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Shadowrun - - - Den Job, den keiner wollte

von ChrisWulf
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
OC (Own Character)
14.03.2016
14.03.2016
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1.275
 
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Hailey hing wieder einmal im Rox Club ab. Eigentlich mochte sie den Laden nicht besonders, aber hier wurde die Orkin wenigstens nicht behandelt wie eine Aussätzige. Hier war sie unter Gleichgesinnten. Abschaum, Kriminellen und Profis des Schattengewerbes, die hier ihre Abende verbrachten, auf der Suche nach Arbeit oder einfach nur etwas Abwechslung. Der Dunst von billigen Zigaretten und synthetischen Alkoholika schwängerte die Luft und machte das Atmen zu einer Tortur. Nur mühsam erkannte Hailey eine Gestalt, die sich ihrem Tisch näherte. Im Begriff ihre Waffe zu ziehen und eine wilde Kneipenschießerei anzuzetteln spannten sich ihre Kunstmuskeln und Adrenalin pumpte durch ihre Blutbahn. Ihr Smartgunsystem fixierte die Gestalt in Gedankenschnelle und zeigte mögliche letale Treffer an, die sie ihrem vermeintlichen Gegner zufügen könnte. Der Dunst lichtete sich und Craine stand in seiner imposanten Gestalt von knapp einsfünfundneunzig vor ihr. „Ach du bist das!“ Craine legte den Kopf schief. „Wen hast du denn erwartet?“ Hailey’s vercyberter Körper fuhr wieder auf Stand-By runter. „Irgendein Freak, der mir ans Leder will.“ „Bedauere“ antwortete Craine, als er auf dem Stuhl ihr gegenüber platz nahm, „du musst leider mit mir vorlieb nehmen.“ Die beiden hatten ein besonderes Verhältnis zueinander. Nicht nur das sie hin und wieder das Bett miteinander teilten, sie waren auch selbsternannte Profis in ihrem Business. Die beiden Straßensamurais dienten schon gemeinsam in der Armee der UCAS, danach beim Söldnerkonzern Taydem. Seit nunmehr drei Jahren waren sie gemeinsam als Shadowrunner unterwegs und bildeten ein solides, durchschlagskräftiges Duo für die schmutzigen Jobs.
„Meinst du, dass wir heute noch ’nen Job an Land ziehen können?“ Hailey hatte schon lange keinen ordentlich bezahlten Job mehr durchgezogen und war heiß auf ein bisschen Action. „Abwarten, Sergeant.“ „Abwarten, abwarten! Vom Abwarten kann ich mir nichts zu futtern kaufen, schon mal darüber nachgedacht?“ „Mach dir nicht in dein Höschen. Ich hab ein gutes Gefühl wegen heute Abend. Siehst du den Typen dahinten in der Ecke?“ Hailey drehte vorsichtig ihren Kopf. Aus dem Augenwinkel sah sie in der Ecke einen blonden Anglo-Amerikaner mittleren Alters sitzen, der sich hinter einem vollen Glas neongelbem Bier und einer Mine verbarg, die ein Bildhauer nicht besser in Stein meißeln konnte. „Der Typ sitzt seit einer geschlagenen Stunde regungslos da und hat noch nicht ein Schluck von seinem Bier genommen.“ „Hey, woher weißt du das der Typ da seit einer Stunde sitzt?“ „Ich bin schon etwas länger hier. Hab an der Bar gesessen und dich und den Typen beobachtet.“ In Hailey stieg wieder dieser Zorn auf, der ihr so oft schon zum Verhängnis wurde. „Und da lässt du mich einfach hier sitzen und meinst, mir macht es Spaß meinen Abend in so einem Drecksschuppen alleine zu verbringen oder wie sehe ich das?“ zischte sie durch zusammengepresste Zähne. „So in etwa war der Plan.“ „Na toll!“ Hailey verschränkte die Arme vor ihrer Brust und schob die Unterlippe vor, was wegen ihren Hauern eher lächerlich als schmollend wirkte. Craine schmunzelte bei dem Anblick.
Nach einigen Augenblicken des Schweigens und mehreren kräftigen Zügen von ihren Getränken stand Craine auf. Hailey machte Anstalten ebenfalls aufzustehen, doch Craine legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Ich hab was gegen Kugeln im Rücken, also pass auf ihn auf.“ Hailey ließ sich wieder auf den Stuhl sinken. „Ja, Sir“ zischte sie. „Ausgezeichnet Sergeant.“ Hailey beobachtete die anwesenden Gäste des Rox Club mit ihrer gewohnten Professionalität, ob irgendjemand eine verdächtige Bewegung machte oder länger als drei Sekunden sie oder Craine anstarrte. Sie hatte mal gehört, dass das der Normwert für Blickkontakte ist, bevor man sich wieder auf etwas anderes konzentriert. Alle Blickkontakte die länger dauern sind verdächtig.

