Josephine Klick

GeschichteKrimi, Romanze / P16
Fritz Munro Josephine Klick
13.03.2016
18.08.2018
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Ich schloss die Augen und atmete tief durch. Meine Hände zitterten, als ich nach meiner Dienstwaffe griff und sie entsicherte. Entschlossen und auch ein wenig grimmig, zielte ich auf das Schild "Bielefeld". Eine Kugel für jedes Arschloch. Stefan, Papa, die Polizei, die neugierige Frau Müller und den Busfahrer. Bumm, bumm, bumm, bumm, bumm. Ohne mit der Wimper zu zucken, stieg ich in den roten Geländewagen und brauste davon. Weg aus diesem grottigen Dorf, hinein in die Großstadt. Mir war alles egal. Wozu zurück schauen, wenn es nichts gab, wofür es sich zurück schauen lohnte?

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Ich wand mich. Sollte ich es wirklich wagen, mit Wotan zur Polizeistation zu reiten? So nach dem Motto: Leute aus dem Weg, hier kommt Josie der Dorftrampel?!? Wobei ich garantiert Eindruck schinden würde. Ein kurzer Blick auf Wotan genügte und mein Entschluss stand fest. Dieser Kerl brauchte dringend Bewegung! Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen begann ich mein Pferd zu streicheln und lehnte meine Stirn kurz an seinen Hals. Wotan war noch immer das beste Mittel gegen Traurigkeit. Fluchend sah ich auf meine Uhr. Ich war viel zu spät und das am ersten Tag! Ich hatte noch nicht mal eine Ahnung, wohin ich reiten musste, um möglichst schnell das Polizeirevier Berlin Mitte zu erreichen. "Viktor?!?!", brüllte ich über den Hof. "Was gibt's Josephine?", schallte es zurück. Wenn mir einer helfen konnte, dann Viktor. Allein die Tatsache, dass er mich ohne einen Ton zu sagen bei sich auf dem Hof auf-genommen hatte und keine doofen Fragen zu Bielefeld stellte, ließ ihn momentan mein bester und einziger Freund sein. "Hast du zufällig eine Karte von Berlin?" Ich blickte ihn schuldbewusst und ein wenig beschämt an. Viktor musste grinsen. "Den Blick hattest du schon immer drauf" Er stubbste mir mit dem Zeigefinger gegen die Nase und zog einen leicht zerknitterten Zettel aus der Tasche. Mit diesem wedelte er vor meinem Gesicht umher:"Habe an alles gedacht, Josie. Hier drauf ist der Weg zum Revier plus die besten Wege für Wotan, damit du nicht von der Polizei festgenommen wirst." "Ich bin die Polizei, Viktor!" Schmunzelnd schnappte ich mir den Zettel und schwang mich in den Sattel. Ich war nun deutlich zu spät. Da half auch keine Dorftrottel-Ausrede à la "bei uns laufen die Uhren anders, als bei euch in der Stadt"
In halsbrecherischem Tempo gallopierte ich über die Weide zur Straße in der Hoffnung, noch etwas Zeit zu schinden.
Schon von weitem bemerkte ich eine kleine Gruppe an Männern vor dem Revier. Das war wohl das Begrüßungs-Komitee. Na super, so wie die aussahen, hatten die bestimmt jetzt schon die Nase gestrichen voll von mir. Betont fröhlich sprang ich also von Wotan ab und rief voller Euphorie, zumindest hoffte ich, so zu klingen, ein hallo in die Runde. Bei meinem Anblick schoss die Augenbraue des Mannes mit den  helbraunen Haaren in die Höhe, der Schwarzhaarige daneben verdrehte die Augen und der Älteste in der Runde- offensichtlich Amann, der Chef- hielt mir zur Begrüßung die Hand hin. "Darf ich vorstellen meine Herren: das ist Josephine Klick, die neue Kollegin aus Bielefeld" Amann deutete auf den Hellbraunen Typen und stellte ihn als Fritz vor, dann auf den Schwarzhaarigen der Alex hieß. Fritz schaute mich abschätzig an und meinte: "Dir ist aber schon klar, dass wir hier nicht bei der Reiterstaffel sind, geschweigedenn am Ponyhof?!?" Na super, Macho auf 12 Uhr. Doch ich lächelte nur zuckersüß und sagte:  "Schon klar. Kripo ist halt nur was für echte Männer" In diesem Moment schaltete sich Amann ein. "Na na na mein lieber Fritz. Ist das etwa die Art, wie wir neue Kollegen begrüßen? Vorallem die Rekordhalterin im Schießtraining der West-Pfhälischen Polizei?" "Das dürfte auf dem Land wohl nicht allzu schwierig gewesen sein", merkte Alex an und die Jungs gaben sich heimlich ein High Five. Ich hatte jetzt einfach schon keine Lust mehr, auf dieses Kindergartengetue, aber wenn Fritz Krieg haben wollte, dann er konnte er das haben. Im Schießen war ich nämlich wirklich nicht schlecht. Wenn einem der Vater schon eine Pistole in die Hand drückt, bevor man überhaupt laufen kann (natürlich alles völlig legal und kindersicher, zumindest hat das mein Vater  immer behauptet), dann bringt einen ein kleiner Schießwettkampf bestimmt nicht aus der Ruhe. Und mein Glück ließ mich in diesem Moment ausnahmsweise mal nicht im Stich. Just an diesem Tag stand Schießtraining auf dem Programm. Ich konnte Fritz ansehen, dass er das als Herausforderung sah, den Dorftrottel in die Schranken zu weisen. Der Kampf konnte also beginnen.
