 25 jährigen lachend. „Ach Luke, du bist mein absoluter Lieblingsschwager.“ Der ebenfalls rotblonde motzte. „Ich bin ja wohl auch dein einziger!“
Wir saßen noch lange beisammen und feierten ausgelassen. Ich mit Unterbrechungen, da meine zwei Mädchen regelmäßig Hunger hatten, und ich mich zum Stillen immer in den Personalraum zurückzog. Ich hatte gerade Marlene an der Brust, und betrachtete sie versonnen. Janine lag in ihrem Maxi Cosi und schlief. Auf einmal überrollte mich eine Welle der Sehnsucht nach meiner eigenen Mutter, die es aber vorzog, im fernen Paraguay zu weilen, und sich inzwischen nur noch alle 3 Monate meldete. Auf meine Frage hin, warum sie sich nur so selten meldeten, war die Antwort gewesen, dass ich eine egoistische Spießerbraut sei, und dass sich nicht alles im Leben nur um mich drehen würde. Phil wäre nie so undankbar gewesen. Wutentbrannt hatte ich ihr daraufhin vorgehalten, dass der erstens tot, und zweitens ohnehin immer ihr Liebling gewesen sei. Seitdem hatten wir gar keinen Kontakt mehr. Fo hingegen hatte großes Interesse am Leben seines verstorbenen Sohnes gezeigt, und so war ich mit ihm an dessen Grab gewesen. Wir hatten uns fest an den Händen gehalten, und mein ganzer jahrelang verdrängter Schmerz war an die Oberfläche gekommen.
Meine Tränen wurden immer bitterer. Wie konnte ich meiner Mutter nur so egal sein? Da öffnete sich die Tür und Steffen kam herein. „Was ist denn mit dir los? Du solltest platzen vor Glück!“ Ich schaute ihn betrübt an, und reichte ihm Marlene. Ich schloss meinen BH und zog das T-Shirt wieder herunter. „Ich vermisse meine Mutter. Ich bin ihr anscheinend völlig egal.“ Steffen legte Marlene in ihre Babytrage und nahm mich freundschaftlich in den Arm. „Ach wo, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wie könnte man dich nicht lieben?“ Ich weinte bitterlich. „Wenigstens habe ich euch alle. Hättest du für möglich gehalten, dass wir beide einmal so gute Freunde werden würden?“ Steffen seufzte. „Eigentlich hatte ich mir das anders gewünscht. Aber wenn du glücklich bist, bin ich es auch.“ Ich schaute ihn irritiert an.  „Hm?“ „Du hast eine lange Leitung, kann das sein? Lena, ich liebe dich, und zwar seit unserer ersten Begegnung im Biergarten. Ich habe mir immer gewünscht, dass WIR und Phil eine Familie werden. Aber das hat mein unmögliches Benehmen wohl verhindert.“ Ich strich ihm über die Haare. „Ach, Steffen. Das wäre doch nie gut gegangen, oder?“ Er schaute mir tief in die Augen. „Doch, davon bin ich überzeugt. Aber nun hat Nils das, was ich immer haben wollte, und ich muss lernen, damit zu leben.“ Was dann passierte, war vielleicht nicht klug, aber in diesem Moment hatte ich das Bedürfnis danach. Ich zog Steffen zu mir heran, und küsste ihn. Erst vorsichtig, seine Reaktion abwartend, dann forscher. Er erwiderte das, und so schaukelte sich das Ganze zu einem wilden Tanz hoch. Ich hatte das Gefühl, mein Herz müsste mir aus der Brust springen. Als wir uns schwer atmend von einander lösten, bekam ich mit, dass sich gerade die Tür hinter uns geschlossen hatte. Mach, dass das nicht Nils war, betete ich innerlich.
„Bringst du die Mädels mit? Ich muss mal kurz austreten“, stammelte ich und verließ fluchtartig den Raum. Kaum war ich draußen angelangt, wurde ich am Arm gepackt, und durch den Hinterausgang ins Freie gezogen. Dort angekommen, erkannte ich meinen „Entführer“. Es war Ole. „Bist du eigentlich völlig des Wahnsinns?“ herrschte er mich an. Betreten schaute ich zu Boden. „Das war nicht klug, ich weiß.“ „Nicht klug?“ polterte mein sonst so besonnener Chef los. „Nils liebt dich über alles, und du küsst Steffen? Aber sonst geht es dir gut?“ „Ole, ich weiß. Aber bitte sag Nils nichts davon. Das war einfach der Situation geschuldet. Steffen war einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.“ „Wie darf ich das verstehen?“ Ole war kurz davor, mir eine zu scheuern, das merkte ich deutlich.
„Naja, Nils ist zwar immer für mich da, und kümmert sich rührend um seine Kinder, aber wenn ich mit ihm über das sprechen will, was in mir vorgeht, mauert er. Und Steffen hat gerade einfach das gemacht, was ich im Moment bei Nils vermisse. Er hat einfach zugehört und mich getröstet. Und da war das einfach so ein Impuls.“ Ole scheuerte mir tatsächlich eine, was ich aber mit stoischer Gelassenheit ertrug. Als er realisierte, was er da gerade getan hatte, wurde er kleinlaut. „Ach Scheisse, das wollte ich nicht, Lenchen“, stammelte er. Ich umarmte ihn versöhnlich. „Ich habs wohl verdient, hm?“ Ole kratzte sich am Kopf. „Trotzdem. Das hätte nicht passieren dürfen.“ „Ist schon gut, Boss. Ich bin dir nicht böse. Aber kein Wort zu Nils, darum möchte ich dich bitten.“ Ole nickte. „Aber krieg das klar. Nils ist das Beste, was dir hätte passieren können.“ „Ich weiß, sonst hätte ich seinen Antrag doch nie angenommen.“ Wir umarmten uns ein letztes Mal, und kehrten ins Innere des Restaurants zurück.
Dort stürmte gleich mein Verlobter auf mich zu. „Alles klar bei euch?“ „Ja klar, Schatz.“ „Belüg‘ mich nicht, deine Wange leuchtet feuerrot!“ „Ach das, das ist nicht weiter wild. Mach‘ dir keine Sorgen.“ Ich gab ihm einen zärtlichen Kuss. „Dann glaube ich dir einfach mal“, meinte er danach besänftigt.
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