Just A Girl

von Hyouka
GeschichteDrama, Romanze / P16
Atticus Rhodes OC (Own Character) Syrus Truesdale Zane Truesdale
12.03.2016
15.02.2017
30
99.773
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12.03.2016 3.198
 
Zwei Jahre waren vergangen, seit sie ihren Abschluss an der Duel Academia gemacht hatte. Mittlerweile war sie zwanzig Jahre alt, schon seit einiger Zeit aus dem Teenageralter hinaus gewachsen. Die Zeit an der Schule war nicht schlecht gewesen, wenn nicht sogar schön. Allerdings war Miyuki Kotomi keine besonders gute Duellantin gewesen. Die Tests bestand sie zwar immer gut, aber der praktische Teil lag ihr einfach nicht. Somit musste sie sich zeitig Gedanken machen, etwas anderes zu machen, als sich zu duellieren. Eigentlich mochte sie Duelle sehr, aber sie war einfach zu schlecht um professionell als Duellantin zu arbeiten. Um sie zu beschreiben, brauchte es nicht viel – sie war ein fürsorgliches, gutherziges Mädchen, welche stets nett und brav gewesen war, aber auch hin und wieder schüchtern und ruhig. Im Grunde war sie ein ziemlich normales, gewöhnliches Mädchen, wie jedes andere auch. Nicht besonders groß, dünn oder dick, einfach normal gebaut und auch ihre Hautfarbe war völlig normal. Ihr glattes Haar war hellbraun und reichte ihr etwa bis zur Brust, meistens hingen ihr ein paar Strähnen im Gesicht, doch man konnte ihr genau in die Augen sehen. Eine so normale Schülerin traf man in der Academia oft. Allerdings war ihr stets bewusst gewesen, dass sie unter den vielen Talenten die es an ihrer Schule gab, untergehen würde. Deshalb versuchte sie eher als Stütze zu dienen und da zu helfen, wo es ging. Außerdem lernte sie vieles über zwischenmenschliche Beziehungen, Respekt unter Duellanten und großartige Menschen kennen.

Einer von diesen großartigen Menschen war ihr damaliger Mitschüler Ryo Marufuji, oder auch der Kaiser, wie er in der Schule genannt wurde. Bis damals war er die ungeschlagene Nummer eins, ein Duellant, der seinem Gegner niemals unterschätzte. Miyuki hatte damals immer zu ihm aufgesehen, ihn als Vorbild gesehen und sich irgendwann in ihn verliebt. Aber um groß mit ihm zu reden, hatte es nie gereicht. Sie war einfach zu schüchtern gewesen, auch wenn sie teils in seiner Nähe saß oder einfach mal neben ihm. Doch aufgrund der vielen Abweisungen die er verteilt hatte, war es nie zu einem Geständnis gekommen. Ryo hatte damals einfach andere Interessen gehabt und das waren Duelle. Irgendwo hatte Miyuki das auch verstanden und akzeptiert, doch von Zeit zu Zeit hatte es ihr doch ein wenig weh getan. Wann genau sie diese Gefühle entwickelt hatte, wusste sie nicht. Ihr Wissen beschränkte sich nur darauf, dass es so war. Im letzten Schuljahr sollten sie einen Aufsatz darüber schreiben, wer ihr Vorbild war und aus welchem Grund. Miyuki schrieb ihren Artikel über Ryo, gab ihn allerdings nur anonym ab, damit niemand wusste, dass sie es gewesen war. Es war ihr vor den anderen Schülern nicht peinlich, doch sie wollte nicht genauso wie die anderen Mädchen abgewiesen werden. Für ihren Aufsatz, der mehr als sechs Seiten lang gewesen war, erhielt sie eine eins und darauf war sie auch sehr stolz gewesen. Doch mit dem näher rückenden Abschluss musste sie sich entscheiden und entschloss sich am Ende für ein Psychologiestudium, welches etwa neun Semester, also fast 4,5 Jahre gehen sollte. Denn, dumm war sie nicht. Das war so ziemlich das einzige, was sie sich zutraute. Vielleicht wäre sie auch gar nicht so schlecht im Duellieren gewesen, wenn sie unter den vielen Talenten nicht untergegangen wäre. Aber ein was wäre wenn gab es ebenfalls immer, das wusste sie. Man konnte immer irgendwas bereuen und das hatte sie sicher auch. Aber Ryo war für sie immer unerreichbar gewesen und war es auch bis zu ihrem Schulabschluss geblieben. Mehr als ein „Glückwunsch zum Schulabschluss“, hatte sie damals nicht herausbekommen. So trennten sich ihre Wege, obwohl Miyuki ihn nie vergessen hatte.

