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Josephine Klick

Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Fritz Munro Josephine Klick
13.03.2016
18.08.2018
22
31.547
3
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13.03.2016 1.540
 
Die Jungs trietzten mich weiter, wo sie nur konnten. Am Anfang schoben sie das Berichte schreiben an mich ab, dann sollte ich noch Verhöhre mitschreiben und Habseligkeiten, die schon zu Genüge von der SpuSi untersucht worden waren,  durchschauen. Ich kam mir saublöd vor, bei meiner Idee, in Berlin ein neues Leben zu beginnen. Auch im Fall der toten Boxerin kamen wir anfangs überhaupt nicht zurecht. Zeugen und Beweismittel fehlten hinten und vorn, von annehmbaren Motiven ganz zu schweigen. Aber mit den Wochen verging so mancher Spaß der Jungen doch mein neuer Spitzname war zu meinem größen Missfallen geblieben. Auch wenn selbst Fritz  manchmal schon ein wenig liebevoll "Bielefeld" zu mir sagte und den Kopf über meine Ermittlungsmethoden schüttelte. Er gab mir jedoch immer öfter ein Rätsel auf. Seine Frau hatte ihn offenbar verlassen, doch entgegen meiner Vermutung war er in dieser Hinsicht einmal ganz der Familienmensch gewesen. Sein sieben Jahre alter Sohn war sein Ein und Alles und trotz meines mangelnden Mitleids ihm gegenüber, sah sogar ich, wie sehr es ihm zusetzte, Ben nur alle zwei Wochen (und das noch nicht mal regelmäßig) zu sehen.  Ich musste aber zugeben,  dass ich selbst auch nicht unbedingt offen gegenüber den Kollegen war. Es erinnerte mich einfach alles an zu Hause. Und genau daran wollte ich nicht denken.
Das erste Selbstverteidigungstraining brachte meine so sorgsam aufgebaute Fassade ein wenig zum Wanken. Es war Donnerstag und ich konnte die Jungs partout nicht finden. Ob die schon wieder ohne mich zum Einsatz gefahren waren? Wütend stürmte ich zu Karin: "Wo sind die jetzt schon wieder hin?" Sie schreckte von ihrem Bildschirm auf und drückte bei der dritten Folge von CSI: Miami auf die Pause. "Wer? Von was redest du?... Aaaaach so, heute ist doch Nahkampftraining, da können wir uns ruhig raushalten." "Wie jetzt?", ich schüttelte verwirrt den Kopf, "Da machen wir doch bestimmt auch mit." Ich zog Karin von ihrem Stuhl hoch und schleifte sie aus dem Büro. "Aber Josephine, das ist nichts für uns. Und außerdem mach ich doch sowieso nur Innendienst!", protestierend ließ Karin sich hinterher ziehen. "Du verzichtest also auf die ganzen Männermuskeln und die geballte Ladung Testosterone?" Herausfordernd sah ich sie an. Ein Grinsen erschien auf ihrem Gesicht und sie meinte nur: "Ich glaube, du hast Recht. Warum sollten wir es den Männern nicht einfach mal zeigen?" Wir stahlen uns noch heimlich in die Sporthalle. Der Trainer hatte mit der Einweisung schon begonnen und wir setzten uns gegenüber von Fritz und Alex auf den Boden. Alex stubbste seinen Freund in die Rippen als er uns kommen sah und der bekam große Augen. Zu meiner Verwunderung konnte ich einen anerkennend Blick in seinen Augen erkennen. Es ging um das korrekte Verhalten gegenüber bewaffneter Strafttäter und wie man besonders Schusswaffen abwehren konnte. Karin und ich übten zu zweit und die richtigen Griffe waren eigentlich gar nicht so schwer. Dannach wurden wir neuen Partnern zugeteilt und der Zufall wollte es,  dass ich schlussendlich Fritz gegenüber stand. Er schaute mich ein wenig grimmig an und ich wusste, dass er auch hier den Macho raushängen lassen würde. Er richtete die rote Plastikpistole auf meinen Kopf und wartete auf meinen Angriff. Bevor ich jedoch meine Hände überhaupt unter seine Handgelenke legen konnte, um den Schuss nach oben zu lenken, war er zur Seite gesprungen und mein Stoß ging in die Leere. Fritz hob die Waffe, richtete sie auf mich und brüllte: "Du bist tot Bielefeld" Er schaute ihm verbissen ins Gesicht: "Nochmal" Beim zweiten Mal passierte genau das gleiche und die ganze Gruppe schaute zu, wie ich mich verzweifelt abmühte, Fritz außer Gefecht zu setzten. "Was war das eigentlich genau mit deiner Frau?" , fragte ich und Fritz war für einen Moment zu veedutzt, um aufzupassen. Ich stürzte mich auf ihn, entwand ihm die Spielzeugpistole und setzte mich rittlings auf ihn. Die versammelte Mannschaft jubelte und Fritz versuchte sich zu befreien. Wir rollten wie kleine Kinder auf dem Boden umher und ich konnte seinen Atem, der stoßweise ging, in meinem Gesicht spüren. Am Ende lag er halb auf mir und seine Lippen waren nicht mehr weit von meinen entfernt. Er hätte mich küssen können und irgendwie fand ich den Gedanken gar nicht mehr so abwegig wie zu Anfang. Ich begann ungewollt schneller zu atmen. In seinen Augen blitzte etwas, das ich nicht zuordnen konnte und er blieb einen Tick zu lange auf mir liegen, als hätte er alles um uns herum vergessen. Plötzlich rollte er sich von mir herunter und verließ fluchtartig die Halle. Ich blieb zurück und in mein Kopf drehte sich alles. Was war da gerade passiert? Nach dem Training war Karin nicht mehr zu bremsen. Die Jahre im Innendienst hatten eindeutig ihren Tribut gefordert. "Wie du dich auf ihn gestürzt hast. Frauenpower! Das sind doch alles Loser. Oh Josephine, das machen wir jetzt immer mit. Und wie Fritz dich erst angesehen hat!" "Was?... Wie hat er mich angesehen?" Ich stoppte abrupt. "Er war total beeindruckt!" Ich zuckte nur mit den Schultern.