„Das hast du echt toll hingekriegt Craine!“ brüllte ihn Hailey an, als sie neben ihm hinter dem umgestürzten Tisch kniete, um das Magazin ihres M-23 Sturmgewehrs zu wechseln. „Das ist wieder mal typisch für dich du blödes Mistvieh. Erst meckern das du Action willst und jetzt meckern weil es zu viel ist! Kannst du dich mal entscheiden.“ Craine richtete sich mit seiner geladenen Browning auf und feuerte aus der Deckung drei ungezielte Schüsse in Richtung ihrer Gegner ab, bevor er wieder hinter dem Tisch in Deckung ging. Sofort brüllte Hailey ihn wieder an. „Ich meinte ’Ein-paar-Leuten-auf-die-Fresse-geben-Action’ und nicht ’Wir-werden-alle-sterben-Action’! Das ist ein himmelweiter Unterschied, Craine!“ „Könnt ihr beiden jetzt mal die Fresse halten und euch aufs wesentliche Konzentrieren?!“ schrie Mandrake aus seinem Versteck zu den beiden Streithähnen hinüber. „Halt’s Maul!“ antworteten beide wie aus einer Kehle und gaben mehrere Schüsse aus ihrer Deckung ab. Wie waren sie nur in diese Situation geraten? Laut dem Johnson sollte die Anlage mit einer minimalen Besetzung arbeiten, es ist schließlich Präsidententag. „Keine Probleme“ hatte er auf Craine’s Frage nach der Sicherheit beantwortet. Kein Problem, von wegen. Ihre Gegner waren mindestens 20 gut ausgebildete Sicherheitsleute mit kugelsicheren Westen und modernen Equipment wie abhörsicheren Headsets. Und ihr Versteck bzw. ihre Deckung war ein umgekippter Stahltisch in einem ehemaliger Reinraum. Ehemalig deshalb, weil mittlerweile alle Scheiben zerschossen waren.
Craine versuchte cool zu wirken, um sein Team zu beruhigen. Um Hailey machte er sich keine Sorgen. Von ihr wusste er, wie sie in solchen Situationen reagiert. Sorge machte ihm vielmehr ihr Magier. Mandrake kauerte hinter einer Reihe von Unterschränken. Sein Gesicht war kreidebleich und er zitterte, dafür brauchte Craine noch nicht mal die Vergrößerung seiner Cyberaugen zu benutzen. „Granaten wären jetzt toll“ brummte Craine in sein Headset. Hailey, die gerade ihr drittes Magazin in die Deckung des Gegners verblasen hatte blickte zu ihm rüber. „Hast du sie noch alle? Ist das dein ernst?“ „Klar ist das mein ernst! Zwei Granaten rechts und links neben die Freaks und Boom! Problem gelöst.“ Craine zündete sich eine Zigarette an, während er achtlos und ohne erkennbares Ziel über seinen Kopf hinweg auf die nur noch 18 Sicherheitsleute feuerte. „Ich schieb dir gleich eine Granate in deinen verf*** “ Hailey hatte nicht ganz zu Ende gesprochen, da hörten beide über ihnen an der Wand ein metallischen Geräusch. Als sie hochsahen grinste Craine nur breit und fing die Handgranate auf. „Dich schickt der Himmel!“ Wie in seinen alten Tagen beim Baseball im Kreise seiner Kameraden bei der Armee nahm er die Granate, zielte kurz in Richtung der Sicherheitsleute und schleuderte das Ding zurück. Einen kurzen Aufschrei und eine große Detonation später verebbte das Feuer der Sicherheitsleute und man hörte Kommandos wie „Rückzug!“ oder „Nichts wie weg!“. Craine schmiss die Zigarette auf den gekachelten Boden, der übersät war mit Glassplittern, Metallstücken und Projektilhülsen und trat sie aus. „Hey Craine“ meldete sich Hailey zu Wort. Als sich Craine zu ihr drehte, klebte sie ihm eine und schrie: „Du bist wohl vollkommen bescheuert oder?! Das Ding hätte uns in tausend Stücke reißen können.“ „Hat es aber nicht.“ „Hätte es aber, verdammte Scheiße!“ „Du redest ohne etwas zu sagen, Hailey.“ Craine war in Stimmung ein paar Sicherheitsleuten kräftig in den Arsch zu treten, doch sie mussten schnell hier raus, bevor noch mehr von den Typen anrückten, um ihnen den Arsch weg zuschießen. Mandrake saß immer noch in der Ecke und umklammerte den silbernen Metallkoffer, in dem sich ihre Beute befand. Hailey ging auf ihn zu, zog ihn unsanft auf die Beine und klopfte ihm den Staub von der Kleidung. „Geht's wieder Muttersöhnchen?“ Mandrake schaute sie mit großen Augen an. „Ich glaub ich hab mich eingenäßt“ war das einzige, was er wispernd hervorbrachte. Craine reagierte sofort darauf. „Der Sitz gleich im Kofferraum!“ „Aber du hast doch gar keinen Kofferraum, nur so ein Gepäckfach“ erwiderte Hailey und Mandrake schaute verblüfft zu seinem Teamleader rüber. „Mein ich doch!“ Mit diesen Worten lud Craine seine Waffe durch und gab per Handzeichen den Befehl zum abrücken.
 
 
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