Nach ihrem Oberschulabschluss ging Miyuki auf die Universität, um ihr Studium anzufangen. Diesem ging sie auch ernst nach, arbeitete nebenbei an einem Buch für Duellanten. Dort schrieb sie über respektvolles und vernünftiges Verhalten unter Duellanten und ihrer Vorstellung eines perfekten Duellstils, einer Zukunft für die Profi-Liga. Miyuki hatte sogar einen Verleger an Land gezogen und die Veröffentlichung ihres Werkes stand kurz bevor. Was dann allerdings passierte, riss ihr den Boden unter den Füßen weg. Es waren nicht die Niederlagen, die Ryo in der Profi-Liga erlitten hatte. Es war das, was danach folgte – Hell Kaiser. Derjenige, der sie dazu inspiriert hatte, war nun ein völlig anderer. Aufgrund ihrer Enttäuschung und des Schockes beschloss sie, das Buch zurück zu nehmen und es für alle Ewigkeiten wegzulegen. Innerlich glaubte sie immer daran, dass es nur ein Witz war. Aber die Leute von der Academia, die sie angerufen hatten, bestätigten das, was sie im Fernsehen gesehen hatte. Für kurze Zeit war sie völlig erschüttert gewesen, doch dann entschloss sie sich, es so zu akzeptieren und es hinzunehmen.  Den Ryo den sie geliebt hatte, den Kaiser, gab es nicht mehr. Mit diesem Gedanken verbrachte sie die ersten Semester ihres Studiums und die Zeit verging wie im Flug. Letztlich landete am Ende des Jahres in einem neuen Projekt, welches als neue Maßnahme für Duellanten wurde, die in die Profi-Liga wollten.

Diese Maßnahme war als Kontrolle der gesundheitlichen und psychischen Lage des Duellanten zu sehen. Zum einen sollten vermeintliche Sekten und Methoden von der Profi-Liga ferngehalten werden, die so ordentlich kontrolliert werden konnten. Zum anderen konnten so auch lang abwesende Duellanten wieder einsteigen und vollkommen gesund von neu anfangen können. Diese Maßnahme war eine Art Klinik und gut besucht, weshalb sie Studenten und jeden brauchten, der ihnen helfen konnte. Miyuki war im Psychologen-Team und betreute einige Duellanten, die nach Krankheit wieder in die Profi-Liga einsteigen wollten. Allerdings hatte sie sich über die zwei Jahre stark verändert, genauso wie es Ryo getan hatte. Mittlerweile wirkte sie kühler, selbstbewusster und erwachsener auf andere, trug ihre braunen Haare meist hochgesteckt bis auf die Strähnen, die ihre Ohren verdeckten. Diese waren nicht gerade grade abgeschnitten wurden und verliefen von den Ohren an kürzer, während sie nach unten länger wurden. Ihre früher so funkelnden, blauen Augen, wirkten müde von ihrem Alltag. Miyuki hatte sich schon lang an das Leben außerhalb der Academia gewöhnt und war froh, wenigstens in der Klinik noch mit ein paar Duellanten zu tun zu haben.
„Miyuki. Hast du gerade Zeit?“
Ihr Blick wandte sich zur Tür ihres kleinen Büros, welches spärlich eingerichtet war. Neben dem Schreibtisch und den zwei Bücherregalen gab es nicht viel, was man anmerken konnte. Auf ihrem Tisch stand ein Bild von ihr und ihrem Vater. Ihre Mutter war gestorben, als sie noch sehr klein war. Daher musste sie ihr Vater allein großziehen, aber auch das hatte irgendwie funktioniert. In der leicht geöffneten Tür konnte sie ihren Kollegen erkennen, der Izumi hieß. Er war der einzige aus ihrer alten Schulklasse, zu dem sie nach wie vor Kontakt hatte. Seine Entscheidung zu studieren, war sehr spontan gekommen. Zwar war er auch früher mit Miyuki befreundet gewesen, war aber nicht wegen ihr auf die Universität gegangen.