Fritz mied den Rest des Tages meinen Blick. Und ich? Ich versuchte, meine Arbeit zu machen und den Rest zu ignorieren, also Fritz. Als ich Abends auf dem Weg nach Hause war, rief plötzlich jemand hinter mir her. "Hey Bielefeld! Warte mal", Fritz kam schnaufend neben mir zum Stehen. "Was ist?", ich sah ihn verwirrt an. "Willst du mit mir einen Trinken gehen?" Ok, er war eindeutig direkt.
Wir verließen nebeneinander das Gelände in Richtung Innenstadt. "Und wohin gehen wir?", erwartungsvoll sah ich ihn an. "Lass dich überraschen." Die Bar war brechend voll, aber Fritz kämpfte sich bis vorn zum Tresen um unsere Getränke zu hohlen. Laute Musik drang aus den Boxen und verschwitzte Leiber bewegten sich tanzend um mich herum. "Bitteschön." Fritz stellte zwei Coktails vor mir ab. "Warum hast du mich eigentlich eingeladen?" , ein wenig misstrauisch schaute ich ihn nun an. Aber er antwortete mir nicht, sondern zog mich lachend hinter sich her auf die Tanzfläche. Wir blödelten herum und hopsen mehr als das wir tanzten. Als wir uns zum Spaß an einem Walzer versuchen wollten, wurde die Musik plötzlich langsamer. Ich versuchte Fritz fortzuziehen, denn das war momentan wirklich nicht meine Lieblingsmusik. Sie wirkte so romantisch und verträumt. Erinnerte mich an längst vergangene Zeiten. An Stefan. Und von dem wollte ich mir dem Abend bestimmt nicht vermiesen lassen. "Warte doch mal!", Fritz hielt mich fest und legte seine Hände auf meine Hüften. Ich reagierte nicht und so nahm er meine Arme und legte sie auf seine Schultern. "War das jetzt so schlimm?", fragte er als er sich langsam mit mir zu bewegen begann. Er legte seine Stirn an meine und ich spürte plötzlich überdeutlich die Schultermuskeln unter meinen Unterarmen und seinen Atem in meinem Gesicht. Alles um mich herum wurde langsamer und ich nahm nur noch seine überdeutliche Nähe wahr. Die Wärme, die sein Körper ausstrahlte, das Kribbeln in meinem Bauch. Plötzlich unterbrach Fritz unseren Tanz und holte mich zurück in die Gegenwart.  "Www... was ist?", stotternd blickte ich zu ihm auf. "Darf ich dich um einen Gefallen bitten?" Durch seine ständige Nähe verwirrt nickte ich. Fritz beugte sich über mich und seine Lippen kamen immer näher. Ich wollte zurückzucken. Ich war noch nicht so weit. Aber mein Körper hatte andere Pläne und überbrückte die letzten Zentimeter zu seinen Lippen auf eigene Faust. Ein Blitz an freudigen Funken durchfuhr meinen Körper als unsere Lippen sich ganz zart berührten. Wie ein Windhauch. Ich bekam wackelige Beine und Fritz schob  seinen Arm um mich, sodass meine Hand auf seiner Brust lag. Ich hätte ewig so stehen bleiben können und schlang nun meinerseits meinen Arme um seinen Hals, um ihn näher  an mich  heran zu ziehen. Meine Hände fuhren durch seine braunen Haare und sie waren erstaunlich weich. Seine Küsse wurden verlangender und ich keuchte erschrocken auf. Fritz löste sich langsam von mir und sagte: "Danke Bielefeld." Hinter mir fragte plötzlich eine Stimme: "Fritz bist du das?" Ich drehte mich um. Eine schlanke junge Frau mit langen blonden Haaren stand hinter mir. "Hallo Stephanie", sagte Fritz tonlos. "Ist das deine neue Flamme? Du hattest auch schon mal einen besseren Geschmack." Ich brauchte einen Moment, bis ich verstand, dass sie mich meinte. Empört wollte ich protestieren, aber Fritz schnitt mir das Wort ab und sagte hitzig: "Ja das ist meine Freundin. Josephine. Wenn du uns jetzt bitte entschuldigen würdest." Er zog mich am Arm aus der Bar heraus und nach 10 Metern kam er schnaufend zum Stehen. "Danke Bielefeld. Das musste echt mal sein. Der doofen Kuh haben wir es aber gezeigt!" In meinem Kopf drehte sich alles. "Das war nur Show?", fragte ich tonlos. "Ach komm, war doch in Ordnung. Du küsst besser als gedacht." Fritz grinste mich an, doch ich drehte mich auf dem Absatz um und rannte fast nach Hause auf den Hof. In meinen Augen brannten Tränen und ich konnte nicht mehr klar denken.
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