Die Anlage war um einiges besser ausgestattet, als in Bielefeld und ich freute mich darauf, ein bisschen Frust abzulassen. Mit der Zeit merkte ich, dass sowohl Fritz als auch Alex sichere Schützen waren und ich mich anstrengend musste. Mit ruhiger Hand zielte ich und drückte zügig und doch auch elegant, wie ich fand, ab. Ich traf immer ins Schwarze. Ich bemerkte , nicht ohne Genugtuung, dass Fritz ärgerlich die Augen zusammen kniff. In dieser Hinsicht hatte ich deutlich genug bewiesen, dass ich besser als die Jungs  war und nebenbei einen neuen Schießrekord aufgestellt. Ohne Kommentar verließ Fritz den Raum und Alex folgte ihm. Ich zuckte mit den Schultern und lief den Jungs hinter her, ich hatte nämlich um ehrlich zu sein keine Ahnung, wohin es gehen sollte.
In meinem Büro wartete eine Frau mittleren Alters und dunklen braunen Haaren auf mich. Sie blickte mir erwartungsvoll entgegen und ich konnte mir vorstellen, was für eine Erleichterung es sein musst, endlich noch eine Frau bei all diesem Macho-Gehabe an der Seite zu wissen. Ich grinste sie an und sie stellte sich als Karin vor.
Beim Hochfahren des Computers fragte ich: "Ist der noch Passwort geschützt?" , ich bekam aber nur ein müdes Schulternzucken Seitens Karin. In diesem Moment erschien Alex und ich wiederholte meine Frage. Er kniff die Augen zusammen und brüllte ins Nebenbüro: "Wie hat Gerlach noch mal seine Frau immer genannt, Fritz?" Dieser streckte den Kopf durch die Tür und meinte grinsend: "Schnuckipups, oder?" Ich musste kichern, versuchte aber mein Glück, und siehe da, es funktionierte. "Na, eine glückliche und erfüllte Ehe schien das aber nicht gewesen zu  sein." Ich deutete auf den Monitor. Eine blonde Schönheit räckelte sich nackt auf dem Bildschirm, ein verführerisches Zwinkern im Gesicht. Fritz war neben mich getreten und beugte sich über mich. Sehr nah über mich. Er flüsterte: "Kannst dir ja was anderes drauf machen, Pferde oder so. Oder Einhörner, ich habe gehört das ist bei kleinen Mädchen wieder ganz beliebt" Ich verdrehte nur entnervt die Augen und schob meinen Stuhl zurück, direkt mit den Rollen auf seine Füße. Fritz jaulte auf und ich gratulierte mir im Geiste selbst, dass ich bei dem  Kindergartengetue  mitmachte. Soviel zum Thema, versuche neue Freundschaften zu schließen und die ganze Scheiße aus Bielefeld zu vergessen. In diesem Moment hatten wir unseren ersten Einsatzt. Aber bevor ich aufspringen konnte, drücke Fritz mich zurück auf den Stuhl. "Komm doch erstmal an Josephine. Räume in Ruhe deine Sachen auf und richte den neuen Bildschirmschoner ein." Ich zuckte nur mit den Schultern und meinte: "Ach ne, das mach ich später! Jetzt geht's Verbrecher fangen." Ich bemerkte, wie Fritz langsam die Geduld verlor. ER wollte mich offenbar nicht bei Einsätzen dabei haben. Na super, aber mich konnte in dieser Hinsicht niemand aufhalten. "Du brauchst aber noch deinen Dienstausweis", merkte Alex an. Da hatte er wohl recht. Ich schnappte mir meine Parka und Karin zeigte schon vorausschauend auf Amanns Büro. In der Zwischenzeit gingen die Jungs schon aus dem Büro, raus auf den Parkplatz. Zumindest dachte ich das. Obwohl ich mich beeilte und Amann den Ausweis mit einem ganz schrecklichen Schnappschuss von mir regelrecht  aus der Hand riss, war von den Jungs nur noch das Autohinterteil zu sehen. Besten Dank auch. Aber so schnell gab ich nicht auf. Brüllend und mir beiden Armen wedelnd setzte ich ihnen hinterher. Trotz aller Wut, zählte Laufen einfach nicht zu meinen Stärken. Ich drehte um und schnappte mir meinen Wagen. Mit etwas Glück fand ich das Boxstudio auch ohne fremde Hilfe.
"Was liegt an?" Ich hatte beschlossen, den Vorfall nicht zu erwähnen. Mich bekam man nicht so schnell klein. " Josephine?", Alex tat überrascht, "Was machst du denn hier? Wolltest du nicht erst mal einräumen?" Na der traute sich ja was! "Ich habe euch hinterher gerufen", bemerkte ich bissig.  "Hast du was gehört, Fritz?" "Nee, sorry"
"Geht's noch?!?", ich wurde langsam echt wütend, da stritten die einfach alles ab! "Ich bin die Frau aus dem Rückspiegel, klingelt da was?" Darauf hatte ich nun wirklich keinen Bock. Ich drehte mich kurz entschlossen zum Opfer um. "Mordkommission, Klick mein Name ", ich hielt dem Polizeibeamten vor dem Absperrband meinen neuen Ausweis unter die Nase und betrat den Boxring.
Der Tag war mehr als anstrengend gewesen. Meine Kollegen waren mir gegenüber entweder skeptisch oder sie freuten sich, wie Karin, über ein neues Gesicht. Fritz und Alex gehörten eindeutig der ersten Kategorie an. Was sie nur gegen mich hatten? Besonders Fritz, der mich immer mit einem leicht gequältem Blick bedacht hatte. Mein Kopf berührte kaum das Kopfkissen, als ich auch schon in einen langen traumlosen Schlaf fiel.
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