Izumi hatte eine kratzig-raue Stimme, war ziemlich groß und schmächtig. Meistens lief er in ziemlich bequemen Sachen herum, wie an diesem Tag und hatte kurzes, rotbraunes Haar. Er war ein Kerl mit gutem Herz, aber manchmal konnte er ziemlich nervig sein.
„Ja, mein Patient ist gerade durch. Er bereitet mir zwar ziemliche Kopfschmerzen, aber ich hab erstmal Pause.“, meinte Miyuki kühl und seufzte.
Izumi setzte sich auf den eigentlichen Sitz für den Patienten, drehte diesen um, damit er sich bequem nach vor lehnen konnte. Er neigte sehr oft zum kippeln.
„Ach, der. Wie viele Stunden hat er schon hinter sich?“
Miyuki dachte kurz nach, zählte kurz alle Stunden zusammen.
„Müssten etwa sechszehn sein. Normalerweise gibt es ja nach zehn Stunden das letzte Duell und die Behandlung ist vorbei. Aber er rafft sich einfach nicht auf, kommt nur langsam voran. Wenn er es in den nächsten zwei Wochen nicht schafft, gebe ich ihn an die Chefin. Die kann sich dann kümmern.“
Izumi staunte nicht schlecht.
„Ich hätte es wohl nicht lange mit so einem ausgehalten. Ein Wunder, dass die Leitung eine Verlängerung genehmigt hat. Vielleicht schicken sie ihn ja auch zu einem richtigen Psychologen, wir sind ja nur die erste Anlaufstelle zum Lösen der kleinen Probleme.“
Miyuki zuckte nur mit den Schultern. Normalerweise hatte sie mehr Respekt vor ihren Patienten, aber in diesem Fall war es sehr anstrengend, die Fassung zu behalten. In diesem Moment klingelte das Telefon neben ihr und sie gab Izumi kurz das Zeichen, ruhig zu sein.

„Kotomi am Apparat. Was kann ich für sie tun?“
Es war ihre Chefin, die wohl wissen wollte, wie es um ihren Patienten aussah.
„Kotomi-san, wie macht sich dieser ehemalige Champ? Hat er heute ein paar Fortschritte gemacht?“
„Leider nein. Alle meine Versuche wirken vergebens oder machen es nur noch schlimmer. Es tut mir leid, ich weiß bald nicht mehr, was ich mit ihm machen soll.“
Einen kurzen Moment überlegte ihre Chefin, doch dann wollte sie Miyuki die Arbeit doch direkt abnehmen.
„Schon in Ordnung. Das ist nicht deine Schuld, du bemühst dich immer sehr um deine Patienten. Du bist auch nur ein Mensch, mach dir keine Gedanken. Ich nehme diesen Patienten von nun an in meine Fittiche, der nächste neue Patient kommt dann zu dir.“
„Verstanden. Vielen Dank, Chefin.“
Nach dem sie aufgelegt hatte, schaute Izumi grinsend zu ihr.
„Na, was hat sie gesagt?“, fragte er.
„Sie übernimmt ihn und ich kriege den nächsten Neuen. Das passt schon.“
Über diese Entscheidung war sie mehr als froh. Auch sie war nur eine Studentin, das konnte man ihr noch nicht zumuten.
„Hast du deine Hausarbeit für nächste Woche eigentlich schon fertig?“
„Na ja, so gut wie. Ein paar Seiten muss ich noch schreiben, aber im Grunde fehlt nicht mehr viel. Wie sieht es bei dir aus?“
„Etwa die Hälfte. Ich hab die letzten Nächte einfach kein Auge zugekriegt und hatte nicht die Nerven dafür. Aber heute mache ich weiter.“, sprach er und Miyuki schaute ihn fragend an.
„Was ist denn los? Probleme mit deiner Freundin?“

Izumi erzählte eine lange Geschichte über seine Freundin, bis er selbst einsah, dass es nicht mehr so weitergehen konnte. Im Grunde war das Miyuki ziemlich egal, weil es nicht ihr Problem war. Aber für seine Freunde da zu sein war ihr wichtig, wenigstens erstmal zuzuhören.
„Hast du eigentlich etwas von unseren ehemaligen Mitschülern gehört? Azuki war doch zum Beispiel eine Freundin von dir, habt ihr noch Kontakt?“
Miyuki schüttelte mit dem Kopf, als er plötzlich das Thema gewechselt hatte.
„Nein, nicht mehr, seit dem ich dem Verleger gesagt habe, dass er das Buch vorerst nicht veröffentlichen soll.“
Nun seufzte Izumi, er hatte ihr damals schon gesagt, dass sie es nicht tun sollte. Aber Miyuki wollte ihm einfach nicht zuhören, hatte einfach den gesamten Druck gestoppt.
„Ich hab dir damals schon gesagt, dass es eine blöde Idee war. Überleg doch mal, das Ding wäre ein Riesending geworden. Ich hab es doch selbst gelesen, als du damit angefangen hast. Damit hättest du die Welt der Psychologiebücher auf den Kopf stellen können.“
„Ich weiß selbst, dass es nicht schlecht ist. Aber ich habe meine Meinung einfach geändert, ich möchte es einfach noch überarbeiten. So bin ich einfach nicht zufrieden. Dass ich Azuki nicht geschrieben habe, hat andere Gründe. Ich wollte mich voll und ganz auf das Studium konzentrieren, meinem Vater daheim helfen. Wenn ich nicht wäre, würde es daheim aussehen, wie in einer verwüsteten Wohnung. Er arbeitet Tag ein, Tag aus, aber er kriegt den Haushalt nicht gebacken. Während ich an der Academia war, scheint meine Tante das gemacht zu haben, aber jetzt bin nur noch ich da. Irgendwer muss es machen.“

Für Izumi war das alles ziemlich unverständlich. Aber so war Miyuki nun mal, sie wollte allen helfen und nicht einfach faul in ihrem Zimmer sitzen.
„Kommst du wenigstens zum Klassentreffen, wenn es so weit sein sollte?“
„Klar, aber jetzt nicht. Ich habe andere Dinge, auf die ich mich konzentrieren muss. Tut mir leid, selbst wenn die Zeit an der Academia schön war, kann ich mich nicht nur daran festhalten. Es war wirklich schön da und ich bereue keinen einzigen Tag, dort gewesen zu sein. Aber das Leben muss auch weitergehen, weißt du? Wenn ich die Gelegenheit habe, werde ich sicher noch einmal dort hinfahren.“
„Na gut. Wenigstens ein kleiner Lichtblick. Du siehst die Dinge immer so verengt und ernst, früher warst du mal anders.“
Miyuki verdrehte die Augen.
„Da war ich auch noch ein Kind und das schüchterne Mädchen, das immer nicht zum Zug kam. Das hier ist das einzige, was ich wirklich kann. Alles andere hätte mich auch nur unglücklich gemacht.“
„Stimmt. Aber so schlecht warst du wirklich nicht, die anderen waren nur besser als du.“
Irgendwo hatte er Recht, aber im Grunde sah sie sich als gescheiterte Duellantin. Manchmal dachte sie sich sogar, nicht besser als ihre Patienten zu sein. Selbstbewusstsein hatte sie mittlerweile, aber nicht für das, was ihre Duellkünste anging.

Nach ein paar Minuten verabschiedete sich Izumi und ging wieder an die Arbeit. Vielleicht holte er auch endlich seine Heimarbeit auf, zumindest hoffte das Miyuki für ihn. In diesem Moment klingelte ihr Telefon und sie machte sich schon bereit, einen neuen Patienten anzunehmen. Sie nahm den Anruf entgegen, hörte ihre Kollegin vom Empfang reden.
„Kotomi-san, ein Anruf für dich. Geht wohl um einen Termin.“
„Okay, stell einfach durch.“
Nach einem kurzen Verbindungsgeräusch bekam Miyuki mit, dass sie einen anderen Gesprächspartner an der anderen Leitung hatte und meldete sich, wie sie es gelernt hatte.
„Guten Tag. Mein Name ist Kotomi Miyuki. Wie kann ich behilflich sein?“
Recht zögerlich meldete sich ihr Gesprächspartner auf der anderen Seite und schien recht schüchtern zu antworten.
„H-Hallo … mein Name ist Marufuji Sho. I-Ich würde Sie um einen Termin bitten und hätte ein paar Fragen an sie.“
Für einen Moment wurde Miyuki stutzig. Marufuji? Aber sie fragte erstmal nicht groß nach, viel mehr wollte sie ihren Gesprächspartner etwas beruhigen. Solche schüchternen Anrufer hatte sie immer öfter, verstehen konnte sie es durchaus. Sie fragte sich für einen Moment nur, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelte. Die Stimme, die sie gehört hatte wirkte sehr weiblich, aber der Name Sho war ja eigentlich eher ein männlicher Name.

„Es ist alles in Ordnung. Ich beiße nicht, beim Psychologen anzurufen ist sicher nicht einfach, was?“, lachte sie kurz, um die andere Seite etwas zu beruhigen. Ein kurzer Aufseufzer war zu vernehmen.
„Schon, ja. Aber eigentlich geht es nicht um mich. Wissen Sie, mir ist bewusst, dass eigentlich mein Bruder selbst bei Ihnen anrufen sollte, aber er wollte mir nicht glauben. Man hat uns gesagt, er wird erst wieder zugelassen, wenn er bei Ihnen war, aber wollte das nicht wahr haben, deshalb.“
Für einen Moment erschrak Miyuki. Das konnte doch nicht wahr sein. War es wirklich er? Aber warum? Bei ihr landeten für gewöhnlich nur sehr geschwächte Duellanten, die aufgrund Komplikationen lange Zeit ausfallen waren. Wenn es wirklich er war, konnte sie es einfach nicht verstehen.
„Dürfte ich den Namen deines Bruders erfahren? Wenn es geht, auch eventuell den Grund, warum er zu uns kommt? Das würde mir helfen.“, antwortete Miyuki selbst etwas zögerlich.
„Ryo Marufuji. Vielleicht haben Sie schon einmal von ihm gehört. Er war in der Profiliga unter dem Namen Hell Kaiser bekannt, war relativ erfolgreich. Allerdings hat er seit geraumer Zeit ein Problem mit seinem Herzen, er ist zwar dabei sich zu erholen und macht große Fortschritte … aber die neuen Richtlinien besagen, dass er erst wieder einsteigen kann, wenn er bei Ihnen war. Das haben zumindest meine Eltern gesagt.“

Für einen Moment kamen in Miyuki sämtliche Erinnerungen an ihre Schulzeit hoch, dieses Gefühl von damals und auch der Schmerz, den sie immer wieder verspürt hatte. Sie war selbst schuld gewesen, dass wusste sie. Aber im Vergleich zu Ryo war sie nur ein völlig gewöhnliches Mädchen gewesen. An ihn wäre sie niemals heran gekommen, noch hätte sie sich ernsthaft getraut, mit ihm zu reden. Bewusst hatte sie seit dem Aufsteigen von Hell Kaiser nicht mehr mitverfolgt, was Ryo so tat. Sie wollte sich das alles nicht mehr antun. Aber nun war die Situation eine andere, eine völlig fremde. Vor Schock konnte sie für ein paar Sekunden nichts sagen, schaute auch genauso drein. Zum Glück war in diesem Moment niemand da, der sie sehen konnte.
„Hallo?“
Sie rappelte sich auf, wachte aus dem Schock schlagartig auf.
„Entschuldigung, ich habe nebenbei geschrieben. Im Moment betreue ich niemanden weiter, der höhere Priorität hätte, also könnte ich theoretisch schon morgen Zeit für ihn finden. Wäre sechzehn Uhr in Ordnung?“
„Ja, das wäre klasse.“
Sie schluckte. Für den Moment hatte sie sich gut gefangen.
„Ich kann Ihnen die Anmeldeformulare direkt per Mail schicken, dann müssen Sie die morgen nicht mehr ausfüllen. Das erspart uns auch einiges an Bearbeitungszeit und ich kann schneller darauf eingehen und mich vorbereiten.“

Nach einem kurzen Austausch von E-Mail Adressen beruhigte sich Miyuki selbst langsam und konnte Sho ohne große Verzögerungen verabschieden.
„Vielen Dank für Ihren Anruf. Sagen Sie ihrem Bruder einfach, dass er sich bewusst sein soll, welches Risiko er mit einem ausbleibenden Besuch hat. Es gibt keine anderen Möglichkeiten und wir sind auch keine klassischen Psychiater. Wir wollen nur das Beste für unsere Patienten, das können Sie mir glauben.“
„Ich danke Ihnen ebenfalls. Auf Wiederhören.“
„Einen schönen Tag noch.“
Nach dem Auflegen vergrub Miyuki ihr Gesicht in ihren Händen. Sie weinte nicht, aber sie machte sich dennoch Vorwürfe.
„Wann ist das passiert? Wieso habe ich das alles so aus den Augen verloren? Er war doch so stark, wie kann das sein? Ich verstehe das nicht.“, flüsterte sie leise.

Langsam erhob sie sich aus ihrem Stuhl, sah zu dem Bild auf ihrem Fensterbrett. Es war ein Bild von ihrer Klasse, dem letzten Schultag. Irgendwo am Rand war sie zu sehen, Ryo hätte sie auf diesem Bild niemals übersehen können. Für einen kurzen Moment wurde ihr ein wenig übel, weshalb sie auf die Toilette ging. Dort öffnete sie kurz das Fenster, atmete frische Luft ein. Warum tat es immer noch so weh? Hatte sie nicht vor etwa einem Jahr damit abgeschlossen? Das Ganze war ihrer Meinung nach nur eine Schwärmerei gewesen, die sie mal hatte. Es war doch nur normal, dass sie schockiert reagierte, immerhin war sie über drei Jahre lang seine Mitschülerin gewesen. Der Himmel war an diesem Tag bewölkt, völlig grau. Nein, es musste weitergehen. Davon durfte sie sich nicht unterkriegen lassen. Ihr war bewusst, wie schwer es werden würde. Aber es war ihr Job und der war ihr wichtig. Mit diesem Gedanken wusch sie einmal gründlich ihr Gesicht, dachte noch kurz darüber nach und verließ den Waschraum. Vielleicht machte sie sich ja nur blöde Gedanken und das Ganze würde nicht so schlimm werden …
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Ich danke an dieser Stelle meiner Betaleserin Mitsuki Insanity. Mit dieser Geschichte hatte ich einfach mal Bock auf ein bisschen Drama, aber vor allem romantischen Kram. Außerdem ist es meine erste Fanfiktion im Yu-Gi-Oh! GX Fandom nach langer, langer Zeit. Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich das wirklich durchziehe. Ich schreibe zwar gerne Dramen, aber das war mir fast eine Nummer zu hart. Ich bin für Kritik übrigens sehr offen, da ich selbst schon sehr selbstkritisch bin, aber es hilft natürlich wenn andere auch sagen, was sie stört. Ansonsten hoffe ich, dass ich gut anfangen konnte und auch ein wenig weiter komme. Bis dann. ^^
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